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Archive for the ‘Rheinland-Pfalz’ Category

Die sieben Schwestern – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Mittwoch, September 1st, 2010

pixelio.de - Die sieben Schwestern

Am Rhein unterhalb dem Pfalzgrafenstein steht heute noch eine Burgruine, Schloss Schönberg genannt. Darauf sollen dereinst sieben schöne Ritterfräulein gehaust haben, deren Schönheit dem Schloss den Namen verlieh. Aber so groß auch die Reize dieser sieben Fräulein waren, eben so stark war auch ihre Abneigung gegen die Liebe; keines Ritters Bewerbung erhörten sie, einen Freier nach dem andern wiesen sie ab, manches edle junge Herz brach an den Felsenherzen der sieben Schwestern.

Aber das Geschick beschloss ihre Strafe. Eines Tages landete ein Nachen unten am Fuße des Berges, darin saßen sieben ritterliche Jünglinge in kostbarer Tracht und von vornehmem Gebaren. Sie kamen zur Burg, stellten sich den Fräulein vor und warben um ihre Hand. Es war aber alles vergebens, die Schwestern blieben kalt.

Mit einem Male verdunkelte sich der Himmel, eine höllische Musik ertönte, die Jünglinge umschlangen die sieben Schwestern, jeder eine, wie zum Tanzreigen und schwangen sich tanzend und drehend aus der Burg, über die Zugbrücke, den Berg hinab in den Strom hinein, der stürmisch unter Donnern und Blitzen wogte.

pixelio.de - Die sieben SchwesternAls es aber am reizenden Strom wieder hell und friedlich geworden war, siehe, da ragten sieben Felsenspitzen aus dem Strom, in diese waren die Jungfrauen mit den Felsenherzen zur Strafe ihrer unnatürlichen Härte verwandelt. Größere Flut überragt sie, kleinere lässt sie sichtbar werden.

Die Rheinschiffer kennen sie unter dem Namen der sieben Jungfern und haben unter sich die Sage, wenn ein Mächtiger diese Felsen dem Strombett enthöbe und sie zu Säulen einer Betkapelle bilde, so würden die Jungfrauen erlöst werden, wieder auf die sich erneuernde Burg zurückkehren und jede nach der jahrhundertelangen Buße einen Mann beglücken.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Dirk Schmidt/PIXELIO (Bild 1 – Burg Pfalzgrafenstein)
© Kurt Michel/PIXELIO (Bild 2)

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Irmina – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Dienstag, August 31st, 2010

Irmina

Als die Franken, ihrem König Clodwig nachfolgend, die christliche Religion angenommen hatte, begünstigten ihre Herrscher auch die alte, heilige Stadt sehr. Es sind viele Beispiele vorhanden, dass Schwestern, Töchter oder nahe Verwandte der Könige in den Klöstern als Äbtissinnen ihr Leben beschlossen.

So war es auch mit der nachher heilig gesprochenen Irmina. Sie war eine Tochter des austrasischen Königs Dagobert II. Geboren im Jahr 662 wurde sie im zartesten jungfräulichen Alter mit einem fränkischen Grafen, Hermann, verlobt. Irmina schloss sich bald mit kindlicher Liebe an den starken, gewaltigen Mann an. Er war ihr Ideal, ihr Alles. Hermann, zwar rauh und bereits in den Jahren vollkommener Mannheit, vergaß doch in ihren Armen den männlichen Ernst, von dem er gewöhnlich umfangen war.

In Trier sollte die Vermählung gefeiert werden, und alle Anstalten dazu wurden mit großem Aufwand getroffen. Die Braut hatte nur widerstrebend den elterlichen Hof verlassen; eine bange Ahnung begleitete sie auf der Reise. Unter ihren Dienern befand sich ein junger Mann, aus armer Familie stammend. Er hatte sie einst aus augenscheinlicher Lebensgefahr gerettet, und dem Gefühl der Dankbarkeit nachgebend, litt sie ihn gern in ihrer Umgebung.

