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Archive for the ‘Berlin’ Category

Der Todeswürfel – eine Sage aus Berlin

Montag, Februar 1st, 2010

 

Unter dem großen Kurfürsten hat in Berlin ein reicher Waffenschmied gelebt, der nur ein einzig Kind, ein wunderschönes Mädchen besaß. Um diese bewarben sich zwei Leib-Trabanten des Kurfürsten, Heinrich und Rudolph, beide bei ihrem Herrn sehr beliebt, und obwohl sie gleich außer ihrer Stelle dem Mädchen nicht viel zu bieten hatten, wagte doch der Vater derselben sie wegen der Gunst, in der sie bei dem Kurfürsten standen, nicht zurückzuweisen.

Die Jungfrau selbst entschied sich anfangs für keinen, allein endlich fühlte sie sich doch mehr zu dem stillen Heinrich hingezogen als zu dem heftigen Rudolph. Als nun ersterer eines Abends den alten Waffenschmied aus den Händen roher Gesellen, die ihn misshandeln wollten, befreit hatte und überdies auch gleichzeitig durch eine Erbschaft zu Geld gekommen war, da gab ihm auch der Vater den Vorzug vor seinem Kameraden, und dieser räumte zwar notgedrungen das Feld, beschloss aber, bittere Rache zu nehmen.

pixelio.de - Der Todeswürfel

Er schlich nun den Liebesleuten auf Tritt und Schritt nach und als er sie eines Abends im Schatten der Häuser versteckt am Brunnen belauert hatte, wurde er durch die Liebkosungen, welche das Mädchen ihrem Liebhaber zuteil werden ließ, so zur Wut entflammt, dass, als jener sich von ihr entfernt, er auf sie losstürzte und ihr sein Schwert in die Brust stieß.

Er entfernte sich unbemerkt, und als das Mädchen in ihrem Blut gefunden wurde, fiel natürlich der Verdacht nicht auf ihn allein, den niemand gesehen hatte und auf den man eben nur darum kommen konnte, weil seine Eifersucht bekannt war, sondern auch auf Heinrich, den mehrere Zeugen noch ganz kurz zuvor mit dem Mädchen hatten sprechen sehen.

Der unglückliche Vater flehte den Kurfürsten um Bestrafung des Verbrechers an und dieser ließ beide Trabanten verhaften, weil nur einer von ihnen es gewesen sein konnte. Beide leugneten entschieden, und auch die Tortur brachte aus ihnen kein Geständnis heraus, so dass der Kurfürst nicht wagte, ein Urteil zu fällen, sondern die Entscheidung Gott anheimstellte. Er befahl nämlich, jene zwei sollten um den Tod würfeln, so dass wer den höchsten Wurf getan für unschuldig zu erachten sei, der andere aber hingerichtet werden sollte.

Sämtliche Trabanten mussten aufmarschieren, vor der Front wurde eine Trommel hingestellt, dabei stand ein Geistlicher und unfern davon ein Sarg. Beide Angeklagten schritten fest zu dem furchtbaren Gottesgerich, Heinrich forderte noch einmal, indem er seine Unschuld beteuerte, seinen Kameraden auf, sich schuldig zu bekennen, allein umsonst; derselbe nahm die Würfel, schüttelte sie und warf zwei Sechsen, so dass sonach eigentlich seines Gegners Los entschieden war.

Allein dieser ließ sich nicht beirren, gläubig sah er gen Himmel und flehte zu Gott, er möge ein Zeugnis seiner Unschuld ablegen. Und siehe, was geschah, als er die Würfel auf die Trommel warf, zersprang der eine, der andere zeigte eine Sechs und die zwei Seiten des zersprungenen eine Sechs und eine Eins, so dass er dreizehn, also eins mehr als sein Gegner hatte.

pixelio.de - Der Todeswürfel

Letzterer aber wurde von diesem offenbaren Gericht Gottes so ergriffen, dass er seine Schuld nicht mehr leugnete, sondern ehrlich gestand, wie die Sache zugegangen war. Der Kurfürst aber wagte auch nicht, die Hinrichtung des Schuldigen zu befehlen, sondern verurteilte ihn, um ihm Zeit zur Reue zu lassen, zu ewigem Gefängnis, jener Todeswürfel aber kam in die Kunstkammer des königlichen Schlosses zu Berlin als ein Wahrzeichen von des Schicksals wundersamen Fügung und der ewigen Gerechtigkeit des Himmels.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Schemmi/PIXELIO (Bild 1)
© Rike/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Das sonderbare Bild im Schlosshof – eine Sage aus Berlin

