Der Christbaum der armen Kinder – eine Weihnachtsgeschichte
Sonntag, Dezember 20th, 2009
Kinder sind ein seltsames Volk: Sie drängen sich in Träume und Gedanken. Vor Weihnachten und dann wieder am Christabend selbst begegnete mir regelmäßig an einer bestimmten Straßenecke ein kleiner Junge. Trotz der grimmigen Kälte war er fast sommermäßig gekleidet. Er ging mit dem "Händchen", so lautet der technische Ausdruck, und er bedeutet betteln.
Den Ausdruck haben diese Jungen selbst erfunden. Solche Jungen wie er gibt es eine Menge, sie laufen einem überall in den Weg und jammern etwas Auswendiggelerntes. Dieser aber jammerte nicht und sprach auch unschuldig und außergewöhnlich, und seine Augen sahen mich voller Vertrauen an.
Solch ein junger Wildling weiß oft so gut wie nichts, weder in welchem Land er wohnt noch welcher Nation er angehört, ob es einen Gott gibt, einen Zaren oder – ja, man spricht von so viel Unwissenheit bei ihnen, dass man es kaum glauben kann. Und dennoch sind dies Tatsachen.
Doch ich bin ein Schriftsteller, und ich glaube, diese "Geschichte" habe ich selbst erfunden. Aber es scheint mir, dass sie irgendwann, irgendwo wirklich geschehen sei, am Christabend in einer großen Stadt und bei arger Kälte.
Ich sehe einen kleinen Jungen, der an jenem Tag in einem feuchten und kalten Keller erwachte. Er hatte nur ein altes Kittelchen an und zitterte vor Kälte. Er sah seinen Atem, der wie ein weißer Dampf seinem Mund entströmte, und da es langweilig war, auf dem Koffer im Winkel zu sitzen, so hauchte er immer wieder diesen Atem recht stark heraus und sah dann zu, wie der Dampf sich ballte und verschwand.
Aber er hatte Hunger und wollte etwas essen. Er war schon mehrmals zu der Lagerstätte gegangen, wo auf einem alten, dünnen Schlafsack, irgendein Bündel Kissen unter dem Kopf, seine kranke Mutter lag. Wie sie hierherkam? Vermutlich war sie mit ihrem Jungen aus einer anderen Stadt gekommen und hier erkrankt. Die Winkelvermieterin war schon vor zwei Tagen von der Polizei abgeführt worden, und die anderen Winkelmieter hatten sich verlaufen.
Auf dem Flur fand der Junge etwas zu trinken, aber eine Brotkruste war nirgends zu finden, und wieder versuchte er, seine Mutter aufzuwecken. Ihm wurde schließlich bange in der Dunkelheit: Es war schon längst dunkel geworden, aber niemand machte Licht. Als seine Hand das Gesicht der Mutter berührte, wunderte er sich, dass es so kalt war wie die Wand.
"Das ist hier aber mal kalt!" dachte er, und dabei fiel ihm sein Mützchen ein, das auf seinem Lager lag. Als er es aufgesetzt hatte, beschloss er, den Kellerraum zu verlassen. Und schon stand er draußen.
O Gott, was war das für eine Stadt! Dort, von wo er mit der Mutter gekommen war, war es so finster wie die Nacht. Die Fenster der niedrigen Häuser wurden abends mit Läden verschlossen; auf der Straße war, sobald nur die Dämmerung sank, niemand mehr zu sehen. Doch warm war es dort gewesen, und man hatte ihm zu essen gegeben. Hier aber – ach, wenn er doch nur etwas zu essen hätte! Und was ist das nur für Lärm und Gesumm, und wieviel Licht und Menschen und Pferde und Wagen – und die Kälte!
Aus den Nüstern der heißgejagten Tiere strömt weißer Dampf, durch den weichen, lockeren Schnee schlagen die Hufe zuweilen hellklingend auf das Steinpflaster. Und wie die Menschen sich alle drängen! Und, lieber Gott, wie gern er etwas essen würde, wenn auch nur ein kleines Stückchen, gleichviel was. Und die Finger schmerzen so sehr.

Und da ist wieder eine andere Straße. Da ist es aber wirklich schön. Aber was ist denn das? Oh, was für ein großes Fenster, und hinter dem Fenster ist ein Zimmer, und in diesem Zimmer ist ein Baum bis an die Decke, ein Christbaum, eine große Tanne, und an der flimmern so viel Flämmchen, so viele goldene Sachen und hängen Äpfel, und ringsum sind Püppchen und Pferde, und Kinder laufen im Zimmer umher, und alle sind sie so festlich gekleidet, so sauber und schön, und sie lachen und spielen und trinken und essen schönes Naschwerk.
Und da hört man auch Musik, durch die großen Scheiben hört man sie ganz deutlich. Der kleine Junge schaut und wundert sich, aber dann spürt er doch wieder, dass ihn die Hände so schmerzen, und er läuft weiter.
Wieder sieht er durch ein Fenster ein Zimmer. Dort sind mehrere solcher Bäume, aber nicht so große, und auf den Tischen sind lauter Kuchen, rote und gelbe und weiße und braune, und hinter dem langen Tisch stehen vier reichgekleidete Damen, und jedem, der an den Tisch kommt, geben sie von ihren schönen Kuchen. Die Tür öffnet sich jeden Augenblick und viele Menschen gehen von der Straße zu ihnen hinein. Der Junge steht und guckt; und wie die Tür sich wieder öffnet, da schlüpft auch er hinein.