Seit Graf Hermann zu ihrem Verlobten erklärt war, wurde dieser junge Mann namens Edgar immer tiefsinniger. Oft sah man ihn allein, und wurde er um die Ursache seiner Niedergeschlagenheit befragt, so hatte er nie eine Antwort. Irmina hatte Mitleid mit dem jungen Mann, sie beschenkte ihn reichlich, gestattete ihm mehr Freiheiten als jedem andern ihrer Untergebenen.

Was fruchtete alles dies? Die Wunde des Ärmsten war unheilbar. Er liebte seine Herrin, die schöne Irmina, die Königstochter. Wütende Eifersucht verzehrte sein Inneres, wenn er die Geliebte in den Armen des Grafen sah, zuckte die Hand nach dem Dolch, wenn er Erfrischungen in das Gemach tragen musste und die Liebenden auf dem Lotterbett sitzen sah.

Endlich schlug der Tag der Abreise, der Graf war längst voran nach Trier, Irmina folgte in kurzen Tagreisen. Alles war bereits zum Fest in der alten Augusta bereitet, Waffenspiele angeordnet, unzählige Gäste von nah und fern geladen und fröhlich durchstrich das vergnügungssüchtige Volk der Trierer die Straßen.

Edgar rannte, Verzweiflung im Innern, in dem alten Kaiserpalast die Treppen auf und nieder. Plötzlich schien ein fester Entschluss in ihm aufzudämmern und von Stund an war er gefasst. Den Tag vor der Vermählung trat er vor den Grafen, ihm mit freundlicher, einschmeichelnder Rede meldend, es sei ihm die Nachricht geworden, ein fremder Künstler sei im Besitz eines kostbaren Brautschmucks und er sei bereit, ihm solchen zu verschaffen, wenn er ihn begleiten wolle.

Irmina

Der Graf, der aus Liebe zu Irmina und um sie zu schmücken wohl noch mehr getan hätte, war alsbald bereit ihm zu folgen, und schweigend und ohne Aufsehen verließen beide den Palast. Als sie nun den hohen Berg, welcher sich auf der rechten Seite des Flusses unweit Trier erhebt, bestiegen hatten und der Graf sich einige Momente an der herrlichen Aussicht weidete und sich ermüdet auf sein Schwert stütze, trat Edgar zu ihm, umschlang ihn mit gewaltigem Arm und stürzte sich mit ihm in die Tiefe.

Den andern Tag sollte die Vermählung gefeiert werden; aber der Bräutigam war verschwunden und vergebens waren die Tränen, die Verzweiflung der weinenden Braut. Nach mehreren Tagen fand man die zerschmetterten Körper am Fuß des Felsens; fest hielten sich die beiden Nebenbuhler auch noch im Tod umschlungen.

Irmina aber suchte und fand in Christo einen zweiten Bräutigam. Sie trat bereits im Jahre 675 in das Kloster, Horreum oder Oehren genannt, und wurde ein Muster von Tugend und Frömmigkeit. Im Jahre 707, am 24. Dezember, schied sie von dieser Erde, auf welcher sie so manchen Kummer ertragen. Sie wurde unter die Zahl der Heiligen aufgenommen.

(F. Menk)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia (Bild 1 – Trier um 1897/Kaiserpalast -Denkmal Wilhelm I - loki11 – gemeinfrei)
Wikipedia (Bild 2 – Mosellandschaft/Carl Friedrich Lessing – gemeinfrei)

 

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Die Nixe Lorelei – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Dienstag, August 24th, 2010

Die Nixe LoreileiEinst lebte ein Pfalzgraf bei Rhein hier zu Bacharach, der einen kräftigen schönen einzigen Sohn hatte. Ihn hatte einst die Nixe erblickt, als er unterhalb des Felsens, der einen Vorsprung bildet, badete; schon wollte sie ihren Zaubergesang anstimmen und sich dem in den Fluten spielenden Jüngling in ihrer ganzen Schönheit zeigen, als sie Mitleid mit ihm fühlte, denn sie empfand wirkliche Liebe für ihn.

