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Archive for the ‘Rübezahl’ Category

Rübezahl und die Mutter – eine Sage

Freitag, Februar 13th, 2009

Rübezahl und die MutterEinst begegnete dem Geiste eine Frau, die seine Aufmerksamkeit erregte. Sie hatte ein Kind auf dem Arme, eins auf dem Rücken und ein drittes leitete sie an der Hand. Ein etwas größerer Knabe trug einen Korb und einen Rechen; denn sie wollte Laub für das Vieh sammeln.

"Eine Mutter", sagte Rübezahl zu sich selber, "ist doch ein gutes Geschöpf, schleppt sich da mit vier Kindern und tut ihren Beruf ohne Murren." Diese Betrachtung setzte ihn in gute Laune, und er fühlte sich geneigt, sich in eine Unterhaltung einzulassen. Die Frau hatte indes ihre Kleinen auf den Rasen gesetzt und streifte nun Laub von den Bäumen. Die Kinder störten sie jedoch oft genug bei ihrer Arbeit. Sie fingen an, ungeduldig zu werden, zu schreien und zu weinen, und die Frau hatte genug zu tun, sie zu beruhigen.

Sie spielte und tändelte mit ihnen, nahm sie auf den Arm und  wiegte sie in den Schlaf oder suchte Erd- und Himbeeren für sie in den Büschen. Der Schreier, der vorher auf der Mutter Rücken geritten war, wollte aber nicht stille werden. Da riss der Mutter endlich die Geduld, und sie rief: "Komm, Rübezahl, und friss mir den Schreihals!" Alsbald stand Rübezahl in der Gestalt eines rußigen Köhlers vor ihr und sprach: "Hier bin ich." Die Frau zitterte vor Schrecken; doch sagte sie: "Ich bedarf deiner nicht mehr; die Kinder sind jetzt ruhig." Rübezahl antwortete: "Weißt du nicht, dass man mich nicht ungestraft ruft? Gleich gib mir den Schreier, dass ich ihn fresse."

Damit streckte er die Hand nach dem Jungen aus; aber wie eine Gluckhenne, die ihre Jungen verteidigt, stürzte sich die Frau auf Rübezahl und fasste ihn bei dem Barte. "Das Herz", rief sie, "musst du mir aus dem Leibe reißen, ehe du mir mein Kind raubst!" Rübezahl lächelte über den kühnen Angriff und sprach: "Nun, nun, beruhige dich, ich bin kein Menschenfresser. Lass mir aber den Knaben; ich will ihn halten wie einen Junker und einen tüchtigen Kerl aus ihm ziehen. Fordere tausend Dukaten, und ich zahle sie dir."

Rübezahl und die MutterDie Frau lachte: "Nicht um alle Schätze der Welt sind mir meine Kinder feil." "Törin", versetzte Rübezahl, "hast du nicht noch drei, die dir Last genug machen? Musst du dich nicht mit ihnen plagen und kümmerlich ernähren?" "Wohl wahr", antwortete die Frau, "aber ich muss tun, was meines Berufes ist. Kinder machen Last, aber auch Freude."

Als Rübezahl sah, dass sein Drängen vergeblich sei, fragte er die Frau weiter aus, hörte, dass ihr Mann Steffen ein Glashändler sei, der eben Glas aus Böhmen hole und in seinem Korbe über die Berge bringe; er sei ein guter Mensch, der sie aber nicht immer gut behandle und gewaltig geizig sei.

Damit tat die Frau ihr Laub in den Korb und ging davon. Je weiter sie aber kam, um so schwerer ward der Korb. Sie meinte, Rübezahl habe ihr einen Possen gespielt. Sie untersuchte den Korb, fand aber nur Laub. Die Hälfte musste sie nun ausschütten, weil sie den Korb nicht weiter schleppen konnte. Zu Hause warf sie das Laub den Ziegen vor und ging fröhlich schlafen.

