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Archive for the ‘Sachsen-Anhalt’ Category

Das Femegericht in der Teufelsschlucht bei Neckendorf – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Januar 29th, 2010

 Das Femegericht in der Teufelsschlucht bei Neckendorf

In der Teufelsschlucht bei Neckendorf soll vor Zeiten eine geräumige Höhle gewesen sein, von der heute freilich keine Spur mehr vorhanden ist. Alle Umwohner fürchteten sich vor derselben, denn in ihr wurden Femegerichte abgehalten, vor denen jeder auf ergangene Ladung erscheinen musste, wenn er nicht vogelfrei werden wollte.

Nun sollte sich einst auch ein Graf von Bocksthal dem Femegericht stellen. Die Einladung zum Erscheinen hatten ihm zur Nachtzeit drei gewaltige Schläge an das Tor seiner Burg gebracht. Da der Graf wusste, dass jeder Ausbleibende in die Acht erklärt wurde, aber auch, dass nie ein vor jenes Gericht Geladener zurückgekehrt war, beschloss er zwar, sich zu stellen, aber auch, auf der Hut zu sein.

Schon am nächsten Tag setzte er sich mit seinem treuen Knappen zu Pferde und ritt nach dem unheimlichen Orte. Als er an den Kreuzweg gekommen war, welcher noch heute bei Neckendorf zu sehen ist, traf er auf den ersten Posten der Feme, welcher ihn nach der Höhle geleiten sollte. Der Graf stieg vom Pferde und befahl seinem Knappen bei Todesstrafe, dieses sicher zu bewahren und in der Nähe zu verweilen.

Als nun der Diener der Feme dem Burgherrn die Augen verbinden wollte, wies dieser solche Schmach zurück und schritt ungehindert an einigen anderen Wächtern vorüber dem Eingange der Höhle zu. Dort sollte er seine Waffen ablegen; das verweigerte er aber und trat, das Schwert an der Seite, vor das Gericht. Im Halbkreise sah er da die vermummten Richter sitzen, in der Mitte den Freigrafen, ihm zur Seite seine Schöffen; im Vordergrunde aber stand neben dem Richtblock ein Henker.

Ruhig, ohne sein Haupt zu entblößen, trat der Angeklagte vor und hörte dem Ankläger zu, welcher ihm einer Menge Verbrechen beschuldigte. Obwohl nun der Graf erklärte, er habe dieselben nicht begangen, so erklärte ihn doch der Freigraf nach kurzer Beratung mit seinen Schöffen für schuldig, und ihr dreimaliges Wehe verkündete dem Angeklagten seinen nahen Tod.

Das Femegericht in der Teufelsschlucht bei NeckendorfDieser jedoch rührte sich auf die Aufforderung des Henkers, sein Haupt auf den Block zu legen, nicht vom Platze. Vielmehr riss er, als man die Aufforderung wiederholte, mit mächtigem Schwunge sein Schwert aus der Scheide und trennte dem Scharfrichter mit einem Schlage das Haupt vom Rumpfe.

Da warfen die Femerichter ihre mit drei Rosen geschmückten Dolche nach dem kühnen Grafen, aber diese prallten, ohne ihn zu verwunden, von seinem verborgenen Stahlpanzer ab. Nun hieb der Graf, ein Mann von ungeheurer Kraft, alle seine Gegner nieder, erstach sodann auch die Wächter vor der Höhle und kehrte unversehrt mit seinem treuen Knappen auf seine Burg zurück.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendete Bilder sind von:
© Dana

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Der Drache bei Nebra und der Ritter Sankt Georg – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Januar 29th, 2010

pixelio.de - Der Drache bei Nebra

Als einstmals die Burg zu Nebra belagert wurde, geriet die Besatzung, obwohl sie sich aufs Tapferste verteidigte, in große Not, weil es den Feinden gelungen war, sich des dicht an der Burg gelegenen Brunnens zu bemächtigen. Als nun die Not des Durstes aufs höchste gestiegen war, stieg das Burgfräulein, um Wasser zu holen, hinab zur Quelle, die am Fuße des Burgbergs hervorsprudelt, da wo der Unstrutbrücke gegenüber das Gasthaus "Zur Sorge" steht, unter dessen Tanzsaal die Quelle sich jetzt befindet.

