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Archive for the ‘Bayern’ Category

Das Pferd in der Wiege – eine Sage aus Bayern

Samstag, November 28th, 2009

pixelio.de - Das Pferd in der Wiege

Wenn man auf der Straße von Augsburg her nach Memmingen kommt, so erblickt man gleich an einem der ersten Häuser ein in der Wiege liegendes Pferd angemalt. Fragt man einen schlichten Memminger Bürger nach der Bedeutung dieses Gemäldes, so erhält man etwa folgende Auskunft:

"A früherer Besitzer von dem Haus ischt a maul der Moining gwest, sei Frau sei gstorba. Sie isch aber nit recht gstorba gwest, sondern blos scheintodt. Zur ghörige Zeit aber, am zwoita oder dritta Tag, haut ma sie in alle Ehra begraba. Die Frau wär au nomma me us ihrem Grab rauskomma bis an jüngste Tag.

Non haut aber dr Todtagräber gwisst, dass ma ihr etlich schöne, wertvolle Ring mit ins Grab ge haut, und dau haut r denkt, die brächtet ihm mehr Nutza, als der todta Frau. Er ist also spät in dr Nacht naus und haut’s Grab geöffnet. Iz aber denk a Mensch sein Schrecka! Wie r de Deckel weg tuat, wird d’ Frau lebendig, regt sie und staut auf. Dass dr Todtagräber d’ Laterna vergessa haut, isch koin Wunder; d’ Frau aber haut sie gnomma und isch mit r hoim.

Wie sie an ihrer Glocka g’litta haut, isch z’erst d’ Magd ans Fensta komma. Uf ihr Frauga: ‘Wer läut’t?’, antwortets drunta: ‘Mach auf, d’ Frau ists.’ Die moint nit anderst, als as sei a Gspenscht, weckt da Herra und verzält m allz. De hälts au für unmöglich und sait: ‘Eher liegt mein Pferd in der Wiege, als dass meine Frau da drunten ist.’

Wie ma aber gschaut haut, dau ischts denn doch d’ Frau gwest und haut allz verzält und haut no manchs Jaur glebt, bis sie wirklich gstorba ischt, und zum Andenka an dia Begebenheit ist an dem Haus das Pferd in dr Wiega angmault bis uf da heutiga Dag."

(Alexander Schöppner, 1820-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Klaus-Uwe Gerhardt/www.pixelio.de

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Der Wasser-Nix – eine Sage aus Bayern

Dienstag, November 3rd, 2009

 

pixelio.de - Der Wasser-NixZur Adventszeit hört man im Kahlgrund, in der Nähe von Schirmborn, bei stiller Nacht "Hoho! Hoho!" schreien. Obwohl es fast wie eine Menschenstimme klingt, so wird’s doch denen, die es hören, unheimlich, denn der Rufer ist der Wassernix, der in der Kahl wohnt.

Gesehen hat ihn noch niemand, aber seine Tücke sind wohlbekannt, und darum geht ihm jeder gern aus dem Wege, wenn sein Ruf erschallt, und nicht leicht wagt es jemand, in der Nähe der Kahl einen Spaß über ihn zu machen.

Einst zur Adventszeit hatten sich einige Männer von Königshofen vor Tagesanbruch aufgemacht, um ihre Besen nach Aschaffenburg auf den Markt zu tragen. Es war bitterlich kalt und alles gefroren, und die Kahl sah aus wie ein Gletscher. Die Leute hatten schwere Trachten und mussten tief im sandigen Schnee waten. Sie waren darum bereits ermüdet, als sie an die Kahl kamen, warfen ihre Trachten ab und ruhten eine Weile.

Da hörten sie plötzlich ein lautes Gepolter auf dem Eise der Kahl. Erschrocken sprangen sie auf, denn sie dachten alle zu gleicher Zeit an den Nix; um aber ihren Weg fortzusetzen, mussten sie über die Kahl, und es wollte auf dem Stege keiner der Erste und keiner der Letzte sein. Ein junger Mann sagte endlich scherzend: "Der Hannes soll vorausgehen, der ist ein frommer Mann, vor dem der Wassermann Respekt hat. Der Letzte will ich sein, der Wassermann und ich sind alte Freunde!"