Wie groß war aber ihr Schrecken und ihr Schmerz, als sie am andern Morgen die Ziegen melken wollte und sie tot im Stalle fand. Trostlos saß sie da und weinte. Da sah sie plötzlich ein Blättlein, das wie Gold schimmerte, und als sie nachsah, fand sich, dass alles Laub zu Gold geworden war. Und als sie die Ziegen schlachtete, fanden sich auch in deren Magen große Goldklumpen.

Rübezahl hatte sich indessen vorgenommen, dem Manne, weil er so geizig war, einen Streich zu spielen. Er ging ihm entgegen und traf ihn auf der Höhe, als er sich gerade niedergesetzt und seinen Glaskorb neben sich auf einen Baumstumpf gestellt hatte. Da erhob Rübezahl plötzlich einen argen Wirbelwind und warf den Korb um, dass alles Glas in Scherben am Boden lag. Als ein geschlagener Mann machte sich nun der Arme auf dern Heimweg. Was sollte er anfangen, um seinen Handel wieder in Gang zu bringen? Da fielen ihm die Ziegen ein; aus deren Verkauf war ein Stück Geld zu lösen. Würde ihm sein Weib aber erlauben, sie zu verhandeln, die sie zur Ernährung ihrer Kinder brauchte?

"Ach was", sagte Steffen zu sich, "sie mögen Wasser trinken; ich will die Ziegen in der Nacht stehlen, dann kann die Frau nicht schelten und sich widersetzen, und ich kann ihr noch Vorwürfe machen, dass sie das Vieh nicht besser gehütet hat." Gesagt, getan. Er wartete, bis es Nacht war, kletterte über den Zaun und fand den Stall offen, drinnen aber zu seinem Schrecken alles öde und leer. Er wagte es nicht, seine Frau aus dem Schlafe zu wecken, und legte sich in dumpfer Trauer auf die Streu im Stalle.

KutschenMuseum Hinterstein - Rübezahl und die Mutter

Am Morgen trat er kleinmütig in die Stube, ein Bild des Jammers. Als die Frau hörte, was ihm widerfahren, lächelte sie über den Schabernack, den ihm Rübezahl angetan. Lange konnte sie aberr seinen Kummer nicht mit ansehen, sondern entdeckte ihm bald, wie sie durch den Berggeist zu wohlhabenden Leuten geworden seien.

(nach Johann Karl August Musäus, 1735 – 1787)

Verwendete Bilder sind von: © Dana

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Rübezahl verwandelt sich in einen Esel – eine Sage

Samstag, November 22nd, 2008

Einst reiste ein Glaser über das Gebirge und ward durch die schwere Last des Glases, die er auf dem Rücken trug, müde, schaute sich daher um, wo er sich wohl hinsetzen könnte. Rübezahl, der ihn beobachtete, vermerkte dies kaum, als er sich in einen runden Klotz verwandelte. Der Glaser sah denselben nicht lange hernach am Wege liegen, ging mit frohem Mute hin und setzte sich darauf.

Doch die Freude dauerte nicht lange; denn kaum hatte er einige Zeit gesessen, so wälzte sich der Klotz so geschwinde unter ihm fort, dass der arme Glaser mitsamt seinem Glase zu Boden schlug und es in tausend Stücke zerschellte.

pixelio.de Rübezahl verwandelt sich in einen Esel

Der betrübte Mann erhob sich von der Erde, blickte um sich, sah aber keinen Klotz mehr, auf dem er vorhin gesessen hatte. Da fing er an bitterlich zu weinen und beseufzte mit herzlichen Klagen den erlittenen Verlust; doch wandelte er seine Straße fort. Da gesellte sich Rübezahl in Gestalt eines Reisenden zu ihm und fragte ihn, was er doch so weine und worüber er ein Leid trage.

