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Archive for the ‘Fabeln’ Category

Die beiden Magnetnadeln – eine Fabel

Mittwoch, August 3rd, 2011

 

pixelio.de - Die beiden MagnetnadelnZwei Magnetnadeln waren frei neben einander aufgehängt, nahe genug sich wechselweise zu ziehen, und mit ihren Spitzen zusammen zu kommen. Dieses bemerkte ein Knabe und wollte die Spitzen trennen, sie zogen sich aber immer wieder an und schienen sich besonders zu lieben.

Was ist die Ursache, fragte er den Informator, dass diese Spitzen nicht von einander wollen? Dieser erklärte ihm hierauf kurz die ersten Eigenschaften der Magneten und schloß damit, daß diese Spitzen, die sich hier so zu küssen schienen, die ungleichnamigen Pole dieser Magnete wären. Das ist aber doch schade, erwiderte der Knabe, dass diese Dinge, die so sehr zusammen zu gehören scheinen, so entgegengesetzte Namen führen; machen Sie sie doch gleichnamig, das klingt ja freundschaftlicher. Mit einem einzigen Strich machte der Informator eben diese beiden Spitzen gleichnamig, und nun wendeten sie sich den Rücken und stießen einander ab.

Solange Herr v.A. und das Fräulein v.B. ungleichnamig waren, zogen sie sich wechselweise an, jetzt da sie vor dem Altar gleichnamig geworden sind, stoßen sie sich ab.

(Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799)

Verwendetes Bild ist von:
© Bernd Wachtmeister/www.pixelio.de

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Das Kind und der Hund – eine Fabel

Mittwoch, April 6th, 2011

 pixelio.de - Das Kind und der Hund

Ein Kind, welches ein Stück Brot in der Hand hatte, fiel auf dem Eise. Flugs sprang ein Hund herbei, nahm das Brot und lief davon.

"Schändlicher Räuber!" rief Phädrus entrüstet aus, "den Gefallenen zu bestehlen! Doch", fuhr er nach einer Erholungspause fort – "es ist ja Menschensitte."

(Johann Friedrich August Kazner, 1732-1798)

Verwendetes Bild ist von:
© Verena N./www.pixelio.de

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Der alte und der junge Stier – eine Fabel

Mittwoch, April 6th, 2011

 

Der alte und der junge StierEin junger Stier, welcher kaum wenige Tage zuvor in den Pflug gespannt worden, begegnete einem alten Stier des Nachbars und sah ganz traurig zur Erden.

"Was fehlt dir?" fragte dieser. "Ach, ich Elender!" versetzte jener. "Gestern spannte mich mein Herr in den Pflug. Ich zog ihn den ganzen Tag unablässig. Ich arbeitete über meine Kräfte. Und mein Herr sprach, als er mich ausspannte, nichts als kaltsinnig die Worte: ‘Es ist schon gut’.

Heut, als ich auf die Weide ging, schritt ich aus Mattigkeit nebenaus in sein Kleefeld und zertrat eine Handvoll Futter. Da hättest du ihn sollen fluchen hören!"

"Du kennst unsere Herrscher noch nicht", sprach der alte Stier, "sonst müsstest du schon wissen, dass alles, was wir ihnen tun, nur Schuldigkeit, alles andere aber unverzeihliche Fehler heiße."

Bei Gott! Diese Stiere waren nicht die Stiere gemeiner Bauren!

(Johann Friedrich August Kazner, 1732-1798)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Anton Braith, 1836–1905 – gemeinfrei)

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Die getigerte Katze und der Affe – eine Fabel

Montag, März 21st, 2011

 

pixelio.de - Die getigerte Katze und der AffeEin Affe sah eine getigerte Katze auf der Straße und rief ihr nach: "Seht doch, wie die Törin daherschwänzt! Sie spielt den Tiger leibhaftig und ist doch nichts mehr und nichts weniger als eine Hauskatze."

"Viel Ehre für mich", erwiderte Murner, "dass du mich mit dem großen Stiefbruder vergleichst, den ich nicht kenne. Den Bau meines Körpers, meinen Balg und meinen Gang schenkte mir Mutter Natur. Aber dir kann ich’s verzeihen, dass du es für Nachahmung ausgibst."