Und so schritten sie über den Steg. Als sie bald hinüber waren, rief der, welcher zuletzt ging, spottend ihnen zu: "Habt acht, dass euch der Wassermann nicht holt! Hoho, Wassermann, hoho!" Er hatte die Worte kaum ausgesprochen, da ergriff ihn eine unsichtbare Hand und zog ihn hinab durch das Eis in die Kahl.

Die anderen Männer befiel ein solcher Schrecken, dass sie zwar lautlos ihren Weg fortsetzten, aber nach dem Verkaufe ihrer Besen auf einem anderen Wege heimkehrten und den Steg bei Schirmborn niemals mehr betraten. Von dem Mann, der in die Kahl versank, hat man nichts mehr gesehen. Ein Wasserwirbel bezeichnet aber jetzt noch die Stelle, wo ihn der Wassernix in die Tiefe zog!

pixelio.de - Der Wasser-Nix

(Adalbert von Herrlein, 1798-1864)

Verwendete Bilder sind von:
© VGMeril/PIXELIO (Bild 1)
© jokerbomber/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Riesenpflüge – eine Sage

Dienstag, November 3rd, 2009

Die Riesenpflüge

In uralter Zeit war der Main in mehrere Arme geteilt. So floss ein Arm da vorbei, wo jetzt Aschaffenburg steht und ein anderer ging oberhalb Nilkheim ab und vereinigte sich unterhalb Leider wieder mit dem ersteren. Bei Dettingen teilte sich der Fluss gar in drei Teile. Der eine floss links an Kleinwelzheim vorüber, der zweite in dem jetzigen Mainbette, so dass Kleinwelzheim auf einer Insel gestanden wäre, und der dritte ergoss sich über die Pfaffenwiesen am Heißeracker-Hof vorbei.

Der letzte war der stärkste, worauf die Schiffe notdürftig fortkommen konnten. Der Weg von dem nun ausgetrockneten Hümmelsee nach Großwelzheim heißt deshalb noch heutzutage der Schiffsweg.

Damals war das ganze Maintal mit Sümpfen bedeckt und der Landwirtschaft unzugänglich; nur der Ur, dessen Hörner noch hie und da aufgefunden werden, hauste in den Weiden- und Erlenwäldern, die an den Ufern und auf den Inseln des Maines wucherten. Die Höhen des Maintals waren von riesenhaften Männern bewohnt. Um den größtenteils guten Boden des Maintals dem Ackerbaue zu gewinnen und eine ordentliche Schifffahrt möglich zu machen, unternahmen es diese Männer, ein einziges Flussbett herzustellen.

Zu diesem Ende lockerten sie den Grund in dem einen Arm mit Riesenpflügen tief auf, und der Strom ergoss sich nun in den einen, und die übrigen legten sich allmählich trocken. Aber die alten Flussbette sind noch heute sichtbar.

Von den Pflügen wurden zum ewigen Gedächtnis eine Schar und eine Segge aufbewahrt; sie hängen in dem Hof des Schlosses zu Aschaffenburg. Die Rippe aber, die man oberhalb derselben sieht, soll von einem dieser Riesen herstammen.

(Adalbert von Herrlein, 1798-1864)

Bild-Quelle: Matthaeus Merian: Topographia Germaniae (gemeinfrei)

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Der Weber und der Zwerg – eine Sage aus Bayern

Sonntag, Juli 5th, 2009

 

pixelio.de - Der Weber und der ZwergAus dem Orte Fichtelberg in der Oberpfalz ging ein Weber in die Fremde. Als er zurückkehrte, waren seine Eltern tot. Niemand nahm ihn jetzt auf; denn seine Mutter war als böse Hexe verschrien gewesen.

Man wies ihn mit seinem Webstuhl hinaus in die Schafhütte einer zerfallenen Burg, die Zwergenburg genannt. Diese Hütte hatte der Schäfer verlassen müssen, weil die Zwerge nachts die Schafe verscheucht und versprengt hatten.

So stellte der Weber in der Hütte seinen Webstuhl auf. Als er in der ersten Nacht dort schlief, erwachte er plötzlich. Im hellen Mondschein sah er einen Zwerg in sein Schlafgemach kommen, befrackt, in kurzen Höschen, mit einem Hütchen auf dem Kopf, Schnallenschuhen an den Füßchen und einem Stöckchen in der Hand.

