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Archive for the ‘Arthur Schopenhauer’ Category

Die Oase – eine Fabel

Montag, Februar 21st, 2011

pixelio.de - Die Oase 

Eine schöne, grünende und blühende Oasis sah um sich und erblickte nichts als die Wüste ringsumher. Vergebens suchte sie ihresgleichen gewahr zu werden. Da brach sie in Klagen aus: "Ich unglückliche, vereinsamte Oasis! Allein muss ich bleiben! Nirgends meinesgleichen! Ja, nirgends auch nur ein Auge, das mich sähe und Freude hätte an meinen Wiesen, Quellen, Palmbäumen und Gesträuchen! Nichts als die traurige, sandige, felsige, leblose Wüste umgibt mich. Was helfen mir alle meine Vorzüge, Schönheiten und Reichtümer in dieser Verlassenheit!"

Da sprach die alte, graue Mutter Wüste: "Mein Kind, wenn dem anders wäre, wenn ich nicht die traurige, dürre Wüste wäre, sondern blühend, grün und belebt, dann wärst du keine Oase, kein begünstigter Fleck, von dem, noch in der Ferne, der Wanderer rühmend erzählt; sondern wärst eben ein kleiner Teil von mir und als solcher verschwindend und unbemerkt. Darum also ertrage in Geduld, was die Bedingung deiner Auszeichnung und deines Ruhmes ist."

(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Kathy1976/www.pixelio.de

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Die Feldblume – eine Fabel

Montag, Februar 21st, 2011

pixelio.de - Die Feldblume 

Ich fand eine Feldblume, bewunderte ihre Schönheit, ihre Vollendung in allen Teilen und rief aus: "Aber alles dieses, in ihr und Tausenden ihresgleichen, prangt und verblüht, von niemandem betrachtet, ja, oft von keinem Auge auch nur gesehn."

Sie aber antwortete: "Du Tor! meinst du, ich blühe, um gesehen zu werden? Meiner und nicht der andern wegen blühe ich, weil’s mir gefällt: darin, dass ich blühe und bin, besteht meine Freude und meine Lust."

(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© CHEck/www.pixelio.de

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Die Stachelschweine – eine Fabel

Dienstag, Juni 23rd, 2009

 

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder voneinander entfernte.

Wenn nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

pixelio.de - Die Stachelschweine

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen und widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab.

Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: "Keep your distance!" - Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

(Arthur Schopenhauer, 1788-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Brigitte Heinen/PIXELIO
www.pixelio.de

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