(Johann Friedrich August Kazner, 1732-1798)

Verwendetes Bild ist von:
© Janina Scholz/www.pixelio.de

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Die Eiche und das Schwein – eine Fabel

Sonntag, März 20th, 2011

pixelio.de - Die Eiche und das Schwein 

Ein gefräßiges Schwein mästete sich, unter einen hohen Eiche, mit der herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge.

"Undankbares Vieh!" rief endlich der Eichbaum herab. "Du nährest dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten."

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: "Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Ibefisch/www.pixelio.de

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Der Affe und der Fuchs – eine Fabel

Samstag, März 19th, 2011

 

Der Affe und der Fuchs"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!" so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: "Und du, nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen."

Schriftsteller meiner Nation! – Muss ich mich noch deutlicher erklären?

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Scherenschnitt: Gotthold Ephraim Lessings Silhouette aus schwarzem Papier auf hellem, handgeschöpftem Papier um 1780 – gemeinfrei)

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Der Hirsch und der Fuchs – ein Lehrgedicht

Samstag, März 19th, 2011

 pixelio.de - Der Hirsch und der Fuchs

"Hirsch, wahrlich, das begreif ich nicht",
hört ich den Fuchs zum Hirsche sagen,
"wie dir der Mut so sehr gebricht?
Der kleinste Windhund kann dich jagen.
Besieh dich doch, wie groß du bist!
Und sollt es dir an Stärke fehlen?
Den größten Hund, so stark er ist,
kann dein Geweih mit einem Stoß entseelen.
Uns Füchsen muss man wohl die Schwachheit übersehn;
wir sind zu schwach zum Widerstehn.

Doch dass ein Hirsch nicht weichen muss,
ist sonnenklar. Hör meinen Schluss.
Ist jemand stärker als sein Feind,
der braucht sich nicht vor ihm zurückzuziehen;
du bist den Hunden nun weit überlegen, Freund:
und folglich darfst du niemals fliehen."

"Gewiss, ich hab es nie so reiflich überlegt.
Von nun an"
, sprach der Hirsch, "sieht man mich unbewegt,
wenn Hund’ und Jäger auf mich fallen;
nun widersteh ich allen."

Zum Unglück, dass Dianens Schar
so nah mit ihren Hunden war.
Sie bellen, und sobald der Wald
von ihrem Bellen widerschallt,
fliehn schnell der schwache Fuchs und starke Hirsch davon.

Natur tut allzeit mehr als Demonstration.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Kurt Bouda/www.pixelio.de

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Der Habicht und die Taube – eine Fabel

Montag, Februar 28th, 2011

pixelio.de - Der Habicht und die Taube 

Der Habicht war krank geworden. "Es ist eine Strafe meiner Sünden!" sprach er. "Von nun an sei Friede zwischen mir und allen Vögeln!"

Kaum hatte er es gesagt, so flatterte eine Taube bei ihm vorbei. "Nur diese noch!" sprach er und erwürgte sie.

Der ewige Friede!

(Christian August Fischer, 1771-1829)

Verwendetes Bild ist von:
© Domino/www.pixelio.de

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Der Esel mit dem Löwen – eine Fabel

Montag, Februar 28th, 2011

 

pixelio.de - Der Esel mit dem LöwenAls der Esel mit dem Löwen des Äsopus, der ihn statt seines Jägerhorns brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein andrer Esel von seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: "Guten Tag, mein Bruder!"

"Unverschämter!" war die Antwort.

"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit einem Löwen gehst, besser als ich? Mehr als ein Esel?"

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Susanne und Giovanni Romano
www.pixelio.de

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Der Löwe mit dem Esel – eine Fabel

Montag, Februar 28th, 2011

 

pixelio.de - Der Löwe mit dem EselAls des Äsopus Löwe mit dem Esel, der ihm durch seine fürchterliche Stimme die Tiere sollte jagen helfen, nach dem Walde ging, rief ihm eine nasenweise Krähe von dem Baume zu: "Ein schöner Gesellschafter! Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?

"Wen ich brauchen kann", versetzte der Löwe, "dem kann ich ja wohl meine Seite gönnen."

 

So denken die Großen alle, wenn sie einen Niedrigen ihrer Gemeinschaft würdigen.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Templermeister/www.pixelio.de

 

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