Google
Märchen-Suche
Google

Archive for the ‘Nordrhein-Westfalen’ Category

Grabestreue – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, März 11th, 2010

pixelio.de - Grabestreue

Es war einmal ein König, der wohnte auf dem Fürstenberg. Er hatte aber nur eine Tochter, die war wunderschön. Da ließ der Vater ein Gesetz ausgehen, dass derjenige, der sie heiraten wollte, der sollte sie, ohne zu rasten, den Berg herauftragen. Das hatten nun schon viele probiert, aber keiner gekonnt.

Da kam aber einmal ein sehr schöner Prinz, den hatte die Prinzessin auch sehr lieb. Da nahm er sie auf den Arm und wollte sie herauftragen. In der Mitte da konnte er fast gar nicht mehr. Aber sie munterte ihn immer auf. Da sie nun beinahe oben waren, verließen ihn alle Kräfte, und er wollte sie schon hinsetzen, da bat sie: "Ach, nur noch einen Schritt, dann sind wir da!"

Da nahm er seine letzten Kräfte zusammen und setzte sie oben auf den Berg, er aber sank tot zu ihren Füßen. Da wurde sie unendlich betrübt, und da der Prinz auf dem Fürstenberg begraben wurde, blieb sie auf dem Grabe sitzen und von ihren Tränen wurde ein Teich, der noch dort zu sehen ist. Und noch oft hört man sie auf der Stelle weinen.

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendetes Bild ist von:
© Achim Lückemeyer/www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Vom bösen Amtmann – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Sonntag, Februar 14th, 2010

 

Vor langer Zeit ist einmal zu Lippspringe ein Syndikus und Amtmann gewesen, der der böse Moller geheißen war. Denn er war aller Sünde und Falschheit Meister, und das Recht war das letzte, wonach er fragte. Einst ließ er ein junges Mägdlein, welche Grete geheißen und weit und breit die Schönste war, vor sich kommen und bedeutete sie, wie sie der Hexerei und Zauberkunst hart bezichtigt sei.

Vom bösen AmtmannEs half nichts, dass die schöne Grete ihre Unschuld beteuerte; dass sie den höchsten Gott zum Zeugen ihrer Reinheit anrief. Denn der böse Moller hatte sie nur aus unlauterer Absicht vor sich fordern lassen. Sie wurde daher entkleidet und auf die Folter gespannt. Als nun der arge Richter ihren nackten Leib sah, da entbrannte er vollends in wilder Lust zu der schönen Dirne.

Er hieß alle Schöffen und Gerichtsdiener hinausgehen, und sprach dann zu der schönen Grete: "Dein armes junges Leben dauert mich; es steht in meiner Hand. Willst du mir zu Willen sein und mich deiner Liebe genießen lassen, so sollst du nicht allein sogleich frei werden, sondern auch ein angenehmes, sorgenloses Leben in meinem Hause führen."

Die arme, gequälte Grete rief in ihrer Todesangst: "Alles, alles will ich versprechen, nur entlasst mich diesen fürchterlichen Martern." Sogleich ließ der Amtmann sie von der Folter lösen und nahm sie zu sich in sein Haus, unter dem Vorwande, auf diese Art und durch freundliches Zureden werde er besser ihren ungezählten Verbrechen auf die Spur kommen können.

In seiner Wohnung ließ er ihr sodann eine warme bequeme Stube einrichten und brachte alle Tage einige Stunden allein bei ihr zu, ihrer Schönheit genießend. Zuletzt ward allen, selbst seiner Hausfrau, der Handel verdächtig, so dass sie hinging und das Unwesen dem Gerichtsherrn anzeigte. Alsbald wurde nun der böse Moller eingezogen und auf das Schloss zu Dringenberg gebracht. Hier gab es eine lange Untersuchung über ihn, durch welche er nicht allein des Ehebruchs, sondern noch vieler andern Schandtaten überführt wurde.

pixelio.de - Vom bösen AmtmannSchon war der Tag der Hinrichtung bestimmt, als er versuchte, seiner Haft zu entfliehen. Doch er entkam seiner Strafe nicht. Als er in der Nacht vom Gefängnisturme herabklettern wollte, stürzte er in den Schlossgraben und brach beide Beine. Nicht lange nachher ist er gestorben.

