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Archive for the ‘Gudrun-Sage’ Category

Die Heimkehr – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

 Die Heimkehr - Gudrun-Sage

Als die Königin Hilde die Heimkehrenden erblickte und die liebe Tochter wiedersah, da begann ein Grüßen und Küssen ohne Ende. Ja, Frau Hilde küsste selbst den alten Wate trotz seines ellenbreiten Bartes. Ein fünftägiges Freudenfest erquickte darauf die Helden und Frauen.

Aber die edle Gudrun empfand tiefes Leid darüber, dass andere weinen mussten, wo sie fröhlich sein konnte. Noch saß Hartmut mit achtzig Recken in der Gefangenschaft. Dem eignen guten Herzen folgend, trat Gudrun vor die Mutter und sprach:

"Vielliebe Mutter, gedenket doch daran,
Wie niemand soll mit Bösem dem Hasse jemands lohnen.
Um Eurer Tugend willen wollt darum den König Hartmut jetzt verschonen."

Die Bitte der lieben Tochter fiel der Königin schwer aufs Herz, so dass sie darein willigte, die Gefangenen ihrer Ketten zu entledigen. Zuvor jedoch musste Hartmut schwören, dass er nicht entrinnen wolle.

Als nun Hartmut mit seinen Rittern am Hofe frei umhergehen konnte, erwarb er sich durch sein edles Wesen bald die Gunst aller. Es fand schließlich eine volle Aussöhnung zwischen den Normannen und Hegelingen statt.

Die treue Gudrun dachte nun daran, die Freunde und Freundinnen ebenso glücklich zu machen, wie sie es mit ihrem lieben König Herwig war. In ihrer lieblichen Weise wusste sie es dahin zu bringen, dass sich Ortwin mit Ortrun, Hamrtut mit Hildburg und Siegfried von Moorland mit einer Schwester Herwigs verlobte.

pixelio.de - Die Heimkehr

Da waren auf einmal vier glückliche Brautpaare beieinander, die feierten auf einen Tag ihre Hochzeit. Aller Hass war gesühnt. Die einst Feinde gewesen, lebten fortan in Friede und Freundschaft.

Verwendete Bilder sind von:
© Stihl024 (Bild 2)/www.pixelio.de
© Dana (Bild 2)

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Die Normannenschlacht – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

Als Ortwin und Herwig zu ihrem Heere zurückgekehrt waren und erzählten: "Wir fanden Gudrun und Hildburg, wie sie barfuß am Strande standen und wuschen" – da huben die Krieger zu weinen an über solche Schmach; aber der alte Wate rief: "Ihr gebärdet euch ja alten Weibern gleich. Wollt ihr Gudrun helfen, so färbt die seidenen Kleider, die sie weiß gewaschen, blutigrot."

pixelio.de - Die NormannenschlachtNoch in der Nacht ward nun die Normannenburg eingeschlossen. Alsbald rief der Wächter hoch vom Turm: "Auf zu den Waffen! Deine Burg, Herr Ludwig, ist rings ummauert von einem ungeheuren Heere!" Leicht hätten sich die Normannen in ihrer festen Burg verteidigen können, allein der tapfere Hartmut hieß die Burgtore öffnen und im freien Felde dem Feinde entgegenrücken.

Die Schlacht begann, und es wurde mit gewaltigem Ungestüm gekämpft. Horand und Ortwin erhielten schwere Wunden. Den Normannenkönig Ludwig aber schlug Herwig, dass er niederfiel und seinen Geist aufgab. Als solches die Königin Gerlinde von der Burg herab sah, schrie sie laut und versprach dem eine große Belohnung, der des Königs Tod an Gudrun rächen wolle. Schon stürzte ein Bösewicht mit gezücktem Schwerte auf die Maid zu, da hörte Hartmut ihr Angstgeschrei und rief: "Feiger Schurke, ich lasse dich hängen, tust du der Jungfrau ein Leid." Auf das Wort sprang der Mörder zurück.

Der fürchterliche Wate aber drang jetzt zur Burg hinauf und erwürgte alles, was ihm in den Weg kam. Vor seiner Wut flüchtete sich Gerlinde, warf sich Gudrun zu Füßen und flehte sie um ihren Schutz an. Der grimmige Held aber wollte von keiner Gnade hören. Mit den Worten: "Ei, sagt mir, Frau Gerlinde, wünscht Ihr noch fürder solche Wäscherin?" erfasste er sie bei den grauen Haaren, zog sie hinaus und schlug ihr das Haupt ab. Auch einer Dienerin Gudruns, die der Herrin treulos geworden, geschah daselbe.

