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Archive for the ‘Märchen der Nordvölker’ Category

Warum der Fuchs einen langen Schwanz hat, Hase und Bär dagegen einen kurzen – ein Märchen der Nordvölker (Orotschen)

Sonntag, Mai 31st, 2009

pixelio.de - Warum der Fuchs einen langen Schwanz hat, Hase und Bär dagegen einen kurzen

Vor langer, langer Zeit verteilte der Herr der Taiga an alle Tiere die Schwänze. Die Tiere erfuhren dies und eilten schleunigst zu ihm. Fuchs, Bär und Hase machten sich zusammen auf. Unterwegs beschloss der Fuchs jedoch, seinen Gefährten ein Schnippchen zu schlagen.

Er sprach: "Labt euch an den Himbeeren, Freunde, die hinter jenem Hügel in Mengen wachsen. Ich gehe mir unterdessen einen Vogel zum Mittagessen fangen. Wir haben ja noch einen weiten Weg und müssen uns stärken."

Hase und Bär fielen auf den Schwindel herein. Sie spazierten also zum Himbeergesträuch. Solange der Bär dort naschte und der Hase auf seinen Gefährten wartete, rannte der Fuchs, was er konnte, zum Herrn der Taiga und bekam auch wirklich den längsten und schönsten Schwanz. Als Bär und Hase endlich ankamen, war nur noch ein einziger unansehnlicher Schwanz vorhanden.

Dem Herrn der Taiga blieb nichts übrig, als diesen in zwei Teile zu reißen. Den einen gab er dem Bären, den andern dem Hasen.

So kam es, dass der Fuchs einen langen Schwanz hat, Hase und Bär dagegen nur ein kümmerliches Schwänzchen haben.

Verwendetes Bild ist von:
© Helmut J. Salzer/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Häslein – ein Märchen der Nordvölker (Mansen)

Sonntag, Mai 31st, 2009

pixelio.de Das Häslein

Ein Häslein sprang im Riedgras umher, tagaus, tagein. Einst zerschnitt es sich die Lippe an einem Halm. Es lief zum Feuer und klagte ihm sein Leid: "Feuer, verbrenne doch das Riedgras am See." "Was hat dir das Riedgras getan?" fragte das Feuer. "Es hat mir die Lippe zerschnitten", versetzte der Hase. "Weil du den Bauch nie voll genug bekommen kannst", sprach drauf das Feuer.

Da ging der Hase zum Wasser. "Wasser, steig an und lösch das Feuer!" "Was hat dir denn das Feuer getan?" "Es will das Riedgras am See nicht anzünden." "Und was hat dir das Riedgras getan?" "Es hat mir die Lippen zerschnitten." "Weil du den Bauch nie voll genug bekommen kannst."

Da lief das Häslein zu zwei Knaben, die hatten Pfeile und Bogen. Es sprach: "Hört mal, Kinder, schießt auf das Wasser!" "Was hat dir denn das Wasser getan?" "Es steigt nicht an, will das Feuer nicht löschen." "Und was hat dir das Feuer getan?" "Es zündet das Riedgras nicht an." "Was hat dir das Riedgras getan?" "Es hat mir die Lippe zerschnitten." "Weil du den Bauch nie voll genug bekommen kannst."

Der Hase wandte sich zur Maus: "Liebes Mäuslein, sei nett und nage die Sehne am bogen der Knaben durch, damit sie nicht mehr schießen können."

Die Maus erbarmte sich, ging hin und begann die Sehne am Bogen anzunagen. Aber sie kam nicht weit. Die Knaben griffen nach ihren Bogen, spannten die Sehnen und schossen die Pfeile ins Wasser. Das Wasser stieg an und begann das Feuer zu löschen.

Das Feuer warf sich erschrocken aufs Riedgras, das Riedgras fing an zu brennen. Im Riedgras aber hoppelte der Hase umher. Entsetzt machte er sich davon, mit versengten Läufen und Ohren.

pixelio.de Das Häslein

Verwendete Bilder sind von:
© M. Großmann/PIXELIO (Bild 1)
© Ibefisch/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Alte – ein Märchen der Nordvölker (Jukagiren)

Montag, Januar 26th, 2009

pixelio.de Der AlteIn der Taiga zog ein alter Mann umher, ein Jukagire, ein Nomade. Eines Tages sah er mitten im Wald eine kleine Jurte stehen. Sehr reinlich und sauber war sie anzusehen; die Felle straff gespannt über den Stangen, und auch ringsum herrschte Ordnung. ‘Sicher wohnt hier eine junge hübsche Frau!’ vermutete der Alte.

