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Archive for the ‘Niedersachsen’ Category

Dat is mien Kopp – eine Sage aus Niedersachsen

Samstag, Dezember 31st, 2011

pixelio.de - Dat is mien Kopp 

In Golzwarden bei Brake saßen einst spät abends Zecher im Wirtshaus. Da kam die Rede auf Gespenster, und einer meinte, er fürchte sich nicht vor den Toten. Zuletzt wettete er, dass er in der Mitternachtsstunde auf den Kirchhof gehen und einen Totenkopf aus dem Leichenhause holen wolle.

Er ging auch hin und griff unter den Knochen herum, bis er einen Totenkopf fand. "Den hebb ick funnen", sagte er für sich. Da antwortete eine Stimme "dat is mien Kopp". Er warf ihn fort, suchte und fand einen zweiten und sagte "da hebb ick wedder een." Gleich erklang es "dat is mien Vader sin Kopp." Der Mann warf den Kopf fort und suchte den dritten. "Da hebb ick den drüdden", rief er, als er wieder einen gefunden hatte. Da erklang es zum dritten Male "dat is mien Grotvader sien Kopp."

"Und wenn he den Deuwel sine Grotmoder tohört, so nehm ick’n doch mit", rief er und eilte mit dem Kopf davon, aber Angst hatte er doch, und als er bei seinen Genossen ankam, war er in  Schweiß gebadet.

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjahn, 1825-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Andrea Damm/www.pixelio.de

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Rasenmeer – eine Sage aus Niedersachsen

Samstag, Dezember 31st, 2011

 pixelio.de - Rasenmeer

In einer der großen Sturmfluten, die unsere Küste von Zeit zu Zeit verwüsten, waren die Deiche Jeverlands an vielen Stellen durchbrochen, am breitesten und tiefsten in der Nähe des Kirchdorfs Wiarden, das damals noch näher an der See lag als jetzt, wo sich das alte Wangerland mit einem breiten Saum fruchtbarer Groden umgürtet hat. Zwar war das Meer schon in seinen alten Stand zurückgewichen, aber täglich rollte die Flut wieder über das Land hin und zerstörte die schwachen Werke, die von den Bewohnern aufgerichtet wurden. Die einzelnen Spaten voll Erde, die eine Menschenhand bewegte, konnten nicht widerstehen; wenn nicht ganze Wagen voll Erde auf einmal in die Lücke gebracht werden konnten, durfte man nicht hoffen, den Deich wieder herzustellen. Aber niemand wagte es, mit einem Wagen in die brausende Flut hineinzufahren, deren Tiefe man nicht kannte, und die nach der Höhe der Wogen zu urteilen unergründlich schien.

Da versprach man demjenigen, welcher zuerst mit einer Ladung Erde durch das Wasser fahren würde, alles Land, das in der Nähe des Deichbruchs lag. Lange ging niemand ein auf das lockende Gebot, bis endlich ein junger Bursche auf einen bereit stehenden Wagen sprang und kühn die Pferde in die Flut trieb. Voll Erstaunen rief das Volk "de rasenden Mähren"! und gab das Leben des Burschen wie der Tiere auf, aber mutig sttrebte das Gespann vorwärts und erreichte das jenseitige Ufer. Nun war der erste Schritt getan, andere folgten nach, und bald erhob sich der Deich in alter Höhe. Das Land, welches man dem Burschen versprochen hatte, wurde in ein Gut vereinigt und heißt bis auf den heutigen Tag Rasenmeer.

pixelio.de - Rasenmeer

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjahn, 1825-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Thomas (Bild 1)
©  Lupo (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Der Glockensee – eine Sage aus Niedersachsen

Montag, Dezember 5th, 2011

 

Im Dorfe Moringen im Göttingenschen findet sich in einem Garten ein Teich, der Opferteich genannt. In frühern Zeiten wurde in seiner Nähe unter großen Eichen Gericht gehalten; von den Opfern, die ihm gebracht wurden, soll er auch den Namen erhalten haben. Der Teich ist sehr tief, hat gar keinen sichtbaren Zufluss, aber reichliche unterirdische Quellen.

Man erzählt, dass es alljährlich in der Weihnacht von zwölf bis ein Uhr in seiner Tiefe läute.

pixelio.de - Der GlockenseeDie Mönche des Tempelherren-Klosters, das vor Zeiten dort gestanden, hatten nämlich einmal eine neue Glocke gießen lassen und in dem noch stehenden Kirchturm aufgehängt. Sie vergaßen aber, nach alter Sitte sie vor dem Gebrauch zum Gottesdienste einzusegnen und zu taufen. Nun wollten sie die Glocke zuerst in der heiligen Weihnacht zur Christmesse gebrauchen. Aber kaum hatte sie den ersten Klang getan, wurde sie wie durch eine wunderbare Kraft losgerissen, stürzte zum Schalloch des Turmes hinaus und in den Opferteich.