Lange Zeit hörte man jetzt nichts mehr von der Wasserjungfrau, und ohne Gefahr konnten die Fischer selbst unter dem Felsen ihre Netze auswerfen, den jungen Pfalzgrafen aber schien seit diesem Augenblick in allem, was er unternahm, das Glück zu verfolgen. Wenn er auf der Jagd ganz erschöpft und verdurstet niedersank, da sprudelte auf einmal ein silberheller Quell neben ihm auf und er sah sich mitten in ein reiches Bett von süßen Waldbeeren versetzt; wollte er ausruhen, so fand er eine kühle Felsengrotte mit weichem Mooslager, kurz, es schien ein freundlicher Schutzgeist ihn überallhin zu begleiten.

Eines Abends, als er von der Jagd zurückkehrte, wurde er aber auf der ihm sonst so bekannten Bahn irre, er kletterte auf dem Felsen herum, ohne den Weg nach dem Fluss hinab finden zu können, im Gegenteil, er entfernte sich immer weiter von ihm. Da klang es ihm wie Saitenspiel ins Ohr, er kletterte eine Felswand hinan, um freie Aussicht auf den Strom zu gewinnen; auf der Felsenkuppe angelangt, stand er auf einmal wie geblendet, denn er sah plötzlich eine Jungfrau vor sich, so hold und liebreizend, wie sein Auge noch keine erblickt hatte.

Schon wollte er auf sie zuschreiten, als der Gedanke an die Nixe Lorelei durch seine Seele fuhr und er, sich andächtig bekreuzend, wie festgewurzelt stehenblieb. Plötzlich war die Jungfrau verschwunden und er fand sich wie aus einem Traum erwachend  auf dem rechten Weg wieder, der hinab zum Fluss führte.

Seit diesem Abenteuer konnte der Jüngling aber den Gedanken an das wunderbare Frauenbild nicht wieder loswerden, er dachte Tag und Nacht an sie, stets klang die Melodie ihres Zaubergesanges vor seinen Ohren und schien ihn nach jenem Felsen hinzulocken. Die Folge davon war, dass er für ritterliche Spiele und seine frühere Lieblingsbeschäftigung, die Jagd, bald keinen Sinn mehr hatte und diese Verwandlung seinem Vater so auffiel, dass er ihn nach der Ursache fragte.

Als nun der Jüngling gestand, was er gesehen hatte, da beschloss der Pfalzgraf, ihn fortzusenden an das kaiserliche Hoflager, vielleicht, dass die Entfernung ihn von dem Gedanken an die Nixe abbringen möge; der Tag des Scheidens war schon bestimmt und es schien anfangs, als wenn der Jüngling gern dem Wunsch seines Vaters nachkomme; allein je näher der herankam, desto beklommener wurde sein Herz, und wie er sich auch mit Gewalt von diesen Gefühlen durch Anstrengungen auf der Jagd abziehen wollte, es gelang ihm nicht.

Am Tag vor seiner Abreise aber bat er seinen alten Erzieher, mit ihm hinauszuziehen zum Rhein, um sich das letzte Mal mit Fischen auf dem Strom zu belustigen. Der konnte es ihm nicht abschlagen und so fuhren sie denn mit dem Netz über die Fluten dahin und die reichste Beute wurde ihnen zuteil. Der Junker lenkte aber den Kahn nahe am Ufer hin, dem gefährlichen Felsen immer näher, ohne dass sein Gefährte, des glücklichen Fanges sich freuend, es bemerkte; da auf einmal, als der Mond in seiner ganzen Pracht hinter der Lorelei auftauchte und sein freundliches Licht auf den Höhen leuchtete und in den Wellen zitterte, da erblickte der Jüngling hoch oben auf der Platte die Junfrau in ihrem vollen Zauberreiz, wie er sie schon einmal gesehen.

