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Archive for the ‘Brandenburg’ Category

Die Pfaueninsel – eine Sage aus Berlin

Dienstag, September 7th, 2010

Die Pfaueninsel

Die als Lieblingsort des Königs Friedrich des Großen berühmte Pfaueninsel bei Potsdam war zur Zeit des Großen Kurfürsten ein allgemein gefürchteter und von jedermann gemiedener Ort. Sie war nämlich der Aufenthaltsort des als Schwarzkünstler verschrienen Goldmachers und geheimen Kammerdieners des Großen Kurfürsten, Kunkel von Löwenstern, der bekanntlich auf Kosten desselben eine Glashütte an der Nuthe unweit der Wassermühlen am Hakschen Damm und eine Glasschleiferei zu Berlin errichtet hatte und bei seinen kostspieligen Versuchen zur Erzeugung der Edelsteine auf die Entdeckung des berühmten Rubinglases gekommen war.

Er schlug auf dieser Insel seinen Wohnsitz auf, bis er nach dem Tod seines Herrn nach Schweden ging, und benutzte seine physikalischen Kenntnisse, um durch scheinbare Zauberkünste das Publikum von der Insel fernzuhalten. Darum wagte auch nie ein Fischer mit seinem Kahn an dem ungastlichen Ufer der Insel zu landen, denn wer es versucht hatte, musste seine Neugierde mit dem Untergang seines Fahrzeuges büßen, das auf unerklärliche Weise wie faules Holz zerfiel oder wie ein Schwamm Wasser einsog und untersank.

Die Pfaueninsel

Sobald jemand den gefürchteten Goldmacher nur von fern sah, wich er ihm erschreckt aus, und auf der Insel selbst hatte er, nachdem ihn sein alter Diener Klaus verlassen hatte (der Heideläufer geworden war, aber im Jahr 1650 zu Berlin wegen erwiesener Zauberei hingerichtet wurde), niemanden als einen missgestalteten Menschen, der bald nachher auch noch die Sprache verlor, ihm aber treu anhing, sowie einen großen schwarzen zottigen Hund bei sich, mit dem er durch den Wald strich, und der vom Publikum seiner glühenden Augen wegen für einen bösen Geist gehalten wurde.

Auch nach seinem Tod soll sich der Geist des Goldmachers von der Pfaueninsel nicht haben trennen können und zuweilen noch jetzt dort wahrgenommen werden. Der feurige Hund aber soll sogar noch jetzt zuweilen längs dem Strand der Havel bis zu der Badebucht seines Herrn, da wo jetzt der Weg Sakrow gegenüber zur Havel hinabführt, hineilen und dann mit jämmerlichem Geheul im Wald verschwinden.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1- Pfaueninsel 1855 – Urheber Ludwig Rohbock – gemeinfrei)
(Bild 2 – Karte der Pfaueninsel ca. 1810 – Urheber J. A. F. Fintelmann – gemeinfrei)

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Tu du es! – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, August 31st, 2010

pixelio.de - Tu du es! 

Bei einem Gutsherrn in Cottbus konnten es die Dienstmädchen nicht aushalten. Jede Nacht erschien etwas an ihrem Bett. Davor entsetzten sie sich so, dass sie stets nach wenigen Tagen den Dienst aufgaben. Einst trat ein Mädchen in den Dienst, das fest entschlossen war, denselben nicht aufzugeben, es geschehe, was da wolle.

Als es Abend wurde, legte sich das Mädchen zu Bett. In der Nacht trat ein Mütterchen an ihr Bett und sprach: "Blau Flämmchen, Hanka, geh in den Keller." Da erfasste das Mädchen dennoch ein Grauen und es kroch unter die Decke. In den folgenden Nächten hatte es dieselbe Erscheinung.

Endlich entschloss sich die Magd, zum Pfarrer zu gehen und ihm das Begebnis mitzuteilen. Der Pfarrer riet ihr, sie solle dem Mütterchen folgen, stets aber, wenn es von ihr etwas verlange, antworten: "Tu du es."

