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Archive for the ‘Mecklenburg-Vorpommern’ Category

Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Dienstag, September 7th, 2010

pixelio.de - Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg

Der rechten Rathauspumpe gegenüber liegt zu Boizenburg auf dem Marktplatze, zwischen den ziemlich gleich großen Steinen des Straßenpflasters, ein Stein, der augenscheinlich seine Kameraden bedeutend an Größe übertrifft. Er ist oben flach, und die Leute sagen, auf der andern, nach unten gekehrten Seite sei eine Hand ausgehauen.

Ursprünglich – im alten Straßenpflaster nämlich – ist die jetzt untere Seite dieses Steines nach oben gekehrt gewesen, und wer nur die Augen offen gehabt hat, der hat sich die Hand ansehen können. Allein durch die Fußtritte der darüber Hinschreitenden und die Wagenräder ist die Hand bis auf drei Finger allmählich ausgetilgt. – Damit im neuen Steindamme die Hand nicht ganz verschwinde, sollen die klugen Steindämmer dem Stein eine umgekehrte Lage gegeben haben.

Vor vielen Jahren lebte am Marktplatz in Boizenburg ein Ratsherr, bei dem ein bildschönes Mädchen im Dienste stand. Aber Schönheit ist nicht Tugend; und eines Tages hat das Mädchen ein Kindlein geboren, das wohl "Mutter", nicht aber "Vater" sagen konnte, auch nicht, wenn es erwachsen sein würde. Aber es hat auch nimmer "Mutter" gesagt, denn dieser graute vor der öffentlichen Schande, nicht aber vor einem schrecklichen Verbrechen. Darum tötete sie das arme Würmlein und suchte die Gebeine desselben im Ofen zu verbrennen.

Kein Menschenauge war Zeuge des Verbrechens, und die Mutter mochte sich schon der gelungenen Tat freuen. Da wurden die Gebeine des Kindleins selbst  zu Anklägern der mütterlichen Untat. Durch das Verbrennen derselben verbreitete sich durch das ganze Haus ein so unerträglicher Geruch, dass jedermann im Hause in größter Eile alles aufbot, die Ursache desselben zu entdecken.

Nach kurzem Suchen wurden die halbverkohlten Gebeine des Kindes aufgefunden. – Die Verbrecherin wurde des Mordes überführt und büßte die blutige Tat mit dem Leben. Auf dem Marktplatze fiel ihr Haupt unter dem Schwerte des Henkers.

pixelio.de - Der Stein mit der ausgehauenen Hand zu Boizenburg

Der Stein mit der Hand soll die Stätte bezeichnen, auf welcher die Mörderin verblutete.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Günter Havlena/PIXELIO (Bild 1)
© T. Lieder/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Hexenbaum von Ulrichshusen – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Freitag, Januar 29th, 2010

Wie von allen alten Ritterburgen die Sage gar viel und mancherlei Schauriges und Schauerliches zu erzählen weiß, so ist dies auch bei Ulrichshusen  der Fall:

Zu jener traurig-trüben Zeit der Hexenverfolgungen und Hexenverbrennungen war auch ein Untergebener des Ulrichshusener Burgherrn, ein alter Arbeitsmann mit blöden Augen und grauem Haar, böswilligerweise von einem ihm feindlich gesinnten, gottlosen Schäfer der Hexerei angeklagt worden. Sogleich wurde dem Alten der Prozess gemacht und er, trotz seines Flehens und heiligsten Beteuerns, dass er unschuldig und nur verleumdet worden, zum schrecklichen Feuertode verurteilt.