Da liegt sie bis auf den heutigen Tag. In jeder Weihnacht aber hebt sie sich in die Höhe, läutet und versinkt wieder. Seit der Zeit ist auch der Gottesdienst in der Kirche in Verfall geraten und das Tempelherren-Kloster aufgehoben. Auch kann ihretwegen kein Fisch in dem Teich leben.

Bei hellem Wetter haben einige die Glocke in der Tiefe des Wassers liegen sehen; auch kann man noch an der Seite des Schallochs die Spuren ihres heftigen Durchflugs wahrnehmen.

(Hermann Harrys/1840)

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter/www.pixelio.de

 

 

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Vom schönen Schäfermädchen – eine Sage aus Niedersachsen

Freitag, Oktober 21st, 2011

 Vom schönen Schäfermädchen

Zu alten Zeiten lag Hannover nur auf dem östlichen Ufer der Leine; auf dem westlichen, wo jetzt die Neustadt ist, war nichts als Anger und Wiesen. Nun trug’s sich zu, dass einmal ein junger und reicher gnädiger Herr aus Hannover über den Anger ritt und daselbst eine Schäferin erblickte, die war schöner als alle anderen Mädchen auf der Welt, und ihr langes und feines Haar war wie Gold und ringelte sich von selbst.

Dem jungen Herrn lachte das Herz als er sie sah; er stieg ab und setzte sich zu ihr ins Gras. Da sang sie ihm so süße Lieder, dass ihm ganz wundersam zumute wurde; und sie gewannen sich sehr lieb und wollten einander heiraten. Am andern Tage kam er wieder, und sie war noch schöner und sang noch süßere Weisen; er aber war traurig und sprach zu ihr: "Mein Vater hat gesagt, du sollst nie meine Frau werden; doch ich bleib dir treu und lasse nicht von dir!" und er schwur es ihr, wie er’s gestern geschworen hatte.

Am dritten Tage kam er nicht wieder, und als sie abends einen Fischer fragte, warum wohl die Glocken so lange geläutet hätten, bekam sie zur Antwort: "Der junge gnädige Herr hat Hochzeit gehalten mit einem jungen gnädigen Fräulein."

Da sprang ihr das Herz entzwei, und sie wurde blass wie der Tod. Am andern Morgen trieb sie wieder die Schafe aus; weil sie aber so betrübt war, mochten auch die Tiere nicht essen. Und sie sang so traurigen Weisen und sang immer leiser und leiser und sprang vom hohen Ufer in die Leine.

Vom schönen Schäfermädchen

Sie hat aber keine Ruhe, jede Nacht taucht sie hervor, Fischer, die alsdann angeln, haben sie oft gesehen; ihr langes Haar fließt ihr bis auf die Fersen, und stets singt sie ihre traurigen Weisen. So wartet sie auf den jungen gnädigen Herrn, und nicht eher wird sie Ruhe finden, als bis sich ein reiner Jüngling aus Mitleid zu ihr ins Wasser stürzt.

(Theodor Colshorn, 1821 – 1896 & Carl Colshorn, 1812 – 1855)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Hannover Ostseite, 1654, Matthäus Merian, gemeinfrei)
(Leine, Hohes Ufer, 1830, unbekannter Künstler, signiert „St. v. G.“, gemeinfrei)

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Wer ist dir bei den Haaren gewesen – eine Sage aus Niedersachsen

Donnerstag, Oktober 13th, 2011

 

pixelio.de - Wer ist dir bei den Haaren gewesenIm Stedingerland diente ein Knecht, der die Gabe hatte, Vorspuk zu sehen. Wenn ein Todesfall bevorstand, musste er aus dem Bett und auf die Diele gehen, wo dann der Sarg stand, und jedesmal starb der, welchen er gesehen, in Jahresfrist.

Als es ihn einmal wieder auf die Diele trieb, sah er den Sarg, aber den Toten, der darin lag, kannte er nicht. "Warte", dachte er, "ich will dich schon wieder kennen, wenn ich dich antreffe", nahm ein Messer und schnitt dem Toten über der Stirn einen Büschel Haare ab. Als sie am nächsten Morgen beim Trinken saßen, sagte die große Magd zum Knecht: "Du, wer ist dir bei den Haaren gewesen?"

Der Knecht erschrak und sah, dass er selbst der Tote gewesen sei, dem er das Haar abgeschnitten. Er kündigte sofort den Dienst, denn der Tote muss in dem Haus sterben, wo er gesehen, und verdang sich anderswo. Aber nach einiger Zeit fühlte er eine große Sehnsucht nach seiner alten Herrschaft und machte sich, da er sich ganz wohl fühlte, auf, um dieselbe zu besuchen. Wie er aber im Hause war, starb er.

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjan, 1825-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Günter Havlena/www.pixelio.de

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Böser Blick – eine Sage aus Niedersachsen

Donnerstag, Oktober 13th, 2011

 pixelio.de - Böser Blick

Ein Mann zu Oldenbrok-Altendorf war mit dem bösen Blick behaftet; er durfte nicht sein eigenes Vieh ansehen, oder er musste es zweimal tun. Einst hatte er eine neue Magd bekommen. Als diese am Sonntagnachmittag die Kühe in der Weide melken wollte, sah sie alle wie tot da liegen.

