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Archive for the ‘Gotthold Ephraim Lessing’ Category

Die Eiche und das Schwein – eine Fabel

Sonntag, März 20th, 2011

pixelio.de - Die Eiche und das Schwein 

Ein gefräßiges Schwein mästete sich, unter einen hohen Eiche, mit der herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge.

"Undankbares Vieh!" rief endlich der Eichbaum herab. "Du nährest dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten."

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: "Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Ibefisch/www.pixelio.de

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Der Affe und der Fuchs – eine Fabel

Samstag, März 19th, 2011

 

Der Affe und der Fuchs"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!" so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: "Und du, nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen."

Schriftsteller meiner Nation! – Muss ich mich noch deutlicher erklären?

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Scherenschnitt: Gotthold Ephraim Lessings Silhouette aus schwarzem Papier auf hellem, handgeschöpftem Papier um 1780 – gemeinfrei)

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Der Hirsch und der Fuchs – ein Lehrgedicht

Samstag, März 19th, 2011

 pixelio.de - Der Hirsch und der Fuchs

"Hirsch, wahrlich, das begreif ich nicht",
hört ich den Fuchs zum Hirsche sagen,
"wie dir der Mut so sehr gebricht?
Der kleinste Windhund kann dich jagen.
Besieh dich doch, wie groß du bist!
Und sollt es dir an Stärke fehlen?
Den größten Hund, so stark er ist,
kann dein Geweih mit einem Stoß entseelen.
Uns Füchsen muss man wohl die Schwachheit übersehn;
wir sind zu schwach zum Widerstehn.

Doch dass ein Hirsch nicht weichen muss,
ist sonnenklar. Hör meinen Schluss.
Ist jemand stärker als sein Feind,
der braucht sich nicht vor ihm zurückzuziehen;
du bist den Hunden nun weit überlegen, Freund:
und folglich darfst du niemals fliehen."

"Gewiss, ich hab es nie so reiflich überlegt.
Von nun an"
, sprach der Hirsch, "sieht man mich unbewegt,
wenn Hund’ und Jäger auf mich fallen;
nun widersteh ich allen."

Zum Unglück, dass Dianens Schar
so nah mit ihren Hunden war.
Sie bellen, und sobald der Wald
von ihrem Bellen widerschallt,
fliehn schnell der schwache Fuchs und starke Hirsch davon.

Natur tut allzeit mehr als Demonstration.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Kurt Bouda/www.pixelio.de

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Der Esel mit dem Löwen – eine Fabel

Montag, Februar 28th, 2011

 

pixelio.de - Der Esel mit dem LöwenAls der Esel mit dem Löwen des Äsopus, der ihn statt seines Jägerhorns brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein andrer Esel von seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: "Guten Tag, mein Bruder!"

"Unverschämter!" war die Antwort.

"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit einem Löwen gehst, besser als ich? Mehr als ein Esel?"

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Susanne und Giovanni Romano
www.pixelio.de

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Der Löwe mit dem Esel – eine Fabel

Montag, Februar 28th, 2011

 

pixelio.de - Der Löwe mit dem EselAls des Äsopus Löwe mit dem Esel, der ihm durch seine fürchterliche Stimme die Tiere sollte jagen helfen, nach dem Walde ging, rief ihm eine nasenweise Krähe von dem Baume zu: "Ein schöner Gesellschafter! Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?

"Wen ich brauchen kann", versetzte der Löwe, "dem kann ich ja wohl meine Seite gönnen."

 

So denken die Großen alle, wenn sie einen Niedrigen ihrer Gemeinschaft würdigen.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Templermeister/www.pixelio.de

 

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Der junge und der alte Hirsch – eine Fabel

Sonntag, Februar 27th, 2011

 

Der junge und der alte HirschEin Hirsch, den die gütige Natur Jahrhunderte leben lassen, sagt einst zu einem seiner Enkel: "Ich kann mich der Zeit noch sehr wohl erinnern, da der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden hatte."

"Welche glückliche Zeit muss das für unser Geschlecht gewesen sein!" seufzete der Enkel.

"Du schließest zu geschwind!" sagte der alte Hirsch. "Die Zeit war anders, aber nicht besser. Der Mensch hatte da, anstatt des Feuerrohres, Pfeile und Bogen; und wir waren ebenso schlimm daran als itzt."

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Der Rabe und der Fuchs – eine Fabel

Sonntag, Februar 27th, 2011

 pixelio.de - Der Rabe und der Fuchs

Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen fort.

Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des Jupiters!"

"Für wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Für wen ich dich ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der täglich von der Rechte des Zeus auf diese Eiche herab kömmt, mich Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich zu schicken noch fortfährt?"

Der Rabe erstaunte und freuete sich innig, für einen Adler gehalten zu werden. Ich muss, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtume nicht bringen. Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog stolz davon.

Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.

Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte Schmeichler!

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Pambieni/www.pixelio.de

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Der Rabe – eine Fabel

Sonntag, Februar 27th, 2011

 

pixelio.de - Der RabeDer Fuchs sah, dass der Rabe die Altäre der Götter beraubte und von ihren Opfern mit lebte.

Da dachte er bei sich selbst: Ich möchte wohl wissen, ob der Rabe Anteil an den Opfern hat, weil er ein prophetischer Vogel ist, oder ob man ihn für einen prophetischen Vogel hält, weil er frech genug ist, die Opfer mit den Göttern zu teilen.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Gabi Schönemann/www.pixelio.de

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Der Adler – eine Fabel

Donnerstag, Februar 24th, 2011

pixelio.de - Der Adler

Man fragte den Adler: "Warum erziehest du deine Jungen so hoch in der Luft?"

Der Adler antwortete: "Würden sie sich, erwachsen, so nahe zur Sonne wagen, wenn ich sie tief an der Erde erzöge?"

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© Joujou/www.pixelio.de

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Der Esel und der Wolf – eine Fabel

Donnerstag, Februar 24th, 2011

pixelio.de - Der Esel und der Wolf 

Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe. "Habe Mitleiden mit mir", sagte der zitternde Esel; "ich bin ein armes krankes Tier; sieh nur, was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!"

"Wahrhaftig, du dauerst mich", versetzte der Wolf. "Und ich finde mich in meinem Gewissen verbunden, dich von diesen Schmerzen zu befreien."

Kaum war das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729 – 1781)

Verwendetes Bild ist von:
© S. Hofschlaeger/www.pixelio.de

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