Kaum aber schickte sich das Burgfräulein an, aus der Quelle zu schöpfen, da kam aus einer nahegelegenen Höhle ein Drache hervor und drohte die Jungfrau zu verschlingen. Doch wie durch ein Wunder ward sie gerettet, denn vom Wendelstein her kam ihr der Ritter Sankt Georg mit riesigem Gefolge zu Hilfe, erschlug den Drachen und befreite die Belagerten.

Darum ist die Kirche zu Nebra ihm geweiht, über deren Türe die Begebenheit in Stein gehauen dargestellt ist, und aus demselben Grunde führt auch die Stadt Nebra sein Bild in ihrem Siegel.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© Rainer Sturm/www.pixelio.de

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Die Zerstörung der Burg auf dem Hausberge – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Januar 29th, 2010

pixelio.de - Die Zerstörung der Burg auf dem Hausberge

In längst vergangenen Zeiten saß auf dem Hausberge im Junkerholz unweit Eisleben ein Graf Karl, der wegen seiner vielen Verdienste um das Reich zu großem Besitz gelangt war. Aber seine Untertanen drückte er so, dass er sich den Hass aller zuzog.

Von Tag zu Tag wurde sein Regiment unerträglicher, bis sich schließlich seine Untertanen gegen ihn empörten. Von überallher zogen die bewaffneten Scharen der Aufständischen heran. Sogar von Quedlinburg, Harzgerode und vielen andern weit entfernten Orten sollen sie gekommen sein, die Burg mit Holz und Stroh in Brand gesteckt und gänzlich zerstört haben.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© Thomas Max Müller
www.pixelio.de

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Der entdeckte Dieb in Liederstedt – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Montag, Dezember 7th, 2009

 

pixelio.de - Der entdeckte Dieb in LiederstedtIn Liederstedt bei Nebra wollte einmal ein Gastwirt von einem Bauern Stroh kaufen. Weil aber das Stroh in der Scheune alle geworden war, so begaben sie sich auf das Feld, wo der Bauer einen Strohdiemen stehen hatte. Hier zeigte sich sofort, dass viel Stroh gestohlen worden war; auch die Fußspuren des Diebes, welche in den feuchten Boden eingedrückt waren, konnte man erkennen.

Da sagte der Gastwirt: "Den Dieb wollen wir schon kriegen", ließ einen Sack und eine Schippe holen und schippte vom Felde die Fußspuren des Diebes ab, warf die Erde in den Sack und gebot dem Bauern, er solle den Sack in den Rauch oder Schornstein hängen, dann würde der Dieb schon von selber kommen.

Wirklich kam schon zwei Tage darauf ein Ortseinwohner zu dem Bauern und bat ihn, er möge ihn doch nicht so quälen; er wolle ihm das gestohlene Stroh gern vergüten.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© Jurec/www.pixelio.de

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Martin Luther als Zuchtmeister – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Dezember 4th, 2009

 

pixelio.de - Martin Luther als ZuchtmeisterVor ungefähr sechzig Jahren glaubte der Lehrer der Lutherschule in Eisleben, das Unterrichten aus Luthers kleinem Katechismus sei nicht mehr zeitgemäß, und es würde lohnender sein, nach einem andern Buche zu lehren. Er reichte beim Magistrate einen Antrag ein, und man beschloss den Katechismus von Parisius einzuführen.

Als die nächste Religionsstunde herbeikam und die Kinder nach genossenem Frühstück in die Schulklasse, wozu damals noch Luthers Geburtszimmer benutzt wurde, zurückstürmten, machte ein dicker Bube plötzlich kehrt und erklärte, er werde nicht in die Klasse hineingehen. Der Lehrer applizierte ihm eine derbe Ohrfeige; aber auch jetzt noch heulte der Junge: "Ich gehe nicht, ich habe da was gesehen!"

