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Archive for the ‘Sagen’ Category

Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Dienstag, September 7th, 2010

pixelio.de - Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg

Der rechten Rathauspumpe gegenüber liegt zu Boizenburg auf dem Marktplatze, zwischen den ziemlich gleich großen Steinen des Straßenpflasters, ein Stein, der augenscheinlich seine Kameraden bedeutend an Größe übertrifft. Er ist oben flach, und die Leute sagen, auf der andern, nach unten gekehrten Seite sei eine Hand ausgehauen.

Ursprünglich – im alten Straßenpflaster nämlich – ist die jetzt untere Seite dieses Steines nach oben gekehrt gewesen, und wer nur die Augen offen gehabt hat, der hat sich die Hand ansehen können. Allein durch die Fußtritte der darüber Hinschreitenden und die Wagenräder ist die Hand bis auf drei Finger allmählich ausgetilgt. – Damit im neuen Steindamme die Hand nicht ganz verschwinde, sollen die klugen Steindämmer dem Stein eine umgekehrte Lage gegeben haben.

Vor vielen Jahren lebte am Marktplatz in Boizenburg ein Ratsherr, bei dem ein bildschönes Mädchen im Dienste stand. Aber Schönheit ist nicht Tugend; und eines Tages hat das Mädchen ein Kindlein geboren, das wohl "Mutter", nicht aber "Vater" sagen konnte, auch nicht, wenn es erwachsen sein würde. Aber es hat auch nimmer "Mutter" gesagt, denn dieser graute vor der öffentlichen Schande, nicht aber vor einem schrecklichen Verbrechen. Darum tötete sie das arme Würmlein und suchte die Gebeine desselben im Ofen zu verbrennen.

Kein Menschenauge war Zeuge des Verbrechens, und die Mutter mochte sich schon der gelungenen Tat freuen. Da wurden die Gebeine des Kindleins selbst  zu Anklägern der mütterlichen Untat. Durch das Verbrennen derselben verbreitete sich durch das ganze Haus ein so unerträglicher Geruch, dass jedermann im Hause in größter Eile alles aufbot, die Ursache desselben zu entdecken.

Nach kurzem Suchen wurden die halbverkohlten Gebeine des Kindes aufgefunden. – Die Verbrecherin wurde des Mordes überführt und büßte die blutige Tat mit dem Leben. Auf dem Marktplatze fiel ihr Haupt unter dem Schwerte des Henkers.

pixelio.de - Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg

Der Stein mit der Hand soll die Stätte bezeichnen, auf welcher die Mörderin verblutete.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Günter Havlena/PIXELIO (Bild 1)
© T. Lieder/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Pfaueninsel – eine Sage aus Berlin

Dienstag, September 7th, 2010

Die Pfaueninsel

Die als Lieblingsort des Königs Friedrich des Großen berühmte Pfaueninsel bei Potsdam war zur Zeit des Großen Kurfürsten ein allgemein gefürchteter und von jedermann gemiedener Ort. Sie war nämlich der Aufenthaltsort des als Schwarzkünstler verschrienen Goldmachers und geheimen Kammerdieners des Großen Kurfürsten, Kunkel von Löwenstern, der bekanntlich auf Kosten desselben eine Glashütte an der Nuthe unweit der Wassermühlen am Hakschen Damm und eine Glasschleiferei zu Berlin errichtet hatte und bei seinen kostspieligen Versuchen zur Erzeugung der Edelsteine auf die Entdeckung des berühmten Rubinglases gekommen war.

Er schlug auf dieser Insel seinen Wohnsitz auf, bis er nach dem Tod seines Herrn nach Schweden ging, und benutzte seine physikalischen Kenntnisse, um durch scheinbare Zauberkünste das Publikum von der Insel fernzuhalten. Darum wagte auch nie ein Fischer mit seinem Kahn an dem ungastlichen Ufer der Insel zu landen, denn wer es versucht hatte, musste seine Neugierde mit dem Untergang seines Fahrzeuges büßen, das auf unerklärliche Weise wie faules Holz zerfiel oder wie ein Schwamm Wasser einsog und untersank.