Er versteckte sich im Gesträuch und wartete, ob die Schöne herauskäme. Aber niemand zeigte sich. Da war der Alte schon fest überzeugt, dass dort tatsächlich ein junges Mädchen wohnen müsse, das sich fürchtete, allein herauszugehen. So wurde es Abend.

Da entschloss sich der Alte, auf die Jurte zu steigen und durch den Rauchabzug hineinzulugen, wer dort wohne. Er kletterte also hinauf, schaute durch die Öffnung und erblickte eine überaus schön gekleidete Frau. Die saß am Feuer und nähte.

Der Alte wollte nun gar zu gern das Gesicht der Frau sehen, deshalb schob er die Felle oben auseinander, um den Durchguck zu vergrößern. Sein Gesicht war aber schwarz, es starrte vor Schmutz, denn seit seiner Geburt hatte er sich noch nie gewaschen. Auch seine Haare waren lang und verwahrlost, und von den Wimpern bröckelte der Schmutz. Er riss nun seine Augen auf, so weit er konnte, um die Frau recht gut anzusehen. Dabei fielen die Schmutzkörnchen von den Haaren und Wimpern des Mannes auf die Frau.

pixelio.de Der AlteDie erschrak und glaubte, ein bösartiges Ungeheuer säße auf der Jurte. Sie nahm Sehnengarn, mit dem sie nähte, band es an ein Stöckchen und hielt es übers Feuer, damit der üble Geruch das Ungeheuer vertreibe. Die brennenden Sehnenfäden strebten auseinander, kringelten sich zusammen, schrumpften und wurden schwarz.

Ein ätzender Geruch stieg auf. Der Alte oben musste niesen. Die Frau sah auf, wer dort wäre. Der Mann erblickte ein altes, runzliges Greisinnengesicht, bekam einen tüchtigen Schreck, stieg schleunigst von der Jurte und schrie: "Brenne, brenne Garn, Großmütterchen, vertreib das Ungeheuer von deiner Jurte!" Und er lief, wohin ihn die Füße trugen, dass nur die Alte ihm nicht nachsetzte!

Die aber konnte vor Schreck kein Glied rühren. Das ganze Garn verbrannte, die Näharbeit fiel ins Feuer und verbrannte auch, dann ging das Feuer aus, finster wurde es und still. Die alte Frau kam wieder zu sich. Sie machte Feuer an, sah nach oben – kein Ungeheuer war mehr zu entdecken! Alles wie immer!

Die Alte trat vor die Tür, blickte sich um, und da gewahrte sie die Fußtapfen. Sie ging ihnen nach. Die Spur führte tief in die Taiga. Da begriff die Alte, dass das Ungeheuer in die Taiga geflohen war; sie glaubte jedoch, allein der ätzende Rauch habe es vertrieben. Die Alte ging in die Jurte zurück, schürte das Feuer stärker an, machte Tee, trank ihn und legte sich schlafen.

Verwendete Bilder sind von:
© Michael/PIXELIO (Bild 1)
© Jürgen Acker/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Herrin des Feuers – ein Märchen der Nordvölker (Selkupen)

Montag, Januar 26th, 2009

pixelio.de Die Herrin des Feuers

Es war vor langer, sehr langer Zeit. Die Menschen wohnten dazumal in einer Nomadensiedlung, in der vier Tschums standen. Eines Tages gingen alle Männer in den Wald zum Jagen. Nur Frauen und Kinder blieben in den Tschums. So verstrichen drei Tage. Am dritten Abend ging eine Frau aus dem Tschum, hackte Holz und wollte kochen. Sie trug die Holzscheite hinein, warf sie in den offenen Herd, setzte sich mit ihrem Kindchen dicht ans Feuer und gab ihm die Brust.

pixelio.de Die Herrin des FeuersLustig knisterten die Flammen und wärmten Mutter und Kind. Plötzlich stob ein Funke auf die Brust des Kleinen und verbrannte ihm die Haut. Das Kind weinte. Die Mutter sprang auf und schimpfte auf das Feuer:

"Was machst du? Ich füttere dich mit Holz, und du tust meinem Kind weh. Kein Holz bekommst du mehr! Ich zerhack dich mit der Axt, begieß dich mit Wasser und lösch dich aus." Flink tat sie das Kind in die Wiege, nahm die Axt und begann auf das Feuer einzuhacken. Sodann griff sie nach dem Kessel und goss Wasser ins Feuer.

