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Archive for the ‘Nordrhein-Westfalen’ Category

Die Gotteslästerer in Körbecke – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Montag, Dezember 19th, 2011

pixelio.de - Die Gotteslästerer in Körbecke 

Im Jahre 1013 geschah ein entsetzliches, bisher unerhört gewesenes Wunder. In der Christnacht dieses Jahres begab es sich nämlich in der Stadt Körbecke in Westfalen, wo der heilige Magnus den Märtyrertod gestorben ist, dass in dem Augenblicke, als der Priester in der Kirche dieses Heiligen die Messe eifrig zu lesen anfing, achtzehn Personen, anstatt dem Gottesdienste beizuwohnen, vor der Kirche auf dem Kirchhofe einen Tanzreigen aufführten, und dabei so laut sangen und schrien, dass sie den Priester vor dem Altare in seiner Andacht störten.

Dieser, mit Namen Rothbertus, ging daher zu ihnen hinaus und ermahnete sie, von ihrem Teufelswerke abzustehen und ruhig zu sein und in die Kirche zu kommen. Allein sie verachteten seine Reden und verhöhnten und verspotteten ihn. Da rief er ihnen verwünschend zu: "Möget ihr durch die Macht Gottes und durch die Verdienste des heiligen Magnus ein ganzes Jahr lang so tanzend und singend zubringen müssen!"

Sie verachteten auch diese Worte und fuhren in ihrem Jubel fort; allein der Fluch des Priesters hatte sich augenblicklich erfüllt. Denn als sie bald nachher aufhören wollten, konnte keiner von seiner Stelle und alle mussten tanzen und singen ohne Unterlass, die ganze Nacht hindurch und auch den Tag und auch den folgenden, und so alle Tage. Und alles, was sie sah, jammerte laut und entsetzte sich über diese Strafe des Himmels. Andere Leute, die unschuldig waren, versuchten, sie von der Stelle zu ziehen, allein es gelang nicht. Einem Mädchen von achtzehn Jahren, die auch unter den Tanzenden war und die ihr Bruder zu stark zerrte, riss er den Arm aus, und sie musste forttanzen ohne den Arm.

Als sechs Monate vergangen waren, waren sie schon bis an die Knie in die Erde versunken, und als das ganze Jahr um war, bis an die Schultern. Da wurden sie durch den heiligen Mann Herbertus, Bischof von Köln, erlöset. Dieser kam nämlich um Weihnachten nach Körbecke, verrichtete sein Gebet über die Unglücklichen, befreiete sie dadurch aus ihrer entsetzlichen Lage und führte sie dann an den Altar des heiligen Magnus, um sie ganz mit Gott zu versöhnen. Hier fielen sie alle in einen tiefen Schlaf, aus dem sie nicht wieder erwachten.

(Heinrich Stahl alias Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© A. Dreher/www.pixelio.de

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Wunder der Weihnachtsnacht – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Dienstag, Dezember 13th, 2011

 pixelio.de - Wunder der Weihnachtsnacht

Bei der Bruchhauser Papiermühle ist ein Erdfall, bei dessen tiefster Stelle ein Brunnen ist. Nun geht die Sage, dass in der Weihnachtsnacht grade um zwölf Uhr dort die Hirten von Bethlehem mit ihren Schafen vorüberziehen und die Glocken der Schäfchen in dem Brunnen läuteten. Und viele Leute aus Bruchhausen versichern, das Läuten in der Weihnachtsnacht gehört zu haben.

Auch behaupten die Leute, dass in der Weihnachtsnacht um zwölf Uhr aller Hopfen, wenn auch noch ein so tiefer Schnee liegt, grün ist, und es hat mir jemand erzählt, dass er den Tag vor Weihnachten den Hopfen ganz trocken gesehen, darauf in der Nacht ganz grün; und hat ihn mit nach Haus genommen, worauf er in der Stube im Wasser noch mehrere Tage grün gewesen; aber im Garten war er noch wie zuvor.

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter Schütz/www.pixelio.de

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Iserlohn – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Dienstag, Juli 12th, 2011

 Iserlohn

Der Name der Stadt kommt her von Eisen und Lohnen. Denn weil daselbst sonst viel Eisenerz gegraben wurde und die in dasiger Gegend wohnenden Arbeitsleute am Sonnabend hingingen, um ihren Lohn für die getane Arbeit zu empfangen, und wenn sie gefragt wurden: "Wohin?" zur Antwort gaben:

"Wy welt na Lohne gahn!" so ist hieraus der Name Iserlohn entstanden.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Iserlohn – Stadtansicht um 1750 – Kupferstich von J. H. Giese – gemeinfrei)

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Das Monument am Dome zu Münster – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Freitag, April 15th, 2011

 

pixelio.de - Das Monument am Dome zu MünsterAn der Nordseite des Domes zu Münster, da wo der Vikarien Kirchhof ist, sieht man auf der Zinne des Tempels ein sonderbares Monument stehen.

