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Archive for the ‘Josef Haltrich’ Category

Der Hahn, der Regenwurm, der Fuchs und der Bauer – eine Fabel

Mittwoch, Juni 24th, 2009

 

pixelio.de - Der Hahn, der Regenwurm, der Fuchs und der BauerEin Hahn schnappte vom Mist einen Regenwurm auf, der zitterte und zappelte verzweifelt und rief: "Pardon! Schone mein." "Nur nicht so ängstlich!", sprach der Hahn. "Es hilft doch zu nichts!", und verschlang den Regenwurm.

Den Hahn aber packte sogleich ein Fuchs, der unbemerkt herangeschlichen war, und biss ihm den Kopf ab, indem er sprach: "Das zum Lohn für deine Grausamkeit!"

Kaum hatte der Fuchs dieses ausgesprochen, so hatte ihn der Bauer, der auf denselben gelauert, auch im Genick erfasst, erwürgte ihn und rief: "Her deinen Pelz, du Schleicher; wie kannst du es wagen, auf meinem Eigentum peinliches Gericht zu halten?"

(Josef Haltrich, 1822-1886)

Verwendetes Bild ist von:
© Typecosmic/PIXELIO
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Der Fuchs und die Kohlmeise – eine Fabel von Josef Haltrich

Donnerstag, Juni 18th, 2009

 

pixelio.de - Der Fuchs und die KohlmeiseEine Kohlmeise flog klagend umher; der Fuchs sah sie und fragte sie teilnehmend: "Was fehlt dir denn, du Arme?" "Ach, meine Kinder haben einen bösen Ausschlag!" "Ich bin Arzt", sprach der Fuchs, "führe mich hin, ich werde sie heilen."

Da führte die Kohlmeise den Fuchs zum Nest. "Sie sind ja ganz kahl und nackt und frieren, die Ärmsten, o wie erbarme ich sie; doch ihnen kann geholfen werden; sie brauchen nur ein warmes Bett; das will ich ihnen sogleich verschaffen!"

Damit erhaschte und verschlang er sie; mit Not nur entging die alte Kohlmeise selbst.

Pfui über den Arzt, der seine Patienten frisst!

(Josef Haltrich, 1822-1886)

Verwendetes Bild ist von:
© dieter haugk/PIXELIO
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Der Fuchs und die Schnecke – eine Fabel

Freitag, April 24th, 2009

Wenn der Zigeuner satt ist, so ist er ausgelassen fröhlich, und so auch der Fuchs. Als er einmal sieben junge Raben im Bauch hatte, lief er mutwillig spielend auf einer Wiese herum und machte allerhand lustige Sprünge.

pixelio.de Der Fuchs und die SchneckeDa sah er im Grase eine Schnecke kriechen und fing laut an zu lachen und zu spotten: "Na, du kleines Ding, wie du laufen kannst, das hätte ich nicht gedacht; willst du nicht mit mir um die Wette laufen?"

Die Schnecke streckte ihre vier Hörner aus, sah um sich und maß den Fuchs mit ihren vier Augen: "Warum nicht?" antwortete sie, "mit dir kann ich es immer aufnehmen!" Sie setzten zum Ziel das Ufer des Flusses , das einige hundert Schritte entfernt war. "Ich will dir eine Körperlänge noch vorgeben!" sprach die Schnecke, "und doch werde ich dich überholen!"

Das schien dem Fuchs wunderlich und unmöglich; allein er nahm es an. Da klebte sich die Schnecke an die äußerste Schwanzspitze des Fuchses und rief dann: "Ich bin fertig, schicke dich, ich will abzählen." Der Fuchs nahm Stellung, und kaum hatte die Schnecke eins, zwei, drei gezählt, so flog er wie der Wind fort und war alsbald am Ziel. Jetzt schwenkte er rasch um, damit er sehe, wo die Schnecke sei und ob sie nachkomme; beim Schwenken aber hatte er sie von seinem Schwanz auf das jenseitige Ufer geschnellt.

"Kommst du bald?" rief er, "du Langsamschleicher?""Ich bin schon", antwortete die Schnecke vom jenseitigen Ufer, "seit einer Viertelstunde hier; aus Langeweile ging ich dann noch über den Fluss."

Der Fuchs zog beschämt den Schwanz ein und sprach: "Dass dich der Donner! Das kleine Ding kann mehr als du", ließ die Schnecke drüben stehen und ging von dannen.

(Josef Haltrich, 1822  – 1886)

Verwendetes Bild ist von:
© Helga Schmadel/PIXELIO
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