Keine Gewalt im Himmel und auf Erden hätte etwas über den störrischen Buben vermocht; daher ließ ihn der Lehrer laufen, ging in die Klasse, schlug den Parisius auf und begann seinen Unterricht mit den schönste Hoffnungen. Aber plötzlich gibt ihm eine unsichtbare Hand eine Ohrfeige, welche an Nachdrücklichkeit der von ihm selbst ausgeteilten keineswegs nachsteht.

Der Parisius wird ihm aus der Hand gerissen und in eine Ecke geschleudert. Sprachlos steht der gute Lehrer da; kaum kann er eine Ohnmacht bewältigen und muss die Kinder nach Haus entlassen.

Als er dann auf den Flur hinaustritt, sieht er oben auf der Treppe Dr. Martin Luther in leibhaftiger Gestalt, wie er ihn ernst ablickt und mahnend den Zeigefinger erhebt. Dicht hinter dem gestrengen Gatten steht Käthchen von Bora in mittelalterlicher Tracht und lächelt gar schelmisch. Verwirrt eilt der Lehrer nach Hause.

Bald darauf ging beim Magistrate ein zweiter Antrag ein: Man bat, den lutherischen Katechismus wieder einzuführen. Die Väter der Stadt sahen sich bedeutsam an. Indes, der Antrag wurde genehmigt, und Dr. Martin Luther brauchte nicht wieder als Zuchtmeister aufzutreten.

(Hermann Größler/1880, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© Gabi Schoenemann (Martin Luther-Statue in Eisleben)
www.pixelio.de

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Der Scheintod Sophias von der Asseburg – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Dezember 4th, 2009

 

Der Scheintod Sophias von der AsseburgDie Herren von der Asseburg stammen von dem Reichstruchsess Gunzelin von Wolfenbüttel ab. Heinrich von Asseburg, welcher 1576 geboren wurde und 1611 starb, war Domherr von Magdeburg und vermählte sich mit Sophia von Hahn.

Seine Gemahlin wurde in einem Gewölbe der Domkirche scheintot begraben. Als der diebische Küster ihr in der Nacht einen Ring vom Finger ziehen wollte, erwachte sie von der Berührung und richtete sich auf. Erschreckt lief der Küster davon und ließ die Laterne stehen. Sie ergriff dieselbe und ging in das Haus ihres Mannes auf dem Breiten Wege zurück, an welchem sich das asseburgische Wappen befindet.

Die Bewohner des Hauses riefen sich einander zu, dass die Edelfrau als Geist zurückgekehrt sei. Da sprach jemand: "Sie ist so gewiss nicht wieder unter uns erschienen, als unser alter Schimmel nicht oben vom Giebel des Hauses herunterschaut!" Aber der Schimmel war aus dem Stalle gegangen, die Treppe hinaufgestiegen und schaute im selbigen Augenblicke zur Bodenluke heraus auf den Breiten Weg herunter. So ist er noch jetzt oben auf dem Hause Breiter Weg Nr. 19 dargestellt.

Sophia von der Asseburg bekam nachher noch mehrere Kinder. In der Domkirche zu Magdeburg aber befindet sich das Grabmal Heinrichs von der Asseburg, auf welchem er und sie sowie seine Töchter abgebildet sind. Solches ist nach der damals üblichen Weise mit den Stammbäumen beider Ehegenossen geziert.

(Heinrich Pröhle, 1822-1895)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia – Wappen derer von Asseburg/Siebmachers Wappenbuch
Johann Siebmacher/1605 – gemeinfrei

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Die neun Kinder des Grafen Bruno – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Dezember 4th, 2009

pixelio.de - DieKinder des Grafen Bruno 

Auf dem Schlosse zu Querfurt wohnte vor langen Jahren einmal ein Graf Bruno; der war ein großer Heidenbekehrer und machte viele Reisen zu denselben. Nun hatte er auch eine Frau, die schalt einmal eine Bettlerin aus, dass sie so viele Kinder gebäre und doch nicht wisse, wovon sie ernähren. Da ward sie von derselben verwünscht.

