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Archive for the ‘Leonardo da Vinci’ Category

Die Flammen – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Dezember 17th, 2010

 

Seit mehr als einem Monat flackerten in dem Ofen der Glashütte, wo sie Flaschen und Gläser brannten, die Flammen.

pixelio.de - Die FlammenEines Tages sahen sie eine Kerze, hochauf von einem schönen Kerzenhalter leuchtend, die sich ihnen näherte. Plötzlich mühten sie sich mit großer Begier, dieser süßen Flamme noch näher zu kommen. Eine Flamme vor allem, die aus einem Holzscheit züngelte, das sie nährte, drehte und wand sich, warf sich dann, durch einen schmalen Spalt dringend, auf die Kerze und verzehrte sie voller Verlangen.

Aber, indem sie dies tat, schrumpfte die gefräßige Flamme ganz rasch auf das Ende der armen Kerze zusammen, und weil sie mit dieser nicht sterben wollte, suchte sie zurückzukehren in den Ofen, dem sie entwichen war. Es gelang ihr jedoch nicht, sich am weichen Wachs festzuhalten, und vergeblich suchte sie Hilfe bei den anderen Flammen.

Jammernd und weinend verwandelte sie sich in müden Rauch und ließ alle ihre Schwestern im Glanz eines langen und schönen Lebens.

Verwendetes Bild ist von:
© tokamuwi/www.pixelio.de

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Der Schnee – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Dezember 17th, 2010

 pixelio.de - Der Schnee

Auf dem Gipfel eines sehr hohen Berges befand sich ein Fels; auf der Spitze dieses Felsens lag einmal ein wenig Schnee. Das Universum ringsum betrachtend, begann dieser Schnee nachzudenken und sprach bei sich:

"Gewiss sagt man, ich sei überheblich und stolz, und ich verdiene das! Wie ist es nur möglich, dass ein bisschen Schnee, eine Schneeflocke wie ich, hier oben ist, so hoch erhoben, und es ohne Scham erträgt, dass aller übriger Schnee, der keineswegs mit einem Blick über dieses Gebirge zu erfassen ist, dagegen so viel tiefer wohnt? 

Eine Schneeflocke verdient nicht diese erhabene Höhe, und es ist nur gerecht, dass auch ich, um meiner Nichtigkeit besser bewusst zu werden, begreife, was gestern die Sonne meinen Gefährtinnen, den anderen Schneeflocken, antat: Sie zerstörte sie mit einem Blick. Auch diese hatten sich höher erhoben, als ihnen anstand. Ich aber will den gerechten Zorn der Sonne vermeiden und auf einen Platz ausweichen, der meiner Kleinheit besser ansteht."

Mit diesen Worten ließ sich die vor Kälte erstarrte Schneeflocke vom Felsen fallen und rollte vom höchsten Gipfel des Berges hinab. Aber je tiefer sie rollte, desto mehr wuchs ihr Umfang. Ein Hauch Schnee wurde rasch ein großer Ball und schließlich, immer weiter rollend, zu einer Lawine. Ihr Lauf endete an einem Hügel, und die Lawine war nicht kleiner als der Hügel, welcher sie aufhielt.

So war dieser Schnee der letzte, der während des Sommers unter der schmelzenden Kraft der Sonne zerrann.

Diese Fabel sei denen gesagt, die sich erniedrigen, denn sie werden erhöht werden.

Verwendetes Bild ist von:
© Rainer Sturm/www.pixelio.de

 

 

 

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Eine Maus, ein Wiesel und eine Katze – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Sonntag, August 30th, 2009

 

pixelio.de - Eine Maus, ein Wiesel und eine KatzeAn diesem Morgen konnte die kleine Maus nicht aus ihrem Haus: Es war belagert.

Ein hungriges Wiesel lauerte ihr am Schlupfloch auf; von einem Spalt aus bemerkte sie das Wiesel, wie es gespannt die Öffnung überwachte, um sich auf sie zu stürzen. Das Mäuschen war sich der großen Gefahr bewusst und zitterte am ganzen Leibe vor Furcht.

