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Archive for the ‘Rheinland-Pfalz’ Category

Das Schloss im See – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Freitag, März 25th, 2011

 

Das Schloss im See

Unweit der Stadt Andernach erscheint in einem abgelegenen Tal ein großer und tiefer See, in dessen Mitte vor uralten Zeiten ein prächtiges Schloss auf einer grünen Insel stand. Der letzte Ritter, der dort wohnte, war stolzen und edlen Mutes und hatte mit Lanze und Schwert im Heiligen Krieg wie auf Abenteuern sehr tapfere Taten vollbracht. Doch als er einst von harter Fehde zurückgekehrt und ruhig wieder auf seiner Burg saß, kam eine unbezwingliche Traurigkeit über ihn; tagelang ging er in düsteren Gedanken umher und blickte auf den See oder setzte sich an den Strand und spielte auf seiner Harfe ein trauriges Lied.

So lebte er auf dem Schloss, ganz einsam und allein, dem Einsiedler gleich, nahm keinen Trost von anderen an und blieb auf alle Fragen stumm. Aber einst in schwüler Sommernacht stieg ein fürchterliches Gewitter empor; das schwarze Gewölk zog heran wie eine dichtgedrängte Heerschar und lag nun dumpf und schwer über dem See. Mit einmal erscholl ein so schreckliches Donnern von der Insel her, dass die am Ufer wohnenden Hirten und Winzer in ihren Hütten bang auffuhren und selbst die Burgen auf den nächsten Höhen von Grund auf erschüttert wurden. Gleich darauf legte sich der Orkan, und man hörte nun bei stiller Luft einen feierlichen Ton, der fast wie ein Klagegesang scholl und im Geplätscher der Wogen verhallte.

Als aber der Morgen graute, sahen alle mit Erstaunen, dass die Insel samt dem Schloss verschwunden war. Ob der Ritter für das, was seine Ahnen verschuldet oder für eigene Missetat so viel Gram erlitten und deshalb in die Tiefe hinabgerissen wurde, dies fragten einander die Bewohner und die Ritter. Doch man wusste von keinem Vorwurf, und so blieb sein Verschwinden ein schauerliches Geheimnis, der unergründbare Entschluss einer höheren Macht. Aber an der Stelle, wo das Schloss mit der Insel versunken war, bildete sich bald ein wilder Wasserstrudel, den jeder Schiffer mit Entsetzen schauen und meiden würde.

Ältere Lieder und Geschichten aber lehren uns, dass dieser Ritter ein Meister im Gesang gewesen ist, dass er seinen Gram und Traurigkeit allein durch ihn lindern konnte, wenn er am Ufer des Sees saß und sein Lied zum Klang der Harfe über die Wellen schickte. Doch es hausen wundervolle Geister in der Tiefe des Sees. Dort wohnen sie in kristallenen Grotten und wandeln manchmal herauf, wenn sanftes Mondlicht die Wiesen und den Strom beglänzt oder der Sturm den Wald schüttelt und die Fluten empört.

Dann tönt ihr Gesang so lieblich wie die Flöte im Frühlingstal oder schaurig wild wie ein Waldstrom. Auch dort unten herrscht Klage und Lust, Wonne und Schmerz in melodischen Wechseltönen, und wen sie dann erwählen, dass er unter ihnen wohne, dem wird immer das Herz gerührt; denn die Vergangenheit schwebt immer vor seinem Blick, die Bande der Gegenwart lösen sich in der heiligen Quelle und klar tritt die Zukunft vor seine Seele. Darum haben die Geister den edlen ritterlichen Sänger, der ihnen hier oben vertraut, plötzlich in ihr Reich entführt, damit ihm Trost und neue Kraft erblühe an dem herrlichen Urquell des Liedes. Und darum kündet jetzt ein Wasserwirbel die Stelle, wo einst die Insel mit seinem Schloss lag, weil nach ihm, dem hohen Meister, niemand mehr den Ort seiner Lust und Qual bewohnen wollte.