Die Pfaueninsel

Sobald jemand den gefürchteten Goldmacher nur von fern sah, wich er ihm erschreckt aus, und auf der Insel selbst hatte er, nachdem ihn sein alter Diener Klaus verlassen hatte (der Heideläufer geworden war, aber im Jahr 1650 zu Berlin wegen erwiesener Zauberei hingerichtet wurde), niemanden als einen missgestalteten Menschen, der bald nachher auch noch die Sprache verlor, ihm aber treu anhing, sowie einen großen schwarzen zottigen Hund bei sich, mit dem er durch den Wald strich, und der vom Publikum seiner glühenden Augen wegen für einen bösen Geist gehalten wurde.

Auch nach seinem Tod soll sich der Geist des Goldmachers von der Pfaueninsel nicht haben trennen können und zuweilen noch jetzt dort wahrgenommen werden. Der feurige Hund aber soll sogar noch jetzt zuweilen längs dem Strand der Havel bis zu der Badebucht seines Herrn, da wo jetzt der Weg Sakrow gegenüber zur Havel hinabführt, hineilen und dann mit jämmerlichem Geheul im Wald verschwinden.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1- Pfaueninsel 1855 – Urheber Ludwig Rohbock – gemeinfrei)
(Bild 2 – Karte der Pfaueninsel ca. 1810 – Urheber J. A. F. Fintelmann – gemeinfrei)

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Die Mönche von Marienthal – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, September 7th, 2010

 

pixelio.de - Die Mönche von MarienthalEinst raubten die lüsternen Mönche von Marienthal die schöne Tochter eines Landmanns, der in der Nähe des Klosters wohnte. Mit dieser trieben sie ihr Unwesen. Die Jungfrau musste sich ganz und gar dem Willen der Mönche fügen und konnte nur im Stillen ihr Schicksal beklagen. Bald aber schwand die Schönheit des Mädchens dahin, und mit dem 21. Jahre war es so hässlich geworden, dass die Mönche seiner überdrüssig wurden.

Sie beschlossen nun, das Mädchen zu ermorden. Heimlich wurde es getötet, und die Leiche dann in ein vor dem Hochaltar befindliches Gewölbe gebracht.

Aber die ruchlose Tat war doch nicht unbemerkt geblieben. Zu der Zeit nämlich lebte im Kloster ein Fischmeister mit Namen Distel. Dieser hatte einen Bruder, welcher in Braunschweig bei den Husaren diente. In der besagten Nacht kam derselbe auf Urlaub, um die Seinen zu besuchen. Als er an der Kirche vorbeiritt, bemerkte er drinnen Licht.

Er drängte sein Pferd an die Mauer und sah nun durch ein Fenster genau, was da vorging. Empört über die Untat der Mönche, ritt er vor das Haus seines Bruders, erzählte dem, was er gesehen, und forderte ihn auf, sofort mit ihm zur Kirche zu gehen, um die Mönche bei ihrem Vorhaben zu überraschen. Allein dieser wollte es nicht gern mit den Mördern verderben und antwortete seinem Bruder, er möge sich doch um das, was ihn nicht angehe, auch nicht kümmern.

Unmutig verschmähte es nun der Husar, bei seinem Bruder einzukehren, und ritt sofort nach Braunschweig zurück. Am nächsten Morgen zeigte er die Tat dem Gerichte an. Als nun eine genaue Durchsuchung der Kirche stattfand, entdeckte man die Leichen auch noch anderer Ermordeter. Zur Strafe wurden die Mönche des Landes verwiesen. allein sie wollten gutwillig nicht gehen, fühlten sich vielmehr hinter ihren dicken Mauern recht sicher.

pixelio.de - Die Mönche von Marienthal

Da schickte der Fürst gegen das widerspenstige Kloster ein Heer, mit dem sich auch die Bauern der Umgegend, die von der Ermordung des Mädchens gehört hatten, verbanden. Diesen vereinigten Kräften gelang es bald, das Kloster zu erstürmen, und die Übeltäter zu verjagen.