Neugierig beguckte der Kleine sich alles im Gemach. Zuletzt sprang er auf den Tisch, setzte sich – er war nur eine Spanne lang – auf den Brotlaib, der da noch lag, schnitt sich ein Stückchen ab und ließ es sich wohlschmecken.

Als er es verzehrt hatte, redete er den Weber an. Umsonst hier hausen, sagte er, das gäbe es nicht. Wenn der Weber hier wohnen wolle, dann müsse er drei Bedingungen erfüllen; Gold und Silber dagegen brauche er als Mietzins nicht zu zahlen. Die erste Forderung sei, dass bei jedem Vollmond der Webstuhl abgeräumt sein müsse, die zweite, dass der Weber niemals bei Nacht in die Werkstätte hineinsehe, die dritte, dass er schweigsam bleibe. Damit war der Gesell zufrieden, und der Zwerg ging.

pixelio.de - Der Weber und der Zwerg

Nun hatte der Weber einen Kaufherrn gefunden, der ihm Arbeit gab, und er richtete es so ein, dass mit dem nächsten Vollmond der Stuhl abgeräumt war. Als er am Morgen darauf in die Werkstatt trat, war er nicht wenig erstaunt, am Stuhl einen Streifen seidenen Gewebes mit einem Muster zu finden, das nicht seinesgleichen hatte.

pixelio.de - Der Weber und der ZwergDamit ging er zum Kaufherrn und bat um Seide, um nach dem Muster zu wirken. Er erhielt Seide, soviel er brauchte, und schon beim nächsten Vollmond brachte er ein wunderschönes Stück Seidenstoff. Das gefiel dem Herrn so, dass er dem tüchtigen Gesellen sofort neue Arbeit gab.

Der Weber hatte nun Brot genug und das, was er sonst benötigte, und öfter traf es sich, dass er am Morgen nach der Vollmondnacht ein neues, schönes Muster am Stuhle fand, das ihm stets neue Bestellungen verschaffte.

Darüber wurden aber des Webers Handwerksgenossen neidisch, besonders der Werkmeister. Sie bemühten sich daher auf alle Weise, ihm sein Geheimnis zu entlocken; er schwieg jedoch. Da führten sie ihn nicht selten zum Wein und machten ihn betrunken; aber auch so hielt er das dem Zwerg gegebene Versprechen.

Einmal kehrte er berauscht heim. Da erfasste ihn Neugier, die Werkstätte zu besehen. Schon hatte er den Griff der Tür in der Hand, als sein guter Geist ihn noch zurückhielt. Am Morgen fand er zwar ein Muster am Stuhl hängen, aber es war ganz verworren. Gleichwohl machte er es nach, und die Arbeit gefiel mehr als alle früheren Gewebe.

Indessen wurde ihm nun mehr und mehr mit Wein zugesetzt. Er verfiel daher in Trägheit und schlechte Sitten, und das Geschäft ging zurück. Um so mehr wollte er nun sehen, was die Zwerge machten. Er hatte aber einmal kaum die Tür geöffnet, als er ohnmächtig zu Boden fiel. Am Morgen danach war der Webstuhl zerbrochen und die Hütte in ihrem vorigen verfallenen Zustand.

Da nahm der erschrockene Weber seine Arbeit, um sie zum Kaufherrn zu bringen und ihm alles zu entdecken. Auf dem Wege dorthin legte er sich unter einem Baum nieder. Zufällig sah er nach dem Gewebe; es war in Asche zerfallen.

In höchster Verzweiflung machte er sich jetzt auf den Weg, um in die weite Welt zu gehen. Er kam in einen Wald, und hier dachte er, wie gut es für ihn wäre, wenn ihm der Teufel helfen wollte. Nun habe er doch nichts mehr zu verlieren, und dem Teufel wäre er ja ohnehin schon verfallen.

Wie er so dahinging, sah er vor sich ein zwei Schuh hohes Männchen auf einem Stein sitzen, das einen Stiefel ausgezogen hatte und ihn zu schmieren begann. Der Weber dachte, das werde wohl der Teufel sein. Das Männchen aber kannte des Gesellen Herz und rief ihm entgegen: "Ich bin nicht der Teufel, aber ich suche, was du suchst: Rache an den Zwergen. Willst du mit mir gehen, um dich zu rächen, so tue, was ich dir sage! Hole mir von dort unten zwei Binsen herauf!"

