Die Reiter auf dem Holzberge – eine Sage aus Niedersachsen

Unweit Stadtoldendorf liegt der Holzberg, ein langgestreckter Höhenzug, der oben so gerade wie ein Dachfirst verläuft. Das Gelände an seinem Fuße steigt allmählich, dann immer steiler an, so dass an einigen Stellen, besonders im Nordwesten, das Gestein sich wie eine Mauer aus dem umgebenden Grün erhebt. Diese schroffen Felsen, an denen kein Busch und Baum haftet, heißen die Holzbergklippen.
Da haben einmal viele Reitersleute einen raschen Tod gefunden. Als zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges Tilly, der Feldherr des Kaiserlichen Heeres, mit seinen Truppen im Wesertale lag, durchstreiften seine Horden, weit und breit plündernd und Greuel verübend, das Land. Eine Schar Reiter kam auch einmal wieder nach Linnenkamp und nach den anderen Dörfern am Holzberge. Aber die schon so oft gequälten Bewohner wollten sich die Drangsale nicht länger gefallen lassen, griffen zu ihren Waffen und wehrten sich.
Ein Teil der Räuber wurde erschlagen. Die übrigen mussten fliegen und wurden, da ihnen unten der Weg versperrt war, den Holzberg hinangetrieben. Die Tillyschen Reiter erreichten den Wald, immer noch verfolgt von den wütenden Bauern.
Unbekannt mit der Höhe, jagten sie gerade auf die Klippen zu. Plötzlich sahen sie den Abgrund vor sich. Aber eine Umkehr war nicht mehr möglich, und Rosse und Reiter stürzten die steile Felswand hinunter.
(Theodor Voges)
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