Einige aber wollten doch den geliebten Ort, wo sie so viele gute Tage gehabt, nicht verlassen und versuchten ein Versteck in dem dunklen Gange, der nach Marienberg führte. Dieser Schlupfwinkel wurde bald gefunden; weil sich aber niemand in den Gang hineinwagte, wurde der Tod der Versteckten beschlossen.

Man zog einen Graben von dem in der Nähe gelegenen Klosterteiche bis zum Gang und leitete dann das Wasser hinein, so dass die Übeltäter ertrinken mussten. Seit der Zeit hat sich kein Mönch wieder in Marienthal niederlassen dürfen.

(Theodor Voges)

Verwendete Bilder sind von:
© Rainer Sturm/PIXELIO (Bild 1)
© Wolfgang Pfensig/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Die sieben Schwestern – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Mittwoch, September 1st, 2010

pixelio.de - Die sieben Schwestern

Am Rhein unterhalb dem Pfalzgrafenstein steht heute noch eine Burgruine, Schloss Schönberg genannt. Darauf sollen dereinst sieben schöne Ritterfräulein gehaust haben, deren Schönheit dem Schloss den Namen verlieh. Aber so groß auch die Reize dieser sieben Fräulein waren, eben so stark war auch ihre Abneigung gegen die Liebe; keines Ritters Bewerbung erhörten sie, einen Freier nach dem andern wiesen sie ab, manches edle junge Herz brach an den Felsenherzen der sieben Schwestern.

Aber das Geschick beschloss ihre Strafe. Eines Tages landete ein Nachen unten am Fuße des Berges, darin saßen sieben ritterliche Jünglinge in kostbarer Tracht und von vornehmem Gebaren. Sie kamen zur Burg, stellten sich den Fräulein vor und warben um ihre Hand. Es war aber alles vergebens, die Schwestern blieben kalt.

Mit einem Male verdunkelte sich der Himmel, eine höllische Musik ertönte, die Jünglinge umschlangen die sieben Schwestern, jeder eine, wie zum Tanzreigen und schwangen sich tanzend und drehend aus der Burg, über die Zugbrücke, den Berg hinab in den Strom hinein, der stürmisch unter Donnern und Blitzen wogte.

pixelio.de - Die sieben SchwesternAls es aber am reizenden Strom wieder hell und friedlich geworden war, siehe, da ragten sieben Felsenspitzen aus dem Strom, in diese waren die Jungfrauen mit den Felsenherzen zur Strafe ihrer unnatürlichen Härte verwandelt. Größere Flut überragt sie, kleinere lässt sie sichtbar werden.

Die Rheinschiffer kennen sie unter dem Namen der sieben Jungfern und haben unter sich die Sage, wenn ein Mächtiger diese Felsen dem Strombett enthöbe und sie zu Säulen einer Betkapelle bilde, so würden die Jungfrauen erlöst werden, wieder auf die sich erneuernde Burg zurückkehren und jede nach der jahrhundertelangen Buße einen Mann beglücken.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Dirk Schmidt/PIXELIO (Bild 1 – Burg Pfalzgrafenstein)
© Kurt Michel/PIXELIO (Bild 2)

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Irmina – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Dienstag, August 31st, 2010

Irmina

Als die Franken, ihrem König Clodwig nachfolgend, die christliche Religion angenommen hatte, begünstigten ihre Herrscher auch die alte, heilige Stadt sehr. Es sind viele Beispiele vorhanden, dass Schwestern, Töchter oder nahe Verwandte der Könige in den Klöstern als Äbtissinnen ihr Leben beschlossen.

So war es auch mit der nachher heilig gesprochenen Irmina. Sie war eine Tochter des austrasischen Königs Dagobert II. Geboren im Jahr 662 wurde sie im zartesten jungfräulichen Alter mit einem fränkischen Grafen, Hermann, verlobt. Irmina schloss sich bald mit kindlicher Liebe an den starken, gewaltigen Mann an. Er war ihr Ideal, ihr Alles. Hermann, zwar rauh und bereits in den Jahren vollkommener Mannheit, vergaß doch in ihren Armen den männlichen Ernst, von dem er gewöhnlich umfangen war.