Die Nixe aber stimmte ihren Gesang an und breitete die Arme aus, als wollte sie den Gegenstand ihrer Liebe brünstig umfangen. Da entsank dem Jüngling das Steuer, sein Auge sah nur sie, der Kahn, immer näher der Klippe gekommen, glitt dem brausenden Wirbel der Gewässer zu, die sich wild stürmend an dem Felsen brachen und auf einmal hoch sich auftürmend den Kahn und seine Führer verschlangen, welche die Gefahr nicht ahnten. Zwar trug den alten Erzieher eine Woge an das jenseitige Ufer, allein keine brachte den Jüngling wieder. Jener musste dem Pfalzgrafen die traurige Kunde bringen und dieser in wildem Zorn aufbrausend versprach hohen Lohn dem, der ihm die Nixe tot oder lebendig ausliefern werde.

Als aber der Mond am andern Abend aufging, da umstellten Reisige den ganzen Felsen, und wie das Gestirn hoch über der Platte stand, da war auch die Nixe wieder da. Mutig ging der alte Knappe auf sie los und fragte sie, wo der Jüngling sei, sie aber gab keine Antwort, sondern deutete nur auf die Wogen hinab, die auf einmal grollend aufbrausten.

pixelio.de - Die Nixe Loreilei

Da warf sie ihr kostbares Perlenhalsband hinab, welches dieselben zu beruhigen schien, sang noch eine Zauberweise, warf ihren Schleier von sich, der langsam hinabsank, und von ihm getragen wurde sie von den Fluten in die Tiefe gezogen und nie mehr gesehen.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
Emil Krupa-Krupinski (1872–1924): Loreley, 1899 (Bild 1)/gemeinfrei/Quelle Wikipedia

© rundumkiel.de (Bild 2) www.pixelio.de

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Sickingens Würfel – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Samstag, Februar 6th, 2010

 

Sickingens WürfelAuf dem Marktplatz zu Landstuhl ruhen drei mächtige Steine, vom Volk die Sickinger Würfel genannt. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Es war am Vorabend der großen Belagerung seiner Burg Landstuhl durch die verbündeten Feinde. Da saß Franz von Sickingen am Fenster und schaute hinab ins Tal. Was wird ihm der Tag bringen? Von jeher den Weissagungen und geheimen Künsten zugetan – er soll mit Dr. Faust und dem Teufel in Verbindung gestanden haben – griff er zum Würfelbecher.

Der Tisch war eine riesige Felsplatte, Quadersteine die Würfel, welche er wie Nüsse umherwarf. "Kein Glück" - rief er missmutig aus – "wieder nicht! – auch nicht zum dritten und letzten Male!" Und in grimmiger Wut ergriff er die Würfel und schleuderte sie hinunter ins Tal, wo man sie heute noch mit Staunen betrachtet.

(Friedrich Wilhelm Hebel, 1875-1931)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Sickinger Würfel in Landstuhl -Ramessos – gemeinfrei)

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Warum die Oppauer “Dampfnudelstürmer” heißen – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Freitag, Februar 5th, 2010

 Warum die Oppauer "Dampfnudelstürmer" heißen

Eine Bäuerin in Oppau setzte gerade Dampfnudeln in ihren großen Topf, als die Glocken zum Gottesdient riefen. In der Hoffnung, dass das Gebäck nach beendigter Andacht gar sei, verließ sie das Haus und ging in die Kirche.

Bei der Rückkehr schlugen ihr aus der geöffneten Tür gewaltige Rauchwolken entgegen. Hilferufend stürzte sie auf die Straße. Die schnell herbeigeeilte Feuerwehr bewarf die Brandstätte mit wahren Gießbächen. Endlich drang man herzhaft ein und fand – die verkohlten Dampfnudeln.

Seitdem müssen die Oppauer sich "Dampfnudelstürmer" rufen lassen.

(Friedrich Wilhelm Hebel, 1875-1931)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Kupferstich aus dem Jahre 1661, Feuerwehr Nürnberg – gemeinfrei)

 

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Die Rosentreppe zu Zweibrücken – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Freitag, Februar 5th, 2010

pixelio.de - Die Rosentreppe zu Zweibrücken

Die fromme Gräfin Emma, Gemahlin eines herzoglichen Oberjägermeisters in Zweibrücken, besuchte oft die Hütten der Armen, um Hungrigen und Kranken zu helfen. Aber ihr Gemahl, Graf Rupprecht, war ein rauher und hartherziger Herr. Er verwies ihr oft die wohltätige Gesinnung und sagte barsch, es sei für eine vornehme Frau unschicklich, die Winkel des Elends aufzusuchen.

