Archive for the ‘Äsop’ Category
Donnerstag, November 11th, 2010

Ein Kranker, vom Arzt nach seinem Befinden gefragt, sagte, er habe unheimlich geschwitzt. Worauf der Arzt meinte, das sei ein Glück. Als er das zweitemal gefragt wurde, wie es ihm gehe, gab er an, er sei von einem Fieberschauer gepackt und richtig geschüttelt worden. "Auch das", sagte der Arzt, "ist ein Glück!" Als er zum drittenmal kam und sich nach dem Stand der Krankheit erkundigte, hatte der Kranke, wie er sagte, Wasser. Doch der Arzt beruhigte ihn: "Auch das ist ein Glück!"
Da kam auch ein Verwandter und wollte wissen, wie es gehe. "Vor lauter Glück", sagte er, "geht es mit mir jetzt zu Ende."
So ist es auch bei vielen Menschen: von ihren Nachbarn werden sie nach dem äußeren Schein auf Grund von Dingen für glücklich gehalten, über die sie selber bei sich sehr unglücklich sind.
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© Thorben Wengert/www.pixelio.de
Tags: Arzt, Äsop, Fabel, Glück, Krankheit, Schein
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Donnerstag, November 11th, 2010

Ein Arzt behandelte einen Kranken. Als er starb, sagte er zu den Leichenträgern: "Wenn er nicht getrunken hätte und wenn er für gute Verdauung gesorgt hätte, wäre dieser Mann nicht gestorben."
Da fiel ihm einer, der dabei war, ins Wort: "Mein Lieber, das dürftest du nicht jetzt sagen, wo es keinen Zweck mehr hat, das musstest du ihm damals raten, als er noch für Verdauung sorgen konnte!"
Die Fabel zeigt, dass man den Freunden helfen soll, wenn sie es nötig haben, nicht aber sie lächerlich machen, wenn keiner mehr helfen kann.
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© karrenbrock.de/www.pixelio.de
Tags: Arzt, Äsop, Fabel, Freundschaft, Hilfe, Not
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Donnerstag, November 11th, 2010

Einem Fuchs war von der Falle der Schwanz abgeschlagen worden. Da er sich dessen schämte und das Leben für nicht mehr lebenswert hielt, dachte er: ich muss auch die andern Füchse dazu bringen, dass sie sich den Schwanz abschneiden; wenn alle die gleiche körperliche Verstümmelung haben, verberge ich damit meine eigene.
So rief er denn alle zu einer Versammlung und redete ihnen zu, sich den Schwanz abzuschneiden. "Ganz abgesehen davon, dass er unschön ist", sagte er, "ist es auch noch eine überflüssige Last, die ihr mitschleppt." Da fiel ihm einer von ihnen in die Rede und sagte: "Aber wenn es nicht dein Vorteil wäre, würdest du uns den Vorschlag nicht machen!"
Die Fabel passt auf Leute, die ihrem Nachbarn gute Ratschläge geben, nicht aus Wohlwollen, sondern weil sie selbst ihren Vorteil dabei finden.
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© Dieter/www.pixelio.de
Tags: Äsop, Berechnung, Eigennutz, Fabeln, Fuchs
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Donnerstag, November 11th, 2010