In Trier sollte die Vermählung gefeiert werden, und alle Anstalten dazu wurden mit großem Aufwand getroffen. Die Braut hatte nur widerstrebend den elterlichen Hof verlassen; eine bange Ahnung begleitete sie auf der Reise. Unter ihren Dienern befand sich ein junger Mann, aus armer Familie stammend. Er hatte sie einst aus augenscheinlicher Lebensgefahr gerettet, und dem Gefühl der Dankbarkeit nachgebend, litt sie ihn gern in ihrer Umgebung.

Seit Graf Hermann zu ihrem Verlobten erklärt war, wurde dieser junge Mann namens Edgar immer tiefsinniger. Oft sah man ihn allein, und wurde er um die Ursache seiner Niedergeschlagenheit befragt, so hatte er nie eine Antwort. Irmina hatte Mitleid mit dem jungen Mann, sie beschenkte ihn reichlich, gestattete ihm mehr Freiheiten als jedem andern ihrer Untergebenen.

Was fruchtete alles dies? Die Wunde des Ärmsten war unheilbar. Er liebte seine Herrin, die schöne Irmina, die Königstochter. Wütende Eifersucht verzehrte sein Inneres, wenn er die Geliebte in den Armen des Grafen sah, zuckte die Hand nach dem Dolch, wenn er Erfrischungen in das Gemach tragen musste und die Liebenden auf dem Lotterbett sitzen sah.

Endlich schlug der Tag der Abreise, der Graf war längst voran nach Trier, Irmina folgte in kurzen Tagreisen. Alles war bereits zum Fest in der alten Augusta bereitet, Waffenspiele angeordnet, unzählige Gäste von nah und fern geladen und fröhlich durchstrich das vergnügungssüchtige Volk der Trierer die Straßen.

Edgar rannte, Verzweiflung im Innern, in dem alten Kaiserpalast die Treppen auf und nieder. Plötzlich schien ein fester Entschluss in ihm aufzudämmern und von Stund an war er gefasst. Den Tag vor der Vermählung trat er vor den Grafen, ihm mit freundlicher, einschmeichelnder Rede meldend, es sei ihm die Nachricht geworden, ein fremder Künstler sei im Besitz eines kostbaren Brautschmucks und er sei bereit, ihm solchen zu verschaffen, wenn er ihn begleiten wolle.

Irmina

Der Graf, der aus Liebe zu Irmina und um sie zu schmücken wohl noch mehr getan hätte, war alsbald bereit ihm zu folgen, und schweigend und ohne Aufsehen verließen beide den Palast. Als sie nun den hohen Berg, welcher sich auf der rechten Seite des Flusses unweit Trier erhebt, bestiegen hatten und der Graf sich einige Momente an der herrlichen Aussicht weidete und sich ermüdet auf sein Schwert stütze, trat Edgar zu ihm, umschlang ihn mit gewaltigem Arm und stürzte sich mit ihm in die Tiefe.

Den andern Tag sollte die Vermählung gefeiert werden; aber der Bräutigam war verschwunden und vergebens waren die Tränen, die Verzweiflung der weinenden Braut. Nach mehreren Tagen fand man die zerschmetterten Körper am Fuß des Felsens; fest hielten sich die beiden Nebenbuhler auch noch im Tod umschlungen.

Irmina aber suchte und fand in Christo einen zweiten Bräutigam. Sie trat bereits im Jahre 675 in das Kloster, Horreum oder Oehren genannt, und wurde ein Muster von Tugend und Frömmigkeit. Im Jahre 707, am 24. Dezember, schied sie von dieser Erde, auf welcher sie so manchen Kummer ertragen. Sie wurde unter die Zahl der Heiligen aufgenommen.