(Karl Geib, 1777-1852)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Albrecht Dürer: Melencolia I (Kupferstich, 1514) – gemeinfrei)

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Die Tochter des Kastellan – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Montag, Februar 14th, 2011

 Die Tochter des Kastellan

In Worms steht ein altes Herrenhaus, zum "Walpoder Hof" genannt. Dieses Haus gehörte einst dem Edeln Walpoden von Mainz und wurde von einem Kastellan verwaltet, der ein verarmter Verwandter des Hausherrn und auch von Adel war. Dieser Kastellan hatte ein Töchterlein, das war so schön und so reizend, wie kein zweites mehr im ganzen Wonnegau. Kein Wunder darum, dass sie trotz ihrer Armut von Freiern umschwärmt wurde. Sie schenkte ihre Liebe aber keinem der reichen, sondern einem armen Edeljüngling, wozu ihr Vater gern seine Einwilligung gab.

Die berüchtigte Walpurgisnacht war gekommen. Das Liebespärchen befand sich gerade in einer kleinen Abendgesellschaft, in welcher viel von Hexen und Gespenstern gesprochen wurde. Da sprach die mutwillige Geliebte zu ihrem Verlobten: "Ich will deine Liebe auf die Probe stellen. Gehe heute nacht auf den Kreuzweg im Feld, sieh zu, was die Hexen für Künste treiben und erstatte mir Bericht."

Der Jüngling, der als guter Christ an Hexenspuk nicht glaubte, begab sich unter fröhlichem Lachen aufs Feld, aber er kam nie wieder zurück.

Die Mutter des Vermissten verfluchte die törichte Braut und diese verfiel in Wahnsinn und starb früh dahin. So oft aber die Walpurgisnacht wiederkehrt, soll ihr Geist in den Straßen von Worms in jammervollen Tönen den Namen des Geliebten rufen.

(Carl Trog, 1838-1913)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Worms – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655 – gemeinfrei)

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Die Schlossjungfrau zu Sinzig – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Die Schlossjungfrau zu Sinzig 

Vor der alten Stadtmauer zu Sinzig lag früher eine starke Umwallung; der Wallgraben ist noch an einigen Stellen sichtbar. Durch zwei Brücken über diesen Graben gelangte man in die Stadt und an die Ahr. Hier stand einst ein starkes Schloss mit vier Türmen zur Befestigung der Stadt, welches 1688 von den Franzosen besetzt und im folgenden Jahr von ihnen zerstört wurde.

Auf jenen Brücken erschien ehemals die Schlossjungfrau, früher ganz schwarz, dann halb weiß und zuletzt ganz weiß. In der Rechten trug sie einen schweren Schlüsselbund; sie winkte den Vorübergehenden freundlich zu. Manchen lockte sie auch in die Gewölbe der Burg; doch keiner hat verraten, was ihm hier widerfahren ist.

Die Jungfrau zeigte sich besonders dann, wenn ein großes Ereignis dem Land bevorstand; sie schwebte dann von einer der Brücken um die Weiher durch den alten Schlossgarten und verschwand auf der anderen wieder. Ob sie ihren Gang bei Tag oder Nacht abhielt, so vernahm man unter den Erlen und Weiden, die um die Weiher standen, ein tiefes Stöhnen und Seufzen.

Kinder, die im Schlossgarten spielten, wurden von ihr geschützt und gewarnt, wenn sie sich dem Weiher näherten. Einmal wurden sogar drei Kinder, als sie ein Sturm beim Spiel außerhalb der Stadt überraschte, von ihr aufgehoben, über die Stadtmauer getragen und hier sanft niedergelegt.