Die fromme Frau wollte mit ihrem Mann in Frieden leben, und so suchte sie manchmal ohne sein Wissen die Notleidenden auf. Wenn der Graf auf der Jagd dem Wild nachspürte, forschte die Gräfin nach hilfsbedürftigen Kranken.

Einmal wollte sie an einem klaren Wintertag einem armen, kranken Mann in einem Nachbarort eine Stärkung bringen. Da begegnete ihr auf der Schlosstreppe der Graf. Er vermutete gleich, was vorgehen sollte und fuhr sie hart an: "Wo willst du hin? Was trägst du in deinem Korb?" "Ach, Herr!" stotterte die erschrockene Frau. "Nun", fragte er heftiger, "was ist es?" "Rosen!" erwiderte sie in ihrer Verwirrung, nicht bedenkend, dass es Winter sei.

pixelio.de - Die Rosentreppe zu Zweibrücken"Was? Jetzt Rosen?" rief der rauhe Waidmann. Er entriss ihr das Körbchen und öffnete es. Aber, o Wunder! Als er den Deckel wegnahm, dufteten ihm wirklich Rosen entgegen. Der Graf erstaunte und sah bald seine Gemahlin, bald die Rosen an. "Jetzt erkenne ich, welche edle Frau ich habe!" rief er aus. "Du bist ein Engel. Verzeih mir! Du wirst mich in Zukunft anders finden."

So war es auch. In der Folge wusste man nicht, wer am wohltätigsten zu nennen sei, der Graf oder seine Gemahlin. Von der Treppe, auf welcher die wundersame Begebenheit stattgefunden hat, ist keine Spur mehr da. Aber das Volk nennt noch heute die Stelle, wo sie gestanden, die Rosentreppe.

(Friedrich Wilhelm Hebel, 1875-1931)

Verwendete Bilder sind von:
© Rainerdorf/PIXELIO  (Bild 1 – Rosengarten in Zweibrücken)
© Veronika Verenin/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Kapelle von Stromberg – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Freitag, Februar 5th, 2010

 

Auf seinem Zug nach Palästina kehrte Dieter von Schwarzeneck auf der Burg Argenfels ein und lernte dort Berta, die jüngere Tochter des Grafen, kennen und lieben. Mit dem festen Vorsatz, bei seiner glücklichen Wiederkehr das Mädchen zu heiraten, ritt er von Argenfels ab, und es schien, dass seine Werbung nicht auf ungünstigen Boden gefallen war, denn aus dem Fenster der Burg schaute ein Lockenkopf dem Davonreitenden nach.

Ritter Dieter, in dessen Brust rasche Kampfesgier loderte, ließ sich von derselben hinreißen und wurde von den Sarazenen gefangen und in die Gefängnisse von Ptolomais entführt. Langsam und träge verflossen die Tage. Trübe saß der Ritter hinter dem Gitter und dachte an die Heimat und gelobte eine Kapelle zu bauen, wenn der Himmel ihm die Freiheit schenken wolle.

pixelio.de - Die Kapelle von Stromberg

Sein Gebet wurde erhört. Eines Tages schienen seine Wärter bestürzt und geschäftiger als sonst zu sein. Waffenlärm ertönte dumpf, die Stunden verliefen dem Ritter in ängstlicher Spannung. Endlich flog die Türe auf, Kreuzritter traten herein und lösten ihn von seinen Fesseln. Noch einige Gefechte machte der Ritter nach seiner Befreiung mit, dann kehrte er aber in die Heimat zurück.

pixelio.de - Die Kapelle von StrombergAngelangt in der Heimat, betrachtete er es als erste Pflicht, nach Argenfels zu reiten, um seine Geliebte zu begrüßen. Aber mit Entsetzen sah er statt der Burg nur Trümmer, und ein Hirte teilte ihm mit, wie eine Raubhorde die Burg angegriffen, geplündert und zerstört habe. Wo Berta und ihre Schwester waren, wusste der Hirt nicht, wohl aber versicherte er, dass sie geflohen seien, denn man hätte sie nicht unter den Gefangenen bemerkt.