(Josef Seiler/1848)

Verwendete Bilder sind von:
© Ralf & Bine (Bild 1 – Folterbank – La Granja, Mallorca)

© Martin Jakubowski/www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Schwester Irmgard – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Sonntag, Februar 14th, 2010

 

Nahe bei der Stadt Lügde, in der Schlucht, durch die man nach der Hermannsburg geht, stand einst ein Nonnenkloster. Und ein reiches Kloster muss es gewesen sein mit Mühlen und Vorwerken; denn noch heute heißt die Stelle am Bache, wo einst die Ölmühle gelegen, "der Nonnen Ölwiese".

pixelio.de - Schwester IrmgardIn diesem Nonnenkloster nun war einst eine Schwester Irmgard, die hatte einen heimlichen Liebsten, einen gar kecken Jägersmann. Und jede Nacht kamen sie im Klostergarten zusammen und koseten und herzten lange; und der Liebste hatte ihr auch versprochen, sie einmal zu befreien aus den dumpfen Klostermauern und mit sich zu nehmen fernhin an die grünen Ufer des Rheines.

Aber als es nun weiter kam und immer weiter; als es sich zu regen begann unter dem Herzen der Nonne; als ihr der Weg die hohen Treppen hinab in den Klostergarten immer beschwerlicher ward; als sie es nicht lange mehr bergen konnte unter dem schwarzen Talar - da wollte der Falsche von der Entführung nichts mehr wissen und zuletzt, als die arme Irmgard nicht abließ mit Bitten und Flehen und Beschwörungen, blieb er ganz aus.

pixelio.de - Schwester IrmgardDa stand eines Abends die Betrogene am Fenster und sah trübselig hinab auf den Pfad, den er sonst zu kommen pflegte. Und immer finsterer wurden ihre Gedanken, immer schwerer pochte ihr Herz. Da hörte sie plötzlich wirres Gemurmel auf den Gängen, in den Zellen. Bald jedoch konnte sie die Stimme der Oberin deutlich unterscheiden: "Wie konntet ihr mir nur solche Schande so lange verhehlen? Aber nicht länger sei die Ehrlose in unserer Mitte geduldet; nicht länger entweihe sie durch ihre Gegenwart unsere heiligen Mauern. Hinausstoßen wollen wir sie in die falsche Welt, deren trügerischen Lockungen sie ihr Ohr lieh; dort möge sie, allem Elend preisgegeben, ihre Tat bereuen!"

Indes waren die Nonnen immer näher gekommen. Jetzt standen sie an der Tür – gleich musste die Oberin eintreten. Da riss die Gequälte in wilder Verzweiflung das Fenster auf und stürzte sich hinab und zerschellte unten am zackigen Gemäuer.

Das Kloster ist längst zerfallen; jede Spur von ihm ist im Laufe der Zeit verschwunden, aber noch lebt im Mund des Volks die Sage vom falschen Jägersmann und von der Schwester Irmgard. Und wer spät abends von der Hermannsburg kommt, der sieht es am Bache ruhelos wandeln, grau, schattenhaft und blutig. Das ist der irre Geist der Schwester Irmgard.

(Josef Seiler/1848)

Verwendete Bilder sind von:
© Sokaeiko/PIXELIO (Bild 1)
© Günter Havlena/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der Verbund mit dem Teufel – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, Februar 11th, 2010

 

pixelio.de - Der Verbund mit dem TeufelEs ist mal eine Frau gewesen, die hat auch einen Verbund mit dem Teufel gemacht. Aber nachher hat es sie gereut. Da ist sie zum Pastorn gegangen; der hat ihr auferlegt, sie sollte sieben Jahr nacheinander eine Wallfahrt nach Werl tun zur Ehre Gottes und nie die Unwahrheit sagen, sondern immer an den lieben Gott denken.

