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Archive for the ‘Fabeln’ Category

Der Bauer und seine Söhne – eine Fabel nach Äsop

Mittwoch, September 1st, 2010

 

pixelio.de - Der Bauer und seine SöhneDie Söhne eines Bauern waren untereinander uneins. Da der Vater mit vielen Ermahnungen sie nicht dazu bringen konnte, sich zu ändern, entschloss er sich, ihnen eine greifbare Lehre zu geben.

Er forderte sie auf, ein Bündel Stäbe zu holen. Als das geschehen war, reichte er ihnen zuerst die Stäbe zusammen, mit der Aufforderung, sie zu zerbrechen. Auch mit aller Kraft brachten sie es nicht fertig. Da nahm er das Bündel auseinander und gab ihnen die Stäbe einzeln: sie zerbrachen sie mit Leichtigkeit.

Da sagte der Vater: "So ist es aber auch mit euch, meine Söhne: wenn ihr einig seid, wird euch kein Feind überwältigen; seid ihr aber unter euch zerfallen, ist es ihnen ein leichtes, euch zu bezwingen."

Diese Fabel lehrt, dass die Eintracht in dem Maß an Stärke überlegen ist, wie es leicht ist, die Zwietracht zu überwinden.

Verwendetes Bild ist von:
© Günter Havlena/www.pixelio.de

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Das Lamm im Tigerfell – eine altchinesische Fabel

Sonntag, Oktober 25th, 2009

 pixelio.de - Das Lamm im Tigerfell

Ein Lamm hüllte sich einmal in ein Tigerfell. Da trabte es nun dahin und blökte fröhlich beim Anblick des saftigen Grases; als es jedoch einen Wolf in der Ferne sah, fing es an allen Gliedern zu zittern an.

Das Lamm hatte nämlich ganz vergessen, dass es in einem Tigerfell steckte.

(Yang Xiong, 53-18 v.u.Z.)

Verwendetes Bild ist von:
© A. Liebhart/www.pixelio.de

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Der Esel auf Probe – eine Fabel nach Äsop

Donnerstag, September 17th, 2009

 pixelio.de - Der Esel auf Probe

Ein Mann kaufte einen Esel, aber nicht gleich endgültig, sondern er machte eine Probezeit aus. Als er mit ihm auf seinen Hof kam, wo schon mehrere Esel teils bei der Arbeit, teils bei der Abfütterung waren, ließ er ihn frei laufen. Sogleich trottete der neue Esel zu dem faulsten und gefräßigsten Gefährten und stellte sich zu ihm an die Futterkrippe.

Da legte ihm der Mann den Strick wieder um den Hals und brachte ihn dem bisherigen Besitzer zurück. "So schnell kannst du ihn doch gar nicht erprobt haben", wunderte sich der. "O, mir genügt, was ich gesehen und erfahren habe: Nach der Gesellschaft, die er sich ausgesucht hat, ist er ein übler Bursche!"

Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist!

Verwendetes Bild ist von:
© Joujou/www.pixelio.de

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Das Pferd und der Esel – eine Fabel nach Äsop

Donnerstag, September 17th, 2009

 

pixelio.de - Das Pferd und der EselEin Bauer trieb ein Pferd und einen Esel, beide gleichmäßig beladen, zu Markte. Als sie schon eine gute Strecke vorwärtsgegangen waren, fühlte der Esel seine Kräfte abnehmen.

"Ach", bat er das Pferd kläglich, "du bist viel größer und stärker als ich und doch hast du nicht schwerer zu tragen, nimm mir einen Teil meiner Last ab, sonst erliege ich." Hartherzig schlug ihm das Pferd seine Bitte ab: "Ich habe selbst meinen Teil und daran genug zu tragen."

Keuchend schleppte sich der Esel weiter, bis er endlich erschöpft zusammenstürzte. Vergeblich hieb der Herr auf ihn ein, er war tot. Es blieb nun nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels dem Pferde aufzupacken, und um doch etwas von dem Esel zu retten, zog ihm der Besitzer das Fell ab und legte auch dieses noch dem Pferde obenauf.

Zu spät bereute dieses seine Hartherzigkeit. "Mit leichter Mühe", so klagte es, "hätte ich dem Esel einen kleinen Teil seiner Last abnehmen und ihn vorm Tode retten können. Jetzt muss ich seine ganze Last und dazu noch seine Haut tragen."

Hilf zeitig, wo du helfen kannst. Hilf dem Nachbarn löschen, ehe das Feuer auch dein Dach ergreift.

