Die Zeder und die anderen Bäume – eine Fabel von Leonardo da Vinci
In einem Garten, zusammen mit vielen anderen Bäumen, wuchs eine herrliche Zeder. Zu jeder Jahreszeit mehrte sich ihre Schönheit; ihre Spitze ragte in den Himmel, über alle Bäume hinaus.
"Räumt mir diesen Nussbaum aus dem Weg!" sprach die hochmütig gewordene Zeder. Und der Nussbaum fiel.
"Fort mit diesem Feigenbaum!" sagte die Zeder weiter. "Er langweilt mich." Und der Feigenbaum wurde gefällt.
"Befreit mich von diesen Apfelbäumen!" fuhr die Zeder fort, ihr Haupt in die Höhe reckend. Und die Apfelbäume wurden zum Mittag beseitigt.
So ließ die Zeder, ein ums andere Mal, alle anderen Bäume beseitigen, um alleiniger Herrscher des großen Gartens zu sein.
Aber eines Tages kam ein großer Wirbelsturm. Die so herrliche Zeder widerstand mit allen ihren Kräften und klammerte sich mit den langen Wurzeln an die Erde; aber der Sturm, dem keine anderen Bäume im Wege standen, bog sie und zerrrte an ihr. Und schließlich streckte er sie mit einem Krachen zu Boden.
Tags: Fabeln, Garten, Hochmut, Leonardo da Vinci, Sturm, Zeder














Liebe Dana,
eine wunderbare Fabel, die zeigt, dass man noch so stark sein kann. Wenn man nicht mit anderen zusammenhält, ist man verloren. Ich wusste gar nicht, dass Leonardo da Vinci Fabeln geschrieben hat.
So habe ich dank deines wunderschönen Märchenblogs schon etwas dazu gelernt!
Liebe Grüße
Ralf
Lieber Ralf,
danke für deinen Kommentar – der erste überhaupt im Märchenblog!!!
Leonardo da Vinci hinterließ mehr als 5000 Seiten mit den vielfältigsten Aufzeichnungen, z.B. über Malerei, Musik, Bronzeguss, Anatomie, Botanik, Vögel, Bewegungen des Wassers, Kanalbau, Festungen, Kriegsmaschinen, Optik und Perspektive, Architektur … Ein Zeichen für seinen ungeheuren
Wissensdurst. Als Künstler wie als Wissenschaftler war er gebannt von der Fülle der Wirklichkeit.
Diese Aufzeichnungen (in Spiegelschrift geschrieben) wurden leider aus Unwissenheit auseinandergerissen und später willkürlich wieder zusammen gefügt. Die erste Veröffentlichung erschien 1651 in Frankreich (”Traktat über die Malerei”). Weitere Versuche anderer Verlage folgten, doch erst 1824 erschien in Bologna eine Sammlung mit dem Titel: “Von der Natur, der Bewegung und dem Gewicht des Wassers”.
Seine Fabeln stellen nur einen ganz kleinen Teil seiner schriftlich festgehaltenen Gedanken und Beobachtungen dar. Er betrieb Pflanzen- soziologie und Verhaltensforschung bei Tieren und wir als Nachwelt können daran teilhaben!
“Die Weisheit ist die Tochter der Erfahrung.” Leonardo da Vinci
Viele Grüße
Dana