Wenn sie dann das letzte Mal hinging, dürfe sie sich beileibe nich umsehn und auch nicht umkehren, wenn sie was vergessen hätte. Nun geht sie sechs Jahr nacheinander hin, und wie sie das siebte Jahr ihre Wallfahrt antritt, freute sie sich aus Herzens Grund auf den Weg, dass sie nun bald erlöst wäre. Auf einmal fallen ihr ihre Handschuh ein, die sie auf dem Tisch liegen gelassen hatte; sie dreht um, auf dem Fleck steht nun der Teufel vor ihr und zerbricht ihr auch gleich den Hals.

Wie nun aufs andere Jahr die Leute wieder nach Werl gegangen, kroch eine Kröte vor ihnen auf dem Weg, die stießen sie zurück und gingen weiter. Das nächste Jahr ging’s wieder so und so sechs Jahre; im siebten war ein frommer Geistlicher mit auf der Wallfahrt. Wie der sah, dass die Leute sie gerade zurückstoßen wollten, untersagte er es ihnen.

"Lasst sie auch ihren Weg gehn, sie stört niemand." Da sahen sie vor ihren Augen, wie die Kröte bis nach Werl in die Kirche kroch und sich vor den Hochaltar setzte. Da drehte sich der Priester vor dem Altare um und kam mit unserm lieben Herrn die Stufen herunter, um die heilige Kommunion auszuteilen.

Wie er nun die Kröte gerade vor sich sitzen sah, befragte er sie, was ihr Begehren wär. Da sagte sie, dass sie dieselbe Frau sei, die vor sieben Jahren auf der Wallfahrt verschwunden. Nun wär ihr auferlegt, sie solle nicht eher zur Ruhe eingehen, bis sie als Kröte ihre Wallfahrt beendigt, jetzt solle er sie mit dem hochwürdigen Gut zum Tode einsegnen, dann wäre sie erlöst.

Als das nun der Priester getan und auch allen die Kommunion ausgeteilt hatte, bückte er sich zur Kröte herunter. Da sah er, dass sie tot war.

Sie wurde zu Werl auf dem Kirchhof begraben.

pixelio.de - Der Verbund mit dem Teufel

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendete Bilder sind von:
© Sandra Krumme/PIXELIO (Bild 1 – Wallfahrtsbasilika Werl)
© kasina/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der Name der Stadt Unna – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, Februar 11th, 2010

 

pixelio.de - Der Name der Stadt UnnaDer Name der Stadt Unna kommt nicht, wie man angenommen hat, aus dem lateinischen (ab unitate animorum, von der Einigkeit der Gemüter der Bürger untereinander), sondern daher, weil sie der Stadt Camen zu nahe gebaut worden ist und soll soviel heißen als:

Uns to nah.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
© Ulrich Schorn (Standesamt Unna)
www.pixelio.de
 

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Die weiße Frau in Soest – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, Februar 11th, 2010

 

pixelio.de - Die weiße Frau in SoestIn Soest lebte ein Bürger mit Namen Henricus Gemma, und der hielt eine Schenke, die jedoch in einiger Entfernung von seinem Wohnhause lag. Eines Abends kehrte er spät zurück, das aus dem Weine gelöste Geld in seiner Tasche. Auf dem Wege fand er eine Frau in weißem Gewande; die zog ihn, als er an ihr vorbeikam, beim Kleide und sprach zu ihm: "O Freund, wie lange habe ich hier schon deiner geharrt! Nun komm auch mit mir und gib mir deine Gunst."

Darauf antwortete der Wirt: "Ich habe nichts mit dir zu schaffen und will nichts von dir wissen; sondern will geradenwegs zu meiner Frau nach Hause!" und mit den Worten riss er ihr seinen Rock aus der Hand. Da er auf ihr inständigeres Bitten noch immer ihr nicht folgen wollte, fasste sie ihn endlich mit kräftigen Armen und flog mit ihm durch die Luft über Sankt Patrocli Kloster weg bis auf eine Wiese außerhalb der Stadt, wo sie ihn niederlegte.

Nach langer Zeit erst erwachte er aus einer schweren Ohnmacht, in die der Schrecken ihn geworfen hatte, erhob sich und ging nach Hause zurück, wo ihn die Seinigen zu Bette brachten.