Der Weber brachte sie. Jeder setzte sich nun rittlings auf eine Binse, und so flogen sie weithin durch die Luft. An einem steinigen Platze hielten sie an und gingen dann – das Männchen voraus, der Weber hinterdrein – in das Steingewirr und zuletzt durch eine Kluft, die so eng wurde, dass der Gesell vermeinte, er müsse zu einem Kartenblatt werden, um durchzukommen.

Endlich machten sie halt. Da sagte das Männlein zum Weber: "Hörst du nicht Musik? Sie kommt von den Zwergen, die Hochzeit halten. Sieh durch diese Öffnung hinunter, und wenn die Braut in deine Nähe kommt, hole sie mir herauf!"

pixelio.de - Der Weber und der Zwerg

Da schaute der Weber durch eine Spalte in einen Saal hinab, wo die Zwerge bei süßer Musik fröhlich auf und ab gingen und tanzten. Die Braut trug gleich allen Gästen seidene Kleider; die Stoffe zeigten dieselben Muster, die einst an des Gesellen Webstuhl gehangen hatten. Im Bräutigam aber erkannte er den Zwerg von einst.

Köstlicher Speisegeruch stieg ihm jetzt in die Nase. Schon näherte sich ihm die Braut. Er wollte sie ergreifen, doch furchtsam zog er die Hand wieder zurück. Dem ungeduldigen Begleiter gegenüber entschuldigte er sich damit, dass ihm ein Schweißtropfen von der Stirn ins rechte Auge gelaufen sei. Auch beim zweiten Male zog er die Hand scheu zurück.

Da sprang das Männchen ihm zornig auf den Nacken und drohte, ihn zu erwürgen, wenn er nicht endlich zugriffe.

Zum dritten Male streckte der Gesell die Hand nach der Braut aus. Da aber nieste sie, und er rief unwillkürlich ein "Gesundheit!" zu ihr hinunter.

Nun brach mit einem fürchterlichen Getöse alles zusammen, und der Zwerg streckte den Weber mit einem Faustschlag zu Boden. Ohnmächtig lag er eine Zeitlang da.

Als er endlich erwachte, standen die Zwerge um ihn her, und der Bräutigam dankte ihm für die Rettung seiner Braut, ermahnte ihn aber, fortan ein besseres Leben zu führen. Mit Silber, sagte das Männchen, könne es ihm seine Tat nicht lohnen, bei der Arbeit aber wolle es ihm helfen wie früher.

So ging der Weber fröhlich wieder heim. Seine Hütte fand er hergestellt und mit dem Webstuhl drin. Die Arbeit begann jetzt aufs neue. Zu tun hatte er nun stets genug, und mit des Zwerges Hilfe ging die Arbeit bestens vonstatten.

pixelio.de - Der Weber und der Zwerg

(Julius Reuper)

Verwendete Bilder sind von:
© Frank Auer/PIXELIO (Bild 1)
© Mariocopa/PIXELIO (Bild 2)
© Judith Lisser-Meister/PIXELIO (Bild 3)
© delorean333/PIXELIO (Bild 4)
© korkey/PIXELIO (Bild 5)
www.pixelio.de

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Alt-Trauchburg – eine Sage aus Bayern (Allgäu)

Freitag, Juni 26th, 2009

pixelio.de - Alt-Trauchburg

Südöstlich von Kleinweiler, gegen das Sonneneck zu, ragen aus dem Waldesgrün eines Bergvorsprungs die mächtigen Ruinen von Alt-Trauchburg empor.

Die Sage erzählt, eine Frau habe einst die Burg erbaut und ihre Untertanen zu harten Fronarbeiten gezwungen. Das Geld sei aber damals noch so selten gewesen, dass sie ihre gesamte Barschaft in ein kleines Säckchen tat und es Tag und Nacht am Halse hängen hatte.

Später sollen in der Burg Zwingherren gewohnt haben, die das Volk hart bedrückten, bis endlich die Zeiten sich änderten, die Bauern sich erhoben, die Burg zerstörten und in Flammen aufgehen ließen.

