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Archive for the ‘Niedersachsen’ Category

Die Mönche von Marienthal – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, September 7th, 2010

 

pixelio.de - Die Mönche von MarienthalEinst raubten die lüsternen Mönche von Marienthal die schöne Tochter eines Landmanns, der in der Nähe des Klosters wohnte. Mit dieser trieben sie ihr Unwesen. Die Jungfrau musste sich ganz und gar dem Willen der Mönche fügen und konnte nur im Stillen ihr Schicksal beklagen. Bald aber schwand die Schönheit des Mädchens dahin, und mit dem 21. Jahre war es so hässlich geworden, dass die Mönche seiner überdrüssig wurden.

Sie beschlossen nun, das Mädchen zu ermorden. Heimlich wurde es getötet, und die Leiche dann in ein vor dem Hochaltar befindliches Gewölbe gebracht.

Aber die ruchlose Tat war doch nicht unbemerkt geblieben. Zu der Zeit nämlich lebte im Kloster ein Fischmeister mit Namen Distel. Dieser hatte einen Bruder, welcher in Braunschweig bei den Husaren diente. In der besagten Nacht kam derselbe auf Urlaub, um die Seinen zu besuchen. Als er an der Kirche vorbeiritt, bemerkte er drinnen Licht.

Er drängte sein Pferd an die Mauer und sah nun durch ein Fenster genau, was da vorging. Empört über die Untat der Mönche, ritt er vor das Haus seines Bruders, erzählte dem, was er gesehen, und forderte ihn auf, sofort mit ihm zur Kirche zu gehen, um die Mönche bei ihrem Vorhaben zu überraschen. Allein dieser wollte es nicht gern mit den Mördern verderben und antwortete seinem Bruder, er möge sich doch um das, was ihn nicht angehe, auch nicht kümmern.

Unmutig verschmähte es nun der Husar, bei seinem Bruder einzukehren, und ritt sofort nach Braunschweig zurück. Am nächsten Morgen zeigte er die Tat dem Gerichte an. Als nun eine genaue Durchsuchung der Kirche stattfand, entdeckte man die Leichen auch noch anderer Ermordeter. Zur Strafe wurden die Mönche des Landes verwiesen. allein sie wollten gutwillig nicht gehen, fühlten sich vielmehr hinter ihren dicken Mauern recht sicher.

pixelio.de - Die Mönche von Marienthal

Da schickte der Fürst gegen das widerspenstige Kloster ein Heer, mit dem sich auch die Bauern der Umgegend, die von der Ermordung des Mädchens gehört hatten, verbanden. Diesen vereinigten Kräften gelang es bald, das Kloster zu erstürmen, und die Übeltäter zu verjagen.

Einige aber wollten doch den geliebten Ort, wo sie so viele gute Tage gehabt, nicht verlassen und versuchten ein Versteck in dem dunklen Gange, der nach Marienberg führte. Dieser Schlupfwinkel wurde bald gefunden; weil sich aber niemand in den Gang hineinwagte, wurde der Tod der Versteckten beschlossen.

Man zog einen Graben von dem in der Nähe gelegenen Klosterteiche bis zum Gang und leitete dann das Wasser hinein, so dass die Übeltäter ertrinken mussten. Seit der Zeit hat sich kein Mönch wieder in Marienthal niederlassen dürfen.

(Theodor Voges)

Verwendete Bilder sind von:
© Rainer Sturm/PIXELIO (Bild 1)
© Wolfgang Pfensig/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Kloster Hude – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, August 31st, 2010

 

Kloster HudeIn dem Garten des Herrn von Witzleben zu Hude befinden sich die Ruinen eines schönen Mönchsklosters, die ihrer Schönheit wegen von Bremen und Oldenburg aus viel besucht werden. Das Kloster soll so groß gewesen sein, dass dreihundert Mönche darin wohnen konnten.