In der folgenden Nacht, als das Mädchen sich wieder zu Bett gelegt hatte, erschien das Mütterchen wieder und sprach: "Blau Flämmchen, Hanka, geh in den Keller." Das Mädchen erwiderte: "Tu du es." Darauf ging das Mütterchen voran, Hanka aber folgte. Als sie an die Kammertür kamen, fanden sie diese verschlossen. Da sprach das Mütterchen: "Hanka, schließ auf." Diese aber antwortete: "Tu du es." Da hauchte das Mütterchen in das Schloss hinein; sofort sprang die Tür auf.

pixelio.de - Tu du es!Darauf trat das Mütterchen in den Keller, das Mädchen folgte ihm. In einer Ecke des Kellers spielte ein blaues Flämmchen über der Erde. Das alte Mütterchen ergriff eine Schippe und sprach zu dem Mädchen: "Grabe nach." Das Mädchen aber erwiderte: "Tu du es." Darauf grub das Mütterchen nach. Bald stieß es auf einen Topf mit Gold. Den hob das Mütterchen aus der Erde und trug ihn dem Mädchen auf die Kammer.

Das Mädchen legte sich zu Bett und schlief ruhig ein, als ob nichts geschehen wäre. Am andern Morgen glaubte es geträumt zu haben, allein vor seinem Bett stand richtig ein Topf mit Gold. So war das Mädchen sehr reich geworden. Nachträglich stellte sich heraus, dass einst eine alte sehr geizige Frau das Geld vergraben hatte. Sie hatte aber im Grab keine Ruhe gefunden, bis ihr vergrabener Schatz wieder ans Licht kam.

(Edmund Veckenstedt, 1840-1903)

Verwendete Bilder sind von:
© Liane/PIXELIO (Bild 1)
© Kerstin Nimmerrichter/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Katze in der Mühle – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, August 24th, 2010

pixelio.de - Die Katze in der MühleEs war einmal ein Windmüller, bei dem waren alle Müllergesellen, wenn sie nur eine Nacht auf dem Windbock zubrachten, den andern Morgen tot. Als sich das stets wiederholte, nahm der Müller keine Gesellen mehr an und besorgte seine Mühle allein.

Einst kam ein hübscher Müllergesell zu ihm und fragte nach Arbeit. Da sprach der Meister: "Ich wollte Euch gern hier behalten, aber in meiner Mühle ist es nicht recht richtig, dort sind alle Gesellen umgekommen, wenn sie auch nur eine Nacht oben blieben." Lachend sagte der Gesell: "Ich will bei Euch bleiben und mit dem Spuk schon fertig werden."

Der Gesell machte sich an die Arbeit; der Müller sah, dass er sehr brauchbar sei. Darauf entfernte er sich. Als es abends neun Uhr war, trug der Müller dem Gesellen das Abendessen hinauf. Er freute sich, den Gesellen so munter zu finden, blieb noch eine Weile bei ihm und ging dann in seine Wohnung, um zu schlafen. Der Gesell setzte sich hin und las in einem Buch. Als der Wächter im Dorf elf blies, suchte er sich ein Beil hervor, das legte er neben sich, dann machte er einen Kreis um den Stuhl, auf welchem er saß und sprach etliche Zaubersprüche dabei.

Es mochte ungefähr zwölf Uhr sein, als plötzlich Gepolter in der Mühle entstand: zwei bunte Katzen sprangen auf den Mehlkasten. Dort spielten sie eine ganze Weile. Der Müllergesell suchte sie an sich zu locken, indem er "Mieze, Mieze" rief, aber die Katzen kamen nicht. Er rief jedoch wieder: "Mieze, Mieze."

Endlich näherte sich eine von den Katzen dem Kreis. Der Gesell griff heimlich nach seinem Beil. Plötzlich erfasste er eine Pfote der Katze und zog das Tier bis in den Kreis hinein. Schnell schlug er mit dem Beil zu und traf die Katze so, dass er ihr eine Pfote abhieb, welche in den Kreis fiel. Er steckte die abgehauene Pfote in die Rocktasche. Sogleich verschwanden die Katzen. Darauf legte er sich ruhig zu Bett.

Am andern Morgen stand er schon sehr früh auf und ging ins Dorf, um bei dem Müller Kaffee zu trinken. Der Müller freute sich, als er den Gesellen kommen sah. Er fragte ihn, was er wolle. Der Gesell sagte: "Essen, denn ich bin sehr hungrig." Darauf erzählte er dem Müller sein Abenteuer. Der Müller sagte, er wolle das Essen bestellen, was er auch tat, aber das Essen kam nicht. Als der Gesell nach einiger Zeit wieder davon sprach, sagte der Müller, er müsse noch etwas warten, seine Frau sei in der Nacht krank geworden, er wolle ihm das Frühstück selbst bereiten.