Ein Hund sprang in die Küche eines Metzgers, und während der Mann zu tun hatte, packte er ein Gehirn und nahm damit Reißaus.
Als der Metzger sich umdrehte und ihn laufen sah, sprach er: "Warte nur, du Spitzbube, vor dir werde ich mich jetzt überall in acht nehmen! Du hast mir kein Gehirn weggenommen, sondern eins gegeben."
Die Lehre der Fabel: durch Schaden wird man klug.
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Tags: Äsop, Diebstahl, Erfahrung, Fabel, Fabeln, Gehirn, Hund, Metzger, Schaden
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Donnerstag, Oktober 21st, 2010
Ein Hund schlief vor einem Gehöft. Da gewahrte ihn der Wolf, packte ihn und war drauf und dran, ihn aufzufressen. Da bat er dringend, ihn für jetzt noch einmal leben zu lassen: "Jetzt bin ich noch dünn und schmächtig", sagte er, "aber meine Herrschaft wird demnächst eine Hochzeit geben. Wenn du mich also jetzt am Leben lässt, dann hast du nachher einen fetteren Bissen an mir."
Der Wolf ließ sich bereden und gab ihn für jetzt frei, kam aber nach einigen Tagen wieder. Als er nun den Hund oben auf dem Haus schlafen sah, rief er ihn mit Berufung auf ihre Abmachung herunter … Der fiel ihm aber ins Wort und sprach: "Mein lieber Wolf, wenn du mich wieder einmal vor dem Gehöft schlafen siehst, dann warte nicht weiter die Hochzeit ab!"
So machen es auch verständige Menschen: wenn sie einmal einer Gefahr entronnen sind, nehmen sie sich später in acht.
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© Wandersmann (Bildtitel: Heul doch!
)
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Tags: Äsop, Chance, Diplomatie, Erfahrung, Fabel, Fabeln, Gefahr, Hund, Klugheit, Schutz, Selbstschutz, Sicherheit, Wolf
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Donnerstag, Oktober 21st, 2010
Eine alte Frau, die eine Augenkrankheit hatte, ließ gegen Zusicherung eines festen Honorars den Arzt kommen. Er besuchte sie, und wenn er sie eingerieben hatte und ihre Augen geschlossen waren, nahm er jedesmal – während der ganzen Zeit der Behandlung – ein Stück von der Einrichtung im Haus mit fort.
Als nichts mehr da war und er die Frau geheilt hatte, forderte er das ausgedungene Honorar. Da sie es nicht bezahlen wollte, kam die Sache vor Gericht. Die alte Frau erklärte, sie habe ihm das Honorar zugesichert, wenn er ihre Augen heile; sie seien aber infolge der Behandlung schlechter geworden, als sie vorher waren. "Denn damals", sagte sie, "habe ich noch die ganze Einrichtung in meinem Haus gesehen, jetzt aber kann ich nichts mehr sehen!"
So geht es schlechten Menschen; in ihrer Habgier merken sie gar nicht, dass sie gegen sich selbst die Beweise liefern.
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© BirgitH/www.pixelio.de
Tags: Amtsmissbrauch, Äsop, Augen, Ausnutzung, Berechnung, Betrug, Diebstahl, Fabel, Fabeln, Habgier, Schaden, Vorteilsdenken
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Donnerstag, Oktober 21st, 2010
Als Zeus die Menschen hervorbrachte, da hatten sie alles andre, was jetzt ihr Vorzug ist, nur Eros wohnte noch nicht in ihren Seelen, sondern hatte noch die Flügel, die ihn hoch dahintrugen. Sein Bereich war der Himmel, und seine Pfeile richtete er nur auf die Götter.
Da fürchtete Zeus, dass ihm sein schönstes Geschöpf zugrunde gehe, und er schickte den Eros zum Menschengeschlecht, um über es zu wachen. Dieser nahm die Entscheidung des Zeus an. Sich aber in allen Seelen niederzulassen und jede kaum fertige und ungeweihte Wohnung gleicherweise in Besitz zu nehmen, davon wollte er nichts wissen, sondern die vielen Herdenseelen überließ er den gemeinen Eroten, den Söhnen der Nymphen, zur Weide, er selbst siedelte sich in den göttlichen und himmlischen Seelen an, und indem er diese zur Liebesraserei entflammte, hat er sich tausendfaches Verdienst um das Menschengeschlecht erworben.
Wenn du daher einen von schwerfälligem Wesen siehst, stumpf und schwerbeweglich in der Freundschaft, dann denke daran, dass in dem der eine Eros noch nicht eingekehrt ist. Wenn aber einer heiß und leidenschaftlich, einer Flamme gleich, zu Liebe und Freundschaft stürmt, wisse, dass dies ein Gastgeschenk jenes Eros ist.
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Wikipedia (Peter Paul Rubens, Amor schnitzt den Bogen, 1614, Alte Pinakothek in München – gemeinfrei)
Tags: Äsop, Eros, Eroten, Fabel, Fabeln, Freundschaft, Götter, Leidenschaft, Liebe, Menschen, Menschheit, Pfeil, Pfeile, Seele, Zeus
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Mittwoch, September 1st, 2010
Die Söhne eines Bauern waren untereinander uneins. Da der Vater mit vielen Ermahnungen sie nicht dazu bringen konnte, sich zu ändern, entschloss er sich, ihnen eine greifbare Lehre zu geben.
Er forderte sie auf, ein Bündel Stäbe zu holen. Als das geschehen war, reichte er ihnen zuerst die Stäbe zusammen, mit der Aufforderung, sie zu zerbrechen. Auch mit aller Kraft brachten sie es nicht fertig. Da nahm er das Bündel auseinander und gab ihnen die Stäbe einzeln: sie zerbrachen sie mit Leichtigkeit.
Da sagte der Vater: "So ist es aber auch mit euch, meine Söhne: wenn ihr einig seid, wird euch kein Feind überwältigen; seid ihr aber unter euch zerfallen, ist es ihnen ein leichtes, euch zu bezwingen."
Diese Fabel lehrt, dass die Eintracht in dem Maß an Stärke überlegen ist, wie es leicht ist, die Zwietracht zu überwinden.
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© Günter Havlena/www.pixelio.de
Tags: Äsop, Bauer, Einigkeit, Fabel, Gemeinschaft, Söhne, Stärke, Zusammenhalt
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Donnerstag, September 17th, 2009