(F. Menk)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia (Bild 1 – Trier um 1897/Kaiserpalast -Denkmal Wilhelm I - loki11 – gemeinfrei)
Wikipedia (Bild 2 – Mosellandschaft/Carl Friedrich Lessing – gemeinfrei)

 

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Kloster Hude – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, August 31st, 2010

 

Kloster HudeIn dem Garten des Herrn von Witzleben zu Hude befinden sich die Ruinen eines schönen Mönchsklosters, die ihrer Schönheit wegen von Bremen und Oldenburg aus viel besucht werden. Das Kloster soll so groß gewesen sein, dass dreihundert Mönche darin wohnen konnten.

Jetzt sieht man nur noch die freilich immer noch bedeutenden Trümmer der Klosterkirche, wild von einer üppigen Pflanzenwelt durchwachsen, und die Kirchspielskirche, die aber den Mönchen als Waschhaus und Speicher gedient haben soll. Die Mönche, die dort gehaust haben, sind längst vermodert und haben kaum eine Spur von sich hinterlassen, doch sieht man noch manchmal des Nachts die Gestalt eines Mönchs unter einer der Fensterwölbungen stehen und Geld zählen, aber niemand weiß zu sagen, was sie eigentlich aus ihrer Grabesruhe heraus und nach oben treibt.

Eine andere Sage berichtet: Als das Kloster Hude gebaut wurde, sammelten sieben Mönche sieben Jahre lang weit und breit milde Gaben. Zum Dank wurden im Klostergarten ihre steinernen Bildnisse aufgerichtet, die noch lange standen, nachdem das Kloster selbst zerstört war. Den Mörtel zu dem Bau mischte man, um ihn desto haltbarer zu machen, mit süßer Milch, die man zwei Meilen weit im Umkreis herbeibrachte. Der Tagelohn der Arbeiter betrug drei Grote oder einen Scheffel Rocken.

Kloster Hude

Unter den Türmen des Klosters war einer so hoch, dass er den Schiffen auf der See zum Zeichen diente und bei der Zerstörung bis nach dem östlichen Ende des Baumhofes fiel. Das Kloster ist durch einen Bischof von Münster zerstört worden. Die Mönche besaßen nämlich ein oder zwei so künstlich abgerichtete Pferde, dass sie die ohne Führer nach verschiedenen Orten hin und her laufen lassen konnten, und die vorzüglich dazu gebraucht wurden, dem Abt, wenn er in der Stadt war, dies und jenes zu überbringen.

An diesen Tieren nun fand der Bischof ein besonderes Gefallen und bat die Eigentümer, sie ihm abzutreten. Als die Mönche sich dessen weigerten, forderte er es strenge; aber auch dies fruchtete nicht. Der Bischof sandte nun Gewaltboten; aber diese wurden von den Mönchen durch köstliche Bewirtung aufgehalten oder ins Verließ geworfen und wohl gar getötet.

Da ergrimmte der Bischof und schickte seinen Drosten Wilke Steding, um die Übeltäter zu züchtigen. Dieser nahm das Kloster ein und verwüstete es; aber die Mönche fing er nicht, denn diese waren alle durch einen unterirdischen Gang entflohen und hatten ihre Zuflucht in dem damals noch mit Wald bedeckten Nordenholzer Moor genommen, wo auch die Krieger, die man ihnen nachsandte, ihrer nicht habhaft werden konnten.

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjahn, 1825-1881)

Quellenangabe:
Wikipedia
- Kloster Hude, südliche Mittelschiffsmauer – Bild von Hardegen 1867 (Bild 1) Verwendung gemeinfrei
- Grundriss des Klosters nach G. Sello 1843 (Bild 2) Verwendung gemeinfrei

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Tu du es! – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, August 31st, 2010

pixelio.de - Tu du es! 

Bei einem Gutsherrn in Cottbus konnten es die Dienstmädchen nicht aushalten. Jede Nacht erschien etwas an ihrem Bett. Davor entsetzten sie sich so, dass sie stets nach wenigen Tagen den Dienst aufgaben. Einst trat ein Mädchen in den Dienst, das fest entschlossen war, denselben nicht aufzugeben, es geschehe, was da wolle.