"So, jetzt versuch mal, meinen Sohn mit deinen Funken zu verbrennen! Zum ersten Mal bist du völlig erloschen, kein einziges Fünkchen ist mehr zu sehen!" Das Feuer war ausgegangen. Kalt und finster wurde es im Tschum. Vor Kälte weinte das Kind noch kläglicher. Da besann sich die Mutter und wollte schnell wieder Feuer anmachen. Sie bemühte sich sehr, blies hinein, doch vergeblich – da glühte kein Fünkchen mehr. Ihr kleiner Sohn aber schrie immer heftiger.

Die Mutter überlegte: ‘Ich lauf mal schnell in den Nachbartschum, hole mir Feuer und zünde meins wieder an!’ Sie eilte in den nächsten Tschum. Doch kaum öffnete sie die Tür, erlosch auch dort das Feuer. Sie trat in den Tschum, im Herd brannte kein Funken mehr. Die Frauen gaben sich große Mühe, das Feuer zum Brennen zu bringen. Doch sie konnten es nicht – kein Fünkchen wollte aufglühen.

pixelio.de Die Herrin des FeuersDie Mutter lief hinaus und eilte in einen anderen Tschum. Kaum hatte sie die Tür einen kleinen Spalt geöffnet, da ging auch hier das Feuer im Herd aus. Sie trat nicht mal ein, schloss nur rasch die Tür und lief eilends zum nächsten Tschum. Doch dort war es dasselbe. Sie öffnete nur einen Spalt breit die Tür, und das Feuer erlosch.

Da eilte sie zu ihrem Tschum zurück. Seitab stand am Wege noch ein Tschum; er gehörte ihrer Großmutter. Dort brannte noch Feuer. Sie rannte hin und trat ein. doch kaum war sie über die Schwelle, da fauchte das Feuer, stieß Rauch aus und erlosch. Die Großmutter schimpfte: "Was ist denn? Kaum kommst du, erlischt das Feuer. hast du etwa in deinem Herd das Feuer gekränkt, du Spinne?"

Die Frau brach in Tränen aus. In der ganzen Siedlung gab es kein Feuer mehr. Niemand konnte es anzünden. Ringsum war es finster und kalt. "Komm, gehen wir in deinen Tschum. Ich will doch einmal sehen, was du angerichtest hast", sagte die Großmutter. Zu zweit traten sie in den kalten, dunklen Tschum, wo der Kleine weinte und jammervoll schluchzte.

Die Großmutter nahm Schwefelholz und versuchte, Feuer zu machen. Ach, wie plagte sie sich, aber das Feuer wollte nicht brennen. Da hockte sie sich vor den Herd und spähte in das schwarze Dunkel. Nichts war zu sehen. doch dann erspähte sie, kaum erkennbar, eine Alte. Die saß da und glomm wie Feuer. Die Alte sprach zur Großmutter: "Wozu strengst du dich an? Deine Enkelin hat mir eine tiefe Beleidigung zugefügt."

pixelio.de Die Herrin des Feuers

Die Großmutter fragte: "Wieso, ich weiß ja nicht, was hier vorgegangen ist?" "Meine Augen hat sie mit Wasser übergossen und mein Gesicht mit Eisen zerhackt. Warum die Törichte das getan hat, ich weiß es nicht." Das erzürnte die Großmutter noch mehr: "Ich hab ja immer gesagt, dass diese Spinne noch was Schreckliches anstellen wird. Herrin der Feuerflammen, grolle nicht, gib uns Feuer!"

Doch die Herrin des Feuers schwieg. Lange ließ sie die Großmutter flehen. Endlich sprach sie: "Ich gebe euch dann Feuer, wenn mir diese Frau ihren Sohn opfert. Aus seinem Herzen werde ich die Flamme aufspringen lassen. Ihr werdet immer daran denken, dass das Feuer aus dem Herzen eures Kindes kommt, und so werdet ihr es hüten!"