Am nächsten Tage schon führte man den Unglücklichen auf einen nach Marxhagen hin liegenden Hügel, band ihn erbarmungslos an den Pfahl und türmte ein hohes Feuer um ihn auf. Ehe jedoch der alte Mann unter den grässlichsten Martern seinen Geist aushauchte, flehte er laut zu Gott: Er möge, zum Zeichen seiner Unschuld, ein Wunder geschehen lassen. Und der Allmächtige erhörte sein Flehen.

pixelio.de - Der Hexenbaum von Ulrichshusen

Als der Scheiterhaufen heruntergebrannt und des Gerichteten Leib in Asche verwandelt war, da schoss plötzlich auf der Brandstätte, aus dem noch heißen Erdboden, ein gar wunderbarer, hoher Baum hervor, wie ihn noch nie zuvor ein Menschenauge gesehen. Der Baum hatte weder Blätter noch trug er Früchte. Seine dürren Äste aber streckten sich mahnend zum blauen Himmel empor, als forderten sie Sühne von oben herab für das schuldlose Opfer. Und alles Volk, das da herbeigeströmt war, das schreckliche Schauspiel mit anzusehen, entsetzte sich ob dieses Gotteswunders und erkannte jetzt mit Schrecken die Unschuld des alten Arbeitsmannes.

Den gottlosen Schäfer, seinen böswilligen Verleumder und Mörder, aber fand man am nächsten Morgen mit gräßlich verzerrten Zügen und mit ausgerissener Zunge tot auf dem Acker liegen. Der Teufel hatte ihn in der Nacht zu Tode gehetzt und ihn also, wie er’s verdiente, gerichtet.

Lange, lange Jahre hiernach, bis in die neueste Zeit, stand noch der wunderbare Baum mit seinen kahlen, geisterhaft in die Höhe gerichteten Ästen und Zweigen,  dessen Holz anfänglich so hart gewesen sein soll, dass auch die schärfste Axt nicht einzudringen vermochte, und das Volk nannte ihn allgemein nur den "Hexenbaum".

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Rainer Sturm/www.pixelio.de

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Der schändliche Mönch zu Nemerow – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Freitag, Januar 29th, 2010

Der schändliche Mönch zu Nemerow

Als das jetzige Klein Nemerow noch im Besitz der Johanniterritter war, soll sich dort eine schreckliche Begebenheit zugetragen haben, worüber die Sage also berichtet:

Einer der Nemerower Ordensgeistlichen lebte in verbotenem Verhältnis mit einem blutjungen Mädchen. Durch allerlei Kniffe und Ränke hatte der Priester das unerfahrene Geschöpf in seine Schlingen zu ziehen gewusst. Leider gingen der armen Verblendeten die Augen erst auf, als es zu spät war. Sie wurde Mutter eines holden Knäbleins.

Der schändliche Geistliche schwur sich sofort von allem ab. Ja, seine Niederträchtigkeit und Frechheit ging so weit, am nächsten Sonntag von der Kanzel herab den Fehltritt des jungen Mädchens öffentlich zu tadeln und zu rügen.

Der schändliche Mönch zu Nemerow

Das also verhöhnte arme Geschöpf, außer sich über eine solche teuflische Niederträchtigkeit, verfiel hiernach in Wahnsinn, und ein hitziges Fieber, das sich hinzugesellte, machte bald ihrem Seelenleiden ein Ende. Kurz vorher aber, ehe sie ihren Geist aufgab, kehrte noch einmal ihr Bewusstsein zurück; und in diesem Augenblicke schwur sie allen Umstehenden zu, dass der von ihr angegebene Ordenspriester, trotz seines Leugnens und Abschwörens, sie dennoch verführt habe, dass er nur allein und kein anderer der Vater ihres armen Kindes sei.

Dann rief sie noch mit schwacher Stimme Gottes Fluch über den Schändlichen hernieder und verschied. Ihr Kind folgte ihr bald darauf in die Ewigkeit nach.

Der Priester aber hatte von Stund’ an keine Ruhe mehr; sein Gewissen war plötzlich erwacht und folterte und quälte ihn auf das furchtbarste. In einer der nächsten Nächte schon stürzte er sich in größter Verzweiflung in den nahen Tollensesee und machte also seinem Leben ein Ende.

Aber auch nach seinem Tode fand der meineidige Priester die erhoffte Ruhe nicht; denn häufig sah man ihn nach dieser Zeit in stillen Mondnächten am Ufer des Sees umherirren.