Und als sie nun das nächste Mal in die Wochen kam, gebar sie neun Knaben auf einmal. Graf Bruno war aber eben wieder zu einer Reise zu den Heiden aufgebrochen, und als er auf die Wiese vor dem Tore kam, wurde sein Esel störrisch und wollte nicht weiter; und soviel er sich auch abmühte, er konnte ihn nicht von der Stelle bringen. Da sah er das als ein göttliches Zeichen an, dass er die Reise nicht unternehmen solle und kehrte um.

pixelio.de - Die neun Kinder des Grafen BrunoIndes hatte die Gräfin, welche fürchtete, ihr Mann möge Arges von ihr denken, wenn er erführe, sie habe neun Kinder auf einmal geboren, der Wehmutter befohlen, acht derselben in einen Kessel zu tun und sie zu ertränken. Als diese nun mit dem Kessel zu dem Born am Schloss kam, der noch der "Brunosborn" heißt, begegnete ihr Graf Bruno, der eben aufs Schloss zurückkehren wollte; und da eins der Knäblein schrie, fragte er sie, was sie im Kessel habe.

Da konnte sie’s denn nicht verschweigen und erzählte ihm alles, was sich zugetragen. Da gebot er ihr zu schweigen über das, was er tun würde, und hieß sie seiner Frau sagen, sie habe die Kinder ertränkt. Er aber nahm die Kinder und tat sie bei verschiedenen Leuten in einer Gasse, die noch die "Brunogasse" heißt, unter und ließ sie dort erziehen.

Als sie nun erwachsen waren, ließ er sie eines Tages alle acht wie den neunten anziehen und fragte die Gräfin, was eine solche Mutter wohl verdiene, die ihre eigenen Kinder ersäufe; er habe einen solchen Fall und wisse keine Strafe dafür. Da sagte sie, eine solche müsse auf glühenden Schuhen stehen.

Und kaum hatte sie das ausgesprochen, so ließ er ihre neun Kinder, die er bis dahin verborgen, hervortreten und sagte ihr, sie solle aus diesen ihr eigenes Kind aussuchen. Das konnte sie aber nicht; und nun ließ er das Urteil, welches sie selbst gesprochen, an ihr vollziehen.

pixelio.de - Die neun Kinder des Grafen Bruno

Zum Andenken aber, dass der Esel ihn von seiner Reise abgehalten, ließ er auf der Wiese, die noch die "Eselswiese" heißt, eine Kapelle erbauen, in der alljährlich in der Osterwoche, wo sich das Ganze zugetragen, großer Ablass erteilt und zugleich ein Markt abgehalten wurde.

Das letztere findet noch alljährlich statt, und den Kessel nebst den eisernen Schuhen, auf welchen die Gräfin ihre Strafe erduldet hat, bewahrt man noch im Schloss.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812-1881 & Wilhelm Schwartz, 1821-1899)

Verwendete Bilder sind von:
© Jörg Lehrmann (Burg Querfurt)
www.pixelio.de

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Der Blutstein – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Donnerstag, Dezember 3rd, 2009

 

pixelio.de - Der BlutsteinAuf der Burg Arnstein lebte einst ein grämlicher alter Herr, der nur dann gute Laune hatte, wenn seine liebliche Tochter Jutta bei ihm weilte. Dieser hatte der Tod schon seit einigen Jahren die geliebte Mutter genommen. Ihren einzigen Bruder aber, den Gespielen ihrer Jugendjahre, hatte der Vater zu einem entfernten Freunde gebracht, damit er bei demselben die Ritterschaft erlerne. So hatte die muntere Jutta keine andere Gesellschaft als ihren launischen, menschenfeindlichen Vater und einen Knappen desselben, den Sohn eines verarmten Ritters aus edlem Geschlechte.

Bald fasste Jutta Liebe zu dem schönen Jünglinge, und auch Egbert, so hieß derselbe, gewann die Jungfrau lieb, wagte aber nicht, seinen Gefühlen Ausdruck zu geben, da er die hochfliegenden Pläne des Alten inbetreff seiner Tochter kannte. Sinnend saß er einst auf einem Steine im Burgzwinger und richtete sein von der Abendsonne beleuchtetes Antlitz hinab auf die wenigen Häuser von Schnackerode, da stand plötzlich Jutta mit freundlichem Gruße an seiner Seite.