So geschah es allen Raubburgen in der ganzen Gegend, und noch heutzutage erinnert der Brauch, am Funkensonntag Feuer zu brennen, an dieses Strafgericht durch die rebellischen Bauern.

In der zerstörten Burg aber sollen die Zwingherren fortgegeistert haben, und darum sah man oft noch in dem Gemäuer blutroten Lichtschein und wilde Flämmchen auflodern und umherfliegen. Deshalb mieden die Menschen früher zur Nachtzeit die Ruine.

(Karl Reiser)

Verwendetes Bild ist von:
© G.Redmann/PIXELIO
www.pixelio.de

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Eppelein von Gailingen – eine Sage aus Bayern

Donnerstag, Juni 11th, 2009

pixelio.de - Eppelein von GailingenHerr Apollonius - im Volksmund Eppelein – von Gailingen war fast fünfzig Jahre lang der Schrecken und Plagegeist der Nürnberger. Sein Stammschloss Gailing lag bei Rothenburg ob der Tauber, das er ebenfalls oft mit seinen Raubzügen und Schelmenstücken heimsuchte. Außerdem hatte er aber noch andere Burgen mit ansehnlichem Zubehör an Dörfern, Wald und Äckern. Er war ein unruhiger Gesell und vermochte ohne Kampf und Streit nicht zu leben. Ritter Eppelein besaß auch das Schloss Drameysel, dessen Reste noch heutigentags die Hinterwand eines in die Ruine hineingebauten Bauernhauses in dem gleichnamigen Dorfe bilden, das eine halbe Stunde von Muggendorf entfernt liegt. Auf diesem Schloss soll Eppelein seine Verbündeten versammelt haben, wenn er einen Streifzug auszuführen gedachte. Der Sage nach war er ein Zauberer und Hexenmeister.

Die Nürnberger hatten ein goldenes Vogelhaus, das sie seiner Form nach so benannten, darin aber statt der Vögel seltene Kostbarkeiten und Geschmeide aller Art – Gold, Silber und Juwelen – aufbewahrten. Diese Raritäten bekam die Bürgerschaft nur bei besonderen Anlässen zur Ansicht. Bei einer solchen Gelegenheit trat einmal ein stattlicher Ritter in das Gebäude, in dem außer anderen Merkwürdigkeiten auch das goldene Vogelhaus zu sehen war. Plötzlich entstand in einem anderen Zimmer ein Streit zwischen einigen Bauern und den Aufsehern, der so heftig wurde, dass alles dahin strömte. So blieb der Ritter ganz allein beim Vogelhaus zurück.

Nachdem die Ruhe wiederhergestellt war, entsetzten sich die Aufseher nicht wenig, als sie die Stelle leer fanden, an der das kostbare Vogelhaus gestanden hatte. Herr Eppelein von Gailingen – denn das war der fremde Ritter - hatte die Gelegenheit benutzt, das Kleinod unter seinen weiten Mantel genommen und sich auf seinen unten angebundenen Gaul geschwungen, der ihn samt seiner Beute nach Schloss Drameysel brachte. Von dort aus sandte er dem Rat ein spöttisches Dankschreiben für das erbeutete Vogelhaus und setzte noch hinzu, dass drei seiner Knechte den Streit angefangen hätten. Nur so war es ihm möglich gewesen, sich das Prachtstück anzueignen.

Wegen dieses Streiches mussten die Nürnberger im ganzen Reiche viel Spott ausstehen, und ihr Vogelhaus bekamen sie erst wieder, als lange Jahre danach der Schwäbische Bund die Raubburgen in Schwaben und Franken zerstörte. Dabei wurde es auf Schloss Absberg wiedergefunden, wohin es Ritter Eppelein verschleppt hatte.

pixelio.de - Eppelein von Gailingen

Einmal gelang es den Nürnbergern aber doch, ihren Todfeind mit seinem Knecht Jäckel in ihre Gewalt zu bekommen. Im Triumph führten sie ihn, mit Stricken auf sein Ross gebunden, in die Stadt, wo der Hohe Rat über ihn zu Gericht saß und ihn zur Sühne seiner vielen Freveltaten zum Tode verurteilte. Indes wurde er in ritterlicher Haft auf dem sogenannten fünfeckigen Turm gefangengehalten.