Auch noch jetzt soll sich zuweilen der Priester in seinem Ordensgewande in mondhellen Nächten am Ufer des Tollensesees zeigen, wenn sich aber ein Lebender naht, schnell in den See stürzen und dort verschwinden.

(Albert Niederhöffer/1860, 1828-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Dana

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Die spukende Tonne von Buchholz – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Donnerstag, Januar 28th, 2010

pixelio.de - Die spukende Tonne von Buchholz

Das Kirchdorf Buchholz hat, wie fast alle alten Dörfer, einen Teich mitten im Dorfe. Durch das Dorf geht die alte Landstraße von Bützow nach Rostock. Auf diesem Wege, von Süden her, vom sogenannten Kirchende, kommt alle Nacht eine Tonne ins Dorf gerollt und stürzt sich in den Teich. Obgleich sie niemanden Schaden zufügt, der sie zufällig auf ihrer Wanderung sieht, so ist es doch bei allen solchen Erscheinungen nicht gut, wenn man absichtlich darauf ausgeht, sie zu sehen und zu beobachten. Ein solcher Fürwitz wird allemal bestraft.

Es fand sich einmal im Dorfe ein beherzter Knecht, der bei einem Bauern diente, dessen Gehöft an dem bezeichneten Wege lag. Dieser Knecht stellte sich eines Abends so, daß er die Tonne sehen konnte, wenn sie ankommen und im Teiche verschwinden würde; und zur Vorsicht hatte er alle Türen hinter sich offen gestellt, daß er im Notfalle nach seiner Schlafstelle bei den Pferden flüchten könnte.

Als nun indes die Zeit herankam, worin die Tonne herbeizurollen pflegte, da ergriff den Neugierigen eine solche Angst und Beklommenheit, daß er in vollem Laufe nach seiner Lagerstätte eilte. Aber auf der großen Diele des Viehhauses, über welche sein Weg ihn führte, erhielt er einen so derben Schlag ins Gesicht, daß er fast alle Besinnung verlor und kaum das Bett erreichen konnte. Die Nacht brachte er schlaflos und schweißtriefend zu, auch war er mehrere Tage zur Arbeit unfähig.

Es war freilich nur eine Harke gewesen, die auf der Diele gelegen und dem Knechte, da er darauf getreten, den Schlag versetzt hatte. Aber es war doch die Strafe seiner unbesonnenen Neugierde, und er konnte froh sein, daß ihm nichts Ärgeres widerfahren war.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Lutz Schneider
www.pixelio.de

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Die Hexe von Camin bei Wittenburg – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Donnerstag, Januar 28th, 2010

pixelio.de - Die Hexe von Camin bei Wittenburg

Vor mehreren Jahren erzählte mir der damalige Vogt B., er habe von seinem Großvater gehört, dass in früherer Zeit eine bitterböse Hexe im Dorfe ihr gottloses Wesen getrieben hätte. Es war so leicht keiner daselbst, dem sie nicht eine Unbill zugefügt hätte: Der eine konnte von dem schönsten Rahm nicht buttern, dem andern fraß die Sau die Ferkel auf und dergleichen mehr.

Als die Hexe es nun immer ärger machte, so wurde sie angezeigt und zum Feuertode verdammt. Auf dem Wege zum Scheiterhaufen, der auf dem Schlage an der Dadower Scheide errichtet war, bewies sie ihre Macht zu guter Letzt noch an den dort am Wege pflügenden Knechten, so dass sie den ganzen Tag mit ihren Pflügen nicht arbeiten konnten.

Dem einen aber konnte sie nichts anhaben, das machte, er hatte einen Kreuzdornsticken an seinem Pfluge, der ihn dagegen geschützt und worüber sie sehr geklagt haben soll.

