Die Salbe – eine altchinesische Fabel
Montag, Juli 20th, 2009
Im Staate Song lebte ein Mann, dessen Familie sich seit Generationen durch das Seidenwaschen den Lebensunterhalt verdient hatte. Sie verstand es auch, eine vorzügliche Salbe für aufgesprungene Hände zu bereiten. Ein Fremder, der von dieser Medizin gehört hatte, bot hundert Silberstücke für das Rezept.
"Seit Generationen waschen wir Seide", beriet sich die Familie, "aber unser Auskommen war stets kärglich. Nun bietet man uns hundert Silberstücke für unser Rezept. Das sollten wir annehmen."
Nachdem der Fremde das Rezept erworben hatte, bot er es dem König des Staates Wu an, der ihn daraufhin sogleich zum General beförderte. Inzwischen war nämlich der Staat Wu vom Nachbarstaat Yue überfallen worden. Der Armee des Generals, der das Heilmittel besaß, gelang es, mitten im Winter die Feinde aus Yue in einer Seeschlacht völlig zu vernichten. Dafür wurde er geadelt und mit Ländereien belehnt.
Die gleiche Salbe - doch der ein wurde ein Lehnsherr, der andere blieb ein Wäscher. Es kommt ganz darauf an, wie man die Dinge nutzt.
(Zhuangzi)
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© Claudia Hautumm/PIXELIO
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