Ach, wie man ihm böse ist, ihn anschreit und fortjagt! Eine von den Damen kommt schnell auf ihn zu, gibt ihm eine Kopeke, und dann öffnet sie ihm selbst die Tür und schickt ihn wieder hinaus auf die Straße … Wie er erschrak! Die Kopeke fiel ihm gleich aus der Hand und schlug klingend auf die Treppenstufe. Er konnte die blauroten Finger nicht mehr biegen, um sie zu halten.
So schnell er kann, läuft er weiter. Aber wohin? Er ist so traurig, so bitter traurig, darüber, dass er sich so allein und verlassen fühlt, und Bangigkeit will wieder über ihn kommen. Doch plötzlich – was gibt es dort wieder zu sehen? Da stehen die Menschen dicht gedrängt und staunen: Hinter großen Scheiben stehen drei kleine Puppen in roten und grünen Kleidchen, und ein alter Mann spielt auf einer großen Geige, zwei andere spielen auf kleinen Geigen und nicken dazu im Takt mit den Köpfen. Zuerst dachte das Kind, dass sie alle wirklich lebendig seien, als es aber dann erriet und sich überzeugte, dass es Püppchen waren, da musste es lachen. Solche Püppchen hatte der Kleine noch nie gesehen.
Plötzlich fühlte er, dass ihn jemand hinten am Röckchen packt: Ein großer Junge steht hinter ihm, haut ihn plötzlich auf den Kopf, reißt ihm das Mützchen ab und versetzt ihm einen derben Tritt. Der Kleine fällt hin. doch da schreit schon alles und schilt, dass ihm angst und bange wird und er aufspringt und läuft und läuft, bis die hellen Straßen hinter ihm liegen. Unter einem Hoftor kriecht er auf einen fremden Hof und hockt sich dort hinter einem Holzstapel hin. "Hier wird man mich nicht finden, und es ist auch dunkel", denkt er.

Und so hockt er ganz still und kauert sich zusammen und kann kaum noch atmen vor Angst. Aber plötzlich, ganz plötzlich, wird ihm so wohl, die Füße und Hände schmerzen nicht mehr, und ihm wird so warm wie auf einem Ofenbänkchen. "Ich werde hier noch ein Weilchen sitzen, und dann gehe ich wieder zu den Püppchen", denkt er und lächelt in Gedanken an sie. Und dann ist es ihm, als höre er auf einmal seine Mutter singen, ganz leise, aber er hört es doch. "Mama, ich schlafe – ach, wie ist es hier schön zu schlafen."
"Komm zu mir, zum Christbaum, es ist Weihnacht, Kind", flüstert über ihm eine Stimme. Er denkt, das wäre nun seine Mama, aber nein, das ist sie nicht. Wer rief ihn denn? Das sieht er nicht, aber jemand beugt sich über ihn und umfängt ihn in der Dunkelheit, und er streckt ihm die Hand entgegen – da plötzlich – oh, wieviel Licht! Welch ein Christbaum! Es leuchtet und strahlt alles um ihn, viele schöne Puppen überall – doch nein, das sind ja alles kleine Knaben und Mädchen. Sie schweben, sie küssen ihn, sie tragen ihn mit sich fort. Er fühlt, dass er schon schwebt – und dort, ja, dort ist seine Mama, die nickt und lächelt ihm selig zu.
"Mama! Mama! Ach, wie ist es hier schön, Mama!" ruft der Junge. Er umarmt die Kinder und will ihnen schnell alles von den Püppchen erzählen. "Wer seid ihr, Jungen, und wer seid ihr, Mädchen?" fragt er sie lachend und hat sie alle schon lieb. "Es ist hier Weihnacht beim Christkind", antworteten sie ihm, "das ist hier im Himmel immer ein Christfest für all die kleinen Kinder, die auf Erden keinen Christbaum haben." Und er erfährt, dass alle die Jungen und Mädchen einst auf Erden ebensolche Kinder waren wie er.
Die Mütter dieser Kinder stehen auch dort. Sie weinen, und eine jede erkennt ihren Jungen oder ihr Mädchen, die nun zu ihnen schweben und sie küssen. Sie wischen ihnen die Tränen mit ihren Händen von den Wangen und bitten sie, nicht zu weinen, denn sie hätten es jetzt ja so gut …
(Fjodor Michailowitsch Dostojewski, 1821-1881)
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Ein Maler malte Bilder für den König von Qi. Eines Tages fragte ihn der König:
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Dies waren die Ein- und Ausgänge der Zwerge zu ihren unterirdischen Behausungen; da sollen sie auf einer Leiter ein- und ausgestiegen sein. Im Innern des Berges hatten sie prächtige, geräumige Wohnungen und Säle, geschmückt mit den kostbarsten Geräten, schönen Bildern und Säulen aus Tropfstein, wie von Menschenhand gebildet, von farbigen Flammen erleuchtet und von den lieblichsten Düften durchweht. Auch schöne Brunnenquellen waren da und fließendes Wasser.
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