Noch drei Nächte nachher kam die weiße Frau und klopfte an dem Hause, aber Herr Heinrich rief: "Lasst sie nur klopfen, sie kommt und klopft meinetwegen." Der Mann überlebte krank und schwach kaum noch ein Jahr; dann starb er.

(Johann Wilhelm Wolf, 1817-1855)

Verwendetes Bild ist von:
© Anne Wurster/www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Über die linke Schulter sehen – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Donnerstag, Januar 28th, 2010

pixelio.de - Über die linke Schulter sehen

In Schmallenberg ist einmal ein Mädchen gewesen, die hat es allnächtlich um zwölf Uhr nachts aus dem Bette getrieben, dass sie ans Fenster, welches nach dem Kirchhofe hinausging, treten und den Geistern zusehen musste.

Das erzählte sie einmal Nachbarsleuten, unter denen auch einer war, der’s ihr nicht glauben wollte; da hat sie ihn eingeladen, bei ihr zu wachen, und als sie nun wirklich nachts zwölf Uhr zum Fenster ging, trat er hinter sie und sah über ihre linke Schulter weg zum Kirchhof hinaus.

Seit der Stunde war sie’s los, aber nun musste er allnächtlich ans Fenster und den Geistern zusehen; da riet ihm endlich jemand, er solle doch einmal einen Hund über seine linke Schulter sehen lassen; da hat er getan und hat nun wieder schlafen können.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881)

Verwendetes Bild ist von:
© Didi01 (Schmallenberg)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Heinz Hütlein – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Samstag, November 28th, 2009

pixelio.de - Heinz Hütlein 

Heinz Hütlein war ein drei Spannen langes, munteres Wesen. Übrigens wohlgestaltet, sah er nur sehr alt von Angesicht aus, was bei der kleinen Gestalt sich sehr unheimlich anließ, wenn man ihn zuerst erblickte. Sein munteres Wesen  jedoch, seine Schalkhaftigkeit, Freundlichkeit und Geselligkeit ließen dies bei längerer Bekanntschaft bald übersehen. Die Mönche zu Siegburg samt ihrem Prälaten erlebten manche Freude mit ihm.

Es war unter dem strengen Prälaten Dieter von Drachenfels, als sich der alte Zwerg in der Küche der Abtei häufig sehen ließ, wo es gerade an einem Küchenjungen fehlte, zu dessen Verrichtungen sich das Bergmännlein anbot. Wie seltsam auch solcher Antrag dem Koch vorkommen mochte, so war es ihm doch willkommen, und die Geschäftigkeit, die Willfährigkeit und die Hurtigkeit des kleinen Dieners setzten ihn bald in die Gunst der ganzen Küchendienerschaft.

Auch außerhalb der Arbeitszeit machte er sich verdient, indem er für Zahnschmerz, Husten und andere Leiden seiner Gönner Rat wusste, verdrehte Schlüssel zurechtbog, verlorene Sachen aufsuchte und manche Schnurre zum Besten gab. Auch die Mönche hörten ihm oft zu und belohnten ihn mit süßen Leckerbissen.

pixelio.de - Heinz Hütlein

Durch seine Kenntnis des Lateinischen stieg er noch mehr in ihrer Achtung. Da konnte es nicht fehlen, dass er auch mit dem gestrengen Prälaten bekannt wurde. In dessen Gunst hatte er es in kurzer Zeit so weit gebracht, dass er aus- und einging in der Prälatur, als ob er des hochwürdigen Abtes Stubengenosse gewesen sei.

Er ging ihm auch bei den wichtigsten Dingen trefflich zur Hand. Er wusste auf alle Fragen Auskunft zu geben. Ja, als der Prälat einmal in einen gefährlichen Handel mit dem Landesherrn, dem Herzog Adolf von Berg, verwickelt war und zu dessen Schlichtung zu Köln ein Fürstenrat zusammengerufen wurde, fertigte der kunstgewandte Zwerg aus mancherlei Kräutern einen Ring, der die Eigenschaft besaß, dass der, der ihn trug, die geheimsten Gedanken seiner Feinde zu durchschauen vermochte.

