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Archive for the ‘Bayern’ Category

Der Nixenbrunnen – eine Sage aus Bayern

Freitag, Januar 6th, 2012

 

Der NixenbrunnenAuf dem Weg von Würzburg nach Randersacker am Fuß des Neuberges stand vor hundert Jahren der Nixenbrunnen. In diesem wohnten drei zauberschöne Nixen, welche jedesmal, wenn man den sogenannten Herbstpöpel mit Tanz und Gesang bei Fackelschein feierte, sich unter die tanzenden Winzer mischten, aber oft mitten im Tanz ihren Tänzern enteilten, um in ihren Brunnen zurückzukehren.

Als einst der Sohn eines Würzburger Ratsherrn, der einer Nixe nacheilte, in den Brunnen gezogen wurde und nicht mehr zum Vorschein kam, ließ dessen Vater den Nixenbrunnen verschütten und einen Haufen Steine dort aufrichten.

(Heinrich Pröhle, 1822-1895)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Altes Rathaus Grafeneckart, Würzburg, Urheber Christian Horvat, gemeinfrei)

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Neunerlei Essen – eine Sage aus Bayern

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

pixelio.de - Neunerlei Essen 

Einst hoben zu Coburg einige Jungfrauen neunerlei Essen auf und stellten es in der Christnacht auf den Tisch, sich dazu setzend, um ihre Liebhaber zu erblicken. Darauf kamen ihre Liebsten alle, jeder brachte ein Messer mit und wollte sich zu ihnen niederlassen.

Darüber erschraken die Jungfrauen und flohen mit Geschrei aus dem Zimmer. Einer nahm sein Messer und warf es den Fliehenden nach, da sah sich eine um, blickte den an, der geworfen, und hob das Messer auf. Diese hat ihren Liebsten bekommen.

Es soll sich aber auch schon zugetragen haben, dass bei solchem Frevel statt der Liebhaber der leibhafte Tod eingetreten ist, sein Stundenglas vor eine hingesetzt hat, und diese hat dann sterben müssen.

(Ludwig Bechstein, 1801-1860)

Verwendetes Bild ist  von:
© Gerd Altmann/www.pixelio.de

 

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Das Hemdabwerfen – eine Sage aus Bayern

Dienstag, Dezember 13th, 2011

 pixelio.de - Das Hemdabwerfen

Zu Coburg saßen am Weihnachtsabend mehrere Mädchen zusammen, waren neugierig und wollten ihren künftigen Liebhaber erkunden. Nun hatten sie tags vorher neunerlei Holz geschnitten, und als die Mitternacht kam, machten sie ein Feuer im Gemach und die erste zog ihre Kleider ab, warf ihr Hemd vor die Stubentür und sprach bei dem Feuer sitzend:

"Hier sitz ich splitterfasernackt und bloß,
wenn doch mein Liebster käme
und würfe mir mein Hemde in den Schoß!"

Hernach wurde ihr das Hemd wieder hereingeworfen und sie merkte auf das Gesicht dessen, der es tat; dies kam mit dem überein, der sie nachdem freite.

Die andern Mädchen kleideten sich auch aus, allein sie fehlten darin, dass sie ihre Hemden zusammen in einen Klump gewickelt hinauswarfen. Da konnten sich die Geister nicht finden, sondern huben an zu lärmen und zu poltern, dermaßen, dass den Mädchen grauste. Flugs gossen sie das Feuer aus und krochen zu Bett bis frühe, da lagen ihre Hemden vor der Türe in viel tausend kleine Fetzen zerrissen.

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendetes Bild ist von:
© Angelina Ströbel/www.pixelio.de

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Lehre für Prediger – eine Sage aus Bayern

Dienstag, Dezember 13th, 2011

 

Lehre für Prediger1544 schwängerte ein Schüler eine Nürnberger Wittfrau, welche nach ihrer Niederkunft sofort das in Unehren erzeugte Kind zur Taufe schickte. Als nun der Priester das Kind taufen sollte, fragte er zuvorderst: wer des Kindes Vater sei. Als ihm aber niemand hiervon Nachricht zu geben wusste, versagte er ihm die Taufe und schickte das Kind der Mutter ungetauft wieder nach Haus.