Eine Katze jedoch stürzte sich unversehens auf das Wiesel, packte es am Genick und machte ihm den Garaus.

"Oh, Jupiter, ich danke dir!" seufzte das Mäuschen, das von seinem Loch aus die Szene beobachtet hatte. "Ich opfere dir gern ein paar von meinen Kernen!"

So, nach demütig erwiesenem Opfer, verließ die Maus ihr Versteck rasch, um die verlorene Freiheit wiederzufinden. Freilich – nur für einen Augenblick, weil die Ärmste ihre Freiheit zugleich mit dem Leben unter den reißenden Zähnen der Katze verlor.

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter Haugk www.pixelio.de

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Die Weide und die Rebe – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Mittwoch, August 5th, 2009

 

Die Weide ist ein Baum, der rasch und stark wächst. Man kann ihre Triebe mit dem bloßen Auge wachsen sehen; sie übertreffen spielend alle anderen Pflanzen.

pixelio.de - Die Weide und die RebeEines Tages wollte sich die Weide mit einer Rebe vermählen, um Gesellschaft zu haben. "Das ist dummes Zeug!" meinte eine andere Weide dazu. "Wir Weiden sind geboren, um zu wachsen und alle anderen Pflanzen zu überragen. Was wirst du tun mit einer Rebe an deiner Seite?"

Aber die Vermählung fand dennoch statt. Die Weide vereinigte sich mit der Rebe, oder besser: Sie ließ zu, dass die Rebe ihre Zweige an ihren Schaft anlehnte.

Die Rebe jedoch brachte schöne Weintrauben hervor, während die Weide ohne Früchte blieb. Darum meinte der Bauer, der beide eines Tages miteinander verbunden sah und nicht wollte, dass die Weide, wenn sie höher wuchs, die Rebe vielleicht entwurzelte, sie alle beide beschneiden zu sollen. So wurden Jahr um Jahr die stolzen Triebe der Weide von dem umsichtigen Bauern zurückgeschnitten, und die Weide verkrüppelte und diente lediglich dazu, die Trauben seiner glücklichen Gefährtin abzustützen.

Verwendetes Bild ist von:
© M. Großmann/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Wasser – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Mittwoch, Juli 29th, 2009

pixelio.de - Das Wasser

Eines Tages wurde das Wasser, das sich in seinem Element, das heißt im stolzen Meer befand, von dem Verlangen ergriffen, zum Himmel aufzusteigen.

Es wandte sich also an ein anderes Element, das Feuer, und bat um Hilfe. Das Feuer willigte ein, und mit seiner Hitze ließ er das Wasser leichter als die Luft werden und in hauchfeinen Dampf übergehen.

Der Dampf stieg zum Himmel, höher und höher, bis in die dünnsten und kältesten Schichten der Luft, wohin das Feuer nicht mehr folgen konnte. Darum wurden die Teilchen des Dampfes, welche vor Kälte erstarrten, gezwungen, sich miteinander zu verbinden, und darüber wurden sie wieder schwerer als die Luft.

Sie waren, geschwellt vor Stolz, in den Himmel gestiegen und wurden nun in die Flucht geschlagen. Der Regen wurde von der dürstenden Erde getrunken: Lange Zeit blieb das Wasser im Boden gefangen und bezahlte seine Hoffart mit einer harten Buße.

Verwendetes Bild ist von:
© gnubier/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Maulwurf – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Montag, Juli 20th, 2009

pixelio.de - Der MaulwurfEin Maulwurf ging unter der Erde durch lange Gänge, die seine Sippe gegraben und in jahrelanger Arbeit in Ordnung gehalten hatte.

Er ging vor und zurück, stieg auf in die oberen Stockwerke und nieder in den Keller, wo man eine sehr schöne Aussicht gehabt hätte; denn natürlich, wie alle Maulwürfe, hatte er sehr kleine Augen und sah wenig. Endlich bog er in einen wohlvertrauten unterirdischen Gang ein und setzte seine Wanderung fort.