Diesen Ring schenkte er dem Prälaten, dem es durch dessen Eigenschaften gelang, auf dem Fürstentage seinen Handel so vorteilhaft zu beendigen, dass er sich für den Gönner und Schützer des dienstfertigen Zwerges erklärte. Der Abt trieb seine Gunst so weit, dass er ihm eine Laienbruderkette fertigen ließ. Bisher hatte er sich nur in bäuerlicher Tracht gezeigt, in kurzem Röcklein und großem Hut. Den Hut legte er auch in der neuen Mönchstracht, die ihm sehr zu behagen schien, nicht ab. Von diesem Hute nannte man ihn das Hütlein oder mit Abkürzung von Heinzelmann: Heinz Hütlein.

Heinz Hütlein verkehrte aber auch mit den Bewohnern des Tales. Gegen jedermann war er gefällig. Oft kam er sichtbar, mitunter auch unsichtbar, auf Gassen und Wege. Durch solches unsichtbares Umherschleichen und die gutmütige Dienstfertigkeit des Hütleins wurde besonders ein Kaufmann in der Stadt Siegburg auf die sonderbarste Weise überrascht.

pixelio.de - Heinz HütleinDieser Kaufmann, ein reicher, filziger Glatzkopf, hatte spät geheiratet. Sein junges, schönes, aber sehr leichtfertiges Weib hatte um des Geldes willen den alten Kaufmann geheiratet. Daher verlautete über ihren Lebenswandel nicht viel Gutes, denn sie suchte sich an anderer Jugend für das Alter ihres Glatzkopfes, wie sie ihren Mann zu nennen pflegte, zu entschädigen.

Oder sie ging, wie der gelehrte Abt Trittenheim, der Erzähler dieser Sage, sich sprichwörtlich ausdrückte, mit dem einen Fuß gern im Wasser. Der Kaufmann aber musste seines Geschäfts wegen oft monatelange Reisen machen, und solche Zeiten verträumte die leichtfertige Frau nicht einsam, was der Alte wohl ahnen mochte. Als er daher wieder einmal eine längere Reise antrat, da befahl er die scheinbar tiefbetrübte Gemahlin scherzweise der Obhut des Zwerges Heinz Hütlein, indem er ihm beim Abschied zurief: "Heinz Hütlein, dir lasse ich während meiner Abwesenheit meine liebe Hausfrau empfohlen sein."

Im Scherz hatte er diese Worte ausgerufen. Der stets dienstfertige Zwerg befand sich aber zufällig unsichtbar in der Nähe. Er fasste den Scherz völlig ernst auf und war sogleich bereit, jenem Auftrag nach besten Kräften gerecht zu werden. Sobald es dunkelte, stand der gewissenhafte Hüter auf der Treppe, welche zum Schlafgemach der Frau führte. Ein Gast, den sie geladen, ein junger Taugenichts, trippelte lüstern heran. Mitten auf der Treppe aber stürzte er mit großem Gepolter hinab, dass die Frau sehr erschrak.

pixelio.de - Heinz HütleinDer junge Mann kam mit dem Schrecken davon. Seiner eigenen Unvorsichtigkeit den Fall Schuld gebend, begann er aufs neue hinaufzusteigen. Der wegen solcher Beharrlichkeit im Bösen ungehaltene Heinz Hütlein ließ ihn nun die oberste Stufe ersteigen. Dort hielt er ihm einen Stab zwischen die Knie und versetzte ihm einen Stoß, dass er blutend und zerquetscht unten ankam. Der über zugerichtete Bursche hinkte endlich im tiefsten Zorn über die Frau, die ihn, wie er glaubte, also angeführt habe, nach Hause.

Um Mitternacht nahte ein anderer Bursche. Doch dieser kam rascher herunter, als er hinauf geschritten war. Mit Kopf und Beinen schlug er rollend an die Stufen. Seine Verletzungen waren bedeutend. So ging es Nacht auf Nacht. Die Frau lud immer neue Gäste zu sich ein, aber nahe vor dem Ziel wurde die Treppe für jeden verhängnisvoll. Das lüsterne Weib war bald als eine boshafte Hexe verschrien, welche die mutwilligen Knaben durch allerlei Verführungskünste an sich locke und dann auf grausame Weise abfertige.