Auf ihre Frage, wovon er träume, bekannte er ihr seine Liebe, zugleich aber, wie wenig Hoffnung er habe, sie einst als Hausfrau heimführen zu können, weil er arm und ohne Freunde sei. Als nun Jutta ihm seine Besorgnis auszureden suchte und ihm feierlich gelobte, nie eines andern Weib werden zu wollen als das seine, da rauschte es in den nahen Zweigen, und vor dem erschrockenen Paare stand mit blinkendem Schwerte in der Rechten Juttas Vater.

Ohne dem Jünglinge nur Zeit zur Rechtfertigung zu lassen, stieß er demselben unter Verwünschungen das Schwert in die Brust, so dass Egbert lautlos zusammenbrach. Dann schleppte er die ohnmächtig niedergesunkene Jutta mit sich fort in die Burg, wo dieselbe erst durch sein Toben wieder zum Bewusstsein kam.

Traurig bestatteten die Knechte Egbert zur Erde, und zwarr an der Stelle, wo er sein Leben ausgehaucht hatte. Jutta aber flüchtete sich aus dem für sie freudleer gewordenen Leben in eine Klosterzelle, wo sie ihre Tage mit Gebeten für ihren schuldlos hingemordeten Geliebten und ihren sündigen Vater verbrachte.

pixelio.de - Der BlutsteinNoch jetzt ist der Blutstein, auf welchem Egbert mit Jutta gesessen und welchen sein Blut bespritzt hatte, vorhanden; und kein Regen hat vermocht, den Blutfleck abzuspülen. Aber sehen kann ihn nur ein Menschenkind, welches in der Walpurgisnacht geboren ist. Einem solchen ist auch die Erlösung des Mörders vorbehalten, dessen Geist sich abmüht, das Blut von dem Steine abzuwaschen. Aber so eifrig er auch wäscht und scheuert, der Blutfleck tritt stets wieder hervor.

(Hermann Größler/1880, 1840-1910)

Verwendete Bilder sind von:
© Helmut J. Salzer/PIXELIO (Bild 1)
© Katzensteiner/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Herr von Pfuhle und die spukende Nonne von Sankt Blasien – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Donnerstag, Dezember 3rd, 2009

 Der Herr von Pfuhle und die spukende Nonne von Sankt Blasien

In dem Pfuhlschen Busche zwischen Bernburg und Kustrena liegen die mit Rasen und Strauchwerk bewachsenen und darum kaum noch erkennbaren Trümmer eines verfallenen Gebäudes. Hier hauste einst ein mächtiger Graf, wegen der Lage seiner von Sümpfen umgebenen Burg der "Herr von Pfuhle" genannt.

Er war eine harte Geißel der Umgegend, denn raubend und plündernd zog er mit seinen Knechten umher. Bei drohender Gefahr flüchtete er sich allemal schnell in sein Schloss, das ihm vor feindlichen Angriffen volle Sicherheit gewährte, weil der einzige Zugang zu demselben durch eine Zugbrücke geschützt und wenig Mannschaft bei dieser Art von Befestigung hinreichend war, dem Feinde Widerstand zu leisten.

Bei einem seiner Streifzüge war es ihm nun auch einmal gelungen, ein Mädchen aus angesehener Familie zu rauben und auf seine Burg zu schleppen. Auf die wiederholten Aufforderungen des benachbarten Grafen von Plötzkau, dasselbe wieder freizulassen, gab er die kurze, aber bestimmte Antwort, jener solle doch das Mädchen holen, wenn ihm soviel an ihr gelegen wäre.