Auf einer dünnen Säule nämlich sitzt ein Affe, welcher Nüsse knackt; er scheint die Zuschauer durch Possen zu belustigen, indem er mit einer Pfote etwas herunterwirft, wahrscheinlich leere Schalen. Am Säulenfuße sieht man auf der einen Seite ein Schaf, auf der andern eine Sau, die sehr eifrig aus einem Troge frisst.

Sicher bekannt ist der Entstehungsgrund dieses Monuments nicht. Das Volk sagt aber, der Baumeister habe es, als er mit den Domherrn wegen seines Lohnes uneins geworden, um dieselbigen zu ärgern angebracht und es zugleich durch folgende Verse gedeutet:

Schafskleider tragen wir,
Ein Schweineleben führen wir,
Affenspiele treiben wir.

(Heinrich Stahl alias Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Wilbrink (Dom zu Münster)
www.pixelio.de

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Der Schatz in Wiedenbrück – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Dienstag, April 12th, 2011

pixelio.de - Der Schatz in Wiedenbrück 

In der Stadt Wiedenbrück an der langen Straße, nicht weit von dem Langenbrückertore, steht ein kleines Haus, hinter welchem sich ein großer Garten befindet. In diesem Garten hat früher ein Schloss gestanden, das aber zerstöret ist, in welchem vorzeiten ein alter Geizhals gewohnt hat, der Witwen und Waisen betrogen und viel Geld zusammengescharret, und damit es ihm nicht gestohlen werde, in der Erde vergraben hat.

pixelio.de - Der Schatz in Wiedenbrück

Das Geld liegt noch da, und zur Strafe muss der Geizige es bewachen. Alle sieben Jahre beim Vollmonde kommt es zum Vorscheine, dann öffnet sich die Erde und das Geld glänzt im Mondscheine, darüber sieht man eine blaue Flamme. Wie man diesen Schatz heben kann, hat man noch nicht entdecken können.

In dem Hause, zu dem dieser Garten gehört, wohnte einmal eine Magd, die sich oft verschlief und daher von ihrer Frau ausgeschimpft wurde. Einstmals erwachte dieselbe, und wie sie sah, dass es schon ganz hell war, glaubte sie, wieder verschlafen zu haben. Sie kleidete sich deshalb schnell an und ging in die Küche, um das Feuer anzumachen. Wie sie aber währenddessen durch das Küchenfenster in den Garten sah, gewahrte sie darin ein kleines Feuer, weshalb sie Stahl und Feuerstein beiseite legte, eine Schüppe nahm und damit in den Garten auf das Feuer zuging, um sich lebendige Kohlen zu holen.

pixelio.de - Der Schatz in Wiedenbrück

Sie steckte die Schüppe in das Feuer und zog eine Menge Kohlen hervor, mit diesen ging sie in die Küche zurück. Als sie dieselben aber auf den Herd legte, gingen sie aus, weshalb sie noch einmal in den Garten ging und sich welche holte. Doch auch diese gingen aus, als sie sie wieder auf den Herd legte, weshalb sie zum dritten Male in den Garten ging.

Als sie aber jetzt an das Feuer kam, ging eine furchtbare Stimme daraus hervor, die rief: "Kommst du noch einmal, so drehe ich dir den Hals um!" Da ließ sie vor Schrecken die Schüppe fallen und eilte in das Haus zurück. In dem Augenblicke schlug die Uhr eins. Am anderen Morgen aber lagen auf dem Herde lauter schöne blanke Dukaten.

(Heinrich Stahl alias Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Thomas Max Müller/PIXELIO (Bild 1 – Wiedenbrück)
© F.H.Me/PIXELIO (Bild 2)
© Martin Schemm/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

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Der Westfälische Pumpernickel – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Montag, April 4th, 2011

 pixelio.de - Der Westfälische Pumpernickel

Das schwarze, in ganz Westfalen übliche, Pumpernickel genannte Brot soll davon seinen Namen haben, dass einst ein reisender Franzose, dem es nicht schmecken wollte, dasselbe genommen und seinem Pferde mit den Worten gegeben haben soll: "Bon pour Nickel" d.h. gut für Nickel, d.i. mein Pferd; nach einer andern Sage hätte man unter Nickel nicht ein Pferd, sondern ein gemeines Frauenzimmer, eine Pfarrköchin ect. zu verstehen. Andere sagen, es habe seinen Namen von dem Bäcker Nickel Pumper, der es im 16. Jahrhundert zu Osnabrück zuerst gebacken habe.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter Schütz/www.pixelio.de

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Hexentanzplätze – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Montag, Februar 14th, 2011

 

HexentanzplätzeMan zeigt bei Witten a. R. eine Stelle, wo vordem Hexen verbrannt sein sollen. Alles, was dahin gesäet wird, gedeiht nicht, bleibt klein und verkümmert (beniept). Ebenda findet man hin und wieder Kreise auf den Feldern, welche nach dem Pflügen immer wieder sichtbar werden, und an jedem solcher Kreise zeigt sich noch ein besonderer Fleck. Das sind die Hexentanzplätze und der Fleck ist die Stelle, wo der Spielmann seinen Sitz hatte.