Auch am Tage bewachte der Zwerg die seiner Hut Anbefohlene mit äußerster Sorgfalt. Es ritt oder ging niemand ungestraft liebäugelnd an dem Hause des Kaufmanns vorüber, wo die Lüsterne am Fenster saß. Wer zur Seite schaute, stolperte über dies und das, oder das Pferd wurde scheu, oder ein Dachschiefer fiel herab.

Auch die Buhlerin selbst ging nie aus dem Hause, ohne dass ihr ein Unfall begegnete. Die in ihren Erwartungen oft getäuschte Frau wusste sich die Vereitelung ihrer Wünsche nicht anders als durch die Einwirkung eines neidischen Gespenstes zu erklären, und was sie früher nie getan, trat jetzt ein: Sie sehnte sich nach ihrem Mann.

Der war aber noch mehrere Stunden von seinem Hause entfernt, als ihm Heinz Hütlein freudig entgegeneilte, und zwar in sichtbarer Gestalt. "Gottlob, lieber Kaufherr!" rief der Zwerg vor Freude. "Gottlob, dass Ihr zurückkehrt und ich endlich von dem beschwerlichen Amt entbunden werde, das Ihr mir auferlegt habt! Denn die wenigen Wochen, die Ihr entfernt wart, haben mir mehr Sorge gemacht als mir sonst in Jahresfrist nicht zugefallen."

Den alten Herrn befremdete eine solche Anrede fast mehr als der Anblick des kleinen Kuttenträgers, denn seinen scherzweise erteilten Auftrag hatte er schon längst vergessen. Von Heinz Hütlein hatte er zwar schon mancherlei vernommen, ihn jedoch noch niemals von Angesicht gesehen. Darum fragte er jetzt staunend, wer er sei und was es mit dem beschwerlichen Amte auf sich habe, von dem er gar nichts wisse.

"Weißt du filziger Kahlkopf nicht", entgegnete ihm der Heinzelmann, "dass du bei deiner Abreise, als du unter der Linde vor deinem Hause von deiner sauberen Ehehälfte Abschied nahmst, diese dem Heinz Hütlein zur Hut  anbefohlen hast? Siehe, ich bin Heinz Hütlein, der das liederliche Weib mit Angst und Mühe aufs sorgsamste bewacht hat. Das hat mich den Schlaf der Nächte gekostet, so dass ich anderen Lohn von dir verdient hätte als die Vergessenheit, mit der du mir begegnest."

pixelio.de - Heinz HütleinDem alten Geizhals, der bei Lohn und Belohnung stets nur an seine Geldrollen dachte, schlug eine solche Verpflichtung schwer auf die Seele. Doch griff er in den Säckel und fragte den Zwerg kleinlaut, wie tief er denn in seine Schuld geraten sei.

Da lachte der kleine Schelm und sprach: "Der Mühe des Zählens und der Pein des Zahlens magst du für dieses Mal enthoben sein. Denn ich habe viel mehr Mühe in eurem Dienst auf mich genommen als Ihr überhaupt belohnen könnt. Mein einziger Lohn sei der, dass Ihr mich bei euren künftigen Reisen mit ähnlichen Aufträgen verschont, denn ein Nest junger Flöhe oder ein Teich voller Frösche ist leichter vor dem Heraushüpfen zu bewahren als ein listiges Weib in Ehren zu behalten. Und viel lieber wollte ich alle Säue in ganz Westfalen hüten als eine solche Vettel."

Wie es dem alten Kaufmann dabei zumute geworden, mag man sich denken. Der Frau aber soll es zur Besserung gedient haben.