Als es Abend wurde, legte sich das Mädchen zu Bett. In der Nacht trat ein Mütterchen an ihr Bett und sprach: "Blau Flämmchen, Hanka, geh in den Keller." Da erfasste das Mädchen dennoch ein Grauen und es kroch unter die Decke. In den folgenden Nächten hatte es dieselbe Erscheinung.

Endlich entschloss sich die Magd, zum Pfarrer zu gehen und ihm das Begebnis mitzuteilen. Der Pfarrer riet ihr, sie solle dem Mütterchen folgen, stets aber, wenn es von ihr etwas verlange, antworten: "Tu du es."

In der folgenden Nacht, als das Mädchen sich wieder zu Bett gelegt hatte, erschien das Mütterchen wieder und sprach: "Blau Flämmchen, Hanka, geh in den Keller." Das Mädchen erwiderte: "Tu du es." Darauf ging das Mütterchen voran, Hanka aber folgte. Als sie an die Kammertür kamen, fanden sie diese verschlossen. Da sprach das Mütterchen: "Hanka, schließ auf." Diese aber antwortete: "Tu du es." Da hauchte das Mütterchen in das Schloss hinein; sofort sprang die Tür auf.

pixelio.de - Tu du es!Darauf trat das Mütterchen in den Keller, das Mädchen folgte ihm. In einer Ecke des Kellers spielte ein blaues Flämmchen über der Erde. Das alte Mütterchen ergriff eine Schippe und sprach zu dem Mädchen: "Grabe nach." Das Mädchen aber erwiderte: "Tu du es." Darauf grub das Mütterchen nach. Bald stieß es auf einen Topf mit Gold. Den hob das Mütterchen aus der Erde und trug ihn dem Mädchen auf die Kammer.

Das Mädchen legte sich zu Bett und schlief ruhig ein, als ob nichts geschehen wäre. Am andern Morgen glaubte es geträumt zu haben, allein vor seinem Bett stand richtig ein Topf mit Gold. So war das Mädchen sehr reich geworden. Nachträglich stellte sich heraus, dass einst eine alte sehr geizige Frau das Geld vergraben hatte. Sie hatte aber im Grab keine Ruhe gefunden, bis ihr vergrabener Schatz wieder ans Licht kam.

(Edmund Veckenstedt, 1840-1903)

Verwendete Bilder sind von:
© Liane/PIXELIO (Bild 1)
© Kerstin Nimmerrichter/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Göttinger Wald – eine Sage aus Niedersachsen

Mittwoch, August 25th, 2010

pixelio.de - Der Göttinger Wald

Die Waaker erzählen, der Göttinger Wald habe ursprünglich bis an den Twêschweg ihnen gehört und sei erst auf folgende Weise an die Göttinger gekommen.

Die Waaker hatten sich um den Wald wenig bekümmert, und so war es zugegangen, dass die Göttinger sich einen Teil davon anmaßten. Darüber entstand nun ein Prozess zwischen beiden. Da nun niemand die Grenze genau zu bestimmen vermochte, trat ein alter Hirt aus Herberhausen auf und sagte, er wisse sie genau anzugeben; denn er habe in dem Wald viele Jahre lang das Vieh gehütet.

Darauf musste er sich zu einem Göttinger Ratsherrn in den Wagen setzen, und dieser fuhr mit ihm an Ort und Stelle. Der Hirt aber dachte, etwas müssten die Waaker doch wohl behalten, und ging dann so dicht an dem Feldrain hin, dass nur der schmale Streifen Waldes Neu-Waake gegenüber, welcher der Streitforst heißt, liegen blieb und den Waakern zugesprochen wurde.

Als die Waaker nun sahen, wie er so die Grenzen abging und fast den ganzen Wald den Göttingern zuwandte, riefen sie ihm laut zu, sie wollten, dass er Hals und Beine bräche. Der Wunsch ging auch schnell in Erfüllung; denn als der Hirt wieder in den Wagen steigen wollte, fiel er und brach das Genick.