Die Sage weiß zu berichten: Einst, als die Feinde das Schloss belagerten, gab sie ihnen die Torschlüssel; darauf wurde das Schloss von jenen eingenommen und zerstört. Deshalb fand sie nach ihrem Tod im Grab keine Ruhe und wandelte hundert Jahre lang als schwarze Jungfrau in den Schlosstrümmern umher. Dann erschien sie halb weiß und endlich ganz weiß, worauf sie verschwand, weil sie ihren Frevel gebüßt hatte.

(Otto Schell, 1858 – 1931)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Schloss Ahrenthal um 1860 -  Alexander Duncker /1813-1897 – gemeinfrei)

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Der Sack Erde und die Schaffelle – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Montag, Januar 17th, 2011

 

Ein Andernacher Bürger, Erkinbert mit Namen, ging einmal vor Tagesanbruch zu einer Gerichtssitzung. Da begegnete ihm ein Reiter auf kohlschwarzem Ross, aus dessen Nüstern Flammen und Rauch sprühten. Bald war der Reiter auf dem Weg, bald auf dem Feld; er schwankte hin und her.

Erkinbert erschrak heftig, da er aber nicht ausweichen konnte, fasste er sein Schwert und ging auf den gespenstischen Ritter zu. Da erkannte er den unlängst gestorbenen Ritter Friedrich aus Kell bei Burgbrohl; er war aber ganz mit Schaffellen bekleidet und trug einen Sack auf den Schultern.

pixelio.de - Der Sack Erde und die SchaffelleAls Erkinbert ihn fragte: "Seid ihr es, Herr Friedrich?" antwortete die Erscheinung: "Das bin ich!" Erkinbert fragte, woher er komme, und was das alles bedeute. Da sagte der Ritter: "Ich komme vom Ort der Strafen. Diese Felle nahm ich einer armen Witwe ab, und jetzt brennen sie mich wie Feuer. Dann habe ich ungerechterweise einen Acker genommen, und der Sack, den ich da schleppe, enthält Erde von diesem Acker, die drückt mich so, dass ich fast zusammenbreche. Sage meinen Söhnen, sie sollten diese Dinge wiedererstatten, dann wird mir leichter werden."

Da verschwand der Spuk. Erkinbert teilte den Söhnen des Ritters mit, was er gesehen. Da sagten aber diese gottlosen Menschen, sie wollten lieber ihren Vater der ewigen Pein überlassen als das unrechte Gut wiedererstatten, denn er hätte gesündigt und sie nicht.

(Otto Schell, 1858 – 1931)

Verwendetes Bild ist von:
© Templermeister/www.pixelio.de

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Der Geisterkampf auf der Landskron – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Montag, Januar 17th, 2011

 

pixelio.de - Der Geisterkampf auf der LandskronÜber der Stadt Oppenheim erheben sich die Trümmer der unter Kaiser Lothar erbauten und einst so berühmten Reichsfeste Landskron. In den Überresten dieser von den Franzosen niedergebrannten Feste erlebte ein junger Maler eine grauenvolle Nachtstunde.

Jener Maler kam auf einer Studienreise nach Oppenheim. Täglich erstieg er die aussichtsreiche Burg und bereicherte seine Mappe mit Skizzen aus der reizenden Umgebung. Eines Abends, als der Vollmond vom wolkenlosen Himmelszelt schien, ging er auch zu den Trümmern hinauf, um die liebliche Landschaft zu malen.

Auf diesem nächtlichen Gang kam er auch in die Kapelle der Ruine, wo die Gebeine der im Dreißigjährigen Krieg bei Oppenheim gefallenen Krieger auf Haufen geschichtet lagen.

pixelio.de - Der Geisterkampf auf der Landskron

Nachdenkend über die Vergänglichkeit des Menschenlebens, stand der junge Mann vor den schaurigen Zeugen einer hasserfüllten Zeit, als die Glocke der Stadt dröhnend die Mitternachtsstunde verkündete.