Traurig und niedergeschlagen kehrte Dieter nach Hause zurück, legte seine Rüstung ab und durchforschte als Pilger die Gegend. Müde und abgemattet von einer längeren Wanderung, auf der seine Hoffnung, die Spur der Verschwundenen zu entdecken, schon vielmal getäuscht worden war, kam er an eine Eremitage auf dem Stromberg und beschloss, dort um Gastfreundschaft zu bitten.

Wie staunte er aber, als er statt eines Eremiten ein Weib sah, das vor dem rohen hölzernen Kreuz kniete und sich in das Gebet vertieft zu haben schien. Nachdem sie sich erhoben, trat er auf sie zu, um sie zu grüßen. Kaum  jedoch begegneten sich ihre Blicke, als er freudig zusammenschhrak und mit dem Jubelruf "Berta" ihr zu Füßen sank.

Dieter von Schwarzeneck vernahm nun von Berta und ihrer Schwester, dass ein Ritter, der mit dem Vater befeindet war, sich den Abzug des Kaisers zunutze gemacht und die Burg Argenfels überfallen und ausgeraubt habe. Der Vater fand den Tod, als er die Raubgesellen verfolgte; sie aber wären durch einen unterirdischen Gang ins Freie gelaufen und von einem Köhler aufgenommen worden.

Nachdem sie den Tod des Vaters erfahren, hätten sie beschlossen, in der Einsiedelei zu bleiben und dort ihr Leben zuzubringen. "Nun aber ist auch dieser Gedanke aufgegeben, und ihr folgt mir auf meine Burg", sprach Dieter. "Du, Berta, weißt es, dass dein Bild mir gefolgt ist, und dass ich durch dich nur glücklich werden kann."

Schweigsam presste Berta ihm die Hand und schmiegte sich an seine Brust; die Schwester dagegen erklärte bestimmt und fest, in der Einsiedelei bleiben zu wollen.

pixelio.de - Die Kapelle von Stromberg

Dieter von Schwarzeneck baute seinem Versprechen gemäß auf Stromberg eine Kapelle; aber lange vor ihrer Beendigung hatte er Berta als Weib in seine Behausung geführt und lebte lange Jahre in einem beneidenswerten Glück, geschätzt und geachtet von Hoch und Gering.

(Hermann Bernard)

Verwendete Bilder sind von:
© Karl-Heinz Laube/PIXELIO (Bild 1)
© Thomas Max Müller/PIXELIO (Bild 2)
© Paul-Georg Meister/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

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Lore Lay – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Donnerstag, Februar 4th, 2010

 

Lore LayIn Bacharach lebte eine edle Jungfrau von seltener Schönheit, Lore Lay genannt. Alle Männer waren in sie verliebt und von ihren Augen strahlte ein Zauber aus, dem nicht leicht ein Herz widerstehen konnte. Ihr eigenes Herz war aber nicht mehr frei. Ein junger Rittersmann auf einer Burg bei Bacharach hatte ihre Liebe gewonnen, und die Liebenden wussten ihr Glück allen Augen zu verbergen.

Einst musste der Ritter seinem Lehnsherrn in den Krieg folgen, da wurde die Jungfrau traurig, aber der Kummer lieh ihr nur höhere Reize. Die Zahl der Bewerber mehrte sich mit jedem Tag, und da auch ein paar wohlgenährte Diener der Kirche von der Schönheit der Jungfrau mit irdischem Feuer entzündet wurden und so wenig als andere Gnade finden konnten, so verschrien sie die gute Lore Lay als eine Zauberin, die es ihnen angetan hätte und verklagten sie bei dem Bischof von Köln, der in Rhens Hof hielt.