(Georg Schambach, 1811-1879 & Konrad Hermann Wilhelm Müller, 1812-1890)

Verwendetes Bild ist von:
© HeidNeu (Göttingen)/www.pixelio.de

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Zirkzirk – eine Sage

Dienstag, August 24th, 2010
ZirkzirkEiner Frau hat einmal das Spinnen nicht recht von der Hand gewollt, und ihr Mann hat oft gescholten, dass sie nichts vor sich bringe, und wie sie einmal darüber ganz traurig ist und so in ihren Gedanken dahingeht, steht plötzlich ein Zwerg vor ihr, der sie fragt, was ihr fehle und ob er ihr nicht helfen könne. Da erzählt sie ihm alles, und der Zwerg sagt, er wolle ihr helfen, wenn sie ihm nur das geben wolle, was sie unter der Schürze habe; könne sie aber raten, wie er heiße, so brauche sie ihm gar nichts zu geben.
 

Die Frau bedachte sich auch nicht lange und sagte ja, denn sie glaubte nichts darunter zu haben. Von der Zeit an hat sie immer Garn genug gehabt, und alle Sonnabende, wenn ihr Mann kam und nachsah, war das Stück voll. Da ist sie vergnügt und zufrieden gewesen, aber es hat nicht lange gedauert, da hat sich das geändert, denn sie sollte in die Wochen kommen und wußte nun wohl, was der Zwerg gemeint habe. Voll Betrübnis hat sie alles ihrem Manne erzählt, und wie der eines Tags über einen Berg geht, hört er ein schnurrendes Rad im Berge drehen und einen Zwerg dazu singen:

"Dat is gaut dat dat de gnädige Frau nich weit
dat ik Zirkzirk heit."

Da ist er vergnügt nach Hause gegangen, hat alles seiner Frau erzählt, und als die Frau in die Wochen gekommen ist und der Zwerg sich einfand, um das Versprochene zu holen, hat sie ihm sogleich gesagt, wie er heiße, und seit der Zeit ist er nicht wiedergekommen.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Die Nixe Lorelei – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Dienstag, August 24th, 2010

Die Nixe LoreileiEinst lebte ein Pfalzgraf bei Rhein hier zu Bacharach, der einen kräftigen schönen einzigen Sohn hatte. Ihn hatte einst die Nixe erblickt, als er unterhalb des Felsens, der einen Vorsprung bildet, badete; schon wollte sie ihren Zaubergesang anstimmen und sich dem in den Fluten spielenden Jüngling in ihrer ganzen Schönheit zeigen, als sie Mitleid mit ihm fühlte, denn sie empfand wirkliche Liebe für ihn.

Lange Zeit hörte man jetzt nichts mehr von der Wasserjungfrau, und ohne Gefahr konnten die Fischer selbst unter dem Felsen ihre Netze auswerfen, den jungen Pfalzgrafen aber schien seit diesem Augenblick in allem, was er unternahm, das Glück zu verfolgen. Wenn er auf der Jagd ganz erschöpft und verdurstet niedersank, da sprudelte auf einmal ein silberheller Quell neben ihm auf und er sah sich mitten in ein reiches Bett von süßen Waldbeeren versetzt; wollte er ausruhen, so fand er eine kühle Felsengrotte mit weichem Mooslager, kurz, es schien ein freundlicher Schutzgeist ihn überallhin zu begleiten.

Eines Abends, als er von der Jagd zurückkehrte, wurde er aber auf der ihm sonst so bekannten Bahn irre, er kletterte auf dem Felsen herum, ohne den Weg nach dem Fluss hinab finden zu können, im Gegenteil, er entfernte sich immer weiter von ihm. Da klang es ihm wie Saitenspiel ins Ohr, er kletterte eine Felswand hinan, um freie Aussicht auf den Strom zu gewinnen; auf der Felsenkuppe angelangt, stand er auf einmal wie geblendet, denn er sah plötzlich eine Jungfrau vor sich, so hold und liebreizend, wie sein Auge noch keine erblickt hatte.