Ein Mann kaufte einen Esel, aber nicht gleich endgültig, sondern er machte eine Probezeit aus. Als er mit ihm auf seinen Hof kam, wo schon mehrere Esel teils bei der Arbeit, teils bei der Abfütterung waren, ließ er ihn frei laufen. Sogleich trottete der neue Esel zu dem faulsten und gefräßigsten Gefährten und stellte sich zu ihm an die Futterkrippe.
Da legte ihm der Mann den Strick wieder um den Hals und brachte ihn dem bisherigen Besitzer zurück. "So schnell kannst du ihn doch gar nicht erprobt haben", wunderte sich der. "O, mir genügt, was ich gesehen und erfahren habe: Nach der Gesellschaft, die er sich ausgesucht hat, ist er ein übler Bursche!"
Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist!
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© Joujou/www.pixelio.de
Tags: Äsop, Esel, Fabel, Probe
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Donnerstag, September 17th, 2009
Ein Bauer trieb ein Pferd und einen Esel, beide gleichmäßig beladen, zu Markte. Als sie schon eine gute Strecke vorwärtsgegangen waren, fühlte der Esel seine Kräfte abnehmen.
"Ach", bat er das Pferd kläglich, "du bist viel größer und stärker als ich und doch hast du nicht schwerer zu tragen, nimm mir einen Teil meiner Last ab, sonst erliege ich." Hartherzig schlug ihm das Pferd seine Bitte ab: "Ich habe selbst meinen Teil und daran genug zu tragen."
Keuchend schleppte sich der Esel weiter, bis er endlich erschöpft zusammenstürzte. Vergeblich hieb der Herr auf ihn ein, er war tot. Es blieb nun nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels dem Pferde aufzupacken, und um doch etwas von dem Esel zu retten, zog ihm der Besitzer das Fell ab und legte auch dieses noch dem Pferde obenauf.
Zu spät bereute dieses seine Hartherzigkeit. "Mit leichter Mühe", so klagte es, "hätte ich dem Esel einen kleinen Teil seiner Last abnehmen und ihn vorm Tode retten können. Jetzt muss ich seine ganze Last und dazu noch seine Haut tragen."
Hilf zeitig, wo du helfen kannst. Hilf dem Nachbarn löschen, ehe das Feuer auch dein Dach ergreift.
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© Maren Beßler/www.pixelio.de
Tags: Äsop, Einsicht, Esel, Fabel, Hilfe, Last, Pferd
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