Der Erzähler fügte noch hinzu, dass nach dem Tode der Hexe sich alles wieder gebessert hätte.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Hexe110/www.pixelio.de

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Der gefährliche Trunk – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Dienstag, Januar 12th, 2010

Der gefährliche TrunkSüdöstlich von dem Dorfe Kritzmow, ungefähr dreiviertel Meilen von Rostock entfernt, liegt ein Berg, der "Mönken-", "Goldener" oder "Hexenberg" genannt wird. In diesem Berge wohnten vor Zeiten Unterirdische – Zwerge, ein harmloses Völkchen, welche mit den umwohnenden Menschen in Frieden lebten und sich ihnen oft dienstfertig bewiesen. Wurden sie aber zum Zorne gereizt, so suchten sie ihre Rache zu befriedigen. Ihr Getränk, ein gutes Bier, brauten sie selber, holten sich aber das dazu erforderliche Gerät in der Nacht aus einem benachbarten Bauernhause, wofür sie sich dankbar erzeigten und die Einwohner dieses Gehöfts nicht allein stand verhalfen.

An diesem von den Zwergen bewohnten Berge liegt ein bedeutendes Torfmoor, damals dicht mit Holz und Busch bestanden. Hier hütete die Jugend des Dorfes nach damaliger Sitte des Nachts die Pferde. Diese Hirten aber waren gewöhnlich selber zu Pferde.

Das Knallen mit Peitschen in der Nacht war nun den Unterirdischen sehr zuwider, und sie hatten es sich schon oft merken lassen, daß sie dadurch in ihrer Ruhe gestört würden.

Unter den Knaben des Dorfes zeichnete sich einer durch seinen Mutwillen aus und suchte fortwährend die Unterirdischen zu ärgern. Als er einst in einer hellen Nacht das Knallen betrieb, kam ein kleines Männchen auf ihn zu mit einem silbernen, inwendig vergoldeten Becher in der Hand und bot ihm ein Trunk daraus an. Der Hirtenknabe ergriff den Becher, aber statt zu trinken, wandte er, da er nichts Gutes vermutete, rasch das Pferd und jagte davon auf dem Wege nach Biestow und Rostock. Der Unterirdische eilte rasch hinter ihm her, mußte aber, als er an einen Kreuzweg kam, unverrichteter Dinge wieder umkehren.

Der Knabe, der sich noch immer verfolgt wähnte, hielt nicht eher an, als bis er sich in dem Kirchdorfe Biestow befand, mit seinem Becher in der Hand. Von der im Becher vorhandenen Flüssigkeit war ein großer Teil verschüttet, besonders beim Umsehen, auf den Schwanz des Pferdes. Wie dieser Trunk beschaffen war, zeigte sich nun, denn die Haare des Schwanzes und wohin sonst noch ein Tropfen gefallen war, erschienen ganz verbrannt.

Der Knabe war froh, dieser Gefahr entronnen zu sein, dankte Gott und schenkte den Becher der Kirche zu Biestow.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Mecklenburger Französisch – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Dienstag, Januar 12th, 2010

pixelio.de - Mecklenburger FranzösischDie Mecklenburger sind 1812 nicht so freudig in jenen fürchterlichsten aller früheren Feldzüge gezogen! Es war nicht ihr Land, das sie rief, sondern sie waren Söldner eines Landes, dessen Sprache sie nicht einmal verstanden…

Kurz bevor die mecklenburgischen Truppen nach Russland abrücken sollten, wollte Napoleon sie besichtigen. Darob große Verzweiflung des Höchstkommandierenden. Wenn Napoleon zu einer Truppenschau kam, verlangte er als Gruß der Soldaten ein brausendes "Vive l’empereur!". General Fallots rang die Hände über dem Problem, seinen braven Soldaten diesen französischen Gruß beizubringen.

Aber es gab auch damals schon Leutnants! Und ein Leutnant Tarnow erbat sich vom General die Erlaubnis zur Instruktion der Truppe. Die ging sehr fix vonstatten und hatte eine einfache fabelhafte Wirkung. Denn Leutnant Tarnow gab den französischen Unterricht auf dem Wege über das Plattdeutsche.

Als die Kompanien angetreten waren, baute Tarnow sich vor der Front auf und fing an: "Kinnings, hürt mal tau! Ji kennt doch all ‘n oll Wiew?" "Jawoll, Herr Leutnant!" "Un ‘ne oll Lamp kennt ji ok?" fragte Tarnow weiter. "Jawoll, Herr Leutnant!" "Un ‘n oll Piepenrühr?" "Jawoll, Herr Leutnant!" kam zum dritten Male die Antwort.