Jetzt sieht man nur noch die freilich immer noch bedeutenden Trümmer der Klosterkirche, wild von einer üppigen Pflanzenwelt durchwachsen, und die Kirchspielskirche, die aber den Mönchen als Waschhaus und Speicher gedient haben soll. Die Mönche, die dort gehaust haben, sind längst vermodert und haben kaum eine Spur von sich hinterlassen, doch sieht man noch manchmal des Nachts die Gestalt eines Mönchs unter einer der Fensterwölbungen stehen und Geld zählen, aber niemand weiß zu sagen, was sie eigentlich aus ihrer Grabesruhe heraus und nach oben treibt.

Eine andere Sage berichtet: Als das Kloster Hude gebaut wurde, sammelten sieben Mönche sieben Jahre lang weit und breit milde Gaben. Zum Dank wurden im Klostergarten ihre steinernen Bildnisse aufgerichtet, die noch lange standen, nachdem das Kloster selbst zerstört war. Den Mörtel zu dem Bau mischte man, um ihn desto haltbarer zu machen, mit süßer Milch, die man zwei Meilen weit im Umkreis herbeibrachte. Der Tagelohn der Arbeiter betrug drei Grote oder einen Scheffel Rocken.

Kloster Hude

Unter den Türmen des Klosters war einer so hoch, dass er den Schiffen auf der See zum Zeichen diente und bei der Zerstörung bis nach dem östlichen Ende des Baumhofes fiel. Das Kloster ist durch einen Bischof von Münster zerstört worden. Die Mönche besaßen nämlich ein oder zwei so künstlich abgerichtete Pferde, dass sie die ohne Führer nach verschiedenen Orten hin und her laufen lassen konnten, und die vorzüglich dazu gebraucht wurden, dem Abt, wenn er in der Stadt war, dies und jenes zu überbringen.

An diesen Tieren nun fand der Bischof ein besonderes Gefallen und bat die Eigentümer, sie ihm abzutreten. Als die Mönche sich dessen weigerten, forderte er es strenge; aber auch dies fruchtete nicht. Der Bischof sandte nun Gewaltboten; aber diese wurden von den Mönchen durch köstliche Bewirtung aufgehalten oder ins Verließ geworfen und wohl gar getötet.

Da ergrimmte der Bischof und schickte seinen Drosten Wilke Steding, um die Übeltäter zu züchtigen. Dieser nahm das Kloster ein und verwüstete es; aber die Mönche fing er nicht, denn diese waren alle durch einen unterirdischen Gang entflohen und hatten ihre Zuflucht in dem damals noch mit Wald bedeckten Nordenholzer Moor genommen, wo auch die Krieger, die man ihnen nachsandte, ihrer nicht habhaft werden konnten.

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjahn, 1825-1881)

Quellenangabe:
Wikipedia
- Kloster Hude, südliche Mittelschiffsmauer – Bild von Hardegen 1867 (Bild 1) Verwendung gemeinfrei
- Grundriss des Klosters nach G. Sello 1843 (Bild 2) Verwendung gemeinfrei

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Der Göttinger Wald – eine Sage aus Niedersachsen

Mittwoch, August 25th, 2010

pixelio.de - Der Göttinger Wald

Die Waaker erzählen, der Göttinger Wald habe ursprünglich bis an den Twêschweg ihnen gehört und sei erst auf folgende Weise an die Göttinger gekommen.

Die Waaker hatten sich um den Wald wenig bekümmert, und so war es zugegangen, dass die Göttinger sich einen Teil davon anmaßten. Darüber entstand nun ein Prozess zwischen beiden. Da nun niemand die Grenze genau zu bestimmen vermochte, trat ein alter Hirt aus Herberhausen auf und sagte, er wisse sie genau anzugeben; denn er habe in dem Wald viele Jahre lang das Vieh gehütet.

Darauf musste er sich zu einem Göttinger Ratsherrn in den Wagen setzen, und dieser fuhr mit ihm an Ort und Stelle. Der Hirt aber dachte, etwas müssten die Waaker doch wohl behalten, und ging dann so dicht an dem Feldrain hin, dass nur der schmale Streifen Waldes Neu-Waake gegenüber, welcher der Streitforst heißt, liegen blieb und den Waakern zugesprochen wurde.

Als die Waaker nun sahen, wie er so die Grenzen abging und fast den ganzen Wald den Göttingern zuwandte, riefen sie ihm laut zu, sie wollten, dass er Hals und Beine bräche. Der Wunsch ging auch schnell in Erfüllung; denn als der Hirt wieder in den Wagen steigen wollte, fiel er und brach das Genick.

(Georg Schambach, 1811-1879 & Konrad Hermann Wilhelm Müller, 1812-1890)

Verwendetes Bild ist von:
© HeidNeu (Göttingen)/www.pixelio.de

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Ick mutt erst mal mien Sophie fragen – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, August 24th, 2010

wikipedia - Ick mutt erst mal mien Sophie fragenEinmal ritt Anton Günther über das Land eines leibeigenen Meiers zur Helle im Kirchspiel Zwischenahn, den er längst persönlich kannte, und den er wegen seiner Redlichkeit und guten Wirtschaft wert hielt. Der Mann, welcher gerade pflügte und ein Paar vorzüglich schöner blaubunter Ochsen vor dem Pfluge hatte, begrüßte den Grafen freundlich.

"Guten Tag, Jacob!" rief ihm der Graf zu, "du hast da ein schönes Gespann Ochsen; gib mir die Ochsen, ich will dich dafür frei geben." Jacob war nicht schnell mit der Annahme bei der Hand. "Euer Gnaden", sagte er und kratzte sich hinter den Ohren, "ich muss erst meine Frau fragen."

Am folgenden Morgen erschien Jacob mit den beiden Ochsen zu Oldenburg und eilte zu dem Grafen: "Gnädiger Herr, meine Frau ist damit zufrieden, die Ochsen stehen zu Befehl; lassen Sie nur den Freibrief schreiben." "Jacob", erwiderte der Graf bedenklich, "ich habe auch meine Frau gefragt, aus dem Handel kann nichts werden."

Ein anderer Gewährsmann berichtet, dass der Bauer doch ein etwas einfältiger Mensch war. Seine Frau, die viel klüger war als er, machte ihm denn zu Hause klar, wie töricht er gewesen sei, bei diesem Handel lange zu überlegen. Sie sagte ihm, er müsse gleich morgen in aller Frühe auf Schloss und dem Grafen die Ochsen bringen.

Da hat er sich am andern Morgen aufgemacht, ist aufs Schloss gekommen und hat zu dem Grafen gesagt: "Mien Sophie hät säd ik skall’t men don." Graf Anton Günther aber hat sich hinter dem Ohr gekratzt und gesagt: "Un mien Sophie hät säd ik skall’t men laten!"

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881 & Wilhelm Schwartz, 1821-1899)

Verwendetes Bild:
Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst auf seinem Apfelschimmel Kranich
nach Wolfgang Heimbach
gemeinfrei
Quelle: Wikipedia

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Die Buttermilchbetstunde – eine Sage aus Niedersachsen

Dienstag, August 24th, 2010

 

Es ist auch einmal in Zellerfeld ein Superintendent gewesen, namens Calvör, dessen Frau ist sehr geizig gewesen.  Wenn ihr Mann ins Fenster Pfennige gelegt hat für die Armen, so hat sie dieselben unterschlagen und verstecket. Wenn sie am Donnerstage gebuttert hat, hat sie die Buttermilch mit Wasser vermischet, und wenn sie Butter verkaufet hat, hat sie immer eine falsche Wage gehabt und so die Leute betrogen.

Wie sie gestorben ist, hat sie keine Ruhe gehabt und ist walten gegangen und man hat im Hause nicht bleiben können vor Geheul und Lärm, das sie gemacht hat. Endlich hat man einen Pater aus Goslar kommen lassen, um sie zu bannen. Der hat sie zitiert, und wie sie kommt, sagt er allen, die dabei sind, sie sollten sie ja nicht anrühren. Aber einer hat’s doch gethan, wie sie ihm die Hand hingestrecket hat. Da haben ihm gleich die Finger gebrannt.

pixelio.de - Die Buttermilchbetstunde

Der Pater fragt sie, was ihr Begehr sei. Ach ich brenne im höllischen Feuer, jammert sie, und habe keine Ruhe. Im Keller ist das Geld, um welches ich die Armen betrogen habe. Darauf hat sie der Pater verbannt, und ihr verboten, jemals hier wieder zu erscheinen. Das Geld aber ist gefunden, ein großer Kessel voll, im Keller vergraben. Dieses Geld ist auf Zinsen geleget worden und die Zinsen werden alle Donnerstage nach einer Betstunde an die Armen verteilet. Die Wage aber ist in der Kirche aufgehänget. Die Betstunde nennt man in Zellerfeld die Buttermilchsbetstunde.

(Heinrich Pröhle, 1822-1895)

Verwendetes Bild ist von:
© kerry3/www.pixelio.de

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Das entlaufene Schwein – eine Sage aus Niedersachsen

Montag, Februar 22nd, 2010

 Das entlaufene Schwein

Von dem Ludgerikloster in Helmstedt ging ein dunkler Gang unter der Erde hin bis zum Jungfrauenkloster auf dem nahen Marienberg vor der Stadt. Das wusste anfangs weiter niemand als die Mönche und Nonnen, nachher aber ist es durch eine Sau offenkundig geworden.

Beim Austreiben entwischte nämlich dem Hirten unten auf dem Klosterhof zu St. Ludgeri ein Schwein. Es lief auf dem Platze hin und her und geriet endlich durch eine offenstehende Pforte in die Kirche, wo es alsbald spurlos verschwand; niemand konnte es finden.

Aber bald danach kam es oben auf dem Marienberg wieder ans Tageslicht, und so ist der heimliche Gang auch andern Leuten bekannt geworden.

(Theodor Voges)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Stadtansicht von Helmstedt um 1654 nach einem Kupferstich von Matthäus Merian)

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Wie die Schöppenstedter ihren Herzog empfangen – eine Sage aus Niedersachsen

Montag, Februar 22nd, 2010

Der Herzog ließ mal den Schöppenstedtern ansagen, er wolle kommen; da war große Freude und man beschloss, ihn feierlich zu empfangen. Zu dem Ende gingen Bürgermeister und Rat hinaus vors Tor in Feierkleidern, um ihn da zu erwarten, stellten auch weiter hinaus einen Posten aus, der ihnen die Ankunft des Herzogs eiligst melden sollte.

Nun war’s aber an dem Tage gerade sehr heiß und die Schöppenstedter bekamen Lust, sich erst noch etwas abzukühlen und ein Bad zu nehmen, dachten, gleich wird der Herzog ja wohl nicht kommen. Sie entkleideten sich daher und sprangen ins Wasser, aber im selben Augenblick kam auch schon der ausgestellte Posten gelaufen, rief, der Herzog komme.

Schnell sprangen sie aus dem Wasser und nun war guter Rat teuer; ankleiden war nicht mehr möglich, und sie beschlossen daher, wie die Natur sie geschaffen, sich in zwei Reihen aufzustellen und so den Herzog zu begrüßen; der Bürgermeister sagte noch: "Kinder, wie ich tun werde, so tut mir alle nach, wenn der Herzog vorbeifährt!"

pixelio.de - Wie die Schöppenstedter ihren Herzog empfangenIndem kam derselbe auch schon daher und fuhr durch die stattlichen Reihen, aber da traf sich’s gerade, dass den Bürgermeister eine Bremse am Allerwertesten stach, und da schlug er sich eiligst mit der Hand auf den gefährdeten Teil, und die Ratsmänner, welche glaubten, das sei die übliche Begrüßung für hohe Personen, machten’s ihm alle nach, und das gab ein Klatschen, dass die Pferde fast scheu wurden.

So empfing man für diesmal den Herzog.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881 & Wilhelm Schwartz, 1821-1899)

Verwendetes Bild ist von:
© Thorben Wengert/www.pixelio.de

 

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Die Jungfrau der Hanskühnenburg – eine Sage aus Niedersachsen

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

 

Am westlichen Abhange des Bruchberges hängt eine ruinenartige Klippe, die Hanskühnenburg. Da hat sich in der Vorzeit einmal ein Ritter vor seinen Feinden verborgen gehalten. Nach und nach haben sich mehrere zu ihm gefunden. Mit diesen hat er erst seine Feinde überfallen und gezüchtigt.

Nachher aber ist er ein Raubritter geworden. Da hat er die ganze Gegend geängstigt und viel zusammengeraubt, und weil er so verwegen gewesen ist, hat man ihn Hans den Kühnen oder kühnen Hans genannt. Sein Schloss ist nun verwünscht in eine Klippe.

Die Jungfrau der HanskühnenburgEs kam einmal des Nachts ein Köhlerjunge in die Nähe der Hanskühnenburg. Da sieht er unten am Fuße der Klippe eine Jungfrau, die trägt ein weißes Kleid und ein großes Bund Schlüssel in der Hand. Sie winkt ihm stillschweigend dreimal. Aber die Furcht hält ihn zurück. Wie sie ihm zum drittenmal gewinkt hat und er nicht kommt, da tut sie einen tiefen Seufzer, und eine Tür öffnet sich, darin verschwindet sie.

Wie das der Köhlerjunge des Morgens seinem Vater erzählt, schilt der ihn aus, und sagt: "Du hättest ihr nachgehen sollen, das ist eine verwünschte Schlossjungfer gewesen. Dir war der Schatz zugedacht, der in der alten Burg liegt."

Die andre Nacht geht der Köhlerjunge wieder nach der Hanskühnenburg. Aber wer nicht kommt, das ist die Jungfrau.

(Hermann Harrys)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Nachschreien – eine Sage aus Niedersachsen

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

pixelio.de - Nachschreien 

Auch am Harze kommt der Wilde Jäger vor. Der Wilde Jäger kann nicht leiden, dass man ihm nachruft. Am Eichelkopf, einem bewaldeten Berge, der zum Bruchberge gehört, waren einmal Zimmerleute, um Bauholz zu fällen. Die sitzen des Abends – es ist Winter gewesen – in ihrer Kote ums Feuer und haben aus nichts was Arges.

Auf einmal geht’s in der Höhe "Hoho hoho", und dazwischen Hundegkläff und Geschrei, wie wenn ein großes Treiben ist. Und der Lärm kommt immer näher und braust vor der Kote vorüber. Das ist der Wilde Jäger mit seiner Gesellschaft.

Die Zimmerleute sind darüber sehr erschrocken, werfen sich voll Angst auf den Boden und sind ganz still. Aber einer ist keck und tritt in die Tür der Kote, und wie der Wilde Jäger vorüber ist und der ganze Zug, macht er das Jagdgeschrei nach und ruft "Hoho hoho hoho". Auf einmal fällt ein schwarzer Klumpen auf den Herd, dass Funken und Brände den Zimmerleuten um die Köpfe fliegen. Das Feuer aber ist aus.

Wie sie’s wieder angezündet haben, sehen sie, dass eine große Pferdelende auf dem Herd liegt, und der Zimmermann, der dem Wilden Jäger nachgerufen hat, ist tot. Aber der Wilde Jäger ist nicht immer so bös.

Sind einmal etliche junge Mädchen in die Heidelbeeren gegangen. Die verirrten sich im Walde, und statt dass sie sich herausfinden, kommen sie immer tiefer in den Wald. Und es wird Nacht, und sie haben nichts zu essen gehabt. So sind sie vor Mattigkeit und Angst und Hunger fast tot.

Auf einmal lässt sich der Wilde Jäger hören und zieht in der Ferne vorbei. Da bekommt das eine der Mädchen, die ein keckes Ding gewesen ist, den Einfall, dem Wilden Jäger nachzuschreien. Wie sie dem Wilden Jäger nachschreit – da plötzlich steht er mitten unter den Mädchen und fragt, was sie ihn gerufen hätten?

pixelio.de - NachschreienDas Mädchen sagt, sie hätten sich verirrt und müssten bald vor Hunger sterben, und hätten nichts zu essen; er möge ihnen Brot und Salz und Fett geben, dann wollten sie ihm gute Reise wünschen. Da lacht der Wilde Jäger und sagt, für diesmal sollte es ihnen geschenkt sein, aber sie sollten’s nicht wieder wagen.

Fort ist er; und auf der Stelle brennt ein Feuer, und ein Topf steht darauf und eine Brotsuppe drin. Da haben sich die Mädchen alle gepflegt und haben sich darauf schlafen gelegt, und den Morgen haben sie sich auch aus dem Walde gefunden.

(Hermann Harrys)

Verwendete Bilder sind von:
© Dirk Schmidt/PIXELIO (Bild 1 – Wolfwarte/Harz)
© SI-MedienGestaltung/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Kirche zu Zellerfeld – eine Sage aus Niedersachsen

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

pixelio.de - Die Kirche zu ZellerfeldVor alten Zeiten ist einmal bei einem großen Brande auch die Zellerfelder Kirche mit abgebrannt, und man hat kein Geld gehabt, um sie wieder aufzubauen. Da hat eine Henn mit ihren Küchlein an der Stelle, wo jetzt die Kirche steht, einen großen Schatz aufgescharrt. Von diesem Gelde ist die Kirche erbaut, und zum Wahrzeichen hat man über den vier Kirchtürmen die Henne in Stein abgebildet, die noch jetzt zu sehen ist.

Aber es ist in der Kirche gar nicht zu bleiben gewesen. Denn wenn die Kirche ausgegangen ist – während der Predigt -, hat der Teufel einen solchen Lärm mit Poltern und Schreien und Brüllen veranstaltet, dass niemand es aushalten konnte. Da waren nun schon viele Versuche gemacht, ihn zu vertreiben, aber alle vergebens, bis endlich ein fremder Mann sich eingefunden, der gab sich für einen Teufelsbanner aus. Und den nahm man zu Hilfe. Der forderte den Teufel vor und beschwor ihn, dass er die Kirche verlassen musste.

Unter großem Lärm ist da der Satan da unten aus der Kirche nach der Seite des Marktes zu durch die Mauer hinausgebrochen. Das Loch, durch welches er hinausgefahren ist, hat man oftmals zumauern wollen, allein am andern Morgen war der Stein immer wieder herausgehoben, und bis auf diesen Tag ist die Öffnung zu sehen.

Früher hat auf dem Zellerfelder Gottesacker auch eine Kirche gestanden. Wenn nun ein Bergmann umkommen sollte, so war die Nacht vorher die Kirche ganz erleuchtet, und wenn einer den Mut hatte, dass er hineintrat, so hat er den Bergmann, der umkommen sollte, vor dem Altar im Sarg gesehen.

Einmal kommt eine Frau, sieht auch die Kirche hell, und weil sie eine mutige Frau ist, tritt sie in die Kirche. Da ist’s ganz hell, wie von tausend Lichtern, obgleich nirgends eins zu sehen ist. Aber vor dem Altar steht ein Sarg, und in dem Sarg liegt ihr eigener Mann und ist tot. Wie sie das gesehen hat, geht sie gleich nach Hause und bittet ihren Mann, doch morgen nicht anzufahren. Aber der Bergmann hat doch umkommen müssen, obgleich er nicht angefahren ist. Denn als er sich am andern Tag zum Schlafen auf die Ofenbank legte, ist von dem Gesims ein Glätteisen herabgefallen, ihm gerade auf den Kopf und hat ihn auf der Stelle getötet.

pixelio.de - Die Kirche zu Zellerfeld

(Hermann Harrys)

Verwendete Bilder sind von:
© SueSchi/PIXELIO (Bild 1)
© Pixel-Kings (PP)/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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