Die trostlose Mutter fiel hierüber in solche Verzweiflung, dass sie sofort dem Kind das Hälschen umdrehte und danach sich selbst mit dem Strang erwürgte. Kaum kam dieser doppelte Mord dem Schüler zu Ohren, so stach er sich ein Messer ins Herz; und als der Priester solchen Jammer hörte, und sich wegen seines unzeitigen Eifers hieran schuldig wusste, griff er gleichfalls zum Strick und erhängte sich in seinem eigenen Hause.

Also sollen die Priester bedenken, dass sie Diener und nicht Herren der heiligen Sakramente seien.

(Heinrich Christoph Büttner, 1766-1816)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Im Backofen – eine Sage aus Bayern

Sonntag, Dezember 4th, 2011

 

Wenn man zwischen dem Erbig und dem Erbsenrain, zwei Bergen in der Nähe von Schweinheim, hinausgeht, kommt man in eine tellerförmige Vertiefung, welche jetzt "im Backofen" heißt.

Im BackofenDort wohnte vor vielen Jahren ein Bäcker, der war kein ehrlicher Mann. In der teuren Zeit mischte er Sand unter das Mehl und betrog auch sonst die Leute, wo er konnte. Er wurde reich, aber unrecht Gut gedeiht nicht. Als die Schweden kamen, wurde sein Haus verbrannt, er verlor seine ganze Habe und starb als ein Bettler.

Viele Jahre vergingen, es dachte kein Mensch mehr an den bösen Bäcker. Da fuhr einmal ein Mann hinaus in das Feld, um seinen Acker zu zackern, der gerade an den Platz stieß, wo das Bäckerhaus gestanden hatte. Der Mann war guten Mutes und pfiff und sang. Wie er im besten Pflügen ist, hört er ein eifrigen Schaffen und eine Stimme, die ruft: "Misch das Brot, Frau, dass wir bald einschießen können" – und ähnliche Reden.

Der Mann bleibt stehen und hört dem Treiben eine Weile zu, fürchtet sich aber nicht; er pflügt den Acker hinauf und hinunter, und als er wieder hinkommt, wo sich die Stimme hören lässt, ruft er fröhlich: "Na, backt mir auch einen schönen Kuchen!" Es ist freilich nur sein Spaß und er denkt nichts Arges dabei; als er aber mit seinem Pflug wieder herunter kommt, liegt am Ende der Furche ein schöner Kuchen.

Jetzt wird’s dem Mann doch unheimlich. Er fährt mit seinem Pflug heim, nimmt aber unwillkürlich den Kuchen mit. Daheim erzählt er seiner Frau die Geschichte; es wird ihr ganz gruselig, allein der Kuchen riecht gar so gut und sie kann sich nicht enthalten, davon zu essen und der Mann isst mit. Nach drei Tagen waren beide tot.

(Adalbert von Herrlein, 1798-1864)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Mittelalterliche Darstellung eines Bäckers – gemeinfrei)

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Der ewige Student zu Würzburg – eine Sage aus Bayern

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Der ewige Student zu Würzburg

Mancher, der nächtlicherweile an der östlichen Seite des Universitätsgebäudes vorüberging, wo oben die Gitterfenster des Karzers herabschauen, hat schon eine in einen Mantel gehüllte dunkle Gestalt die Mauer entlang auf und ab wandeln gesehen. Das ist der ewige Student.

Vor langen Jahren war einmal an der Würzburger Hochschule ein flotter Studiosus, dem Nachtschwärmereien und wüste Zechgelage zur anderen Natur geworden waren. Der Karzer war daher sehr oft seine Herberge.

Da er von seinem wilden Leben durch keine Ermahnungen abzubringen war, so wurde er von seinem Vater verflucht, ewig den Studentenkarzer zu hüten. Sooft sich nun der ewige Student sehen lässt, deutet es eine neue Bevölkerung des Karzers an.

Solange aber der ewige Student nicht von seiner nächtlichen Geisterwache ablässt, so lange blüht die Alma Julia fort. Die Menschen sterben, die Wissenschaft lebt ewig.