"Bleib stehen!" rief eine Stimme leise und gedämpft. "Dieser Gang führt nach draußen, er ist gefährlich."

Der Maulwurf jedoch setzte seinen Weg fort, bis er sich in einem Haufen ganz frischer Gartenerde wiederfand. Er hob das Maul und stieß es nach außen; aber das Licht der Sonne tötete ihn wie der Einschlag eines Blitzes.

Wie der Maulwurf, so kann auch die Lüge nur leben, solange sie im Verborgenen bleibt; kaum kommt sie ans Licht, um sich bemerkbar zu machen, da stirbt sie.

Verwendetes Bild ist von:
© Ulla Trampert/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Testament des Adlers – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Juli 10th, 2009

pixelio.de - Das Testament des Adlers

Ein alter königlicher Adler, der seit vielen Jahren einsam über einer sehr hohen Felswand lebte, fühlte die Stunde seines Todes nahen. Mit mächtigem Schrei rief er seine Söhne, die auf den umliegenden Felsen hausten, und als alle um ihn versammelt waren, sah er einen um den anderen an und sagte:

"Ich habe euch genährt und aufgezogen, dass ihr bis zum Jüngsten fähig sei, in die Sonne zu blicken. Ich habe Hungers sterben lassen eure Brüder, die ihren Anblick nicht ertrugen. Deshalb seid ihr würdig, höher hinaufzufliegen als alle Vögel. Wer nicht sterben möchte, möge sich nie eurem Nest nahen! Alle die Tiere müssen euch fürchten; doch ihr werdet keinem Übles tun, der euch Ehre erweist, sondern ihm die Reste eurer Beute lassen.

Jetzt stehe ich im Begriff, euch zu verlassen; aber ich werde nicht hier in meinem Nest sterben. Ich werde in die Höhe fliegen, so weit mich meine Flügel tragen. Ich werde mich gegen die Sonne bewegen, als müßte ich zu ihr gelangen. Ihre entflammten Strahlen werden meine alten Federn verbrennen, und ich werde niederstürzen und ins Meer fallen.

Aber aus diesem Wasser werde ich durch ein Wunder ein zweites Mal geboren, verjüngt und gewillt, ein neues Dasein zu beginnen. So ist die Natur der Adler, so ist unsere Bestimmung."

Nach diesen Worten erhob sich der königliche Adler zum Flug. Majestätisch und feierlich zog er einen Kreis um den Felsen, wo seine Söhne verharrten; darauf strebte er steil in  die Höhe, um in der Sonne seine nimmermüden Flügel zu verbrennen.

Verwendetes Bild ist von:
© Christian Scharinger/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Kamel – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Juli 10th, 2009

pixelio.de - Das Kamel

Das Kamel wartete geduldig auf den Knien, dass sein Herr aufhöre, es zu beladen. Ein Sack, zwei Säcke, drei, vier … "Wann wird er aufhören?" fragte es sich.

Am Ende schnalzte der Mann mit der Zunge, und das Kamel erhob sich. "Gehen wir", sagte der Herr und zog am Halfter. Aber das Kamel bewegte sich nicht. "Los, vorwärts!" rief der Mann und ruckte am Seil. Aber das Kamel stemmte die Füße in den Boden und blieb unbeweglich stehen.

"Ich habe verstanden", sagte der Herr, und mit einem Seufzer nahm er zwei Säcke von der Kruppe herunter. "Jetzt scheint mir das Gewicht vernünftig", murmelte das Kamel und setzte sich in Gang.

Sie marschierten flotten Schrittes den ganzen Tag, und der Mann hoffte, bald im Dorf zu sein. Doch an einem bestimmten Punkt hielt das Kamel wiederum. "Los", sagte der Herr, "noch ein paar Meilen, und wir sind daheim."