Darauf langte der Müllergesell in die Rocktasche und brachte eine Menschenhand mit einem blanken Ring zum Vorschein. Erstaunt besah sich der Müller diese und rief: "Das ist ja die Hand meiner Frau!" Er lief eilig mit dem Gesellen zum Bett seiner Frau, und es fand sich, dass ihr die Hand abgehauen war. Die Frau bekannte jetzt, dass sie und die Pfarrerin Hexen seien. Beide hätten, erzählte sie, allnächtlich in der Mühle ihr Wesen getrieben.

pixelio.de - Die Hexe in der Mühle

(Edmund Veckenstedt, 1840-1903)

Verwendete Bilder sind von:
© Bernd/PIXELIO (Bild 1)
© Bernd Sterzl/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de
 

 

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Das Schloss ohne Treppe – eine Sage aus Brandenburg

Sonntag, Februar 14th, 2010

 pixelio.de - Das Schloss ohne Treppe

In dem Dorf Lichterfelde ist ein altes Schloss, welches der italienische Baumeister gebaut haben soll, der auch die Festung Spandau baute, wofür er zum Dank von dem Kurfürsten die Gegend erhielt, wo jetzt Lichterfelde liegt. Nachdem er nun den Bau seines Schlosses vollendet hatte, das aber ganz ohne Türen und Treppen war, ließ er seine Tochter, die sehr schön war, dahin nachkommen, und zwar geleitete sie auf diesem Weg ein Herr von Sparr.

Es war damals die ganze Gegend noch ein dichter, fast undurchdringlicher Wald und nur ein Stückchen Land um das Schloss war erst ausgerodet; als nun das Fräulein mit ihrem Begleiter an diese Stelle kam, da rief sie freudig aus: "Lichtes Feld!". Da sagte der Vater, als ihm der Herr von Sparr die Vorgänge der Reise berichtete und auch diesen Ausruf erzählte: "Nun so will ich das Schloss Lichterfelde nennen!" und diesen Namen hat es denn auch erhalten.

Dem Herrn von Sparr hatte aber sein Schützling so gefallen, dass er den Alten bat, sie ihm zur Frau zu geben, aber der suchte allerhand Ausflüchte und sagte endlich, wenn er den Eingang zum Schloss fände, so solle er sie haben. Damit musste sich Sparr zufriedengeben und ging davon.

Nun trug es sich einmal zu, dass der alte Italiener, der sonst immer seine Tochter ängstlich bewachte, nach Neustadt gefahren war, wo ein großes Fest gefeiert wurde, bei dem auch Sparr, der auf dem Schloss zu Trampe wohnte, zugegen war. Kaum erblickte der den Alten, als er aufbrach und nach Lichterfelde fuhr.

Das Fräulein, die im obern Stockwerk des Schlosses wohnte und gerade am Fenster saß, erblickte ihn und ließ sogleich einen großen Korb herab, mittels dessen sie den Vater immer hinaufwinden musste, und so hatte denn der Herr von Sparr die Bedingung, welche ihm der Alte gestellt hatte, erfüllt und heiratete bald danach das Fräulein.

Als ihm aber das erste Kind geboren wurde, da ließ er auch eine Treppe im Schloss anlegen und es überhaupt mehr nach der Sitte anderer Häuser einrichten.

pixelio.de - Das Schloss ohne Treppe

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© schemmi/PIXELIO (Bild 1)
© Rainer Sturm/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die weiße Frau zu Lehnin – eine Sage aus Brandenburg

Sonntag, Februar 14th, 2010

 

pixelio.de - Die weiße Frau zu LehninIn den Ruinen der Klosterkirche zu Lehnin sieht man oft die weiße Frau um Mitternacht umherwandeln; bald ist sie allein, bald erscheint sie am Arm eines Mönches, oft zeigt sie sich gar nicht, und doch bemerkt man leicht ihre Anwesenheit am Ort durch allerhand kleine Unfälle in der Wirtschaft, zum Beispiel dadurch, dass das Bier sauer wird und dergleichen mehr.