Und mit dem letzten Glockenschlag erscholl durch die stille Nacht ein unheimliches Rascheln und Klappern, und voller Entsetzen sah der nächtliche Wanderer, wie sich die Knochen erhoben und zu Skeletten zusammenfügten. Dann traten sie nach militärischer Ordnung in Reihen, es stellte sich Schwede zu Schwede und Spanier zu Spanier, und kampfbereit wie ehedem, standen sie gegenüber.

Nun erscholl ein kreischender Kommandoruf, und auf schwankenden Beinen fielen sich die Gerippe an und bekämpften sich mit derselben Wut, wie sie es im Leben einst getan. Der Angstschweiß trat dem Maler auf die Stirn, und seine Zähne schlugen klappernd aufeinander. So stand er, fest in eine Ecke sich drückend, und sah und hörte dem grausigen Schauspiel zu.

Immer heftiger wütete der Kampf der Knochenmänner, lautes Stöhnen und heiseres Kampfgeschrei ertönte, so oft ein Gerippe, schwer getroffen, prasselnd zu Boden stürzte. Abgeschlagene Arme und Beine dienten zu Stoß- und Hiebwaffen, die niedergerollten Totenköpfe als Wurfgeschosse.

pixelio.de - Der Geisterkampf auf der Landskron

Ein solcher Totenkopf flog einem Gerippe in die Seite, dass es stöhnend vor des Jünglings Füßen zusammenbrach. Aus seinen dunklen Augenhöhlen sah es zu ihm auf und rief mit erschütterndem Ton:

"Siehe, sterblicher Mensch, so müssen wir uns im Tod noch befeinden, weil wir im Leben uns hassten, wo wir uns hätten lieben sollen. Verkünde dies den Lebenden zum abschreckenden Beispiel!"

Kaum waren diese Worte gesprochen, als von Oppenheim herauf die Glocke die erste Stunde des neuen Tages verkündete. Bei diesem Ton stürzten alle Gerippe krachend zusammen, und ihre Teile bildeten wieder reglose Knochenhaufen wie zuvor.

Der Weg war nun wieder frei, und der junge Maler entfloh dem grauenvollen Ort. Bald nach diesem nächtlichen Spuk brach der siebenjährige Krieg aus, und dass jene Geisterschlacht die Ankündigung dieses neuen Krieges gewesen, mochten damals viele glauben.

(Carl Trog, 1838-1913)

Verwendete Bilder sind von:
© Jane23/PIXELIO (Bild 1 – Burgruine Landskron)
© Bernd Bast/PIXELIO (Bild 2 – Beinhaus der Katharinenkirche in Oppenheim)
© Kerstin Nimmerrichter/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

 

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Die Mahr wird geheiratet – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Montag, Januar 17th, 2011

 

pixelio.de - Die Mahr wird geheiratetEinst lebte in Horn ein junger Bursche, der sehr oft von einer Mahr heimgesucht und gequält wurde. Das Unwesen sog so an ihm, so dass er schließlich Brüste bekam wie Frauenbrüste. In einer Nacht verstopfte er das Schlüsselloch seines Schlafzimmers. Am andern Morgen fand er eine schöne Frau, die er nach kurzer Zeit heiratete.

Jahrelang lebten sie zusammen, doch bat sie ihn immer, er möchte doch das Schlüsselloch öffnen. Endlich kam er ihrem Wunsch nach. Da rief sie: "Wie läuten die Glocken in England so schön!" Darauf verschwand sie.

(Otto Schell, 1858 – 1931)

Verwendetes Bild ist von:
© bbroianigo/www.pixelio.de

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Die verwünschte Prinzessin – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Dienstag, Januar 4th, 2011

 

Einige Stunden von Birkenfeld entfernt liegt im Hochwald der Vierkessel, wo einst ein Nonnenkloster gestanden haben soll. Über diesem Tal liegt das Vorkastel. In seinen gewaltigen Felsenmassen wollen die Bewohner jener Gegend den Rest einer mächtigen Burg erkennen.

