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Archive for the ‘Hamburg’ Category

Herrn Dirk Wraks Großmut – eine Sage aus Hamburg

Mittwoch, Januar 14th, 2009

pixelio.de Herrn Dirk Wraks Großmut

Es geht die Sage von Herrn Dirk oder Dietrich Wrak, dem ältesten dieses Namens, der Anno 1268 in den Hamburger Rat gewählt wurde, dass er ein edler, großmütiger Mann gewesen sei, der selbst seinen Feinden Böses mit Gutem vergolten habe.

Wie es sich nun ereignet, dass große Männer ihre Widersacher haben, so traf es sich, dass der Herzog von Sachsen den Herrn Wrak nicht mochte. Denn er fürchtete wohl Gott, aber keinen Menschen, tat recht und scheute niemand. Darum focht ihn seines fürstlichen Feindes Groll auch gar nicht an. Der aber ergrimmte deshalb nur noch mehr und schrieb ihm nach damaliger Weise einen Absagebrief, worin stand:

pixelio.de Herrn Dirk Wraks Großmut"Sei auf deiner Hut, zumal wenn du reisest und durch mein Land ziehest, denn ich lass dir aufpassen. Wenn ich dich ertappe, so musst du ohne Gnade hängen; den hänfenen Strick dazu führe ich allerwegen mit mir. Wonach sich zu achten."

Das war keine frohe Kunde, und manchen guten Ratsmann späterer Zeit hätte es die Lustfahrten in den Sachsenwald und alles Reisen bitter verleidet, wenn solche Botschaft an ihn gelangt wäre. Aber Herr Dirk Wrak lachte darüber, meinte nur, er müsse wohl ein Abwehrmittel gebrauchen, das sollte aber glimpflicher sein als die Drohungen. Er ließ also eine starke silberne Kette schmieden, etliche Ellen lang, die trug er mehrfach um Hals und Brust geschlungen, als sei’s zur Zierde. Sodann schrieb er an den Herzog etwa so:

pixelio.de Herrn Dirk Wraks Großmut"Eurer Durchlauchtigkeit gnädigen guten Willen habe ich vernommen und vermelde dagegen in aller Höflichkeit, dass ich allemal, wenn ich nach Lübeck reite, zwar keinen gemeinen hänfenen Strick, sonderen ein silbernes Kettlein bei mir führe, daran ich Eure Durchlauchtigkeit henken will, wenn ich derselben habhaft werde. Wonach sich zu achten."

Ob nun der Herzog aus dieser kühnen Antwort sich wenig Ersprießliches erwartete oder ob ihm die Großmut, die seinen Strick mit dem Silbergeschmeide vergalt, das Herz rührte, beide ließen ihre Anerbieten für gute, harmlose Schwänke gelten, und weder Strick noch Kettlein wurden gebraucht. Sie ließen sich beide ungehenkt.

Im Wappenschild hatte Herr Wrak einen Arm geführt, in dessen bloßer Hand ein loderndes Feuer zu sehen war. Das bezeichnete den kühnen Mut des tapferen Mannes, dessen Hand wohl manch heißes Ding angefasst hatte, ohne sich zu verbrennen. Man muss eben brennende Fragen keck und fest angreifen, dann tun sie kein Weh. Das ist eine alte Wahrheit.

(Otto Beneke, 1812 – 1891)

Verwendete Bilder sind von:
© Bernd Sterzl/PIXELIO (Bild 1)
© S. Hofschlaeger/PIXELIO (Bild 2)
© Judith Lisser-Meister/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

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Die Elbgeister – eine Sage aus Hamburg

Samstag, November 15th, 2008

pixelio.de Die Elbgeister

Vor mehreren hundert Jahren war die Stadt Hamburg nicht wie jetzt gegen die andringenden Fluten geschützt, sondern von den Häusern bis zum Flussbett zog sich eine breite Niederung hin. Sie wurde häufig überschwemmt, namentlich im Frühjahr oder im Herbst, wenn heftige Regengüsse eintraten und Nordweststürme die Fluten aus der Nordsee in die Elbe trieben. Durch den mitgeführten Sand wurden die Niederungen nach und nach unfruchtbar.

Von diesen Niederungen wird erzählt, dass sich die Elbgeister dort versammelten, um zu beraten, wie sie den Menschen Schaden zufügen könnten. Die Menschen waren den Elbgeistern verhasst, weil sie mit ihren Schiffen in das Reich der Geister einzudringen versuchten.

Die Überschwemmungen währten fort. Wenn sie auch nicht viel Schaden anrichten konnten, da das Land unbebaut war, das von ihnen betroffen wurde, so ging diese Strecke den Menschen doch verloren. Da kam ein kluger Mann auf den Gedanken, den Elbgeistern diese Niederungen abzuringen. Er schlug vor, sie durch Erdwälle vor den Fluten zu schützen. Sein Vorschlag fand Beifall, und bald waren viele Menschen damit beschäftigt, die schützenden Deiche aufzuwerfen.

pixelio.de Die ElbgeisterDie Elbgeister kamen jeden Abend und sahen sich das Beginnen der Menschen an. Sie konnten sich nicht erklären, wozu diese Arbeit dienen sollte, und spotteten darüber. Endlich waren die Deiche fertig, und getrost erwarteten die Bewohner den Herbst. Ein heftiger Weststurm trat ein und trieb die Wellen zu außerordentlicher Höhe. Aber der Deich setzte ihnen kräftigen Widerstand entgegen, und die Niederungen blieben verschont.

Als die Elbgeister dies bemerkten, sahen sie sich überlistet. Sie versuchten, mit heftigen Stürmen und Hochfluten das Werk der Menschen zu zerstören; aber ihre Mühe war vergeblich.

Nur an einer schwachen, dem Ansturm besonders ausgesetzten Stelle gelang es. Am nächsten Morgen aber sprang der Wind nach Osten um, das Wasser lief ab, und die Bewohner konnten ihren Deich nicht nur ausbessern, sondern bedeutend verstärken.

Von nun an begann ein fortgesetzter Kampf mit den Elbgeistern. Immer wieder versuchten sie, das Werk der Menschen zu zerstören. Verschiedene Male gelang es ihnen. Noch heute sollen sich die Elbgeister in Gestalt von Eulen auf dem Deich aufhalten, der später Billwärder-Deich hieß, zuvor aber den Namen Eulendeich führte.

pixelio.de Die Elbgeister

Verwendete Bilder sind von:
© Bernd Sterzl/PIXELIO (Bild 1)
© Nils Nissen/PIXELIO (Bild 2)
© Ingo Heemeier/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

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