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Des Riesen Kniekuhlen – eine Sage aus Niedersachsen

pixelio.de - Des Riesen Kniekuhlen

Das sind fünf gar tiefe Löcher nicht weit von Peine. Sie sind mit Riedgras überwachsen und so tief, dass noch kein Mensch sie ausgemessen hat. Sie kommen aber auch von einem Riesen her.

Der war einst am Blocksberg und suchte sich von den gewaltigen Steinblöcken, die da umherliegen, einen aus; der war turmhoch, und den packte er auf seine Schulter. Das drückte ihn aber nicht viel, und frisch marschierte er über Berg und Tal. Und weil er am liebsten geradeaus ging, so trat er mit weitem Schritt über die Oker, die durchs braunschweigische Land fließt, und über die andern Flüsse, welche ihm im Wege waren.

Als er jedoch bis Peine gekommen war, ging’s nicht recht mehr; denn, weil er mit seinem schweren Tritt immer tief in die Erde hineinfuhr, hatte er die Schuhe voll Sand bekommen. Er packte also den Stein mit der einen Hand ein wenig fester, zog mit der andern den Schuh ab und schüttelte den Sand dahin. Wie das polterte! Da könnten die Menschen wohl tausend Fuder wieder wegfahren, und es bliebe doch noch viel liegen.

Ein ganzer Berg war’s geworden, der heißt der Laubberg. Mit dem andern Schuh ging er noch eine Strecke weiter; bald musste er ihn aber auch ausschütten, und es ist wieder nichts Geringes gewesen; denn es stand abermals ein Berg da. Dem Riesen war’s leicht geworden, und er ging rüstig weiter und kam an ein Bächlein, das heißt Schwarzwasser, denn es sieht etwas trüb aus von Morast und Erdöl.

Den Bach achtete der Riese für nichts; aber, o weh! als er hinüberschritt, fiel er hin, so lang er war, und der Stein von seiner Schulter stürzte ihm über den Kopf hinweg. Zwei Löcher hatten seine Kniee in die Erde gedrückt, zwei die Ellenbogen und eins der Kopf.

Das sind die fünf Kuhlen, die noch kein Mensch ergründet hat. Der Stein war einen Büchsenschuss davon niedergefallen, tief in die Erde hinein, und nur die Spitze steht turmhoch hervor. Das ist der Viesenberg; von dem hacken die Leute schon Jahr und Tag, brechen hundert und hundert Fuder davon, und doch will er nicht all’ werden.

(Quietmeyer)

Verwendetes Bild ist von:
© M. Großmann/PIXELIO
www.pixelio.de

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