Noch heute sollen die Gewölbe der Burg vorhanden sein, wenn nur jemand den Eingang finden könnte, denn dort liegen große Schätze und viel Wein, aber in seiner eigenen Haut, weil die Fässer längst vom Alter gefault und abgesprungen sind.

Die verwünschte PrinzessinIn einem Gewölbe steht noch eine schöne hohe Kutsche mit einer goldenen Deichsel, so nahe am Ausgang, dass ein Hahn sie herausziehen könnte. Und in der Kutsche sitzt die schönste Prinzessin von der Welt und harrt schlafend auf ihre Erlösung. Wer sie aber erlösen will, der muss durch einen engen Gang in das Gewölbe kriechen. Aber dort hängt ein schwerer Mühlstein an einem seidenen Faden, und ein greulicher Riese steht dabei, um den Faden durchzuschneiden, wenn man durchkriechen will.

Schon mancher Mensch ist von Geistern an die Stelle geführt worden, um sie selbst und die Prinzessin zu erlösen, und es wurde ihm fest versprochen, dass ihm nichts Böses widerfahren würde. Wer aber den drohenden Schrecken gesehen hat, ist umgekehrt, und niemand hat bis heute das Wagenstück ausgeführt.

(Otto Schell/1922, 1858-1931)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana

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Das salische Blut – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Donnerstag, Dezember 30th, 2010

 

pixelio.de - Das salische BlutUnweit des freundlichen Neuwied erhebt sich auf steilem Felsen und von waldigen Höhen umgeben, dicht am Ufer des Rheins die längst in Trümmer gefallene Burg Hammerstein, die ihren Namen entweder von ihrem Erbauer Karl Martell oder von der einem Hammer ähnlichen Form des Felsens, auf welchem sie sich erhebt, erhalten haben soll.

Nun hauste hier gegen Anfang des 11. Jahrhunderts Graf Otto von Hammerstein. Dieser führte mit Bischof Erkenbold von Mainz eine blutige Fehde, welche aber wegen der Tapferkeit des Grafen von Hammerstein unentschieden blieb. Da wusste der Erzbischof auf andere Weise seinem Gegner beizukommen: Der hatte sich nämlich ohne den hierzu nötigen päpstlichen Dispens mit seiner schönen Tante Irmgard vermählt, der Bischof versäumte daher nicht, den Kirchenbann über ihn auszusprechen und durch einen besonderen Synodalbeschluss die Ehe für ungültig erklären zu lassen.

Als aber dessenungeachtet die beiden Gatten nicht voneinander ließen, und er selbst die Macht nicht besaß, mit Gewalt ihre Trennung herbeizuführen, so wendete er sich an den der Kirche sehr ergebenen Kaiser Heinrich II. mit der Aufforderung, dem Befehl der geistlichen Macht durch Waffengewalt Nachdruck zu verleihen. Dieser entsprach auch seinen Wünschen, zog vor Hammerstein und belagerte es. Allein die Tapferkeit der Belagerten und die Festigkeit der Burg selbst zogen den Kampf in die Länge, so dass der Kaiser gern eine Gelegenheit ergriffen hätte, ihn auf gütlichem Weg zu beenden.

Bei einem Ausfall des Grafen, während dessen seine heldenmütige Gemahlin an seiner Seite ritt, wurden zufällig beide durch Pfeilschüsse verwundet und mussten zur Burg zurückkehren. Sobald der Kaiser dies erfuhr, sprach er zum Bischof: "Mich will dünken, wir werden solchen Mut dieser Liebenden kaum zu beugen imstande sein. Darum und weil das Blut, an dem sie gesündigt, nun von ihnen geflossen und sie ihre Schuld somit gesühnt haben, wollen wir die Fehde beenden. Das lasse ich dem Grafen ausrichten, und Ihr selbst sollt, so will ich es, das Paar trauen und ihm den Segen der Kirche wieder zukommen lassen."