"Na", sagte Tarnow darauf, "denn ruft nun mal alle so laut, wie ihr könnt: Wiew-Lamp-Rühr!" "Wiew-Lamp-Rühr!" erscholl es darauf herzhaft wie aus einem Munde.

Der Ruf wurde einige Male geübt, und als Napoleon die Truppen besichtigte, klappte es großartig: "Wiew-Lamp-Rühr!" Napoleon grüßte wieder und rief: "Salut, salut!"

"Wat hett hei seggt?" fragte nachher ein Soldat seinen Kameraden. "Je", antwortete dieser, "hei hett sick wundert, dat wi Französisch können. Un dorüm säd’ hei: Süh, süh!"

(Ostmecklenburgische Heimat/Teterow 1928)

Verwendetes Bild ist von:
© Anne Bermüller/www.pixelio.de

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Die Axt des Wilden Jägers – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Samstag, Dezember 26th, 2009

 

Es ging ein Mann zur Nachtzeit über Feld. Als er unterwegs war, hörte er zu seinem Schrecken die Wilde Jagd nahen. Schnell hockte er hinter einem großen Steine nieder, um sich zu verstecken. doch das half ihm wenig. Denn der Wilder Jäger, welcher gerade auf ihn zukam, bemerkte ihn dennoch; und als derselbe neben jenem Stein war, sprang er vom Pferde und rief, indem er wie zum Schlage ausholte: "Züh, hier find’ ick jo noch ‘n Stamm, wo ick mien Äx rinschlahn kann."

pixelio.de - Die Axt des Wilden Jägers

Bei diesen Worten empfand der Mann einen derben Schlag im Rücken; und als die Wilde Jagd vorüber war, blieb er, der doch sonst gerade und aufgerichtet hatte gehen können, so krumm, wie er hinter dem Steine gehockt hatte.

So war der vorher so kräftige Mann schnell durch die Bosheit des Wilden Jägers ein armer Krüppel geworden. Er tat zwar alles, seine vorige Gestalt wieder zu erhalten, aber die Ärzte versuchten ihre Kunst vergeblich an ihm. Endlich gab ihm jemand den Rat, er solle sich nach Jahr und Tag wieder zur Nachtzeit um dieselbe Stunde an denselben Ort begeben, wo ihm das Übel widerfahren war, und warten, bis die Wilde Jagd wieder vorüberzöge, so würde er, wenn ihm noch zu helfen sei, wieder geheilt werden.

Dies tat der Mann. Richtig kam auch wieder um dieselbe Zeit die Wilde Jagd daher, und wieder hielt der Zug bei dem Stein, und der Jäger sprang wie das erste Mal vom Pferde, indem er sagte: "Züh, hier sitt mien Äx jo noch in den’ Stamm, wo ick sei verläd’n Johr rinhaut heff."

Bei diesen Worten aber war es dem, der beim Steine hockte, als würde ihm etwas aus dem Rücken gezogen; und als die Wilde Jagd vorüber war und er sich aufrichtete, konnte er wieder so gerade gehen wie ehemals in seinen gesunden Tagen.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© S. Hofschlaeger/www.pixelio.de

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Der Fischer und sein Weib – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Samstag, Dezember 26th, 2009

 pixelio.de - Der Fischer und sein Weib

In Waren lebte einst ein Fischer, ein recht schlechter, gottvergessener Kerl. Aus Habsucht hatte er sich eine bucklige, schwächliche Person zum Weibe genommen, weil sie ein hübsches Vermögen besaß. Gerne wäre er sie nun gleich wieder los gewesen, um sich ungehindert ihres Geldes erfreuen zu können, das sie ihm schon vor der Hochzeit hatte verschreiben lassen müssen.