Der Glaser erzählte ihm den ganzen Handel: wie er auf einem Blocke gesessen, um sich auszuruhen; sein ganzer Glasvorrat, wohl acht Taler an Wert, sei zerbrochen, und der Klotz sei verschwunden. Er wisse nun nicht, wie er sich erholen und seinen Schaden zu gutem Ende bringen solle. Der Berggeist tröstete ihn, sagte ihm, wer er sei, und dass er ihm den Possen gespielt habe, er solle aber nur gutes Mutes sein, denn der Schade solle ihm vergütet werden.

Flugs verwandelte sich Rübezahl in einen Esel und gab dem Glaser den Befehl, ihn in einer Mühle am Fuße des Berges zu verkaufen, mit dem Gelde sich aber schnell von dannen zu machen. Der Glaser bestieg den verwandelten Berggeist sogleich und ritt ihn vom Gebirge hinunter zu der Mühle. Er zeigte ihn dem Müller und bot ihn für zehn Taler feil. Für neun Taler erstand ihn dieser.

Der Glaser nahm ohne Säumen das Geld und machte sich davon. Der erkaufte Tier ward in den Stall geführt, und der Knecht legte ihm Heu vor, aber Rübezahl sprach sogleich: "Ich fresse kein Heu, sondern lauter Gebratenes und Gebackenes." Dem Knecht sträubte sich das Haar, er eilte zu seinem Herrn und verkündete ihm die neue Märe.

Als der aber in den Stall trat, fand er nichts; denn der Esel und mit ihm die neun Taler waren verschwunden. Aber dem Müller geschah recht, da er viele arme Leute betrogen hatte.

pixelio.de Rübezahl verwandelt sich in einen Esel

(nach Johann Gustav Gottlieb Büsching, 1783 – 1829)

Verwendete Bilder sind von:
© Bärbel/PIXELIO (Bild 1)
© Jürgen Hüsmert/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Rübezahl als Holzhacker – eine Sage

Samstag, November 22nd, 2008

pixelio.de Rübezahl als HolzhackerEinst kam Rübezahl nach Hirschberg und bot einem Bürger seine Dienste als Holzhacker an, indem er für seine Bemühung nicht mehr als eine Hucke Holz forderte. Die verhieß ihm der Bürger, ging den Vorschlag ein und zeigte ihm etliche Fuder, bemerkte aber dabei, er wolle ihm noch etliche Mitgehilfen zugesellen. Aber hierzu spricht Rübezahl: "Nein, es ist nicht nötig, ich will es alles selber wohl allein bezwingen."

Darauf redete ihn der Herr noch ferner an, fragend, wo er denn die Axt habe, da er keine bei dem gedungenen Knechte bemerkte. Darauf antwortete Rübezahl: "Ich will bald eine kriegen", und erwischte hiermit sein linkes Bein, zog solches mit dem Fuße aus den Lenden heraus und hieb, als wenn er toll wäre, damit alles Holz in einer Viertelstunde kurz und klein, dazu sich sein ausgerissener Fuß viel tausendmal hurtiger als die schärfste Axt erzeigte.

Da rief der Hauswirt, was er rufen konnte (weil er flugs Unrat merkte), dass der abenteuerliche Hacker einhalten und sich aus dem Hofe packen sollte. Rübezahl sagte aber immer: "Nein, ich will nicht aus der Stelle weichen, ehe ich nicht mein Holz klein gemacht habe und meinen Lohn davontrage." Und unter solchem Gezanke ward Rübezahl gleich fertig, steckte sein Bein wieder ein, indem er vorher nur auf dem einen nach Storchs Manier gestanden, und sackte alles geschlagene Holz auf einen Haufen auf seinen Rücken – es waren aber bei vier Klaftern - und spazierte hiermit davon, der Wirt mochte schreien und wehklagen, soviel er wollte.