Sie eilte nach Hause in die Stube, wo eben Besuch war, und gab solches der Herrschaft kund. Da sagte die Hausfrau zu ihrem Mann: "Vader, büst du in de Kohweide wäsen, denn gah glieks wedder hen un kiek de Koi an, anners kann die Därn nich melken."

(Peter Friedrich Ludwig Strackerjan, 1825-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Axel Hoffmann/www.pixelio.de

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St. Andreasberg – eine Sage aus Niedersachsen (Harz)

Dienstag, Oktober 11th, 2011

St. Andreasberg 

Die Bergstadt St. Andreasberg ist benannt nach der ersten dortigen Grube: Andreaskreuz, die noch jetzt in Betrieb ist.

Diese Grube aber soll daher den Namen haben, dass die ersten Bergleute hier zwei übereinander setzende Gänge antrafen, wovon es nach uralter christlicher Bergmannssprache heißen soll: Die Gänge machen ein Andreaskreuz. Nach dem Bergmannsglauben verspricht ein solches Kreuz edle Anbrüche.

(Heinrich Pröhle/1854, 1822 – 1895)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Sankt Andreasberg im Nebel 2005 – durch Urheber Kassandro der Gemeinfreiheit übergeben)

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Kaiser Heinrich und Eva von Trott – eine Sage aus Niedersachsen

Donnerstag, Juli 14th, 2011

 

Kaiser Heinrich und Eva von TrottKaiser Heinrich hat eine Geliebte gehabt, die hat Eva von Trott geheißen und auf der alten Staufenburg in einem Turm gewohnt, wo sie in einer Hängematte ihre Stätte gehabt, so lange die Kaiserin auf der Burg gewesen.

Mit ihr hat der Kaiser drei Söhne gezeugt, die Dank, Teuerdank und Immerdank geheißen und in Kirchberg begraben liegen. Endlich ist es der Kaiserin aber doch verraten worden und da hat er seine Geliebte nach Gandersheim gebracht, wo sie auch begraben liegt.

Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812 – 1881 & Wilhelm Schwartz, 1821 – 1899)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Eva von Trott – Stich des 18. Jahrhunderts nach einem Gemälde von Sebastiano Bombelli – gemeinfrei)

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Der Wolfstein bei Ärzen – eine Sage aus Niedersachsen

Samstag, Mai 14th, 2011

 

pixelio.de - Der Wolfstein bei ÄrzenNicht weit von Ärzen steht am Rande der Domäne ein Stein, der im Volke unter dem Namen Wolfstein bekannt ist. Der Stein ist nicht über etliche Fuß hoch, grau, halb verwittert und mit einzeln dünnen Moosflechten überzogen.

Alte Leute erzählen: Das sei der Wolfstein, worunter zwei Brüder mit Namen Wolf begraben liegen. Diese Brüder haben beide ein jung hübsch Mägdlein geliebt. Es ist dies aber schon so lange her, dass man den Namen des Mägdleins vergessen hat. Genug, die Brüder haben deshalb einen heftigen Hass aufeinander geworfen und haben sich beide den Tod zugeschworen.

In einer Nacht sind sie auf dem Platze, wo heute der Wolfstein steht, in Wut aufeinander gestoßen und haben die Schwerter gezogen. Es ist eine stürmische Nacht und ganz finster gewesen. Am andern Morgen hat man das Unglück gesehen. Da sind viel Menschen herzugekommen und haben gesehen, wie die Brüder mit den Schwertern sich die Brust durchstoßen hatten, einer dem andern.

Sie sind aber gleich auf dem Platze begraben, und beide liegen da nun schon undenkliche Zeit in einem Grabe. Der Stein aber, der dabei gesetzt ist, heißt bis auf den heutigen Tag der Wolfstein. Von dem Wolfsteine zieht jetzt oft bei Nacht ein seltsames Licht über den Weg bis an die Kirchhofmauer hin und zurück. Es sind noch alte Leute im Orte, die es selbst gesehen haben.

(Hermann Harrys/1840)

Verwendetes Bild ist von:
© Günter Havlena/www.pixelio.de

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Der Name von Duderstadt – eine Sage aus Niedersachsen

Freitag, Mai 13th, 2011

 

Der Name von Duderstadt

 

Drei Brüder haben Duderstadt gebaut und als sie damit fertig gewesen sind, haben sie der Stadt auch einen Namen geben wollen, haben sich aber nicht darüber einig werden können, wer von ihnen einen solchen geben sollte, und der erste hat zum zweiten gesagt: "Gib du der Stadt den Namen", und der hat zum ersten gesagt: "Gib du der Stadt den Namen", und ebenso hat der’s wieder zum dritten gesagt, und der hat’s ihm mit denselben Worten zurückgegeben und da haben sie sich kurz entschlossen und die Stadt Duderstadt geheißen.

Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812 – 1881 & Wilhelm Schwartz, 1821 – 1899)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Duderstadt – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 – gemeinfrei)

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