Deshalb behandelte er das unglückliche Geschöpf auch fürchterlich schlecht und stieß und prügelte sie alle Tage, hoffend, der Tod werde ihn desto früher von ihr befreien. Dabei sang sein Lästermund fast fortwährend, wo er ging und stand:

"Ein Kreuz, ein Leid, ein bucklig Weib
Hat mir der Herr gegeben.
Nimm’s Kreuz von mir, nimm’s Weib zu Dir,
Dann kann ich ruhig leben."

Als er eines Tages auf die Müritz hinaus zum Fischen fuhr, dort bei Sturm und hohem Wellenschlag wiederum sein Lieblingslied anstimmte und dabei weidlich auf Gott schimpfte, dass er seinen Wunsch noch immer nicht erfüllen wolle, da ereilte den Spötter und Frevler endlich des Höchsten strafender Arm. Ein Wirbelwind erhob sich, warf den Kahn um und stürzte den Fischer tief hinab in die brausenden Fluten, wo er sein schmähliches Ende fand.

Nicht also der Fischer sollte sich seines Weibes Tod, sondern umgekehrt, diese sollte sich des seinen freuen. Denn sie lebte noch lange Jahre hiernach in Ruhe und Frieden, dessen sie sich an der Seite ihres rohen, gottlosen Gatten nie zu erfreuen gehabt hatte.

(Albert Niederhöffer, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Karl-Heinz Liebisch/Waren (Müritz)
www.pixelio.de

 

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Das Raubschloss bei Sülsdorf – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Mittwoch, Dezember 23rd, 2009

 

Das Raubschloss bei SülsdorfVor vielen hundert Jahren stand bei Sülsdorf ein festes Schloss. Rund umher konnten die Wiesen unter Wasser gesetzt werden, dreifache Wälle und tiefe Gräben umgaben den Burgplatz, zu dem nur ein einziger Eingang führte. Die Mauern waren aus mächtigen Feldsteinen aufgebaut, ein Turm ragte über den Wald hervor, der die Burg umgab.

Hier hauste Otto von Plön, ein übel berüchtigter Wegelagerer, mit seinen beiden jungen Söhnen. Wenn die Lübecker Kaufleute ihre reich beladenen Wagen in die Vaterstadt zurückführen wollten, schon ihre stolzen sieben Türme erblickten und sich der überstandenen Gefahren und der Hoffnung des Gewinnes freuten, dann beschlich sie Otto von Plön, kam durch die Orte Großen und Kleinen Mist herangesprengt und brachte die reiche Beute auf seine Burg.

Alles, was ihm aufstieß, raubte er, und von allen ward er gehasst. Oft ward er in seiner Burg belagert, aber er täuschte stets seine Feinde. Denn er ließ den Pferden die Hufeisen verkehrt unterlegen, und so konnte man nie wissen, ob er mit seinen Reitern zurückgekehrt oder ausgegangen war.

Aber der Bösewicht entgeht seiner Strafe nicht! Der Hirte von Rieps, Häne, verriet es den von Schwerin herkommenden Feinden, dass der Ritter auf seiner Burg sei, und versprach ihnen, sie in die Burg einzuführen. Als Lohn bedingte er sich aus: Brot bis in den Tod! - Und glücklich war der Zug: Die Burg wird erobert, Otto erschlagen, die beiden Söhne werden mit fortgeführt.

Auch dem Verräter wird Wort gehalten: Noch auf dem Zuge wird er erhängt und höhnend ihm zugerufen: Nun habe er ja Brot gehabt bis in den Tod. Auf dem Riepser Felde stand eine alte Eiche, daran ward er gehangen, und das Land umher heißt noch der "Hänenbrook".

Die Burg ward gebrochen, der Turm niedergeworfen, die Gräben verschüttet. Hohe Bäume stehen jetzt auf dem Burgplatz und treiben ihre Wurzeln in die Keller hinein, in denen ehemals Gefangene seufzten, die jetzt jedoch den Füchsen eine sichere Wohnung gewähren.

(Albert Niederhöffer/1857, 1828-1881)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia/Kresspahl/gemeinfrei
Sühnestein in Sülsdorf
http://www.suehnekreuz.de/mv/suelsdorf.htm

 

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