Die furchtbare Schlacht endete mit der völligen Niederlage der Normannen. Hartmut wurde samt den wenigen, die noch übriggeblieben waren, gefangen mit weggeführt nach Hegelingen.

Verwendetes Bild ist von:
© Thomas Max Müller/www.pixelio.de

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Das Wiedersehen – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

pixelio.de - Das WiedersehenAm nächsten Morgen mussten Gudrun und Hildburg wieder hinaus zum Meere. Über Nacht war tiefer Schnee gefallen, und sie baten daher Gerlinde um Schuhe an ihre bloßen Füße. Aber das böse Weib trieb sie fort mit den Worten: "Was liegt mir an eurem Tode?"

So wateten sie denn barfuß durch den Schnee dem wilden Meeresgestade zu. Bebend vor Frost standen sie in einem dünnen, nassen Gewande am Meere. Eis stieß an den Strand, und eisig ging der Wind. Sehnsüchtig blickten sie auf das wogende Meer hinaus. Nach langem Warten gewahrten sie endlich eine Barke, in der zwei Helden in glänzenden Rüstungen saßen.

Das war niemand anders als Herwig und Ortwin. Die Mädchen aber schämten sich ihrer großen Erniedrigung und liefen vor den beiden fort. Doch die Männer riefen sie mit bittenden Stimmen zurück und boten ihnen einen "Guten Morgen". Solch ein herzlicher Gruß tat den Heimatlosen wohl.

Herwig und Ortwin erkannten jedoch die dürftig gekleideten Jungfrauen bei ihrer niedrigen Arbeit nicht und erkundigten sich nach Land und Leuten, auch ob sie nicht eine Jungfrau Gudrun kennten. Währenddessen musste Herwig immer die Züge der armen Magd betrachten: sie glich so sehr der einen, an die er so oft gedacht hatte. Schließlich sprach er seine Vermutung gegen Ortwin aus.

Kaum aber hatte Gudrun den lieben Namen gehört, als sie traurig rief: "Ach, wenn Ortwin und Herwig noch lebten, sie wären längst gekommen, uns zu retten." Da antwortete Herwig: "Ich bin Herwig, und dies hier ist der Goldring an meinem Finger, mit dem ich Gudrun verlobt bin."

pixelio.de - Das Wiedersehen

Wie er nun nach ihrer Hand schaute und das gleiche Ringlein an der Jungfrau Hand ersah, da war alles Leid vergessen. Er schloss die treue Braut in seine Arme und küsste sie unter Tränen der Freude. Als aber Gudrun nun erzählte, was sie um ihrer Treue willen hatte erdulden müssen, schauten die Helden grimmig darein.

Herwig wollte die treue Braut gleich mitnehmen, allein Ortwin entgegnete: "Und hätt’ ich hundert Schwestern, so ließ’ ich sie eher alle sterben, als dass ich so feige mich erzeigte, diejenigen heimlich zu stehlen, die man uns mit Gewalt raubte. Bevor morgen die Sonne aufgeht, kommen wir mit unsern Mannen und stürmen die Burg."

So fuhren die beiden Helden nach ihren Schiffen zurück, um den Angriff vorzubereiten.

Lange noch schauten die Jungfrauen den Helden nach; dann aber ergriff Gudrun die Leinwand, und, statt sie zu waschen, warf sie das Linnen in die wogende Flut. Mit leeren Händen kehrte Gudrun auf die Königsburg zurück. Da hieß Gerlinde flugs Dornen brechen und zu Ruten binden, dass Gudrun damit blutig geschlagen würde. In dieser Not ersann Gudrun eine List. Sie stellte sich, als wollte sie nunmehr Hartmut heiraten. Sogleich verschwand Gerlindens Zorn, und Gudrun ward königlich gekleidet und mit allen Ehren umgeben.

Verwendete Bilder sind von:
© Antje/PIXELIO (Bild 1)
© berwis/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Gudruns Erniedrigung – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

 pixelio.de - Gudruns Erniedrigung

Erfüllt von glühendstem Hasse, schrie nun Gerlinde: "Will Frau Hildens Tochter von ihrem Starrsinn nicht lassen, so soll sie von nun an alle Tage zum Strande hinauslaufen und allda meine und meines Gesindes Kleider waschen. Wehe ihr, wenn man sie eine Weile müßig findet!"