An dem Tage nun, da ihm sein Urteil verkündet werden sollte, starrte der ganze Burghof von Waffen. Zwischen zwei Reihen von Söldnern wurde der Gefangene auf die äußere Freiung herabgeführt. Da stand an einem Baum angebunden sein treuer Rappe, der ihn freudig anwieherte. Er war dem Söldnerhauptmann als Beuteanteil zugefallen. Eppelein seufzte tief und sprach: "Mein armer Hans, von dir fällt mir der Abschied schwer! Könnt ich dich doch noch einmal besteigen, ehe wir scheiden pixelio.de - Eppelein von Gailingenmüssen für immer!"

"Das mögt Ihr meinetwegen tun", sagte der gutmütige Hauptmann, "es ist noch nicht an der Zeit, dass Ihr vor die versammelten Ratsherren tretet."

Da dankte ihm Eppelein von Herzen und schwang sich auf das Ross. Die Söldner schlossen einen Halbkreis um ihn und gafften ergötzt und staunend auf den Ritter, der den Rappen so zierlich tummelte und dabei unvermerkt immer mehr der Mauer zulenkte, die den tiefen Burggraben nach innen umschloss. Aber siehe! Plötzlich erhob sich das edle Tier zum gewaltigen Sprung. Einen Augenblick sah man Ross und Reiter über dem Graben schweben. Ein Wutgeschrei erfüllte die Luft, und wie wahnsinnig stürzten die Soldknechte nach dem Tor, um es zu öffnen und die Zugbrücke niederzulassen.

Doch bei der allgemeinen Bestürzung und Verwirrung dauerte dies länger als gewöhnlich. Eppelein hatte bereits einen großen Vorsprung gewonnen und war längst im Walde verschwunden, als die ersten Söldner über die Brücke stürmten. Ungefährdet erreichte der Ritter sein Schloss Drameysel, wo er sich vor allen Nachstellungen sicher wusste.

Dass Eppelein seine Flucht nur mit Hilfe böser Zauberkünste ausgeführt habe, konnte den Menschen nicht zweifelhaft sein, dies um so weniger, als auch sein Knappe Jäckel spurlos verschwunden war. Der Söldnerhauptmann, der durch seine Gutmütigkeit das Entkommen des Ritters hauptsächlich verschuldet hatte, beschwor feierlich, dass er mit leiblichen Augen gesehen habe, wie das Ross sich in einen feurigen Drachen verwandelt habe, auf dem Ritter und Knappe durch die Luft geflogen seien. Andere behaupteten, Jäckel sei auf einem Besenstiel, den er gegen die Mauer gestemmt habe, in den Graben gerutscht und an einem Weinspalier auf der anderen Seite hinaufgeklettert. Sie fanden jedoch wenig Glauben. Verlacht aber wurde einer, der die Vermutung aussprach, Jäckel werde wohl in der allgemeinen Verwirrung mit den andern Knechten über die Zugbrücke entkommen sein.

Eppelein trieb sein Unwesen noch lange fort. Er war schon ein alter Mann, als es seinen Feinden gelang, zu erwirken, dass die Reichsacht über ihn und seine Gefährten verhängt wurde. Die meisten seiner Kumpane fielen daraufhin von ihm ab und schworen Urfehde. Zuletzt zog er nur noch mit den Brüdern Dietrich und Hermann von Bernheim und wenigen Knechten von einer Burg zur andern und konnte nichts Bedeutendes mehr im offenen Felde unternehmen. Endlich fiel er im Jahre 1381 mit den beiden Bernheimern und vier Knechten im Dorfe Postbauer bei Neumarkt in die Hände der verbündeten Städter, die ihn zuerst nach Burgthann und dann nach Neumarkt brachten.

Nach kurzem Prozess erhielten sämtliche Gefangene ihr Todesurteil. Eppelein und die zwei Brüder von Bernheim wurden durch das Rad, die vier Knechte – darunter befand sich auch Jäckel - mit dem Schwert hingerichtet.