Diesmal aber war Rübezahl kein schelmischer Geist, sondern nur ein Rächer der Unbill. Der gedachte Bürger hatte nämlich das Holz durch etliche arme Bauern zu sich fahren lassen um einen gewissen Lohn, welchen der wortbrüchige Mensch aber den armen Bauern nicht gezahlt hatte. Rübezahl soll einem jeden Bauern das von ihm angefahrene Holz vor die Tür geworfen und dabei den Verlauf der Sache erzählt haben.

pixelio.de Rübezahl als Holzhacker

(Ferdinand Bäßler)

Verwendete Bilder sind von:
© Alipictures/PIXELIO (Bild 1)
© Stephan Dietl/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Rübezahl prüft die Menschen – eine Sage

Samstag, November 22nd, 2008

Für meine Schwester

pixelio.de Rübezahl prüft die MenschenIm Riesengebirge wohnte ehemals der mächtige Berggeist Rübezahl. Sein Gebiet erstreckte sich bis tief ins Innere und war weit und unermesslich. Nur zuweilen, nach vielen Jahrhunderten einmal, erhob er sich aus den Tiefen der Erde, um auf der Oberwelt sein Wesen zu treiben.

Als er nach langer, langer Zeit einmal wieder hervorkam, sah er mit Erstaunen alles so verändert, dass er sein Gebiet fast nicht mehr kannte. Die finsteren Wälder waren ausgerodet und in Ackerfeld verwandelt; die wilden Tieren, mit denen er sonst seinen Spaß getrieben hatte, waren verschwunden; auf den Wiesen weideten Schafe und Rinder unter dem Schutze von Hirten und Hunden; hier und da lagen einzelne Hütten zerstreut, deren Bewohner zur Besorgung ihrer Geschäfte aus- und eingingen, und vor den Türen spielten muntere Kinder.

Rübezahl wunderte sich nicht wenig, am meisten aber über die Menschen, die er sonst noch nie gesehen hatte. Er beschloss, sie näher kennen zu lernen, nahm die Gestalt eines Menschen an und blieb einige Zeit auf der Oberwelt.

 ***

Rübezahl trat als Knecht in die Dienste eines Bauern und verrichtete seine Arbeit aufs beste. Alles, was er unternahm, gelang ihm, und er schaffte großen Nutzen. Sein Herr hätte durch ihn reich werden können. Allein der war liederlich und brachte alles wieder durch und hatte für seinen treuen Knecht nicht einmal einen Dank.

pixelio.de Rübezahl prüft die Menschen

Da wurde Rübezahl ärgerlich und ging zu einem anderen; bei dem verdingte er sich als Schafhirt. Die Herde gedieh gleichfalls unter seiner Aufsicht und mehrte sich. Kein Schaf erkrankte, keins wurde vom Wolfe zerrissen, solange Rübezahl sie hütete. Aber sein Herr war ein Geizhals, der ihm nicht satt zu essen gab und ihm seinen Lohn kürzte.

Darum schied Rübezahl auch von diesem und begab sich zu einem Amtmann, bei dem er die Stelle eines Gerichtsdieners übernahm. Er versah diesen Dienst mit allem Eifer und reinigte in kurzer Zeit seinen Amtsbezirk von Dieben und Straßenräubern.  Als er aber fand, dass der Amtmann ein ungerechter Richter war und sich mit Geschenken bestechen ließ, wollte er nicht länger das Werkzeug der Ungerechtigkeit sein und lief davon.

Nun hatte Rübezahl genug. Da er von ungefähr an lauter schlechte Menschen geraten war, so glaubte er, sie wären alle nicht anders, und er nahm sich vor, sie zu necken und zu plagen, fände er aber einen guten Menschen, wollte er ihn belohnen.

pixelio.de Rübezahl prüft die Menschen

Verwendete Bilder sind von:
© bretagne_32/PIXELIO (Bild 1)
© Zimmermann/PIXELIO (Bild 2)
© Dathan/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

 

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