(Alexander Schöppner, 1820-1860)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Würzburger Universitäts-Karzer um 1828, Aquarell vermutlich von Heinrich Ambros Eckerts – gemeinfrei)

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Die Kinder des Fürstbischofs Julius – eine Sage aus Bayern

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Die Kinder des Fürstbischofs Julius 

 

Als Fürstbischof Julius von Würzburg zum Reichstag nach Regensburg am 10. Mai 1594 abreiste, sagte er zu den Dekanen der vier Fakultäten und den Vorstehern des Domkapitels: die Hochschule sei gleichsam seine einzige Tochter und das von ihm errichtete Spital sein einziger Sohn; er hinterlasse keine außerehelichen Kinder, denen manche auf schädliche Art große Geldsummen zuwendeten; er empfehle diese als sein Liebstes ihnen und dem ganzen Domkapitel, sie sollten sie in besonderen Schutz nehmen und all ihr Ansehen, ihre Liebe zur Kirche, zum Hochstift und zu den Wissenschaften aufbieten, um ihren guten Fortbestand zu sichern, wenn er stürbe.

(Alexander Schöppner, 1820-1860)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Alte Universität Würzburg – gemeinfrei)

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Die blinde Jungfrau von Bamberg – eine Sage aus Bayern

Sonntag, September 19th, 2010

pixelio.de - Die blinde Jungfrau von Bamberg

"Heut hat sich die blinde Jungfrau sehen lassen", oder auch: "Heut hat sich die blinde Gerechtigkeit wieder sehen lassen", hört man oft sagen. "Ist denn wieder das Tuch herabgefallen?", fragt man dann, und die Antwort ist: "Es muss wohl so sein".

Die Geschichte ist folgende: Am alten Dom zu Bamberg, bei dem Prachttor oben steht eine Jungfrau von Sandstein ausgehauen. In ihrer Rechten hält sie einen Stab, der ist zerbrochen, in ihrer linken Hand zehn Ziegel. Ihre steinernen Augen aber sind verbunden mit einem Tuche, wie’s der Weber macht.

Die Figur aber stellt eine Jungfrau vor, die einst öffentlicher Unzucht angeklagt und als schuldig erkannt wurde. Vergebens beteuerte sie ihre Unschuld; wohl mehr als zehn Mal fiel sie nieder auf die Knie, rief Pfaff und Laie an, sie doch nicht schmachvoll sterben zu lassen durch Henkerhand; vergebens, man riss sie auf und schleppte sie halbtot weiter. Als sie an den Dom gekommen war und zum alten Schloss, raffte sie sich noch mal auf und rief, die Blicke gen Himmel: "Der Mensch hat kein Erbarmen mit meiner Unschuld, ihr Ziegel auf dem Dache habt’s noch eher, so erbarmt ihr euch!" Kaum hatte sie das gesprochen, fielen zehn Ziegel vom Dache und schlugen sie tot.

Volk und Richter nahmen es als ein Himmelszeichen, und der Jungfrau Bildnis prangt an dem Orte, wo das Wunder geschehen ist. Der Bildhauer, der die Augenbinde vergaß, die das blinde Urteil sollte bedeuten, verband die Augen mit einem rechten Tuche, und so oft es durch das Wetter zu faulen anfängt, geht die Jungfrau wandeln. Um Mitternacht schwebt sie auf dem Domberg auf und nieder, und die Wachtposten haben nicht den Mut, sie anzurufen; sie schwebt dann weiter und pocht an alle Domherrenwohnungen, jede Nacht es wiederholend, bis ihre Augen ein frisches Tuch bedeckt.

(Friedrich Panzer, 1794-1854)

Verwendetes Bild ist von:
© Rainer Giel (Dom zu Bamberg)
www.pixelio.de

 

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Des Teufels Heirat – eine Sage aus Bayern

Sonntag, September 19th, 2010

pixelio.de - Des Teufels Heirat 

Als dem Teufel es nicht mehr länger im Junggesellenstand behagte und er sich nach einem ehrlichen Weibe umsah, da gefiel ihm keine als eine Rothenburgerin. Eines Abends kam er daher mit zwei Dienern gar stattlich und trefflich ausgerüstet als wie der reichste Edelmann zu dem Haus eines ehrsamen Bürgers und begehrte dessen Tochter zur Ehe.