So hat Heinz Hütlein manchem Menschen große Dienste erwiesen. Doch ließ er auch die dem Bergmännlein eigentümliche Empfindlichkeit über zugefügte Beleidigungen manchmal gar übel zum Ausbruch kommen. Das war auch die Ursache, warum er vom Berge des heiligen Anno vertrieben wurde.

pixelio.de - Heinz HütleinHauptsächlich war der Zwerg in der Klosterküche beschäftigt. Da fiel immer etwas für ihn ab. In dem später aufgenommenen Küchenjungen, dem Neffen des Kochs, bekam er einen Nebenbuhler. Vorwürfe, die dem trägen Küchenjungen über sein Verhalten gemacht wurden, musste der gutmütige Heinz vielfach entgelten. Oft warf der boshafte Bube Kehricht, faules Gemüse und dergleichen nach dem Zwerg, was dessen Rache endlich herausforderte.

Als eines Abends der träge Junge am Herdfeuer eingeschlafen war und sich die übrige Dienerschaft schon zu Bett begeben hatte, nahm Hütlein die Gelegenheit zur Rache wahr und erwürgte den verhassten Quäler im Schlaf, warf ihn dann in den Kasten des verglimmenden Feuers, wo sein Oheim, der Koch, am anderen Morgen den halbgebratenen Leichnam fand. Voll Schrecken lief dieser zum Abt. Hütlein wurde sofort der Tat verdächtigt, und der Koch suchte vom Abt zu erwirken, dass er ihm die Tür weise und nicht länger im Kloster dulde, das er durch solche tückische Mordtat geschändet habe.

pixelio.de - Heinz HütleinDoch der Prälat, der an die vielen großen Verdienste Hütleins dachte, die ihm der Zwerg geleistet hatte, ließ diesem seine Gnade zuteil werden. Er gebot dem Koch, alles weitere Gerede über den misslichen Handel zu meiden, und ließ den gerösteten Buben als einen durch eigene Unvorsichtigkeit Verunglückten begraben.

Der Koch hingegen, der, von dem Abt bedroht, seine Blutrache unterdrücken musste, ließ den Zwerg heimlich seinen Groll empfinden. Alle für Hütlein bestimmten Speisen verunreinigte er auf ekelhafte Weise oder machte sie sonst ungenießbar. Da nahm sich der Zwerg vor, es dem Oheim zu machen wie dem Neffen. Er wartete auf die Gelegenheit, dass der Koch sich oben auf der Klostermauer zum Brechen des Herbstlaubs nieder bückte, und stieß ihn hinab, dass er umkam.

Das hatten aber viele Menschen gesehen, die es dem Abt hinterbrachten. Dieser konnte nunmehr den Zwerg nicht länger in den Klostermauern dulden. Er ließ ihm den Richterspruch verkündigen, dass er sofort das Kloster verlassen müsse und nie mehr einen Fuß auf den Klosterberg setzen dürfe. Dazu wurde die Bannformel über ihn ausgesprochen, so dass dem Verbannten die Kraft genommen wurde, das Verbot des Abtes zu überschreiten.

pixelio.de - Heinz Hütlein

Niemals wieder erschien der Zwerg in der Abtei. Vor der Pforte des Klosters fand man jedoch am anderen Tage die ihm verehrte kleine Mönchskutte mitsamt den anderen Geschenken des Prälaten.

(Montanus - eigentlich Vinzenz Jakob von Zuccalmaglio, 1806-1876)

Verwendete Bilder sind von:
© Nicole Bau/PIXELIO (Bild 1 – Michelsberg mit Siegburger Abtei)
© kerry3/PIXELIO (Bild 2)
© Thomas Max Müller/PIXELIO (Bild 3)
© Stadelmann Werner/PIXELIO (Bild 4)
© Frank Ulbricht/PIXELIO (Bild 5)
© Ulrike Alveresch/PIXELIO (Bild 6)
© Fotodichter/PIXELIO (Bild 7)
© mad max/PIXELIO (Bild 8 – Johannistürmchen Siegburger Abtei)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Das Monstrum von Geldern – eine Sage

Sonntag, November 22nd, 2009

 

pixelio.de - Das Monstrum von GeldernZu den Zeiten Karls des Kahlen ließ sich im Lande unterhalb von Köln ein furchbares Ungetüm sehen, welches weit und breit in der Gegend großen Jammer anrichtete und Menschen und Tiere verzehrte, so dass viele Leute das Land verließen.