So stand die unglückliche Königstochter fortan jeden Tag am Meeresstrande, emsig mit Waschen beschäftigt, es mochte kalt sein oder warm, regnen oder schneien.

Nicht lange jedoch brauchte Gudrun allein zu sein; denn als die treue Hildburg, auch eines Königs Kind, der Freundin Schmach sah, hielt sie der bösen Gerlinde ihr Unrecht vor. Zur Strafe musste sie an der Wascharbeit mithelfen. Hildburg tat es mit Freuden, und beide Freundinnen konnten sich nun gegenseitig trösten.

 

Gudruns Klage

Nun geht in grauer Frühe
Der scharfe Märzenwind,
Und meiner Qual und Mühe
Ein neuer Tag beginnt.
Ich wall’ hinab zum Strande
Durch Reif und Dornen hin,
Zu waschen die Gewande
Der grimmen Königin.

Das Meer ist tief und herbe;
Doch tiefer ist die Pein,
Von Freund und Heimaterbe
Allzeit geschieden sein;
Doch herber ist’s, zu dienen
In fremder Mägde Schar,
Und hat mir einst geschienen
Die güldne Kron’ im Haar.

Mir ward kein guter Morgen,
Seit ich dem Feind verfiel,
Mein’ Speis’ und Trank sind Sorgen
Und Kummer mein Gespiel.
Doch berg’ ich meine Tränen
In stolzer Einsamkeit;
Am Strand den wilden Schwänen
Allein sing’ ich mein Leid.

Kein Dräuen soll mir beugen
Den hochgemuten Sinn;
Ausduldend will ich zeugen,
Von welchem Stamm ich bin.
Und so sie hold gebahren,
Wie Spinnweb’ acht’ ich’s nur;
Ich will getreu bewahren
Mein Herz und meinen Schwur.

O Ortwin, trauter Bruder,
O Herwig, Buhle wert,
Was rauscht nicht euer Ruder,
Was klingt nicht euer Schwert!
Umsonst zur Meereswüste
Hinspäh’ ich jede Stund’;
Doch naht sich dieser Küste
Kein Wimpel, das mir kund.

Ich weiß es: nicht vergessen
Habt ihr der armen Maid;
Doch ist nur kurz gemessen
Dem steten Gram die Zeit.
Wohl kommt ihr einst, zu sühnen;
Zu retten, ach, zu spät,
Wann schon der Sand der Dünen
Um meinen Hügel weht.

Es dröhnt mit dumpfem Schlage
Die Brandung in mein Wort;
Der Sturm zerreißt die Klage
Und trägt beschwingt sie fort.
O möcht’ er brausend schweben
Und geben euch Bericht:
"Wohl lass’ ich hier das Leben,
Die Treue lass’ ich nicht!"

(Emanuel Geibel, 1815-1884)

 

pixelio.de - Gudruns ErniedrigungAls eines Tages wieder rauh der Märzwind wehte, während die beiden Jungfrauen am Gestade wuschen, sahen sie plötzlich einen Schwan daherschwimmen, der hob an mit eines Menschen Stimme zu sprechen:

"Arme Heimatlose, dir soll groß Glück geschehn.
Willst du mich fragen nach deinem Heimatlande,
Ich bin der Deinen Bote: Gott schickt mich Dir zum Trost nach diesem Strande."

Da fielen die Jungfrauen auf ihre Kniee. Schluchzend fragte Gudrun: "Sage mir, lebt meine Mutter noch? Lebt Ortwin noch und Herwig, mein Verlobter?" Darauf verkündete ihnen der wunderbare Bote, dass daheim noch alle wohl seien und ihre Verwandten mit einem großen Heere herannahten, sie zu befreien.

Fröhlich gingen die beiden heute heim.

Verwendete Bilder sind von:
© Dieter Haugk/PIXELIO (Bild 1)
© Kurt Bouda/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de
 

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Gudruns Treue – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

 pixelio.de - Gudruns Treue

In Trauer und Tränen erblickte Gudrun das Gestade des Normannenlandes. Angesichts der stolzen Burgen an der See sprach der alte König Ludwig zu der Jungfrau: "Wollt Ihr Hartmut heiraten, so seid Ihr Herrin über alles, was Ihr seht, und Glück und Glanz wartet Euer."

Allein Gudrun erwiderte: "Ehe ich Euern Sohn Hartmut nähme, wählte ich lieber den Tod." Über das Wort ergrimmte der alte Ludwig dermaßen, dass er Gudrun bei den Haaren erfasste und in die See warf. Sie wäre ertrunken, hätte nicht Hartmut, blitzschnell ihr nachspringend, ihre blonden Zöpfe erhascht und sie aus der Flut gezogen.

Als der alten Königin Gerlinde angesagt ward, dass Hartmut mit der schönen Gudrun nahe, ging sie eilends mit ihrer Tochter, der lieblichen Ortrun, und einem großen Gefolge ans Gestade hinab. Als Ortrun die arme Gudrun sah, empfand sie inniges Mitleid mit ihr. Tränen traten ihr in die Augen, und herzlich umarmte und küsste sie die Traurige.

Dasselbe wollte auch die falsche Gerlinde tun. Doch Gudrun schauerte vor ihren stechenden Augen zurück und sprach voll Unmut: "Ihr dürft mich also nicht empfangen, denn auf Euern bösen Rat ward ich geraubt." Von da an hasste die böse Gerlinde Gudrun.

Als nun keine Schmeichelei und Überredungskünste Gudrun zu bewegen vermochten, Hartmut zu heiraten, zog dieser traurig in die Fremde, bat aber seine Mutter, freundlich gegen Gudrun zu sein.

pixelio.de - Gudruns Treue

Gerlinde beschloss nun, Gudruns Sinn durch Gewalt und Misshandlung zu beugen. Sie schied die Mägdlein voneinander, dass Gudrun ganz allein blieb; und das Königskind musste die Zimmer heizen, die Brände schüren, die Stuben kehren und andere niedrige Arbeiten tun.

Drei und ein halbes Jahr hatten Gudrun und ihre Gefährtinnen das gleiche schwere Los getragen. Da kehrte Hartmut zurück. Er meinte, nun würde Gudrun ihn nicht mehr verschmähen. Doch Gudrun wies Hartmut auch jetzt noch zurück. Als sie ihm zugleich mitteilte, welche Leiden sie von Gerlinde hätte erdulden müssen, zürnte der edle Hartmut gar sehr mit seiner Mutter, und er gebot ihr, Gudruns Sinn nicht anders als durch Liebe und Güte umzuwandeln.

Das versprach die alte Teufelin denn auch. Als aber Hartmut wieder auf Abenteuer in die Ferne gezogen war, trieb sie es ärger denn zuvor. "Willst du", schrie sie Gudrun an, "meinen Sohn immer noch verschmähen, so musst du auch immer noch mit deinem Haar den Staub von Schemeln und Bänken streichen und meine Kemnate alle Tage dreimal ausfegen und heizen."

Sieben ganze Jahre ertrug die treue Gudrun in Ergebung alle ihr angetane Schmach. Nie litt ein Königskind dergleichen. Dennoch aber, als Hartmut nun abermals vor sie trat, gab sie ihm auf sein Liebeswerben die Antwort: "Niemals wende ich meinen Sinn zu Euch!"

Da bat die gute Ortrun für ihren Bruder; allein Gudrun sprach: "Gern erzeigte ich dir eine Liebe, du edles Herz, aber König Herwig habe ich Treue gelobt, und ich bleibe ihm treu bis in den Tod!"

Verwendete Bilder sind von:
© www.Rudis-Fotoseite.de /PIXELIO (Bild 1)
© Susann G./PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Auf dem Wülpensande – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

pixelio.de - Auf dem Wülpensande 

Die Normannen rasteten mit den geraubten Frauen auf einer breiten Insel der Nordsee, dem Wülpensande. Plötzlich sahen sie Schiffe auf dem Meere daherkommen. Doch vermuteten sie nichts Arges, trugen doch die Schiffe das Zeichen des heiligen Kreuzes in den Segeln.

Die Herannahenden konnten also nur harmlose Kreuzfahrer sein. Indes sahen die Späher Helme von den Schiffen leuchten. "Wohlauf!" rief da Herr Hartmut, "hier kommen Feinde, will mir scheinen."

Eiligst rannten nun die Normannen dem Gestade zu, um den Feinden die Landung zu wehren. Die Geschosse fielen so dicht wie zur Winterzeit von den Alpen die Schneeflocken. Aber voll Todeskühnheit sprangen die Hegelingen und ihre Genossen aus den Schiffen und drangen unaufhaltsam zum Strande vor. Und wie nun der alte Warte die Räuber erst mit dem Schwerte erreichen konnte, hieb er so wuchtig darein, dass kein Recke seines Bereiches mit dem Leben davonkam.

Ströme Bluts flossen, und das Meer wogte in rotem Schein. Der Abend brach endlich herein, und die Dunkelheit machte dem Würgen ein Ende.

pixelio.de - Auf dem WülpensandeAm andern Morgen begann das blutige Ringen von neuem. Da rannten die alten Könige Ludwig und Hettel grimmig gegeneinander. Schwer ward Gudruns Vater getroffen: er sank um und starb. Sein Tod ward der armen Gudrun angesagt; ihr Wehgeschrei drang über das Schlachtfeld zu den Hegelingen. Selbst Feinde trauerten um den hehren Gefallenen.

Als Wate des geliebten Königs Tod erfuhr, da grollte seine Stimme furchtbar. Allen voran stürmte er in den Feind und hob abermals ein so geschwindiges, wuchtiges Schlagen an, dass der Normannen Helme von den Streichen wie Abendrot funkelten. Nicht minder tapfer kämpften an seiner Seite Herwig und Ortwin, Horand, Irold und die Helden alle bis an den späten Abend. Weil aber in der Dunkelheit Freund und Feind nicht mehr zu unterscheiden, so musste man den Kampf beenden.

In der Nacht flohen die Normannen auf ihren schnellen Schiffen und nahmen alle Gefangenen mit. Wie unmutig sich auch am Morgen die Friesen gebärdeten, sie mussten doch von einer Verfolgung abstehen, denn die Feinde hatten einen zu weiten Vorsprung gewonnen, auch waren die Reihen der Friesen zu stark gelichtet, um die Normannen in ihrem Lande anzugreifen.

Der Degen Frute riet, die Toten zu bestatten; aber Irold rief in finsterm Grimme: "Müssen wir auch die begraben, welche uns so schweres Leid zufügten? Lasst sie die Wölfe und Raben fressen!" Tiefe Stille folgte den Worten, bis etliche Weise den Rat gaben, am Grabe allen Hass zu lassen. Darauf begrub man Freund und Feind und betete für ihre Seelen.

Voll Gram und Sorgen traten die Helden endlich die Rückfahrt an. Als Königin Hilde ihre Botschaft vernahm, wollte sie vor großem Leid schier vergehen. Da sprach der kühne Wate: "Frau, lasst das Klagen. Ihr ruft damit die Toten nicht wieder ins Leben zurück. Schaut empor und hoffet! Wenn die Jugend unseres Landes aufgewachsen und wehrbar sein wird, dann kommt der Tag der Erlösung und Rache. Auf dass aber die neue Heerfahrt nicht wiederum misslinge, wollten wir den armen Kreuzfahrern ihre Schiffe zurückbringen und das an ihnen begangene Unrecht sühnen."

pixelio.de - Auf dem Wülpensande

Dem stimmte die gramvolle Königin zu mit den Worten: "Gebt ihnen nicht allein ihre Schiffe zurück, sondern entschädigt sie reichlich mit Silber und Gold!" Also geschah es.

Verwendete Bilder sind von:
© Andreas Hilbeck/PIXELIO (Bild 1)
© Friedrich Frühling/PIXELIO (Bild 2)
© Andreas Preuß/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

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Die Entführung – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

 

pixelio.de - Die EntführungAls Siegfried von Moorland Kunde erhielt von Herwigs Glück, ergrimmte er in seinem Herzen und fiel mit einem großen Heere in Seeland ein. Das Land ward so verwüstet, dass es allenthalben rauchte.

Eilboten in blutigen, zerrissenen Kleidern überbrachten Herwig die Botschaft. Sogleich nahm er Abschied von Gudrun und zog den Friedebrechern entgegen. Die Hegelingen folgten eiligst nach, um Herwig beizustehen. Bald war Siegfried von Moorland in die Enge getrieben, und er hätte ein klägliches Ende nehmen müssen, wären die Sieger nicht durch ein anderes Ereignis gezwungen worden, ihm Frieden anzubieten.

Da Hegelingenland von Mannen entblößt war, so nutzte Hartmut von der Normandie die günstige Gelegenheit, um Rache zu nehmen. Und es kam diese Kunde nach Seeland: "Hartmut, der normannische Königssohn, ist mit zwanzigtausend Mann ins Land gefallen, hat die Königsburg erstürmt und Gudrun mit zweiundsechzig Frauen gefangen weggeführt!"

