
Auch an diesem Tag war das Netz voller Fische: Karpfen, Barben, Rotaugen, Neunaugen, Schleie, Aale und viele andere endeten in den Körben der Fischer.
Drunten, im Wasser des Flusses, wagten die Überlebenden, entmutigt und erniedrigt, sich kaum zu bewegen. Ganze Familien waren schon zum Markt gebracht worden, ganze Arten ins Netz gegangen oder bereits in der Pfanne gestorben. Was tun …?
Einige junge Gründlinge versammelten sich hinter einem großen Stein und beschlossen, zu rebellieren. "Hier geht es um Leben oder Tod", sagten sie. "Dieses Netz, das jeden Tag und immer an einer anderen Stelle ins Wasser gelassen wird, um uns zu fangen und unserm Element zu entreißen, wird den Fluss entvölkern und uns alle ausrotten. Unsere Kinder haben jedoch ein Recht zu leben, und wir müssen etwas tun, um sie vor dieser Geißel zu bewahren."
"Und was könnten wir tun?" fragte eine Schleie, die den Verschwörern gefolgt war. "Das Netz zerstören!" antworteten die jungen Gründlinge einmütig.
Der mutige Entschluss, den schnellen Aalen anvertraut, verbreitete sich rasch über den ganzen Fluss und lud alle Fische für den nächsten Morgen zu einer gemeinsamen Aktion in einer Bucht ein, die von großen Weiden geschützt war.
Am folgenden Morgen fanden sich etwa tausend Fische jeglicher Art und jeden Alters ein, um dem Netz gemeinsam den Krieg zu erklären. Die Leitung des Unternehmens wurde einem listigen alten Karpfen anvertraut, dem es schon zweimal gelungen war, der Gefangenschaft zu entkommen, indem er mit den Zähnen die Maschen des Netzes zerbissen hatte.
"Gebt gut acht!" sagte der Karpfen. "Das Netz ist so breit wie der Fluss, und jede Masche hat auf der Unterseite ein Stück Blei, welches sie zu Boden zieht. Teilt euch in zwei Gruppen: Die eine wird die Bleistücke aufheben und an die Oberfläche tragen; die andere Gruppe wird die Maschen des oberen Teils ganz ruhig festhalten. Die Neunaugen werden trachten, mit ihren Zähnen die Schnüre zu zerschneiden, die das Netz zwischen die beiden Ufer gespannt halten; die Aale werden sofort auf Erkundung gehen, um die Stelle auszumachen, wo das Netz ausgelegt wurde."
Die Aale brachen auf. Die Fische, in Gruppen eingeteilt, versammelten sich längs der Ufer. Die Gründlinge ermutigten die schüchternsten, indem sie ihnen das traurige Ende vieler Gefährten ins Gedächtnis riefen und sie ermahnten, ohne Furcht in das Netz verstrickt zu bleiben, weil ja kein Mensch es mehr ans Ufer würde ziehen können.
Die spähenden Aale kamen zurück. Das Netz war ausgeworfen und befand sich eine Meile entfernt. Daraufhin setzten sich alle Fische wie eine riesige Flotte in Bewegung, angeführt von dem alten Karpfen. "Achtung", sagte der Karpfen, "die Strömung könnte euch in das Netz treiben. Verlangsamt die Fahrt, manövriert gut mit den Flossen!"
Und das Netz, grau, dunkel, erschien.
Die Fische, von einer unerwarteten Wut ergriffen, gingen zum Angriff über.

Das Netz wurde vom Grund aufgehoben, die Schnüre, die es spannten, wurden abgeschnitten, die Maschen zerrissen, aber die erzürnten Fische ließen die Beute nicht fahren. Jeder mit seinem Stück Masche im Maul, mit Flossen und Schwanz schlagend, so zogen sie in alle Richtungen, um das Netz zu zerfetzen und zu zerbeißen, und gewannen so in dem Wasser, das zu kochen schien, die verlorene Freiheit zurück.
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