Verwendetes Bild ist von:
© Maren Beßler/www.pixelio.de

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Eine Maus, ein Wiesel und eine Katze – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Sonntag, August 30th, 2009

 

pixelio.de - Eine Maus, ein Wiesel und eine KatzeAn diesem Morgen konnte die kleine Maus nicht aus ihrem Haus: Es war belagert.

Ein hungriges Wiesel lauerte ihr am Schlupfloch auf; von einem Spalt aus bemerkte sie das Wiesel, wie es gespannt die Öffnung überwachte, um sich auf sie zu stürzen. Das Mäuschen war sich der großen Gefahr bewusst und zitterte am ganzen Leibe vor Furcht.

Eine Katze jedoch stürzte sich unversehens auf das Wiesel, packte es am Genick und machte ihm den Garaus.

"Oh, Jupiter, ich danke dir!" seufzte das Mäuschen, das von seinem Loch aus die Szene beobachtet hatte. "Ich opfere dir gern ein paar von meinen Kernen!"

So, nach demütig erwiesenem Opfer, verließ die Maus ihr Versteck rasch, um die verlorene Freiheit wiederzufinden. Freilich – nur für einen Augenblick, weil die Ärmste ihre Freiheit zugleich mit dem Leben unter den reißenden Zähnen der Katze verlor.

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter Haugk www.pixelio.de

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Umzug einer Eule – eine altchinesische Fabel

Mittwoch, August 26th, 2009

 

"Wo willst du hin?" fragte die Turteltaube die Eule. "Ich ziehe nach dem Osten", sagte die Eule.

"Warum denn?" fragte die Taube. "Die Leute hier lieben mein Geheule nicht", antwortete die Eule.

"Da solltest du die Stimme ändern", riet die Turteltaube, "sonst werden dich die Leute im Osten schwerlich lieber haben."

pixelio.de - Umzug einer Eule

(Liu Xiang)

Verwendetes Bild ist von: © Jurec www.pixelio.de

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Der Bär – eine Fabel von Novalis

Freitag, August 7th, 2009

pixelio.de - Der Bär 

"Wohin, Gevatter Bär?", sprach ein Wolf zu einem wandernden Bären. "Ich suche mir eine andere Wohnung", antwortete er. "Du hattest ja aber eine schöne, geräumige Höhle, warum verlässt du sie?" "Der Löwe machte Ansprüche an dieselbe und ging an den Senat der Tiere." "Da brauchtest du dich nicht zu fürchten, du hattest ja eine gerechte Sache."

"Gegen Könige ist jede Sache ungerecht, Gevatter Wolf."

(Novalis, 1772-1801, eigentlich Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg)

Verwendetes Bild ist von:
© Peter Reinäcker/PIXELIO
www.pixelio.de

 

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Das Hähnchen, die Katze und das Mäuschen – eine Fabel

Freitag, August 7th, 2009

pixelio.de - Das Hähnchen, die Katze und das Mäuschen 

Ein junger Mäuserich hatte zum ersten Mal das Nest verlassen und war auf Wanderschaft gegangen. Ganz aufgeregt kehrte er zu seiner Familie zurück und sprudelte über von Neuigkeiten.

"Ich habe viele Berge übersprungen, ein großes Meer durchschwommen und einen langen Tunnel unter einer riesigen Mauer gegraben. Da stand ich auf einmal mitten in herrlich duftenden Kräutern. Als ich sie kosten wollte, störte mich ein seltsames Schnurren. Neugierig pirschte ich mich näher und linste vorsichtig hinter einem dicken Stein hervor.

pixelio.de - Das Hähnchen, die Katze und das MäuschenDa sah ich ein großes, hübsches Tier, das mit sanften Sprüngen einem kleinen Tierchen in der Luft nachjagte. Das große Tier hatte ein ganz weiches Fell und einen schönen, langen Schwanz und so freundlich leuchtende Augen, dass es mir sehr gefiel. ‘Ein großer Freund ist immer gut", sagte ich mir und wollte mit dem hübschen Tier Freundschaft schließen.

Gerade wollte ich meinen neuen Freund begrüßen, da brauste ein anderes, grässliches Tier herbei. Es hatte seine flattrigen Arme weit ausgebreitet und schlug mit ihnen kraftvoll auf und ab. Auf seinem Kopf wackelte ein blutroter Lappen grimmig hin und her. Sein Schwanz war viel zu kurz für den dicken Körper und sehr struppig.

pixelio.de - Das Hähnchen, die Katze und das MäuschenDas Schrecklichste an diesem hässlichen Tier war die Stimme. Denkt euch, in welcher Gefahr ich geschwebt habe. Mit grellen Schreien lief dieses furchtbare, zweibeinige Wesen plötzlich auf mich zu und wollte mich töten. Ich musste sofort fliehen. Schade, dass ich das hübsche, sanfte Tier nicht näher kennengelernt habe."