(Gotthold Klee, 1850-1916)

Verwendete Bilder sind von:
© Hartmut 910/PIXELIO (Bild 1)
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www.pixelio.de

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Liebe findet ihre Wege – eine Sage aus Bayern

Sonntag, Juni 7th, 2009

pixelio.de - Liebe findet ihre Wege 

Auf dem Chiemsee, nach dem Bodensee und der Müritz das größte deutsche Binnengewässer, liegen in nicht allzu weiter Ferne voneinander zwei Inseln, die Herren- und die Fraueninsel, und auf jeder ein Kloster, dem Namen entsprechend.

Da war auf Herrenchiemsee ein Mönch und auf Frauenchiemsee eine Nonne, die hatten einander geliebt, ehe sie das Klostergelübde abzulegen gezwungen worden, und liebten einander fort und fort, wie dereinst Hero und Leander sich geliebt, wo nur Hero eine Nonne als Priesterin der Aphrodite war.

Und in dunklen Nächten brannte hell ein Licht in der Nonnenzelle gegen Herrenchiemsee zu, und in des Sees mächtiger Flut rauschte es leise, und es kam und schwamm herüber und hob sich zum Strande und gewann die Zelle und sein Lieb.

Aber stetig lauert der giftige Neid, der keinem und keiner heimliche Liebe vergönnt, und in einer stürmischen Nacht löschte er, nachdem sie recht hell geflammt, die Kerze in der Nonnenzelle aus, und der Schwimmer erreichte nimmer sein Uferziel, die Nixe des Chiemsees zog ihn in ihre Umarmung und warf im bleichen Morgengraun nur seine Leiche an die Fraueninsel.

Mitleidvoll gönnten die Nonnen dem toten Mönch ein Grab und hatten bald neben ihm eine zweite Leiche zu bestatten.

(Ludwig Bechstein, 1801-1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Gerd Altmann (geralt)/PIXELIO
www.pixelio.de

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Vom Schloss zu Lauingen – eine Sage aus Bayern

Freitag, Juni 5th, 2009

pixelio.de - Vom Schloss zu Lauingen

Herzog Stephan III. von Ingolstadt ließ im Jahre 1387 das Schloss zu Lauingen erbauen. Als Bauaufseher bestellte er einen Ritter, der ungemein habsüchtig war. Neben seinem Geize beseelte ihn noch eine weitere Leidenschaft. Das war die Liebe zu tüchtigen Humpen edlen Rebensaftes. Die Leute, die zum Schlossbau Frondienste leisten mussten, quälte er fürchterlich, und den Arbeitern zog er bei jeder Gelegenheit von ihrem wohlverdienten Lohn ab. Es lässt sich denken, dass sie an dem Bau keine Freude mehr fanden. Fragte man sie, wo sie heute arbeiteten, so lautete gewöhnlich die Antwort: "Wir müssen uns an dem verfluchten Schloss abquälen!"

Wenn das Tagewerk vorbei war, begab sich der Ritter Bauaufseher, meistens auf einem entlehnten Gaul – denn seine eigenen Pferde zu strapazieren, war er viel zu geizig – nach der Abtei Echenbrunn, wo er mit Wein bewirtet wurde, den er nicht zu bezahlen brauchte.

Bei einem dieser Ritte hatte er jedoch zuviel des Weins bekommen, und er stürzte auf dem Heimweg in der Gegend von Faimingen mit dem Pferde. Dabei soll er sich den Hals gebrochen haben. Alte Leute erzählten nun, dass man oft, wenn die Mitternachtsstunde geschlagen habe, im Schlosshof zu Lauingen um das Gärtchen herum im sausenden Galopp einen Reiter habe sprengen sehen, und auch bei Faimingen soll er schon beobachtet worden sein, wie er einer Wetterwolke gleich auf der Straße dahinstürmte.

"Was unter Fluch gebaut ist, auf dem liegt kein Segen." Das bestätigte sich auch hier; denn noch hatte das Schloss nicht hundert Jahre gestanden, als es gänzlich vernichtet wurde und neu gebaut werden musste.

(Sage aus Lauingen)

Verwendetes Bild ist von:
© Gabriele Planthaber/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Hirschenritt – eine Sage aus Bayern

Sonntag, April 26th, 2009

Die Schützen von Furth und ihre Jagdabenteuer sind vormals weit und breit berühmt gewesen. Lange Zeit hat sich im Volksmunde die Überlieferung von ihren Kämpfen mit Wölfen und Bären sowie die Kunde von einem schlimmen Ritt erhalten, den der Stadtschreiber Lanner aus Furth einst auf einem Hirsch tat.