Montag, Februar 1st, 2010

Das sonderbare Bild im Schlosshof 

Auf dem zweiten nach der Spree zugelegenen Hof des Schlosses zu Berlin bemerkt man an dem vorspringenden Portal, das nach dem Lustgarten hinausführt, an der rechten Seite ein Bild in erhabener Arbeit, das ein Mädchen auf einem sich bäumenden Rosse darstellt.

Man erzählt, eine Prinzessin habe einst einen sehr schönen Hengst gehabt, den sie über alles geliebt und gar sündhaftes Wesen mit ihm trieb. Das kam aber bald an den Tag, und der König befahl nun, dass ihre Schande recht offenbar gemacht und in dem Bild auf dem Schlosshof zur ewigen Warnung vor gleicher Sünde dargestellt werden solle.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Berlin – Stadtschloss)

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Das Haus des starken Mannes – eine Sage aus Berlin

Montag, Februar 1st, 2010

Das Haus des starken Mannes 

In vielen älteren Schriften über Berlin ist von dem Haus des starken Mannes die Rede gewesen, allein jetzt weiß man nichts weiter davon, als dass es an der Zimmer- und Charlottenstraßen-Ecke gestanden haben muss.

Seinen Namen hat es von seinem Erbauer bekommen, dem sogenannten starken Mann, Johann Carl von Eckenberg, einem dänischen Adligen, der im Jahr 1717 in Berlin erschien, um seine Künste in einer damals auf dem Neuen Markt erbauten Bude zu produzieren und dazu am 14. Juni ein königliches Privilegium erhielt.

Dasselbe wurde unterm 27. September 1732, als Eckenberg auf Verlangen des Königs neben seinen bisherigen Künsten auch theatralische Vorstellungen geben sollte, in ein Generalprivilegium verwandelt und Eckenberg zum Hofkomödianten ernannt, der größte Teil seiner Vorstellungen aber, welche er bis zu seinem Tod zu zeigen pflegte, bestand jedoch nur in den Proben seiner Körperkraft und der besonderen Geschwindigkeit seiner Frau.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Brandenburger Tor 1735 – Daniel Nikolaus Chodowiecki/1726(1726)–1801(1801))

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Der Neidkopf – eine Sage aus Berlin

Montag, Februar 1st, 2010

Der Neidkopf

Ein freundlicher, nach des Tages Hitze wahrhaft erquickender Sommerabend wehte seine kühlenden Lüftchen durch die Straßen Berlins und veranlasste die Handwerker, ihre Arbeitswerkstätte zu schließen und sich durch einen Spaziergang vor den Toren oder Unter den Linden zu erholen.

Nur der Goldschmied Bergner hatte in seinem kleinen baufälligen Häuschen auf der Heiligengeiststraße noch seine Werkstatt zu ebener Erde offen und arbeitete so munter, als andere Meister kaum am Morgen beginnen, wozu ihn aber weder Ordnungslosigkeit noch Geiz, sondern Armut nötigte; denn wenn er Arbeit bekam, musste er sie auch schnell beenden, um den Kunden zu gefallen und auch Lohn für seine Arbeit zu erhalten.

Der NeidkopfSo saß er auch eines Abends emsig beschäftigt, als ein Fremder in schlichtem Anzug bei ihm eintrat. Bergner, den guten Abend des Fremden freundlich erwidernd, blickt auf und erkennt in ihm seinen König Friedrich Wilhelm I., der ein besonderes Vergnügen daran fand, in einem einfachen Anzug abends auf den Straßen zu lustwandeln und das Tun und Treiben seiner Bürger zu beobachten.

Der König fragte, warum er noch so spät arbeite, da alle Meister und Gesellen längst Feierabend gemacht hätten und seine Arbeit sich doch weniger gut bei Lampen- als bei Tageslicht verrichten lasse.

Bergner kannte den edlen Charakter, aber auch die sonderbaren Launen seines Königs, der ihn mit Freundlichkeit anblickte, und schilderte ihm fast beredt die drückende Armut, in der er lebe, und wie er nicht selten Bestellungen von Arbeit zurückweisen müsse, weil er die dazu nötigen Auslagen an Gold und Silber nicht aufzubringen vermöge und so nichts Erhebliches erwerben könne!

Dem König, der den Goldschmied schon öfter beobachtet und sich nach seiner Kunstfertigkeit erkundigt hatte, gefiel die anspruchslose Offenherzigkeit des Mannes und er bestellte bei ihm ein goldnes Service, wozu ihm das nötige Metall aus der Schatzkammer geliefert werden sollte.

Nachdem der König die Werkstatt verlassen hatte, dankte der wackere Goldschmied Gott für die Hilfe, die ihm zuteil geworden war, schloss seinen Laden und erzählte den Seinen, welch einen Besuch er gehabt habe.

pixelio.de - Der NeidkopfSchon am nächsten Tag erhielt er das Gold und Bergner war nun noch fleißiger als er es je gewesen war. Der König wiederholte oft seinen Besuch, sah lange und aufmerksam der Arbeit des geschickten Künstlers zu, die ihm wohlgefiel, und freute sich sehr auf die Vollendung des Services.

Bei einem dieser Besuche bemerkte der König in den Fenstern des gegenüberliegenden Hauses zwei weibliche Personen, welche dem Goldschmied, wenn er einmal von seiner Arbeit aufblickte, abscheulich verzerrte Gesichter machten. Er fragte den Goldschmied, warum sie das täten, und dieser berichtete ihm, dass es die Frau und Tochter eines Zunftgenossen wären, die ihren Ärger und Neid über die hohe Ehre, die ihm selbst durch Seine Majestät zuteil werde, dadurch zu erkennen gäben; auch gestand er dem König, dass er diese Weiber, die ihn schon gar oft in seiner Arbeit gestört hätten, mit ihren Fratzengesichtern unter den Verzierungen einiger Silbergeschirre abgebildet habe.

Der König, obwohl ärgerlich über so kleinlichen Brotneid, konnte sich doch eines Lächelns über das Geständnis des Goldschmieds nicht enthalten und beschloss, etwas Ähnliches zu tun. Das Goldservice wurde fertig und vom König mit großem Beifall aufgenommen. (Es soll bis zum Jahr 1807 noch im Gebrauch des königlichen Hauses gewesen sein.)

Bald nach dessen Ablieferung erhielt der Goldschmied vom König Befehl, sein Haus zu verlassen und in eine andere für ihn bestimmte Wohnung zu ziehen. Bergner gehorchte gern; ob er gleich nicht wusste, was der König mit ihm vorhabe, so durfte er doch vermuten, dass er einen neuen Beweis von dessen Güte erhalten werde, und er hatte sich nicht geirrt: denn auf königlichen Befehl wurde sein altes, ganz baufälliges Haus niedergerissen und dafür ein neues, schöneres errichtet, das noch jetzt in der Heiligengeiststraße Nr. 38 zu sehen ist.

pixelio.de - Der NeidkopfDieser Bau gab dem König Gelegenheit, seinen Vorsatz auszuführen und die neidische Frau und Tochter des gegenüber wohnenden Goldschmieds auf eine empfindliche Weise zu strafen. Er ließ nämlich in der Mitte des Hauses nach seiner Länge, zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk, in einer Vertiefung ein weibliches Brustbild fast in Lebensgröße anbringen, dessen Gesicht abscheulich verzerrt und dessen Kopf statt der Haare mit Schlangen bedeckt ist. Die Zunge bläkt es aus dem Mund nach dem gegenüberliegenden Hause.

In diesem Zerrbild sollten die neidische Frau und Tochter des andern Goldschmieds sich erkennen und schämen. Von der Zeit an wurde das Haus der Neidkopf genannt, und das Bild ist bis jetzt erhalten worden.

(Widar Ziehnert, 1814-1839)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1 – Unter den Linden, 1691, Johann Stridbeck d. J. – gemeinfrei)
(Bild 2 – Friedrich Wilhelm I. – 1700 – gemeinfrei)

© Klaus Steves/PIXELIO (Bild 3)
© Rike/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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Die schwarzen Brüder in Kölln an der Spree – eine Sage aus Berlin

Sonntag, Januar 31st, 2010

Die schwarzen Brüder in Kölln an der Spree 

In Kölln an der Spree lebten einst vier Brüder, die mit seltener Liebe Leid und Freude, Lust und Schmerz des Lebens miteinander teilten. Niemand war imstande, sie zu veruneinigen, nichts fähig, sie misstrauisch und einander abgeneigt zu machen. Bei dieser seltenen Erscheinung im Menschenleben konnte der ewige Feind des Friedens nicht gleichgültig bleiben und schwor, diese Brüder miteinander zu verfeinden, und erschien ihnen als ein schönes, reizendes Mädchen.

Als die Brüder sie erblickten, sprach keiner ein Wort zu dem andern, sondern sie folgten schweigend der Dirne bis vor das Tor, wo sie unerwartet verschwand. Die Brüder reichten sich zum Abschied die Hände und jeder ging, das erste Mal in ihrem Leben, allein seinen Weg; denn jedem gefiel das schöne Mädchen, jeder wünschte sie zu besitzen.

So schien es denn dem Teufel gelungen zu sein, die seltene Bruderliebe zu vernichten! Bald nachher erschien er wieder in der liebreizenden Mädchengestalt und bot sich den Brüdern als dienende Magd an. Da sie aber versprochen hatten, selbst einander bis zum Tod zu dienen, schlugen sie das Anerbieten des verführerischen Dienstmädchens ab; und um in Zukunft vor ähnlichen Versuchungen sicher zu sein, beschlossen sie, der reinsten Liebe einen Tempel zu bauen und ihr Leben im Dienst der Kirche zu beschließen.

Sie führten ihr frommes Vorhaben aus, und da, wo sonst ihr Haus stand, findet man das Kloster der schwarzen Brüder.

(Widar Ziehnert, 1814-1839)

 


 Die schwarzen Brüder in Kölln an der Spree

Zu den ältesten Straßen Berlins gehört die Brüderstraße, welche wahrscheinlich ihren Namen von dem in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gestifteten Kloster der schwarzen Brüder erhielt, das an ihrem Eingang lag und dessen Kirche auf dem Schlossplatz zwischen der Brüder- und Breiten-Straße stand. Dasselbe soll aber von vier Brüdern gestiftet worden sein, und zwar aus folgendem Grunde.

Es sollen vor grauen Jahren in Kölln an der Spree vier Brüder gelebt haben, die wegen ihrer treuen Liebe zueinander bekannt waren. Sie wohnten in einem Haus, was einer tat, taten alle; ging einer aus, so begleiteten ihn die andern drei, ja sie ritten wie einst die vier Haimonskinder zusammen auf einem Pferd.

Über diese brüderliche Eintracht ärgerte sich aber der Teufel, er beschloss Uneinigkeit zwischen ihnen zu säen und bediente sich dazu wie fast immer eines Frauenzimmers. Als sie einst zusammen ausgegangen waren, ließ er ihnen ein wunderschönes Mädchen in den Weg kommen, die Brüder wurden plötzlich alle von einer heftigen Leidenschaft für dasselbe entflammt, und als es nahe am Tor auf einmal verschwand, da trennten sich zum ersten Male die Brüder, ohne dass einer dem andern ein Wort sagte, voneinander, und jeder schlug einen andern Weg ein, in der Hoffnung, das schöne Mädchen wiederzufinden und für sich zu gewinnen.

Die schwarzen Brüder in Kölln an der SpreeDa dachte der Teufel, er habe schon gewonnenes Spiel, und schickte die schöne Dirne zum zweiten Mal aus, und zwar gleich in das Haus der vier Brüder, damit sie sich denselben als Magd anbieten sollte, um nun die Brüder, weil natürlich sie jeder besitzen wollte, erst recht zu entzweien. Allein als sie das Zimmer betrat, sah sie die vier Brüder miteinander beten und erhielt von ihnen, nachdem sie ihnen ihre Dienste angeboten, die strenge Antwort, sie solle ihres Weges ziehen, sie würden bis an ihr Lebensende sich selbst bedienen; und damit kein irdischer Reiz jemals wieder zwischen sie treten könne, hätten sie gelobt, ein Kloster zu erbauen und selbst als die ersten Brüder einzutreten.

Wie gedacht, so geschehen; auf derselben Stelle, wo ihr Haus stand, erbauten sie das Kloster der sogenannten schwarzen Brüder, welches aber, als Kurfürst Joachim II. 1536 jene aus Brandenburg verwies, in ein Domstift verwandelt wurde, welches erst im Jahre 1747 bei Erbauung der jetzigen Domkirche am Lustgarten abgerissen wurde.

Vor langer Zeit sah man noch an einem Haus der Brüderstraße, aux quàtre Philémons genannt, ein Bild jener vier Brüder, alle auf einem Pferd sitzend.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
Commons:Bundesarchiv  (Bild 1 – Berliner Dom um 1900/Urheber unbekannt)
Johann David Schleuen (Bild 2 – Domkirche in Berlin-Mitte/etwa 1736 – gemeinfrei)
Unbekannter Künstler (Bild 3 – der alte Berliner Dom um 1750 – gemeinfrei)

 

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Wie die Jungfernbrücke ihren Namen erhielt – eine Sage aus Berlin

Sonntag, Januar 31st, 2010

pixelio.de - Wie die Jungfernbrücke ihren Namen erhielt 

In einer französischen Emigranten-Familie, die in den Häusern an der Friedrichsgracht wohnte, waren neun Töchter, nicht mehr ganz jung, aber alle gleich redselig und klatschsüchtig. Alles, was in der Nachbarschaft vorging, wurde bei ihnen durchgehechelt und durch sie weitergetragen, so dass sie bald in der ganzen Stadt als Klatschbasen verschrien waren.

Die kleine Brücke, die vordem Alte Leipziger oder auch Spreegassen-Brücke hieß, war besonders zum Sammelpunkt der neun Klatschbasen ausersehen, und so kam es, dass die Brücke zunächst nur im Volksmund, dann aber auch amtlich als Jungfernbrücke bezeichnet wurde.

Aber noch eine andere Begebenheit knüpft sich an diesen Namen. Ein alter Liebhaber soll aus Eifersucht das Mädchen seiner Wahl auf der Brücke überfallen, zu Tode gewürgt und dann in das Wasser geworfen haben, später aber durch einen blinden Bettler verraten und seiner Schuld überführt worden sein. Der Tod dieser Jungfrau, die ebenfalls einer französischen Familie angehört haben soll, habe dann der Brücke ihren noch heute bestehenden Namen verschafft.

(Paul Kunzendorf, 1853-1923)

 


pixelio.de - Wie die Jungfernbrücke ihren Namen erhielt

Der Name der Jungfernbrücke, wie man die Spreegassen-Brücke auch genannt hat, ist daher gekommen, dass, als nach der Aufhebung des Edikts von Nantes zahlreiche vertriebene Reformierte nach Berlin flüchteten und daselbst um Aufnahme baten, auch ein gewisser Herr Blanchet mit neun heiratsfähigen Töchtern, die namentlich durch die kunstvollen Spitzen, die sie zu klöppeln verstanden, berühmt wurden, hier seinen Aufenthalt nahm und eine Bude an der sogenannten Friedrichsgracht oder Friedrichsgraben errichtete, wo sie ihre Arbeiten zum Verkauf ausboten.

Ebenso berühmt wie aber diese neun Mädchen durch die kunstvollen Arbeiten ihrer Hände wurden, ebenso gefürchtet wurden sie wegen ihrer spitzen Zungen und ihrer Klatschsucht, so dass jede böse Neuigkeit und hämische Erdichtung den Jungfern an der Brücke zugeschrieben und der Brücke selbst im Lauf der Zeit dann der Name Jungfernbrücke beigelegt wurde.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© SylviaM/PIXELIO (Bild 1 – Jungfernbrücke/Berlin)
© Dieter Schütz/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die drei Blutstropfen – eine Sage aus Berlin

Samstag, Januar 30th, 2010

pixelio.de - Die drei Blutstropfen 

Es lebte ungefähr zur Zeit der Regierung des Großen Kurfürsten ein Brauer in der Lindenstraße, der besaß dreierlei: ein gutes Bier, einen Batzen Geld und ein hübsche Schenkin. Freute sich auch, dass letztere so keusch und sittsam war, dass sie sich auf die Liebesbeteuerungen der Gäste nicht einließ, denn er begehrte das schöne Kind selber zur Ehefrau.

Aber als er damit Ernst machen wollte, ging’s ihm wie den andern, das Mädchen lachte ihn aus und wies ihn ab. Da schlich er sich zu nächtlicher Zeit in des Mädchens Kammer, wollte sie durch gleißendes Gold betören und gebrauchte schließlich Gewalt, um den Widerstand der schönen Schenkin zu brechen.

Die aber entfloh vor ihm und sprang in ihrer Angst zum Fenster hinaus auf den Hof. Als der Brauer ihr nacheilte, war sie verschwunden, aber die Stelle, wo sie herabgesprungen, war durch drei Blutstropfen gekennzeichnet. Hass und Rache füllten nun das Herz des Brauers. Er schlug Lärm, behauptete, er sei von seiner Schenkin bestohlen worden und wies auf die Goldstücke hin, die in ihrer Kammer gefunden wurden, die er selbst aber dort zurückgelassen hatte.

pixelio.de - Die drei BlutstropfenDas Mädchen wurde erwischt und nach kurzem Prozess zum Tod verurteilt. Als man sie noch einmal nach dem Hof ihres früheren Brotherrn führte, rief sie aus: "Diese drei Blutstropfen werden für mich zeugen, wenn ich unschuldig sterben muss." Und so geschah es auch. Die Blutflecken blieben sichtbar, so sehr sich auch der Brauer, von Gewissenspein gequält, bemühte, sie fortzuschaffen.

In der Nacht erhob er sich von seinem Lager und wusch und scheuerte auf dem Hof herum, bis ihm Arme und Beine schmerzten und er sich kaum halten konnte vor Ermattung. Aber auch in nächtlicher Stunde leuchteten ihm die drei Blutstropfen wie flammende Wahrzeichen entgegen, also dass er keine Ruhe mehr finden konnte bei Tag und Nacht.

Da entschloss er sich, den ganzen Hof neu pflastern zu lassen. Die Steine mit den Blutstropfen hob er selber heraus, nahm sie in den Keller und zerschlug sie mit einem großen Hammer. Nun hoffte er Ruhe zu haben sein Leben lang. Als er aber am andern Morgen erwachte, sah er auf der Straße viele Gaffer vor seinem Haus stehen, hörte auch laute Verwünschungen gegen sich aussprechen.

Er eilte auf die Straße und gewahrte zu seinem Schreck die drei Blutstropfen an der weißgestrichenen Wand des Hauses. Da packte ihn die Verzweiflung und in der Nacht stieg er zum Fenster hinaus auf ein Gesims und versuchte, mit den Nägeln die Blutflecken abzukratzen. Als es ihm aber nicht gelang, hob er verzweifelnd die Hände zum Himmel, verlor den Halt und stürzte auf die Straße.

Dort fand man ihn am andern Morgen tot, mit zerschmetterten Gliedern. Die drei Blutstropfen aber verschwanden erst mit dem Abbruch des Hauses.

(Paul Kunzendorf, 1853-1923)

Verwendete Bilder sind von:
© Zaubervogel/PIXELIO (Bild 1)
© Katzensteiner/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Rippe zu Berlin – eine Sage

Samstag, Januar 30th, 2010

 pixelio.de - Die Rippe zu Berlin

An dem Eckhaus des Molkenmarkts und der Bollengasse hängen ein Paar gewaltige Knochen, das ist das Schulterblatt und die Rippe eines Riesen, und darum nennt man das Haus auch schlechthin "Die Rippe". Dieser Riese soll aber hier von einem Erdwurm, so nannten die Riesen in ihrem Übermut die Menschen, erschlagen und so groß gewesen sein, dass sein Leib nicht auf einem Kirchhof Platz hatte, daher hat man ihn denn zerstückeln und auf allen Kirchhöfen begraben müssen.

In der Nähe des Molkenmarkts, nach dem Rathaus zu, soll überhaupt ehemals die wahre Bärengrube gewesen sein, wo sich die Bären aufgehalten haben, und daher ist es auch gekommen, dass Berlin einen Bären im Wappen führt.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881 & Wilhelm Schwartz, 1821-1899)

Verwendetes Bild ist von:
© mad max/www.pixelio.de

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Wo man Bernauer Bier holt – eine Sage aus Brandenburg & Berlin

Montag, November 23rd, 2009

 

Das Bernauer Bier war einst weltberühmt. Sie hatten in Bernau dafür auch eine merkwürdige Bierprobe. Sobald es geprüft werden sollte, wurde nämlich auf dem Ratssaal etwas davon über die großen gepolsterten Stühle gegossen. Wenn nun die Ratsherren sich hinsetzten und mit ihren ledernen Büxen so fest saßen, dass sie beim Aufstehen den Stuhl mit in die Höhe zogen, dann galt es als stark genug und probehaltig und durfte verzapft und ausgeführt werden, sonst nicht.

Von seiner Dauerhaftigkeit und Güte gab es nun in Berlin immer eine alte Geschichte, die zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges passiert sein sollte. Ein Junge aus Bernau, heißt es, war bei einem Berliner Schuhmacher in die Lehre gebracht worden, wo ihm nicht gerade goldene Tage blühten, denn die Meisterin führte ein strenges Regiment. Deshalb erschrak er sehr, als sie ihm gleich in den ersten Tagen eines Nachmittags, als einige Gevattersleute zum Besuch einsprachen, eine zinnerne Kanne gab und ihm auftrug, Bernauer Bier zu holen.

pixelio.de - Wo man Bernauer Bier holtDass es Bernauer Bier in Berlin geben könne, der Gedanke kam ihm nicht in den Sinn; zu fragen getraute er sich weiter auch nicht, und so wanderte er denn zum damaligen Georgen-, jetzigen Neuen-Königstor hinaus, um aus seiner Vaterstadt Bernauer Bier zu holen.

Spät abends kam er dort an zum großen Erstaunen seiner Eltern, und das wuchs noch, als sie den Zusammenhang hörten. Was sollten sie aber mit dem Jungen machen? Nachdem er für seine Dummheit ausgescholten worden, fütterte ihn seine Mutter gehörig nach dem weiten Weg und schickte ihn zu Bett; den andern Morgen sollte er wieder zurück nach Berlin. Am andern Tag füllten sie ihm dann auch den Krug wirklich mit echtem Bernauer Bier und gaben ihm noch Eier, Speck und dergleichen an die Frau Meisterin mit, damit er sie etwas besänftigen könne.

Der Junge wanderte auch zuerst rüstig fort, je näher er aber Berlin kam, desto unheimlicher wurde ihm der Gedanke, der Frau Meisterin wieder vor die Augen zu treten. Endlich faßte er einen raschen Entschluss; er vergrub die Kanne in einen Steinhaufen und ging in die weite Welt.

Es waren damals wilde Zeiten, wo man nach einem solchen Knaben nicht weiter viel fragte; der Junge war eben verschwunden, damit war es genug. Gelegentlich sprach man wohl bei den Schuhmachersleuten noch davon, dann hörte auch dies auf.

Viele Jahre waren nun seitdem vergangen, da hielt eines Tages ein Reiter vor dem Haus des Schuhmachers. Es war unser Junge, der inzwischen herangewachsen, Kriegsdienste genommen und es durch Mut und Tapferkeit bis zum Rittmeister gebracht hatte und nun seinen alten Lehrherrn und die Frau Meisterin, vor der er jetzt sich nicht mehr fürchtete, aufsuchte, als er gerade einmal durch Berlin kam.

Die Leute wollten es zuerst gar nicht glauben, dass er der Junge sei, der ihnen mit der zinnernen Kanne, wie die Meisterin sich ausdrückte, "durchgegangen" wäre. Da bestand er darauf, dass sie alle mit hinauskämen nach dem Bernauer Weg zu dem Steinhaufen, in den er die Kanne vergraben hatte; denn dass der noch da war, davon hatte er sich vorher überzeugt. Nun gingen alle, auch die Nachbarn, mit hinaus, und wie man die Steine wegräumte, siehe, da stand der Krug noch unversehrt da, und als man gar den Deckel hob, da hatte sich das Bernauer Bier nicht bloß gut erhalten, sondern war, wie es heißt, noch duftender und schöner geworden denn zuvor.

(Wilhelm Schwartz, 1821-1899)

Verwendetes Bild ist von:
© der.hohenzoller/www.pixelio.de

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Kohlhasenbrück – eine Sage aus Berlin

Mittwoch, Juli 8th, 2009

pixelio.de - Kohlhasenbrück 

Eine Stunde von Potsdam entfernt, ungefähr da, wo der Teltow-Kanal in den Griebnitzsee mündet, liegt eine kleine Siedlung namens Kohlhasenbrück. Sie besteht aus einigen hübschen Landhäusern und einer Gastwirtschaft, die besonders im Sommer von Berlinern und Potsdamern gern besucht wird.

Durch das liebliche Tal floss früher ein Bächlein, die Bäke. Über die Bäke führte eine Brücke, die den Namen Kohlhasenbrücke trug. Die Bäke ist, als der Kanal fertig war, zugeschüttet worden, und die Brücke verschwand. Woher hatte sie ihren Namen?

Vor ungefähr 400 Jahren lebte in Kölln an der Spree ein Pferdehändler, der hieß Hans Kohlhase. Er hatte zwei schöne Pferde, einen Rappen und einen Rotschimmel. Mit diesen reiste er einst zur Leipziger Messe. In einem Dörfchen nabe bei Wittenberg hielt er an, um zu rasten. Hier waren aber einem Bauern während der Nacht zwei Pferde gestohlen worden. Die Leute meinten, als Kohlhase mit seinen ankam, dass dies die Pferde wären.

Er musste mit zum Amtsherrn, dem Junker von Zaschwitz. Hans Kohlhase versicherte, die Pferde vor langer Zeit gekauft zu haben. Der Junker aber wollte ihm nicht glauben und behielt die Tiere zurück.

Sehr erzürnt und betrübt wanderte Kohlhase zur Leipziger Messe und kehrte nach zehn Tagen zurück. Er hatte schlechte Geschäfte gemacht. Unterdessen hatte sich der Pferdediebstahl aufgeklärt. Der Amtsherr bedauerte Kohlhase und sagte ihm, er könnte seine Pferde wieder mitnehmen.

Aber wie sahen die aus! Sie waren während seiner Abwesenheit vor den Ackerwagen gespannt und vom Knecht roh behandelt worden. Nun waren sie zu hässlichen Kleppern abgemagert. Dazu sollte Kohlhase auch noch Futtergeld bezahlen. Da wurde er sehr zornig, ließ die Pferde beim Junker und ging nach Hause.

Das Gericht sollte entscheiden. Aber der Richter fürchtete sich vor dem hohen Herrn und seiner vornehmen Verwandtschaft und wies den Kläger, der Entschädigung forderte, ab. Das Geschäft Kohlhases litt natürlich dabei und ging mehr und mehr zurück. Er kam in bedrängte Lage und verlor fast sein ganzes Hab und Gut.

Da wandte er sich an seinen Landesherrn, den Kurfürsten von Brandenburg. Der sollte ihm zu seinem Recht verhelfen. Aber auch hier hatte er keinen Erfolg. Eine neue Gerichtsverhandlung fand zwar statt, aber es kam keine Einigung zustande.

Da suchte Kohlhase selbst sein Recht. Aus dem friedlichen, gutmütigen Handelsmann wurde ein Aufrührer. Er sammelte mehrere kühne Gesellen um sich und wurde bald der Schrecken des Landes. Dörfer wurden in Brand gesteckt, Reisende überfallen und beraubt.

Eines Tages hörte Kohlhase, dass für den Kurfürsten ein großer Wagen mit Silber unterwegs sei. Diesen Wagen überfiel er und raubte die kostbare Ladung. Unter der Brücke, die über die Bäke führte, soll er das Silber verborgen haben.

Das war dem Kurfürsten nun doch zuviel. Kohlhase wurde gesucht und verfolgt. Er wusste sich zwar noch eine Zeitlang seinen Verfolgern zu entziehen, wurde aber schließlich in Kölln gefunden. Auf dem Boden seines Hauses hatte er sich in einer Kiste versteckt. Er wurde gefangengenommen und erlitt mit seinen Gesellen den Tod.

pixelio.de - Kohlhasenbrück

(Nohl)

Verwendete Bilder sind von:
© Karl-Heinz Liebisch/PIXELIO (Griebnitzsee)

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