"Du dummes Kind", rief die Mausemutter entsetzt aus, "dein hübsches, sanftes Tier war eine Katze, unser ärgster Feind. Sie verfolgt uns, wo sie uns nur findet, und tötet uns auf grausame Art. Das Tier aber, vor dem du dich gefürchtet hast, war ein Hahn, der uns nichts tut. Er hat dir dieses Mal das Leben gerettet. Du darfst niemals danach urteilen, wie jemand aussieht. Oft verbirgt sich hinter einem sanften, schönen Gesicht ein boshafter Heuchler, der nur dein Verderben will."

(Jean de La Fontaine, 1621-1695)

Verwendete Bilder sind von:
© dieter haugk/PIXELIO (Bild 1)
© Bernardo Peters-Velasquez/PIXELIO (Bild 2)
© M.E./PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de
 

   

 

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Die Weide und die Rebe – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Mittwoch, August 5th, 2009

 

Die Weide ist ein Baum, der rasch und stark wächst. Man kann ihre Triebe mit dem bloßen Auge wachsen sehen; sie übertreffen spielend alle anderen Pflanzen.

pixelio.de - Die Weide und die RebeEines Tages wollte sich die Weide mit einer Rebe vermählen, um Gesellschaft zu haben. "Das ist dummes Zeug!" meinte eine andere Weide dazu. "Wir Weiden sind geboren, um zu wachsen und alle anderen Pflanzen zu überragen. Was wirst du tun mit einer Rebe an deiner Seite?"

Aber die Vermählung fand dennoch statt. Die Weide vereinigte sich mit der Rebe, oder besser: Sie ließ zu, dass die Rebe ihre Zweige an ihren Schaft anlehnte.

Die Rebe jedoch brachte schöne Weintrauben hervor, während die Weide ohne Früchte blieb. Darum meinte der Bauer, der beide eines Tages miteinander verbunden sah und nicht wollte, dass die Weide, wenn sie höher wuchs, die Rebe vielleicht entwurzelte, sie alle beide beschneiden zu sollen. So wurden Jahr um Jahr die stolzen Triebe der Weide von dem umsichtigen Bauern zurückgeschnitten, und die Weide verkrüppelte und diente lediglich dazu, die Trauben seiner glücklichen Gefährtin abzustützen.

Verwendetes Bild ist von:
© M. Großmann/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Hahn und der Fuchs – eine Fabel

Donnerstag, Juli 30th, 2009

 

pixelio.de - Der Hahn und der FuchsIn einer kalten Winternacht kroch ein hungriger Fuchs aus seinem Bau und ging dem Fange nach. Da hörte er auf einem Meierhofe einen Hahn fort und fort krähen, der saß auf einem Kirschbaum und hatte schon die ganze Nacht gekräht.

Jetzt strich der Fuchs hin nach dem Baum und fragte: "Herr Hahn, was singst du in dieser kalten und finstern Nacht?" Der Hahn sprach. "Ich verkünde den Tag, dessen Kommen meine Natur mich erkennen lehrt." Darauf versetzte der Fuchs: "O Hahn, so hast du etwas Göttliches in dir, dass du zukünftig kommende Dinge weißt!", und alsbald begann der Fuchs zu tanzen.

Jetzt fragte der Hahn: "Herr Fuchs, warum tanzest du?"

pixelio.de - Der Hahn und der FuchsIhm antwortete der Fuchs: "So du singest, o weiser Meister, so ist billig, dass ich tanze, denn es ziemet, sich zu freuen mit den Fröhlichen. O Hahn, du edler Fürst aller Vögel, du bist nicht allein begabt zu fliegen in den Lüften, nein, auch hohe Prophetengaben lieh dir die Natur! O wie bevorzugte sie dich vor allen andern Tieren! Wie glücklich wär ich, gönntest du mir deine Gunst! Wie gerne küsst’ ich dein Weisheit durchdrungenes verehrtes Haupt! O wie beneidenswert, wenn ich dann künden könnte meinen Freunden: Ich war der Glückliche, dem ein Prophet sein Haupt zum Kusse hingeneigt!"

Der alberne Hahn glaubte dem Schmeichelwort des Fuchses, flog vom Baum und hielt ihm seinen Kopf zum Küssen hin. Mit einem Schnapper war er abgebissen und lachend sprach der Fuchs: "Ich habe den Propheten ohne alle Vernunft befunden."

(Ludwig Bechstein, 1801-1860)

Verwendete Bilder sind von:
© Joujou/PIXELIO (Bild 1)
© Thommy Weiss/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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