Der Bischof war ein sanfter, aber auch sehr verständiger Mann. Er warf einen aufmerksamen Blick auf das arme Mädchen und sagte dann: "Jetzt begreife ich wohl diese Zauberei." Die schöne Zauberin weinte und kniete vor dem Bischof nieder: "Ehrwürdiger Herr! Ich will gern sterben, denn ich bin selbst unglücklich und mache andere unglücklich. Der Himmel hat mir Reize gegeben zum Verderben."

Der Bischof erwiderte: "Du sollst sterben, aber nur für die Welt. Ich will dir eine anständige Begleitung geben in das Frauenkloster auf der anderen Seite des Rheins. Dort lege ein Nonnengewand an und du wirst den Frieden finden."

Einige alte Ritter geleiteten nun die Jungfrau am Ufer des Stromes hin und fuhren mit ihr über oberhalb St. Goar. Als sie an den wunderbaren Fels gelangten, dessen Echo die Wanderer neckt, bat sie die Ritter: "Erlaubt mir, diese Klippe zu besteigen, denn ich möchte noch einmal die Wohnung meines Geliebten sehen und den herrlichen Strom, von dem ich jetzt scheiden muss."

Die Ritter gewährten gern ihre Bitte. Sie erstieg leicht wie eine Gemse die Spitze der Felsen und schaute über den Rhein hin.

Lore Lay

Da gewahrte sie ein Schiff, welches im Morgenwind heranfuhr und eine Flagge führte mit einer ihr lieben Farbe. Sie schrak freudig zusammen. Das Schiff kam näher und immer näher. Auf dem Verdeck stand ein stattlicher Ritter, in dem die Jungfrau bald ihren Geliebten erkannte.

Sie schritt rasch vorwärts, streckte die Arme nach dem Geliebten aus, rief laut seinen Namen und bemerkte nicht, dass sie am Rand des Felsens stand. Noch ein Schritt und sie stürzte in den Rhein, dessen Wasser über ihr zusammenschlugen.

(Aloys Schreiber, 1761-1841)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia
(Bild 1 – Emil Krupa-Krupinski (1872–1924): Loreley, 1899 – gemeinfrei)
(Bild 2 – Bacharach um 1832 auf einem Stich von William Tombleson - User:Manfred Heyde – gemeinfrei)

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Die Nonne vom Kloster Macheren – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Donnerstag, Februar 4th, 2010

Die Nonne vom Kloster MacherenHinter Horchheim und kurz vor Lahnstein steht an einem Bach ein verwitterte Heiligenstock. Dort geht in heiligen Nächten und wohl auch in den Zeiten der Lahnsteiner Kirmes eine Nonne auf und ab; sie ist reich gekleidet und ernst; sie betet mehrenteils aus einem Buch, das sie geöffnet vor sich trägt.

Schon manchen hat sie erschreckt, obgleich sie keinen belästigt oder gar grüßt, aber wenn sie sich zeigt, so geht es den Bach hinauf in die Schlucht toll zu; da hört man Gekreisch und wilde Lust, wüste Lieder und dazwischen die süßen Töne des "Salve Regina", dann und wann rollt auch ein feuriges Rad dem Bach zu.

In dieser Schlucht soll eins das Kloster Macheren gestanden haben.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Nonne im Kreuzgang/1930 – Doris Ulmann, 1882–1934 – gemeinfrei)

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Die Moselbrücke in Koblenz – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Donnerstag, Februar 4th, 2010

Die Moselbrücke in Koblenz 

Die Moselbrücke ist noch heutzutage ein Gegenstand der Bewunderung für Fremde wie Einheimische. Sie imponiert durch ihre unerschütterliche Festigkeit, durch den massigen Bau, der wiederholt die Stadt bei den furchtbaren Eisgängen rettete. Groß waren die Schwierigkeiten, welche sich dem kühnen Erbauer der Brücke stellten, und es gehörte der Geist des Erzbischofs Balduin von Trier dazu, um sie alle zu überwinden.

Besonders schwierig war die Gründung der Gewölbe nach der linken Seite zu; ergrimmt über das ungewohnte Hindernis riss die Flussgöttin einige Male die Fundamente mit sich fort. Der Erzbischof wollte schier verzweifeln, aber er gab die Hoffnung nicht auf.