Der Hirschenritt

Lanner hatte auf einer Jagd in Daberg, an der mit ihm mehrere Bürger teilnahmen, einen Hirsch erlegt und sich in übermütiger Waidmannslust auf den Rücken des vermeintlich tot daliegenden Wildes gesetzt. Plötzlich aber sprang der Hirsch auf die Läufe, warf den Kopf zurück und presste mit seinen Geweihen den Stadtschreiber so fest an sich, dass dieser sich nicht mehr losmachen konnte. Und nun ging’s in windschnellem Lauf dem Dickicht zu.

Hätte der Hirsch dieses erreicht, so wäre Lanner verloren gewesen. Die spießigen Äste des Unterholzes hätten ihm das Fleisch vom Leibe gerissen. Da schlug einer der Jagdgefährten, ein entschlossener Mann und sicherer Schütze, seine Büchse an und feuerte auf Tod und Leben los. Der Hirsch, tödlich getroffen, brach zusammen, und der Stadtschreiber war gerettet.

(Alexander Schöppner, 1820 – 1860)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Das Bergmännlein auf der Hochzeit – eine Sage aus Bayern/Österreich

Dienstag, April 7th, 2009

pixelio.de Das Bergmännlein auf der HochzeitIm Dorfe Glas, eine Stunde vom Untersberg entfernt, fand einmal eine Hochzeit statt. Alles war heiter und lustig. Da kam plötzlich ein Bergmännlein, das seinen Berg verlassen hatte, in die Wirtsstube, wo eben getanzt wurde. Es bat, auch mittanzen zu dürfen, und als man es ihm bewilligte, da tanzte es mit mehreren Jungfrauen allemal drei Tänze.

Es tanzte so zierlich und schön, dass alle Anwesenden ihm gern zuschauten. Nachdem es getanzt hatte, schenkte es jedem der Hochzeitsgäste eine kleine Münze, die vier Kreuzer wert war, und sagte ihnen, sie sollten sie zu ihrem übrigen Geld legen, und der Segen werde ihnen dann gewiss nicht fehlen.

Zugleich gab es ihnen allen Ermahnungen, sie sollten lustig und fröhlich sein, aber in Ehren, und sie sollten in Frieden und Eintracht miteinander hausen. Zu den Brautleuten sprach das Bergmännlein, sie sollten nicht hoffärtig werden und von dem Überflusse, der ihnen werden würde, auch ihren Nachbarn mitteilen; denn nur dann würden der Segen und Reichtum ihnen bleiben.

Nach diesen Ermahnungen blieb es noch bei der Hochzeit, bis es Nacht wurde; es trank und aß mit ihnen, aber nur ein wenig.

Endlich bedankte es sich und verlangte einen Mann unter den Holzleuten, der es über den Fluß Salzach zu einem Berg führen sollte. Dazu erbot sich auch ein Fischer, namens Johann Ständl, und das Bergmännlein ging mit ihm an den Fluß zur Überfahrt.

pixelio.de Das Bergmännlein auf der Hochzeit

Während sie hinüberfuhren, verlangte der Fährmann seinen Lohn, und das Bergmännlein gab ihm in Demut drei Pfennige. Diese verschmähte der Schiffer und beklagte sich darüber, dass es ihm zuwenig sei. Das Bergmännlein gab ihm aber zur Antwort, er sollte die drei Pfennige nur behalten, er würde an seiner Barschaft keinen Mangel zu leiden haben.

Zugleich gab das Männlein dem Fischer einen kleinen Stein und sprach zu ihm: "Wenn du dieses Steinlein um den Hals hängst, so wirst du nie zugrunde gehen!" Nachdem es ausgestiegen war, ging es schnell von dannen und dem Berge zu.

Was das Bergmännlein dem Fischer von der Wunderkraft des Steins gesagt hatte, ging noch im gleichen Jahr in Erfüllung; denn er rettete ihn wirklich vor dem Ertrinken. Den Hochzeitsgästen soll es nie am Gelde gemangelt haben.

(Alexander Schöppner, 1820 – 1860)

Verwendete Bilder sind von:
© Sabine Geißler/PIXELIO (Bild 1)
© S. Hainz/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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