Und so geschah es auch, und eine aufrichtige Versöhnung beschloss für immer den Streit.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendetes Bild ist von:
© Dieter Schütz/www.pixelio.de

 

 

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Der Rittersprung von Altenahr – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Mittwoch, Dezember 29th, 2010

 pixelio.de - Der Rittersprung von Altenahr

Einst wurde die trutzige Feste zu Altenahr von zahlreichem Kriegsvolk belagert, um den Burgherrn zu fangen. Wochen, Monate und Jahre dauerte schon die Belagerung. Immer tiefer sank der Mut der Feinde. Da sprengte eines Morgens der Graf von Altenahr auf stolzem Ross und ganz in Stahl gehüllt zum höchsten Schlosswall hinan und rief mit lauter Stimme ins Tal hinein:

"Feinde! Ihr seht hier auf dem letzten Ross den letzten Mann der Burgbesatzung. Alle andern sind für die Freiheit gestorben. Auch ich will noch im Tode frei sein, wie ich im Leben war!"

Dann spornte der Greis sein Ross zum grauenerregenden Sprung in den gähnenden Abgrund. Im nächsten Augenblick schlugen die Wellen des Flusses über dem Reiter mit seinem Ross zusammen. Als das die Feinde sahen, zogen sie stumm nach Hause.

Nur spärliche Burgtrümmer erinnern an die alte Kunde.

(Otto Schell, 1858-1931)

Verwendetes Bild ist von:
© Rike (Burgruine Are/Altenahr)
www.pixelio.de

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Die sieben Schwestern – eine Sage aus Rheinland-Pfalz

Mittwoch, September 1st, 2010

pixelio.de - Die sieben Schwestern

Am Rhein unterhalb dem Pfalzgrafenstein steht heute noch eine Burgruine, Schloss Schönberg genannt. Darauf sollen dereinst sieben schöne Ritterfräulein gehaust haben, deren Schönheit dem Schloss den Namen verlieh. Aber so groß auch die Reize dieser sieben Fräulein waren, eben so stark war auch ihre Abneigung gegen die Liebe; keines Ritters Bewerbung erhörten sie, einen Freier nach dem andern wiesen sie ab, manches edle junge Herz brach an den Felsenherzen der sieben Schwestern.

Aber das Geschick beschloss ihre Strafe. Eines Tages landete ein Nachen unten am Fuße des Berges, darin saßen sieben ritterliche Jünglinge in kostbarer Tracht und von vornehmem Gebaren. Sie kamen zur Burg, stellten sich den Fräulein vor und warben um ihre Hand. Es war aber alles vergebens, die Schwestern blieben kalt.

Mit einem Male verdunkelte sich der Himmel, eine höllische Musik ertönte, die Jünglinge umschlangen die sieben Schwestern, jeder eine, wie zum Tanzreigen und schwangen sich tanzend und drehend aus der Burg, über die Zugbrücke, den Berg hinab in den Strom hinein, der stürmisch unter Donnern und Blitzen wogte.

pixelio.de - Die sieben SchwesternAls es aber am reizenden Strom wieder hell und friedlich geworden war, siehe, da ragten sieben Felsenspitzen aus dem Strom, in diese waren die Jungfrauen mit den Felsenherzen zur Strafe ihrer unnatürlichen Härte verwandelt. Größere Flut überragt sie, kleinere lässt sie sichtbar werden.

Die Rheinschiffer kennen sie unter dem Namen der sieben Jungfern und haben unter sich die Sage, wenn ein Mächtiger diese Felsen dem Strombett enthöbe und sie zu Säulen einer Betkapelle bilde, so würden die Jungfrauen erlöst werden, wieder auf die sich erneuernde Burg zurückkehren und jede nach der jahrhundertelangen Buße einen Mann beglücken.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Dirk Schmidt/PIXELIO (Bild 1 – Burg Pfalzgrafenstein)
© Kurt Michel/PIXELIO (Bild 2)

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