Als die Söhne Ottos, Herrn von Pont, der in der Nähe seine Herrschaften hatte, dies vernahmen, beschloss der Älteste unter ihnen, Lupold, auszuziehen, um das Ungeheuer zu bekämpfen. Er fand es, wie man ihm versichert hatte, unter einem Mispelbaume, wo es fortwährend "Gelre, gelre" schrie.

Wie die Chronik meldet, sprühten seine Augen von Feuer und funkelten wie Sterne in der Nacht, aber das vermochte nicht Herrn Lupold zu erschrecken. Er ging beherzt und kühn auf den Drachen los und bezwang ihn nach kurzem Kampf.

Zum Dank für diese Tat erwählten ihn die Bewohner der Gegend zu ihrem Herrn, und er baute sich daselbst ein Schloss, welches er nach dem Geschrei des Drachen Gelre nannte.

Da er keine Kinder hinterließ, folgte ihm nach seinem Tod sein Bruder Wichard, der sich später mit der Tochter des Grafen Hermann von Zutphen vermählte und Stammherr des berühmten Hauses Geldern wurde.

(Johann Wilhelm Wolf, 1817-1855)

Verwendetes Bild ist von:
© Domino/www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Die Teufelshöhle (Teufelskammer) im Neandertal – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen

Sonntag, November 22nd, 2009

Die unter dem Namen Teufelskammer bekannte Höhle gehörte zu dem auch schon längst vom Erdboden verschwundenen Schloss Hellenbruch. In dieser Höhle hauste einst der Teufel. Diese Gerüchte vernahm auch der Schlossherr von Hellenbruch. Um die Haltlosigkeit derselben darzutun, ließ er einen als tüchtigen Geister- und Teufelsbanner bekannten Franziskanermönch aus dem Kloster Hardenberg kommen. Derselbe kam auch, aufs beste ausgerüstet, mit den heiligen Geräten und Mitteln, die zu einem solchen Werk gehören.

Auch der Jäger des Schlossherrn hatte von der Absicht seines Herrn vernommen. Und gleich stand bei ihm der Plan fest, dem Pfaffen einen Streich zu spielen. Nachdem er genau die Zeit ermittelt hatte, in welcher der Franziskanermönch zu Werk gehen wollte, machte er sich zur Höhle auf. Hände und Gesicht umwickelte er mit Hasenpelz und zog sich dann in den Hintergrund der Mühle zurück.

pixelio.de - Die Teufelshöhle (Teufelskammer) im Neandertal

Bald darauf kam die Schlossherrschaft mit dem Mönch zur Höhle, und der Mönch, ein wohlbeleibter Herr, der vorher im Schloss gut getafel hatte, kroch in die Höhle hinein. Als er sich um einen Felsvorsprung schieben wollte, fasste ihn der Jäger mit seinen Händen und hielt ihn fest. Dabei stieß er ein fürchterliches Gebrüll aus.

Auch der arme Mönch schrie laut vor Angst, bis der Jäger sein Opfer fahren ließ, das möglichst rasch den Rückzug antrat. Er erklärte der ungeduldig draußen harrenden Schlossherrschaft, er habe es nicht geschafft, den Teufel zu vertreiben. Er müsse kräftigere Mittel aus dem Kloster holen.

pixelio.de - Die Teufelshöhle (Teufelskammer) im Neandertal

Nach einiger Zeit erschien der Mönch wieder. Nun musste er aber die Düssel auf einem schmalen Brett überschreiten, um zur Höhle zu gelangen. Diesen Umstand hatte der Jäger benutzt, das Brett fast ganz durchschnitten und behutsam hingelegt. Als nun der Mönch den schwankenden Steg betrat, brach das Brett, und er stürzte ins Wasser. Fortan ließ er den Teufel in der Teufelskammer in Ruhe.

(Otto Schell, 1858-1931)

Verwendete Bilder sind von:
© Jürgen Treiber (Winkelsmühle und  Düssel im Neandertal)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker