Die Heimkehr – aus der Gudrun-Sage
Freitag, Oktober 30th, 2009
Als die Königin Hilde die Heimkehrenden erblickte und die liebe Tochter wiedersah, da begann ein Grüßen und Küssen ohne Ende. Ja, Frau Hilde küsste selbst den alten Wate trotz seines ellenbreiten Bartes. Ein fünftägiges Freudenfest erquickte darauf die Helden und Frauen.
Aber die edle Gudrun empfand tiefes Leid darüber, dass andere weinen mussten, wo sie fröhlich sein konnte. Noch saß Hartmut mit achtzig Recken in der Gefangenschaft. Dem eignen guten Herzen folgend, trat Gudrun vor die Mutter und sprach:
"Vielliebe Mutter, gedenket doch daran,
Wie niemand soll mit Bösem dem Hasse jemands lohnen.
Um Eurer Tugend willen wollt darum den König Hartmut jetzt verschonen."
Die Bitte der lieben Tochter fiel der Königin schwer aufs Herz, so dass sie darein willigte, die Gefangenen ihrer Ketten zu entledigen. Zuvor jedoch musste Hartmut schwören, dass er nicht entrinnen wolle.
Als nun Hartmut mit seinen Rittern am Hofe frei umhergehen konnte, erwarb er sich durch sein edles Wesen bald die Gunst aller. Es fand schließlich eine volle Aussöhnung zwischen den Normannen und Hegelingen statt.
Die treue Gudrun dachte nun daran, die Freunde und Freundinnen ebenso glücklich zu machen, wie sie es mit ihrem lieben König Herwig war. In ihrer lieblichen Weise wusste sie es dahin zu bringen, dass sich Ortwin mit Ortrun, Hamrtut mit Hildburg und Siegfried von Moorland mit einer Schwester Herwigs verlobte.

Da waren auf einmal vier glückliche Brautpaare beieinander, die feierten auf einen Tag ihre Hochzeit. Aller Hass war gesühnt. Die einst Feinde gewesen, lebten fortan in Friede und Freundschaft.
Verwendete Bilder sind von:
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Noch in der Nacht ward nun die Normannenburg eingeschlossen. Alsbald rief der Wächter hoch vom Turm:
Am nächsten Morgen mussten Gudrun und Hildburg wieder hinaus zum Meere. Über Nacht war tiefer Schnee gefallen, und sie baten daher Gerlinde um Schuhe an ihre bloßen Füße. Aber das böse Weib trieb sie fort mit den Worten: 

Als eines Tages wieder rauh der Märzwind wehte, während die beiden Jungfrauen am Gestade wuschen, sahen sie plötzlich einen Schwan daherschwimmen, der hob an mit eines Menschen Stimme zu sprechen:

Am andern Morgen begann das blutige Ringen von neuem. Da rannten die alten Könige Ludwig und Hettel grimmig gegeneinander. Schwer ward Gudruns Vater getroffen: er sank um und starb. Sein Tod ward der armen Gudrun angesagt; ihr Wehgeschrei drang über das Schlachtfeld zu den Hegelingen. Selbst Feinde trauerten um den hehren Gefallenen.
Als Siegfried von Moorland Kunde erhielt von Herwigs Glück, ergrimmte er in seinem Herzen und fiel mit einem großen Heere in Seeland ein. Das Land ward so verwüstet, dass es allenthalben rauchte.
Gudrun war noch jung an Jahren; da kam schon Siegfried von Moorland, ein mächtiger König, mit seinen Heergesellen auf Hettels Burg geritten und warb um ihre Hand. Aber Hettel versagte ihm seine Tochter, und mit Scham musste Siegfried nach Moorland zurückziehen.