Schon wollte er auf sie zuschreiten, als der Gedanke an die Nixe Lorelei durch seine Seele fuhr und er, sich andächtig bekreuzend, wie festgewurzelt stehenblieb. Plötzlich war die Jungfrau verschwunden und er fand sich wie aus einem Traum erwachend  auf dem rechten Weg wieder, der hinab zum Fluss führte.

Seit diesem Abenteuer konnte der Jüngling aber den Gedanken an das wunderbare Frauenbild nicht wieder loswerden, er dachte Tag und Nacht an sie, stets klang die Melodie ihres Zaubergesanges vor seinen Ohren und schien ihn nach jenem Felsen hinzulocken. Die Folge davon war, dass er für ritterliche Spiele und seine frühere Lieblingsbeschäftigung, die Jagd, bald keinen Sinn mehr hatte und diese Verwandlung seinem Vater so auffiel, dass er ihn nach der Ursache fragte.

Als nun der Jüngling gestand, was er gesehen hatte, da beschloss der Pfalzgraf, ihn fortzusenden an das kaiserliche Hoflager, vielleicht, dass die Entfernung ihn von dem Gedanken an die Nixe abbringen möge; der Tag des Scheidens war schon bestimmt und es schien anfangs, als wenn der Jüngling gern dem Wunsch seines Vaters nachkomme; allein je näher der herankam, desto beklommener wurde sein Herz, und wie er sich auch mit Gewalt von diesen Gefühlen durch Anstrengungen auf der Jagd abziehen wollte, es gelang ihm nicht.

Am Tag vor seiner Abreise aber bat er seinen alten Erzieher, mit ihm hinauszuziehen zum Rhein, um sich das letzte Mal mit Fischen auf dem Strom zu belustigen. Der konnte es ihm nicht abschlagen und so fuhren sie denn mit dem Netz über die Fluten dahin und die reichste Beute wurde ihnen zuteil. Der Junker lenkte aber den Kahn nahe am Ufer hin, dem gefährlichen Felsen immer näher, ohne dass sein Gefährte, des glücklichen Fanges sich freuend, es bemerkte; da auf einmal, als der Mond in seiner ganzen Pracht hinter der Lorelei auftauchte und sein freundliches Licht auf den Höhen leuchtete und in den Wellen zitterte, da erblickte der Jüngling hoch oben auf der Platte die Junfrau in ihrem vollen Zauberreiz, wie er sie schon einmal gesehen.

Die Nixe aber stimmte ihren Gesang an und breitete die Arme aus, als wollte sie den Gegenstand ihrer Liebe brünstig umfangen. Da entsank dem Jüngling das Steuer, sein Auge sah nur sie, der Kahn, immer näher der Klippe gekommen, glitt dem brausenden Wirbel der Gewässer zu, die sich wild stürmend an dem Felsen brachen und auf einmal hoch sich auftürmend den Kahn und seine Führer verschlangen, welche die Gefahr nicht ahnten. Zwar trug den alten Erzieher eine Woge an das jenseitige Ufer, allein keine brachte den Jüngling wieder. Jener musste dem Pfalzgrafen die traurige Kunde bringen und dieser in wildem Zorn aufbrausend versprach hohen Lohn dem, der ihm die Nixe tot oder lebendig ausliefern werde.

Als aber der Mond am andern Abend aufging, da umstellten Reisige den ganzen Felsen, und wie das Gestirn hoch über der Platte stand, da war auch die Nixe wieder da. Mutig ging der alte Knappe auf sie los und fragte sie, wo der Jüngling sei, sie aber gab keine Antwort, sondern deutete nur auf die Wogen hinab, die auf einmal grollend aufbrausten.

pixelio.de - Die Nixe Loreilei

Da warf sie ihr kostbares Perlenhalsband hinab, welches dieselben zu beruhigen schien, sang noch eine Zauberweise, warf ihren Schleier von sich, der langsam hinabsank, und von ihm getragen wurde sie von den Fluten in die Tiefe gezogen und nie mehr gesehen.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Emil Krupa-Krupinski (1872–1924): Loreley, 1899 (Bild 1)/gemeinfrei/Quelle Wikipedia

© rundumkiel.de (Bild 2) www.pixelio.de

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