So soll er eines Tages missmutig auf der Burg gesessen haben, da der Baumeister ihm eben die Nachricht gebracht hatte, dass durch ein unerwartetes Steigen des Wassers die Arbeiten der letzten Wochen zerstört worden seien. Finster starrte Balduin auf die grollende Fläche und bemerkte kaum, dass allmählich die Dämmerung herabsank.

Sein Geist war allzu mächtig von großartigen Entwürfen und Plänen ergriffen, da klopfte ihm jemand leise auf die Schulter. Er sah auf und sah den Versucher mit Pferdefuß, Hörnern und Schweif mit satyrisch lächelndem Angesicht vor sich stehen. Schon hatte der fromme Balduin die Hand erhoben, um den garstigen Teufelsspuk zu exorzieren, als ihn der Fürst der Hölle schnell unterbrach:

"Lasst das, Herr Bischof!" rief er spöttisch, "ich bin in gutem Frieden zu Euch gekommen und verdiene wahrlich nicht, dass Ihr mich so kalt von Euch stoßt. Euer Leid geht mir zu Herzen, ich muss Euch aufrichtig gestehen: Ich habe Euch liebgewonnen. Runzelt nicht darüber die Stirn, warum soll der Teufel nicht auch einmal einem ordentlichen Menschen seine Neigung schenken, da er doch immer mit dem Lumpenpack, dem der heilige Petrus die Himmelstür verschließt, zu tun hat. Hört mich ruhig an: Ich baue Euch die Brücke fertig, so fest und schön als Ihr nur immer begehrt. Dafür verlange ich nicht den geringsten Lohn, ja selbst die eine Seele, welche mir doch sonst bei solchen Gefälligkeiten zuteil wird, begehre ich nicht, ich begnüge mich mit dem Bewusstsein, einem so wackern Mann, wie Ihr seid, eine Gefälligkeit erwiesen zu haben. Wandelt ruhig Euren graden Weg, wie Ihr ihn bisher verfolgt, und Ihr könnte sicher sein, ich werde Euch nie zu nahe kommen!"

Fürwahr, die Aussicht war lockend, und mancher hätte vielleicht eingeschlagen, allein Balduins frommer, gottergebener Sinn verschmähte die Hilfe des Bösen und überdies durchschaute er den Arglistigen. "Anathema über dich!" rief er deshalb nach kurzem Bedenken mit mächtiger Stimme. "Weiche von hinnen, ich habe keinen Teil an dir."

pixelio.de - Die Moselbrücke in Koblenz

Und alsbald verschwand der Erzfeind. Der Bischof maß in heftiger Aufregung das Zimmer und dankte im Stillen dem Allmächtigen, dass er ihn vor den Verlockungen des Arglistigen bewahrt. Des Nachts aber hatte er einen herrlichen Traum. Sein Bau war vollendet, vollendet in schönster Pracht! Stolz blickten die mächtigen Türme über die starken Brustwehren, einladend traten die Vorsprünge zum Beschauen der lieblichen Gegend hervor; nett schmückten unzählige gotische Verzierungen Pfeiler und Balustrade. Das erzbischöfliche Banner flatterte in weiten Kreisen auf der höchsten Zinne.

Aber dennoch bemerkte Balduin, dass der Bau nicht ganz so ausgeführt war wie er den Plan entworfen. Statt eine schnurgerade Linie fest zu halten, traten die Pfeiler, besonders nach der linken Seite zu, mehr seitwärts und bewirkten dadurch eine Krümmung des ganzen Baues. Indes, die Brücke stand und gehorsam umspülte der Fluss die mächtigen Pfeiler. Den Traum hatte ihm Gott eingegeben; zu früher Stunde ließ er den Baumeister rufen, die Pfeiler wurden von neuem an den bezeichneten Stellen eingesenkt, und sieh da, sie standen unerschütterlich.

(F. Menk)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia (Bild 1 – Balduinbrücke in Koblenz von William Tombleson/ca. 1840User:Manfred Heyde – gemeinfrei)
© Egon Häbich (Bild 2 – Balduinbrücke)/www.pixelio.de

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