Sie war ein benachbartes Edelfräulein und liebte einen Mönch, aber für diese Sünde hat sie nun keine Ruhe im Grab und muss jede Minute ihres verbotenen Genusses durch jahrelange Reue erkaufen und an der Stätte ihrer Vergehungen abbüßen; doch soll sie seit einiger Zeit nicht mehr erschienen sein und so vielleicht endlich die himmlische Ruhe gefunden haben.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Hans Felkel/www.pixelio.de

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Die Lüchtemännekens – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, Februar 9th, 2010

pixelio.de - Die Lüchtemännekens 

Die Lüchtemännekens sind kleine Wesen, die ein Licht tragen und oft den Wanderer in später Nacht irren und vom Weg abführen, so dass er sich erst nach langer Zeit wieder zurechtfinden kann; doch nicht immer spotten sie so der Menschen; sondern dienen ihnen auch, wenn man es nur versteht, sie zu lenken; man sagt aber, es seien die Seelen ungetaufter Kinder, die nun im Grab keine Ruhe haben.

Dicht bei Stülpe und am Fuß des Golm sieht man sie oft, und ein alter Mann, der lange Jahre dort in der Pechhütte wohnte, sah sie oft genug, wenn er abends sich im Dorf verweilt hatte, lustig vor sich her tanzen. War es nun recht finster oder hatte der Schnee im Winter den Weg verschüttet, so rief er wohl einem solchen Lüchtemänneken zu: "Komm und leuchte mir nach Hause!"

Da war auch gleich eins da und führte ihn wohlbehalten bis zu seiner Wohnung, wo es verschwand. Dann legte er aber einen Dreier auf die Schwelle seines Hauses und konnte gewiss sein, dass der jedesmal am andern Morgen verschwunden war; dafür waren ihm aber auch die Lüchtemännekens wieder gefällig und dienstbar.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© LaLuca/www.pixelio.de

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Die Bittschrift-Linde – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, Februar 2nd, 2010

 

Die Bittschriften-LindeFriedrich II., dem bekanntlich Potsdam alles, was in dieser Stadt schön und großartig ist, seine Paläste, Stiftungen und Manufakturen, verdankt, bewohnte die Eckzimmer im Schloss nach der Teltower Brücke zu, von wo aus er die freundliche Aussicht auf die Havel und den Brauhausberg genießen und selbst von seinem Schreibtisch aus mittels dreier Spiegel den Lustgarten, die Brücke und die ganze Umgebung des Schlosses übersehen konnte.

Unter dem Fenster nahe der Brücke steht eine alte Linde, die noch jetzt die Bittschriften-Linde genannt wird, weil an ihr diejenigen ihren Standplatz wählten, die ein Gesuch in die Hände des Königs zu bringen wünschten. Sah sie der König hier stehen, so schickte er meist herab, um ihnen die Bittschriften abnehmen zu lassen.

Allein zuweilen mussten die Bittsteller, welche nicht etwa bloß aus Potsdam, sondern aus dem ganzen Land dorthin kamen, lange stehen, und da sollen sie denn oft in der Angst ihres Herzens unbewusst in die Rinde des Baumes Figuren und Namen eingegraben haben.

Davon mögen wohl die halbverwachsenen Narben, die einige Fuß von der Erde ringsum in der äußersten Oberfläche des Baumes zu sehen sind, herrühren; der Volksglaube hat es sich nicht nehmen lassen, dass der König auch jetzt noch, umspielt von seinen Lieblingshunden, des Nachts als Schatten über die gewohnten Pfade der Terrasse von Sanssouci oder durch die Alleen im Rehgarten nach dem Neuen Palais zu dahinschwebe oder einsam und ernst an seinem Schreibtisch sitze oder sich auch im Zwielicht oder Mondschein am Fenster seines Arbeitszimmers zeige.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Zeitgenössisches Gemälde Friedrichs II. von Preußen/1763/Johann Georg Ziesenis – Ralf Prokop, eigene Digitalaufnahme – gemeinfrei)

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Der faule See zu Potsdam – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, Februar 2nd, 2010

 

In der alten Stadt Potsdam lag einst außerhalb der alten Stadt in der Mitte des jetzigen Wilhelmsplatzes ein tiefer, trüber Wasserpfuhl, der faule See genannt. In der Zeit, wo man noch auf Hexen und Zauberer fahndete, benutzte man ihn dazu, auf seiner Oberfläche bei angeblichen Hexen die sogenannte Wasserprobe anzuwenden.

Der faule See zu Potsdam

Man legte sie gebunden auf das Wasser, und wenn sie untersanken, galten sie für der Zauberei überführt, und man verdammte sie zum Feuertod. Die ganze Gegend um den Pfuhl bestand aber aus einem trügerischen, morastigen Boden, und oft sank während der Nacht eine scheinbar feste Stelle mit allem was darauf war ein.

Nun trug es sich einmal zu, daß eine alte Frau zu Potsdam von einem Landstreicher, der ihr hatte Geld abschwindeln wollen und von ihr abgewiesen worden war, aus Rache von diesem beschuldigt wurde, sie habe ihm versprochen, ihn stichfest zu machen, wenn er ihr ein dreijähriges Kind bringen würde, dessen Zunge, Herz und Finger sie zu ihrem Zauber gebrauche. Trotz ihrer Beteuerungen, dass sie unschuldig sei, wurde ihr nicht geglaubt, sie wurde zur Wasserprobe verurteilt und von dem Henker nach der Wiese am faulen See geführt; er schnürte ihr Hände und Füße fest zusammen, und der Ketzerrichter forderte den anwesenden Ankläger der alten Frau auf, noch einmal seine Anklage zu wiederholen.

Dieser trat auch bereitwillig auf eine etwas erhöhte Stelle in der Nähe des Sees und rief Gott zum Rächer auf, wenn er nicht die Wahrheit spräche, und siehe, plötzlich sank die Stelle, wo er stand, mit ihm in die Erde, und der schwarze Moorschlamm schlug über ihm zusammen. Das Volk aber schrie Wunder über Gottes weises Gericht, die alte Frau wurde losgebunden und freigesprochen und in feierlicher Prozession zur Kirche geführt, um dem Herrn zu danken.

Der faule See zu Potsdam

Später wurde dieser Pfuhl durch einen Kanal, der in ähnlicher Richtung wie der jetzt durch die Stadt fließende geführt war, mit der Havel verbunden; als sich aber Potsdam unter Friedrich Wilhelm bis an das Bassin erweiterte, ließ der König den faulen, die Luft verpestenden Sumpf ausfüllen und ihm seine jetzige Gestalt geben, was aber erst nach langer Arbeit gelang, denn der Morast schien unergründlich, und oft versank in einer Nacht, was an Steinen und Erde während mehrerer Monate aufgebaut worden war. Endlich kam das Werk aber doch zustande, allein noch jetzt senkt sich an manchen Stellen die Fläche des Platzes, der fast alljährlich neu geebnet werden muß.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1 – Hexenbad – Ausschnitt aus dem Titelblatt eines Hexentraktates von Hermann Neuwalt, Helmstedt 1584 – gemeinfrei- eingestellt von Diana)
(Bild 2 – Der Wilhelmplatz (heute Platz der Einheit) in Potsdam im Jahr 1776, Blick nach Süden zum Alten Markt – Johann Friedrich Meyer – gemeinfrei)

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Das älteste Haus in Potsdam – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, Februar 2nd, 2010

Das älteste Haus in Potsdam

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand Potsdam fast nur aus vier Straßen, in deren Mitte auf einer kleinen Erhöhung des Bodens die mit einem Begräbnisplatz umgebene Kirche und unweit davon ein kleines Rathaus stand; so hatte es auch nur zwei Tore, das eine, das Brandenburger, führte durch den Wall in der Gegend des neuen Marktes, das andere, in der Gegend der grünen Brücke, hieß das Berliner und war nur zum Teil durch eine Mauer, größtenteils aber durch einen Graben und ein festes Pfahlwerk mit dem ersteren verbunden.

Von dem Berliner Tor längs der Havel hin bis über die jetzige Burg und Heiligegeiststraße lag eine doppelte Reihe von Fischerhäusern. Der Platz an der Havel aber, auf dem jetzt die Heiligegeist-Kirche steht, war durch einen breiten Graben zur Insel gemacht; auf der Landseite geschützt durch Mauer und Wall, auf der ändern durch den breiten Fluss. Hier stand die Burg, das sogenannte alte Haus Potsdams, ein viereckiges steinernes Gebäude mit spitzen Giebeln und einem runden Turm an jeder Ecke. Da wo sich jetzt das Schloss erhebt, war durch Joachim ein kleines Lustschloss errichtet, unweit der hölzernen Brücke, welche Friedrich I. statt der Fähre 1406 über die Havel hatte erbauen lassen.

Unterhalb der Stadt, dem Tornow gegenüber und von ihm durch einen dichten Eichenwald getrennt, der sich weit hin nach Fahrland und Redlitz erstreckte, lag der Kiez, ein Fischerdorf, dessen wendische Bewohner unter einem Schulzen lebten.

Dieser Schulze hatte nun ein ganz junges niedliches, schwarzäugiges Mädchen von kaum sechzehn Jahren zum Mündel, die allen jungen Burschen des Dorfes den Kopf verdrehte und so auch ihrem Vormund. Ob dieser nun gleich zum dritten Male Witwer war, so ließ er es sich doch beikommen, einem vierten Frauenzimmer seine welk gewordene Hand anzubieten, und siehe, er wurde erhört, am Osterfest 1536 wurde sein rotbäckiges Mündel seine vierte Frau. Sie lebte als solche gerade so fort wie vorher als Mädchen, trug ihre Fische zum Markt und ging an Sonntagen in die Schenke zum Tanz, wo es ihr keine an Frohsinn und Scherzen zuvortat.

Das älteste Haus in PotsdamDa ist sie einstmals im nächsten Sommer, als sie wieder Fische in die Schlossküche tragen wollte, wie der Kurfürst Joachim II. sich gerade der Jagd wegen mit zahlreichem Gefolge im Schloss zu Potsdam aufhielt, im Wald unweit des Kiezes mit einem großen stattlichen Herrn unter einer großen Eiche zusammengetroffen, der hat sie freundlich angeredet und sich über das und jenes mit ihr unterhalten, hat sie auch bis ans Tor begleitet.

Später hat sie den Mann noch oft auf ihrem Weg zur Stadt getroffen und stets mit ihm eine längere oder kürzere Zeit gesprochen, ja sie hat sich ordentlich geärgert, wenn sie einmal zur Stadt ging und ihren Gesellschafter nicht traf. Es ist ein großer schöner Mann in der Mitte der Dreißiger gewesen, hat sich ihr gegenüber für einen Beutner ausgegeben, der viele Bienenstöcke in den hohlen Eichen besäße, die er aber an andere verpachtet hätte, und hat gesagt, er halte sich hier in der Nähe auf, um achtzuhaben, daß ihm nicht die jungen Schwärme entführt würden.

Er hat aber über alle möglichen Gegenstände mit ihr Rede gepflogen; und da sie ihn um vieles, was sie nicht wusste, gefragt, sie gewissermaßen unterrichtet, so dass sie bald viel mehr wusste als alle ihre Gespielinnen, und das ganze Dorf erstaunt war, wie des Schulzen Frau plötzlich eine so kluge Frau geworden sei. Gegen das Ende des Herbstes blieb aber der Herr plötzlich aus, und die Frau Schulzin sah nun erst, was er ihr geworden war, ohne ihn wurde ihr das Leben fast unerträglich, und dies um so mehr, weil sie niemanden hatte, dem sie ihre Not klagen oder ihr Herz ausschütten konnte.

Eines Tages, als sie wieder einmal zur Stadt ging, da sah sie eine große Menge Arbeiter bei der Eiche, die gruben die Erde aus und schienen eine Grundmauer errichten zu wollen. Auf ihr Befragen erfuhr sie, Kurfürst Joachim, wegen seiner Klugheit Nestor genannt, lasse hier ein Jagdschloss bauen, auf dem Hof solle aber die Eiche in der Mitte der Gebäude stehenbleiben.

Im nächsten Jahr ließ sich der Bienenvater wieder sehen, und als er mit ihr zusammenkam, tat er gar nicht, als wäre längere Zeit zwischen ihrer letzten Zusammenkunft verflossen, sondern war gerade so vertraulich, als hätten sie sich erst gestern gesehen. So ging es einige Zeit fort, und die arme Schulzin war immer mehr verliebt in ihn, so daß sie gar nicht mehr an ihren Mann dachte.

Da trug es sich zu, dass in dem Herbst desselben Jahres ein Wolkenbruch in der Gegend von Potsdam fiel, die Havel stieg über ihre Ufer, viele Schiffe der Bewohner vom Kiez wurden zerstört oder vom Strom mit fortgeführt, und als in der darauffolgenden Nacht im Dorf auch noch eine Feuersbrunst ausbrach, welche unter anderen auch das Haus des Schulzen verzehrte, da war große Not in dem armen Fischerdorf, denn der größte Teil der Bewohner war in den Fluten umgekommen, und die übrigen hatten alle ihre Habe in der Feuersbrunst verloren. An den Folgen dieses Schrecks starb der alte Schulze in wenigen Tagen, seine Frau aber blieb seit dem Tag verschwunden.