Die Jungfrau war von so ausnehmender Schönheit und dabei so züchtig und wohlerzogen, dass es nicht wundersam erschien, wenn ein fremder, noch so vornehmer Herr um sie warb. Da nun die Mutter von dem Adel und der großen Pracht des Brautwerbers sogleich bezwungen und eingenommen war, durfte der Hausvater auch nicht "nein" sagen.

Eine Gasterei ward angestellt und die Verwandten wurden berufen. Der Bräutigam war unmäßig fröhlich, tanzte und banquetirte; seine beiden Diener, von denen der eine auf der Sackpfeife, der andere aber auf der Geige zu spielen verstand, machten eine so tolle Musik, dass alles von größter Lust war. Nur dem frommen Hauswirt schien es ein Betrug zu sein, und er ahnte, dass es nicht mit rechten Dingen zugehe.

Deshalb berief er heimlich einen ehrwürdigen Geistlichen zu sich, und ehe noch der Handstreich, wie man sagt, vor sich ging, hub jener ein erbauliches Gespräch aus der Heiligen Schrift an. Das verdrießt den Gast, und er spricht: "Wenn man wolle fröhlich sein, so solle man von andern Dingen reden."

Da bricht der Wirt heraus: "Euch, ihr bösen Feinde, kenne ich wohl, wir sind aber auf den Herrn getauft und gedenken uns wider List und Macht wohl zu schützen." Zur Stunde fahren die fremden Gäste davon, lassen aber einen bösen, unleidlichen Gestank hinter sich. Auch bleiben drei Leichname, die vorher an einem benachbarten Galgen gehenkt, in der Stube liegen. Also wurde es in manchem alten Buch erzählt.

(Heinrich Wilhelm Bensen)

Verwendetes Bild ist von:
© Rolf Handke/www.pixelio.de

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Das Pferd in der Wiege – eine Sage aus Bayern

Samstag, November 28th, 2009

pixelio.de - Das Pferd in der Wiege

Wenn man auf der Straße von Augsburg her nach Memmingen kommt, so erblickt man gleich an einem der ersten Häuser ein in der Wiege liegendes Pferd angemalt. Fragt man einen schlichten Memminger Bürger nach der Bedeutung dieses Gemäldes, so erhält man etwa folgende Auskunft:

"A früherer Besitzer von dem Haus ischt a maul der Moining gwest, sei Frau sei gstorba. Sie isch aber nit recht gstorba gwest, sondern blos scheintodt. Zur ghörige Zeit aber, am zwoita oder dritta Tag, haut ma sie in alle Ehra begraba. Die Frau wär au nomma me us ihrem Grab rauskomma bis an jüngste Tag.

Non haut aber dr Todtagräber gwisst, dass ma ihr etlich schöne, wertvolle Ring mit ins Grab ge haut, und dau haut r denkt, die brächtet ihm mehr Nutza, als der todta Frau. Er ist also spät in dr Nacht naus und haut’s Grab geöffnet. Iz aber denk a Mensch sein Schrecka! Wie r de Deckel weg tuat, wird d’ Frau lebendig, regt sie und staut auf. Dass dr Todtagräber d’ Laterna vergessa haut, isch koin Wunder; d’ Frau aber haut sie gnomma und isch mit r hoim.

Wie sie an ihrer Glocka g’litta haut, isch z’erst d’ Magd ans Fensta komma. Uf ihr Frauga: ‘Wer läut’t?’, antwortets drunta: ‘Mach auf, d’ Frau ists.’ Die moint nit anderst, als as sei a Gspenscht, weckt da Herra und verzält m allz. De hälts au für unmöglich und sait: ‘Eher liegt mein Pferd in der Wiege, als dass meine Frau da drunten ist.’

Wie ma aber gschaut haut, dau ischts denn doch d’ Frau gwest und haut allz verzält und haut no manchs Jaur glebt, bis sie wirklich gstorba ischt, und zum Andenka an dia Begebenheit ist an dem Haus das Pferd in dr Wiega angmault bis uf da heutiga Dag."

(Alexander Schöppner, 1820-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Klaus-Uwe Gerhardt/www.pixelio.de

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