Das Kamel antwortete darauf, indem es sich niederlegte. "Meine Beine", sprach es zu sich, "sagen mir, dass wir für heute genug gelaufen sind."

Und der Mann sah sich genötigt, abzuladen und die ganze Nacht neben dem Kamel in der Wüste zu biwakieren.

Verwendetes Bild ist von:
© Michael Hubka/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Pfirsichbaum – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Juli 10th, 2009

 

pixelio.de - Der PfirsichbaumEin Pfirsichbaum, der neben einem Nussbaum lebte, betrachtete voll Neid die mit Nüssen beladenen Zweige seines Nachbarn.

Warum darf er so viele Früchte tragen, dachte er, und ich so wenige? Das ist nicht gerecht. Ich will versuchen, es ihm gleichzutun.

"Übernimm dich nicht", sagte ein junger Pflaumenbaum, der seine Gedanken las. "Siehst du nicht, was für mächtige Zweige der Nussbaum hat, was für einen Stamm? Jeder muss seiner Kraft gemäß geben. Denke daran, gute Pfirsiche zu geben. Nicht die Quantität, die Qualität wiegt!"

Aber der Pfirsichbaum platzte vor Neid und wollte nicht hören. Er hieß seine Wurzeln, mehr Substanz aus der Erde zu ziehen, seine Fasern, mehr Saft aufzunehmen, seine Zweige, mehr Blüten zu treiben, seine Blüten, sich in mehr Früchte zu verwandeln, bis er schließlich, als seine Zeit kam, von Kopf bis Fuß mit Pfirsichen beladen war.

pixelio.de - Der PfirsichbaumAber die reifenden Pfirsiche nahmen zu an Gewicht, und die Zweige konnten sie nicht mehr tragen; auch der Stamm konnte alle diese von Pfirsichen überfüllten Zweige nicht mehr halten. Ächzend bog sich der Pfirsichbaum, und dann, mit großem Krachen, spaltete sich der Stamm, und alle Pfirsiche rollten dem Nussbaum vor die Füße.

Verwendete Bilder sind von:
© Susanne Schmich/PIXELIO (Bild 1 – Walnussbaum)
© Michael/PIXELIO (Bild 2)

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Der Stieglitz – eine Fabel von Leonardo da Vinci

Freitag, Juli 10th, 2009

pixelio.de - Der Stieglitz

Als der Stieglitz mit einem kleinen Wurm im Schnabel ins Nest zurückkehrte, fand er seine Jungen nicht mehr. Irgendjemand hatte sie während seiner Abwesenheit geraubt.

Der Stieglitz begann jammernd und klagend, sie überall zu suchen. Der ganze Wald tönte wider von seinen verzweifelten Rufen; aber niemand antwortete ihm.

Eines Tages sagte ihm ein Fink: "Ich glaube, ich habe deine Jungen am Haus des Bauern gesehen." Der Stieglitz brach voller Hoffnung auf, und schon bald kam er zum Hause des Bauern. Er setzte sich aufs Dach: Da war niemand. Er flog auf die Tenne: Sie war leer.

Aber als er seinen Kopf hob, sah er draußen am Fenster einen Käfig befestigt. Darin waren seine Jungen. Gefangene. Als er sie so kläglich piepsend an die Stäbe des Käfigs gedrängt sah, bittend, sie zu befreien, versuchte er, mit Schnabel und Krallen die Gitter des Gefängnisses zu zerbrechen – aber vergebens.

Darauf verließ er sie mit lautem Klagen.

Am Tage darauf kehrte der Stieglitz zu dem Käfig zurück, in dem seine Jungen waren. Er betrachtete sie. Darauf fütterte er einen um den anderen zum letztenmal durch das Gitter. Tatsächlich hatte er seinen Kindern ein giftiges Kraut gebracht, an dem die kleinen Vögel starben.

"Besser tot", sagte er, "als die Freiheit verlieren."

Verwendetes Bild ist von:
© Peashooter/PIXELIO
www.pixelio.de

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