Die Mutter vergoss bittere Tränen. Die Großmutter sprach: "Alle sieben Menschenstämme haben deinetwegen das Feuer verloren. Wie werden wir weiter leben? Gib deinen Sohn her!" Und die Mutter opferte ihren Sohn. Die Herrin des Feuers sprach: "Von heut an bis in die Ewigkeit werden alle Selkupen wissen, dass man Feuer nicht mit Eisen schüren darf. Nur in höchster Not darf es mit Eisen berührt werden. Doch vorher muss man dazu die Erlaubnis erlangen. Ihr sieben Menschenstämme, merkt euch mein Geheiß!"

Und die Herrin des Feuers berührte das Holz leicht mit einem Finger. Die Flamme züngelt empor, und in ihren Lohen verschwand die Herrin des Feuers mit dem Knaben. Die Großmutter sprach zu der Frau: "Noch in vielen Jahren wird eine Mär davon erzählen, wie du mit dem Herzen deines Kindes das ausgegangene Feuer wieder neu entfacht hast."

pixelio.de Die Herrin des Feuers

 Verwendete Bilder sind von:
© Anderl Reigber/PIXELIO (Bild 1)
© Fabian Leineweber/PIXELIO (Bild 2)
© Günter Havlena/PIXELIO (Bild 3)
© Stihl024/PIXELIO (Bild 4)
© Kunstzirkus/PIXELIO (Bild 5)
www.pixelio.de

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Wieso es die verschiedenen Völker gibt – ein Märchen der Nordvölker (Dolganen)

Freitag, Oktober 24th, 2008

pixelio.de Wieso es die verschiedenen Völker gibtIn alten Zeiten war der Winter viel strenger und rauher als heutzutage. Einst tobte ein heftiger Schneesturm. Die Menschen trauten sich nicht einmal, die Nasen aus ihren Tschums zu stecken. Wildgänse und anderes Getier wühlte sich bis über den Kopf in den Schnee ein, um nicht zu erfrieren.

Nur ein Mann bot kühn der Kälte Trotz und machte sich auf den Weg. Er wanderte Wochen und Monate durch die Ödnis; schließlich gelangte er in ein warmes Land. Da zog er heim und sprach zu den Seinen: "Ich weiß ein gutes Land, wo es warm ist."

Dies erlauschte ein Wildentlein und gab es sogleich allem Vogelvolk zu wissen. Wildgänse, Schwäne und sonstige Vögel, alle erfuhren von dem warmen Land und flogen sogleich gen Süden. Auch die Menschen von der Sippe des Mannes, der die Kunde gebracht hatte, rüsteten zur weiten Fahrt. Dieser Mann aber sprach: "Meine Kunde kennt ihr nun alle."

Und er blieb, wo er war, und zog nicht mit den andern. Er nähte sich ein langes Fellkleid zum Schutz gegen die bittere Kälte. Und als er es anlegte, da ward er zum Vogel – zu einem Falken.

Die Menschen aber stapften durch Schnee und Eis. Sie hielten sich aneinander fest, während sie den Weg ins warme Land suchten. Unterwegs stillten sie ihren Hunger mit Wild, das sie hier und da erlegten. Nun schossen aber die Menschen in jenen uralten Zeiten mit dem Bogen. Und an das Pfeilende banden sie ein Adlerfeder, damit der Pfeil besser sein Ziel treffe.

Einst erbeuteten sie einen Adler auf ihrer Wanderung. Bei der Teilung der Federn kam es zu Zank und Streit. Während die einen glaubten, sie wären zu kurz gekommen, meinten die anderen von sich genau dasselbe. Ein Mann beschuldigte den anderen: "Du gabst mir zu wenig Federn und nahmst dir selber sehr viele. So will ich nicht mehr in deiner Zunge reden."

Fortan verständigte sich jeder in einer anderen Sprache. Auf diese Weise sind die Dolganen, Jakuten, Tungusen, Nenzen entstanden – viele Völker, die alle verschiedene Sprachen sprechen.

pixelio.de Wieso es die verschiedenen Völker gibt

Verwendete Bilder sind von:
© Photo-Engel/PIXELIO (Bild 1)
© krister67/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Klopfer – ein Märchen der Nordvölker (Nanai)

Freitag, Oktober 24th, 2008

Ob fern, ob nah – ich weiß nicht wo – lebte einmal ein alter Mann. Sein ganzer Reichtum bestand aus einem bastgeflochtenen Sieb, einer silbernen Schöpfkelle und einem hölzernen Klopfer. Das war alles, was er besaß. Und so lebte er seine Tage.

pixelio.de Der KlopferEinst kam ihm zu Ohren, dass in einer nicht weit entfernten Siedlung bei einem Schamanen ein Leichenschmaus abgehalten werde. Da machte sich der Alte denn auf, und sein Sieb nahm er mit. Dieses Sieb aber war von ganz besonderer Art! Man konnte sogar Sand hineintun oder Schnee, doch sobald man es schüttelte, fiel allerhand Essbares heraus.