Petersen (Kirchspiel Weitmar)  sagt: Bei Witten a. R. ist der Hexenpoth. Zu Witten haben seit Karl dem Großen viele Hexen gespukt; einer der bekanntesten Hexenmeister daselbst war Buttermann, der, mit sieben Katzen den Wagen bespannt, ein Stückfass Wein den Steeler Berg hinaufziehen konnte. Er erlebte einmal einen warmen Tag, wie er ihn nannte, das war der Tag, an welchem er lebendig verbrannt wurde.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Kupferstich von W. Jury nach Johann Heinrich Ramberg- Walpurgisnachtszene aus Faust 1 – 1829 – gemeinfrei)

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Das Kruzifix in Stromberg – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Mittwoch, Februar 2nd, 2011

Das Kruzifix in Stromberg 

In Stromberg steht eine schöne Kirche und in ihr ein hölzernes Kruzifix, das sich sehr wundertätig zeigt, weshalb dahin jährlich Wallfahrten und Prozessionen abgehalten werden. Von diesem Kruzifixe erzählt die Sage folgendes:

Vor ungefähr 1000 Jahren fand man dasselbe in der Erde da, wo jetzt die Kirche steht. Man stellte es in der, damals am Fuße des Berges in dem Dörfchen Stromberg befindlichen Kirche auf den Altar; aber am nächsten Morgen war es verschwunden und befand sich wieder an dem Orte, wo man es zuerst entdeckt hatte.

Man wollte es abermals in die Kirche bringen, aber man war nicht im Stande es aufzuheben oder gar fortzuschaffen. Man spannte zwei Ochsen vor – vergebens. Nur sechs Ochsen, mit Ketten daran gespannt, vermochten es zur Kirche zurückzuführen. Am nächsten Morgen fand man es aber immer wieder an seinem ersten Platze, von dem man es nun, auch durch die größten Anstrengungen, nicht bewegen konnte.

Da führte der Zufall einen frommen Einsiedler herbei, welcher erklärte, dass das Kruzifix nicht von hier weggebracht, sondern hier für dasselbe eine Kapelle erbaut werden solle, wozu er sogleich überall milde Gaben einsammelte, von denen dann die erstgenannte Kirche erbaut worden ist.

(Widar Ziehnert, 1814-1839)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Kreuzkirche Stromberg – Werk von Chris 06 – gemeinfrei)

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Austern und Kröten – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Montag, Januar 24th, 2011

pixelio.de - Austern und Kröten 

Dahlheim bei Paderborn ist jetzt eine königliche Domäne; aber sonst war Dahlheim ein Kloster, ein reiches Kloster. Deshalb lebten auch die Mönche alle Tage in Freuden und waren guter Dinge. Und fiel je einmal ein Fasttag ein, so wussten die geistlichen Herren Eier und Fische köstlicher zu bereiten als das beste Wildbret.

Einmal am Aschermittwoch standen auf der Klostertafel viele Schüsseln mit den fettesten Austern. Wohlgefällig lächelnd ergriff der Prior ein Messer, eine der kostbaren Muscheln zu öffnen. Aber in der Hand ward sie ihm in eine ekelhafte Kröte verwandelt. Entsetzt sprang er von seinem Stuhle auf, mit ihm die Mönche, denn nach und nach verwandelten sich alle die delikaten Austern in solch scheußliches Getier.

Das nahmen sich die lüsternen Mönchlein ad notam und haben nachher nie wieder Austern gegessen.

(Josef Seiler/1848)

Verwendetes Bild ist von:
© wrw/www.pixelio.de

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Der Bullerborn – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Montag, Januar 24th, 2011

pixelio.de - Der Bullerborn

In dem Fürstentum Paderborn ist ein kleiner Fluss, die Becke oder der Bullerborn geheißen, des letzteren von dem Geräusche seines Wassers.

Vor Zeiten hat derselbe, eben wie das Meer, seine Ebbe und Flut gehalten, und so oft er mit seinem Wasser nach der Ebbe wieder im Ausfluss gewesen, hat die Gipfel der umstehenden Bäume ein Wind mit vielem Geräusche bewegt, worauf dann das Wasser ausgestoßen worden.

Als im Dezember des Jahres 1630 die Hessen sich des Stiftes Meister machten, ist dieser Bullerborn gänzlich vertrocknet; als sie es aber im Jahre 1638 wieder räumen mussten, ist er wieder gekommen; jedoch hält er nach solcher Zeit keine Ebbe und Flut mehr, sondern fließt beständig.

(Heinrich Stahl alias Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Hans-Christian Hein (Beke/Altenbeken)
www.pixelio.de

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