Das beschloss dieser denn auch zu tun, verfuhr aber dabei sehr klug. Er wartete nämlich den Winter und starke Kälte ab, welche die Sümpfe gefrieren ließ, und rückte nun in einer dunklen Nacht mit einer zahlreichen Schar auf die feindliche Burg los. Nachdem er dieselbe ohne Widerstand erstiegen, fiel er mit seinen Leuten über die nichtsahnenden Schläfer her, welche sämtlich niedergemacht wurden, und ließ das Schloss bis auf den Grund zerstören. Das Mädchen aber gab er den Angehörigen zurück.

pixelio.de - Der Herr von Pfuhle und die spukende Nonne von Sankt BlasienDieses jedoch war durch die während der Gefangenschaft erlittenen schlechte Behandlung trübsinnig geworden und ging in ein Kloster, wo sie im Wahnsinn gestorben ist. Doch auch im Grabe hat sie keine Ruhe gefunden, wie folgende Sage bekundet:

Wer in der Mitternachtsstunde den durch Wiesen und Wald führenden Fußweg von Aderstedt nach Bernburg allein zurücklegen muss, pflegt sich ängstlich umzuschauen und beeilt sich, um so schnell wie möglich an einer unheimlichen Stelle vorbeizukommen. Das sind die nahe am Weg gelegenen Trümmer des Klosters Sankt Blasius, in welchem das von dem Herrn von Pfuhle geraubte Mädchen Aufnahme gefunden hatte.

Hat der Wanderer diese unbehelligt im Rücken, so atmet er frei auf. Manchem aber springt die spukende Nonne auf den Rücken und bleibt unter Heulen und Stöhnen so lange auf ihm sitzen, bis er das ehemalige Klostergebiet verlassen hat.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendete Bilder sind von:
Wikipedia (Bernburg um 1650 – Stich von Matthäus Merian)
© Buntschatten (Bild 2)/www.pixelio.de

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Die eingemauerten Liebenden – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

pixelio.de - Die eingemauerten Liebenden

In Holzzelle bei Hornburg unweit Eisleben lebte einst ein reiches Fräulein, welches von einem armen, aber wackeren Jüngling glühend geliebt wurde und seine Liebe ebenso heiß erwiderte. Aber die Väter der jungen Leute waren ausgesprochene Feinde, die nie in eine Verbindung ihrer Kinder gewilligt haben würden.

Als dem Vater des Fräuleins endlich etwas von dem Verhältnis seiner Tochter hinterbracht wurde, war er grausam genug, ihr Lebensglück seinem Hasse zu opfern, denn er ließ sie in das Kloster zu Holzzelle als Nonne aufnehmen. Der junge Mann war außer sich über das Schicksal seiner Geliebten und wurde in seiner Verzweiflung Mönch in dem nahegelegenen Kloster der Zisterzienser in Sittichenbach.

Bald aber bereute er seinen voreiligen Schritt und versuchte nun, um jeden Preis eine Zusammenkunft mit seiner Geliebten zu bewerkstelligen. Wirklich gelang es beiden, an einem Festtage unbemerkt aus dem Kloster zu entschlüpfen und auf einer vorher bestimmten Waldwiese süße Stunden miteinander zu genießen. Seitdem wiederholten sie jene Zusammenkünfte und benutzten meist die Feste der Heiligen dazu, weil sie an diesen im Kloster nicht so leicht vermisst wurden.

pixelio.de - Die eingemauerten Liebenden

Zuletzt aber wurden sie doch verraten, ertappt und zur Strafe lebendig eingemauert. Liebessehnsucht und Sorge um einander zehrte schnell ihr Leben auf, und fast zu gleicher Zeit raffte der Tod sie hin. Die Seelen der Abgeschiedenen wurden in Irrlichter verwandelt, welche unablässig versuchten, sich miteinander zu vereinigen. Aber vergebens, denn die erzürnten Heiligen konnten die Entweihung ihrer Festtage nicht vergessen.

Oft sieht man in warmen August- und Septembernächten die beiden Irrlichter in dem schaurig-dunkeln Waldgrunde flimmern, wo die Lebenden sich zu sprechen pflegten. Klagen und Seufzer erschallen; immer streben die Lichter einander zu, und immer müssen sie sich meiden.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendete Bilder sind von:
© Herbert Pelikan/PIXELIO (Bild 1)
© Astrid Tenbrink/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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