Herwig, der starke Held, brach bei dieser Nachricht in Tränen aus. Der grimmige Wate aber schwang sein breites Schwert und rief mit donnernder Stimme: "Das soll den Normannen übel bekommen. Auf, ihr Helden alle! Ich weiß hier in der Nähe die rechte Wasserstraße. Auf dem Meere müssen wir die Räuber noch ergreifen."

Als Siegfried von Moorland solches hörte, erbot er sich, im Dienste Hettels seine Freveltaten zu sühnen. Mit Freuden ward seine Hilfe angenommen. Wie nun aber die Fahrt beginnen sollte, fehlte es an den nötigen Schiffen. Doch Wate wusste Rat. "Not kennt kein Gebot", dachte er, und beraubte unter Zustimmung Hettels daherkommende Kreuzfahrer ihrer Schiffe. Fünfhundert der frommen Pilger wurden unter das Kriegsheer gesteckt.

Verwendetes Bild ist von:
© Christoph S/www.pixelio.de

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Drei Werbungen – aus der Gudrun-Sage

Freitag, Oktober 30th, 2009

Drei Werbungen - Gudrunsage

Im Lande Hegelingen herrschte einst der gewaltige König Hettel samt seinem Weibe, der schönen Hilde. Viele fürstlichen Helden dienten ihnen in unverbrüchlicher Treue, darunter der breitbärtige, riesige Wate und der sangesreiche Horand, bei dessen Gesange die Vöglein ihr Morgen- und Abendlied vergaßen und die Siechen nicht krank zu sein meinten.

Zwei liebliche Kinder erblühten dem Königshause. Ortwin hieß das eine, Gudrun das andere. Ortwin erwuchs zu einem kühnen Helden, Gudrun aber wurde die schönste Jungfrau des ganzen Landes.

Drei Werbungen - GudrunsageGudrun war noch jung an Jahren; da kam schon Siegfried von Moorland, ein mächtiger König, mit seinen Heergesellen auf Hettels Burg geritten und warb um ihre Hand. Aber Hettel versagte ihm seine Tochter, und mit Scham musste Siegfried nach Moorland zurückziehen.

Nach diesem warb Hartmut von der Normandie um Gudrun. Auch sein Antrag wurde zurückgewiesen. Die Königin Hilde erinnerte mit Stolz daran, dass ihr Vater der Lehnsherr des Normannenfürsten gewesen sei, und schloss ihre Abweisung: "Wahrlich, meiner Sippschafft stünde solch Ehebündnis schlecht."

Noch ein dritter Held königlichen Geblüts begehrte die holde Gudrun zur Gemahlin; das war Herwig von Seeland. Er war von herrlicher Gestalt und berühmt durch manchen Sieg. Den edlen Herwig gewann Gudrun bald lieb; allein der alte König sah den kühnen Freier von oben bis unten an und gab ihm denselben Bescheid, den seine Vorgänger erhalten hatten.

Zornwild fuhr Herwig nach Seeland zurück und sammelte dreitausend streitbare Helden um sich; denn nun wollte er sich des hochmütigen Hettels Tochter erkämpfen.

In morgenkühler Stunde langte Herwig vor Hettels Burg an. Dort lagen die Recken samt ihrem Könige noch in tiefem Schlafe. Da rief der Wächter von der Zinne: "Wacht auf, ihr wackern Helden! Ich sehe auf dem Felde blinken Helm an Helm!"

Wie fuhren da die Hegelingen in den Harnisch! Bald standen sie kampfgerüstet. Hettel selbst griff zu Schwert und Speer. Mit Bangen sah Gudrun von der Burg dem Kampfe zu. Sie ängstigte sich ebensosehr um Herwig wie um den Vater und rief mit lauter Stimme hinunter: "Lieber Vater, haltet ein im Kampfe! Schließt Frieden um meinetwillen! Ich hab niemand so gern wie den kühnen Herwig. Vergönnt Ihr mir’s, will ich gern seine Gemahlin werden!"

Das Wort schaffte denn auch allsofort den Frieden. Die Streiter legten ihre schweren Panzer ab, wuschen sich an den Brunnen Staub und Blut von den Harnischen und feierten darauf in aller Herzensfröhlichkeit Herwigs und Gudruns Verlobung.

Verwendete Bilder sind von:
© Dana

 

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