Das älteste Haus in Potsdam

Einige Monate nachher bezog nun aber der Kurfürst sein neues Lustschloss und bewohnte es seit jener Zeit nur mit wenigen Unterbrechungen. In der Umgegend aber wurde die Rede laut, man sehe ihn in dem das Schloss umgebenden Garten oft mit einer jungen schönen Frau lustwandeln, die große Ähnlichkeit mit der verschollenen Frau Schulzin habe. Auch nach seinem Übertritt zur evangelischen Kirche im Jahr 1536 ist er häufig auf jenem Jagdschloss gewesen, allein keiner der Hofleute, die er dorthin mitnahm, hat, darum befragt, über jene schöne Dame Rede gestanden, so dass man zuletzt gar nicht mehr davon gesprochen und die ganze Sache für einen Spuk gehalten hat.

Zwanzig Jahre nachher brannte das ganze damalige Potsdam ab, und nur das Jagdschloss im Eichenwald beim Kiez blieb von allen Gebäuden aus früherer Zeit übrig, wurde aber später vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm auf den Wunsch seiner frommen Gemahlin zu einem Witwenhaus eingerichtet. Es ist bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts stehen geblieben, da wurde es zwar niedergerissen, allein das neu aufgebaute Predigerwitwen-Haus steht genau auf den Grundmauern des alten Jagdschlosses, ist also strenggenommen das älteste Haus der Stadt Potsdam.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1 – Ansicht der Stadt Potsdam zur Zeit Friedrichs II im 18. Jh. – gemeinfrei)
(Bild 2 – Joachim II., Kurfürst von Brandenburg um 1555 von Lucas Cranach der Jüngere – gemeinfrei)
(Bild 3 – ehemaliges Stadtschloss Potsdam – 1772 – gemeinfrei)

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Die zwei Nixen von Guben – eine Sage aus Brandenburg

Dienstag, Februar 2nd, 2010

 

Die zwei Nixen von GubenIn Guben ist bei der Dreikreuzergasse die sogenannte Wormslache, welche früher sehr groß und sehr tief gewesen ist. In dieser Lache haben viel Unglücksfälle stattgefunden; das ist daher gekommen, dass zwei Nixe darin gehaust haben. Diese Nixe waren Brüder.

Da geschah es einmal, dass sie in einen Streit gerieten, welcher damit endete, dass der eine der beiden Brüder sich entschloss, ganz und gar seine Wohnung im Wasser zu verlassen. Er kam auf die Oberwelt und verdingte sich bei einem Eigentümer als Knecht. Unter seinen Händen gedieh alles vortrefflich; mit ihm war der Segen in das Haus eingezogen, und obgleich er ein Nix war, merkte man dem Knecht nichts an, außer dass sein Rock stets einen nassen Saum hatte.

Nach einigen Jahren ergriff jedoch den Nix die Sehnsucht nach dem Bruder in der Tiefe, er wollte wieder zu ihm und sich mit ihm aussöhnen. Als der Entschluss bei ihm fest stand, äußerte er seinem Herrn diese Absicht; er forderte ihn auf, mit noch mehreren seiner Hausbewohner an den Rand der wenige Schritte entfernten Lache zu kommen.

Das geschah. Da nahm der Nix von allen Anwesenden Abschied und sagte: "Ich gehe jetzt zu meinem Bruder, um mich mit ihm zu versöhnen. Kommt die Versöhnung zustande, so werden weiße Blasen an die Oberfläche des Wassers steigen, ist das aber nicht der Fall, so werdet ihr rote Blasen erblicken."

Darauf stieg der Nix vor den Augen der Anwesenden in die Tiefe nieder. Nach einiger Zeit erblickte man einige rote Blasen auf der Lache, ein Zeichen, dass die Versöhnung nicht stattgefunden hatte.

Von der Zeit an hat sich kein Unglücksfall mehr in der Lache zugetragen, wie das sonst jährlich geschehen ist.

(Edmund Veckenstedt, 1840-1903)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Seebischof – gemeinfrei)

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