Unser Alter kam also zum Schamanen. Sein Sieb ließ er draußen am Haken und ging ins Haus. Die Bediensteten des Schamanen setzten dem Alten roten Branntwein vor. Der saß da und tat sich daran gütlich. Während der Alte drinnen dem Branntwein zusprach, ging der Schamane hinaus und sah am Haken das bastgeflochtene Sieb des Alten hängen.

Da nahm der Schamane das Sieb in die Hand und schüttelte es tüchtig. Und siehe, aus dem Sieb sprangen Kalatschen, Pfannkuchen und Fladen. "Na, so was", freute sich der Schamane, "dies Sieb behalte ich mir!" Und er versteckte es.

pixelio.de Der Klopfer

 Derweil wollte sich der Alte auf den Heimweg machen. Er ging zum Haken – sein Sieb war weg. Überall suchte er es und fand es nicht. Das ergrimmte den Alten, aber was konnte er tun? Ohne Sieb zog er heim.

Am nächsten Tag wurde der Alte abermals zum Schamanen geladen. Diesmal nahm er seine silberne Kelle mit. Doch auch die war von besonderer Art. Man brauchte sie nur ein wenig zu neigen – schon floss guter Wein heraus.

Der Alte kam zum Schamanen. Seine Kelle ließ er wieder am Haken und ging ins Haus. Dort saß er nun und goss sich den roten Branntwein in die Kehle. Währenddessen aber stahl sich der Schamane hinaus und sah die silberne Kelle am Haken. Flink nahm er sie und senkte sie ein wenig, schon ergoss sich aus der Kelle Wein. Wieviel auch floss, wieviel er soff, der Wein rann ohne Ende. Da dachte sich der Schamane: ‘So muss ich wohl auch die Kelle stehlen!’ Und das tat er.

Als der Alte aufbrechen wollte, sah er sich um. Seine Kelle war weg. Er suchte hier, suchte dort, fand sie nicht. So musste er denn ohne sie nach Hause gehen.

Am dritten Tag machte sich der Alte wiederum zum Schamanen auf. Er ging in seine Scheune, schaute sich um – doch außer dem Klopfer war nichts mehr vorhanden.

Da nahm er den Klopfer, warf ihn über die Schulter und zog los. Und wieder geschah dasselbe: Er ging in des Schamanen Haus, den Klopfer ließ er draußen am Haken. Kaum hatte er sich zu den anderen Gästen gesetzt und begonnen dem roten Branntwein zuzusprechen, da erschallte auf dem Hof ein Poltern, Schreien, Lärmen …

pixelio.de Der KlopferDie Gäste rannten hinaus und sahen – verdrischt doch der Klopfer den Schamanen! Der brüllte: "Au, au, schlag mich nicht tot!" Der Klopfer aber tanzte emsig auf seinem Rücken und verwalkte den Dieb nach Strich und Faden. Der Schamane schrie: "Au, schlag mich nicht tot! Ich geb das Sieb zurück …" "Mach weiter, Klopfer!" rief der Alte. "Ich hatte auch noch eine Kelle."

Da stürzte der Schamane ins Haus, brachte Sieb und Kelle und gab sie dem Alten zurück. Nun sagte der Alte zu seinem Klopfer: "Lass gut sein! Hör auf, den Dieb zu prügeln. Er hat genug bekommen."

Der Alte nahm sein bastgeflochtenes Sieb, die silberne Kelle, den hölzernen Klopfer und zog heim. Von da an blieb er hübsch zu Hause und stattete dem Schamanen keine Besuche mehr ab.

So verbrachte er seine Tage. Wann und wo das geschehn ist – ich weiß es nicht.

Verwendete Bilder sind von:
© Marion Kottlos/PIXELIO (Bild 1)
© Gerd Altmann (geralt)/PIXELIO (Bild 2)
© Viktor Schwabenland/PIXELIO (Bild 3)
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