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Archive for the ‘Sachsen-Anhalt’ Category

Die Roßtrappe – eine Sage aus Sachsen-Anhalt (Harz)

Donnerstag, März 31st, 2011

Die Roßtrappe

Hoch auf der Roßtrappe über der Bode erblickt man die gewaltige Spur eines Rosshufs im Stein, den hat das Pferd der Prinzessin Brunhilde eingedrückt, als sie, von einem Ritter verfolgt, vom Teufelstanzplatz auf diesen Felsen hinübersprang. Bei dem mächtigen Sprung aber ist ihre goldne Krone in den Bodekessel, der Kresool genannt, hinabgestürzt, und da liegt sie noch heute. In der Walpurgisnacht aber kommt sie hervor an die Oberfläche des Wassers, und schwimmt bis zum Morgen oben und jeder kann ihr gewaltiges Blinken sehn.

Mündlich aus Thale.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812 – 1881 & Wilhelm Schwartz, 1821 – 1899)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana (Hufabdruck auf der Roßtrappe)

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Der Mägdesprung – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, Oktober 8th, 2010

Der Mägdesprung 

Im Selketale zwischen Ballenstedt und Harzgerode steht auf einem steilen Felsenhorste ein zehn Fuß hohes, gegossenes eisernes Kreuz, bei welchem sich eine Vertiefung im Gestein findet, die einige Ähnlichkeit mit der Fußstapfe eines Menschen hat, und achtzig bis hundert Fuß weiter ist eine zweite Fußstapfe. Dieselben sind auf folgende Weise entstanden:

Eine Hünin oder Riesentochter wollte sich einst, vom Petersberge kommend, auf dem Rücken des Harzes ergehen. Als sie die Felsen erreicht hatte, die jetzt über den Hüttenwerken stehen, erblickte sie ihre Gespielin, ihr winkend, auf der Spitze des Ramberges. Lange stand sie zögernd, denn ihren Standort und den Ramberg trennte das breite und tiefe Selketal. Wie sie so stand, drückte sich ihr Fuß ellentief in den Felsen, wovon heutzutage freilich nur noch die schwachen Spuren zu sehen sind.

Ihres Zögerns spottete höhnisch ein Bauer, der in der Nähe, bei Harzgerode, pflügte. Aber schnell musste er seinen Spott büßen, denn die Hünin, die es gemerkt hatte, streckte ihre Hand aus, hob den Bauer samt Pflug und Pferden in ihre Schürze und sprang mit ihnen in einem Sprunge über das Tal zu ihrer Freundin hinüber.

Im Felsen ließ sie die gewaltige Fußspuren zurück, die dort noch zu sehen sind. Der Bauer aber entwand sich nun glücklich den Falten ihrer Schürze und war froh, wohlbehalten den Erdboden wieder zu berühren.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:M%C3%A4gdesprung.jpg – Ludwig Richter – gemeinfrei)

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Der Name Schulenburg – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Mittwoch, September 29th, 2010

Der Name Schulenburg 

In der Altmark blüht das Geschlecht der Grafen und Herren von der Schulenburg. Dieser Name ist auf folgende Weise entstanden:

Die Vorfahren derer von der Schulenburg hatten in der Herrschaft Apenburg in der Nähe des Dorfes Stappenbeck eine Burg, deren Ruinen zum Teil noch in der sogenannten Holzwiese an der Jeetze zu sehen sind. Die Burg diente ihnen zum Auflauern gegen ihre Feinde, mit denen sie in Fehde lebten und erhielt davon den Namen: die Schulenburg, indem "schulen" in der alten deutschen Sprache soviel als "lauern" heißt.

Von der Burg bekamen nun auch nachher die Besitzer den Namen der Herren von der Schulenburg.

(Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Reste der Schulenburg bei Stappenbeck – aufgenommen von Benutzer:Axel Hindemith – gemeinfrei)

 

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Die Kindsmörderin von Pansfelde – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Dienstag, September 28th, 2010

pixelio.de - Die Kindsmörderin von Pansfelde

Am westlichen Saume des Bergwaldes bei Pansfelde steht noch heute ein gewaltiger uralter Baum, die schwarze Eiche genannt, weil er der Gerichtsbaum der heiligen Feme gewesen sein soll. Dieses schreckliche Gericht soll auf einer Höhe bei Altenrode unweit Wernigerode seine Gerichtsstätte gehabt haben, und noch führt eine düstere Schlucht unweit des sogenannten „Gartenhauses“ in einem Dickicht des Falkensteiner Schlosswaldes den Namen des heimlichen Gerichts. In der Nähe jener Eiche wächst kein Gras, der Boden ist kahl und wird vom Tau und Regen nicht nass, da wurde einst eine Kindsmörderin hingerichtet.

pixelio.de - Die Kindsmörderin von PansfeldeSie war die schöne Tochter des Pfarrers von Pansfelde und hatte sich von einem jungen Grafen von Falkenstein betören und um ihre Unschuld betrügen lassen. Er hatte sie glauben gemacht, er wolle sie heiraten, allein nachdem sie sich in der am Pfarrhaus befindli­chen Laube ihm ergeben hatte, dachte er nicht mehr daran, sein Wort zu halten. Zwar erinnerte sie ihn, als sich die Folgen ihres Leichtsinns anfingen bemerkbar zu machen, an sein Versprechen, aber er wusste sie immer durch verschiedene Ausreden hinzuhal­ten, doch endlich vermochte sie das Geschehene nicht mehr zu verbergen. Ihr ungehaltener Vater misshandelte sie und warf sie aus dem Haus. In Verzweiflung eilte sie aufs Schloss, um zum letzten Mal ihren Verführer zu mahnen, ihr die geraubte Ehre wiederzugeben. Aber umsonst, er wies sie kalt ab und erklärte ihr geradezu, er habe nie beabsichtigt, sie zu heiraten, was ja allein schon der große Standesunterschied zwischen ihnen beweise.

Da verließ sie halb wahnsinnig das Schloss und eilte in finsterer Nacht in die Nähe ihres Heimatortes zurück. Da sie sich natürlich nicht in das Haus ihres Vaters wagen durfte, so suchte sie ein Obdach in jener Laube, wo sie einst den Schwören des Treulosen Glauben geschenkt hatte. Die Aufregung und Verzweiflung führ­ten eine vorzeitige Entbindung an diesem Ort herbei, und nicht ihrer selbst mächtig nahm sie eine silberne Nadel aus ihrem Haar und stieß sie dem neugeborenen Knäblein ins Herz.

Erst als sie die grässliche Tat verübt, ward sie sich bewusst, was sie getan. Sie ergriff die kleine Leiche und machte ihr mit ihren Nägeln am nahen Unkenteich ein Grab. Dann aber ging sie selbst hin und überlieferte sich dem Gericht. Das Gericht bestrafte damals Kindsmörderinnen noch sehr hart: Sie wurde zur Strafe des Rades von unten auf verurteilt, und noch jetzt sieht man sieben unberaste Stellen in der Nähe jener Eiche, wo die Unglückliche an Füßen, Schenkeln, Armen und Brust die Schläge des Rades empfing. Sie selbst aber ward aufs Rad geflochten, und ihr Leichnam diente als Futter für die Raben.

Wie das Volk erzählt, soll aber allnächtlich an jenem Teiche die Seele ihres unglücklichen Kindes in Gestalt eines Flämmchens herumirren und sie selbst als weiße Schauergestalt demselben nacheilen, um es zu erhaschen oder zu löschen, es aber nie errei­chen.

pixelio.de - Die Kindsmörderin von PansfeldeDa nun noch heute im Archivgewölbe des Schlosses Falkenstein Fetzen einer weiblichen Kleidung und ein halbvermodertes Gebetbuch aufbewahrt werden, die man in der schauervollen Tiefe des grausigen Burgverlieses, wo hinab die Unglücklichen mittels einer Winde versenkt wurden, gefunden hat und man im abgelegensten Teile der Burg selbst ein verstecktes Gemach zeigt, wovon die Sage geht, dass zur Zeit der alten Grafen von Falkenstein daselbst einer von ihnen sein Liebchen versteckt gehalten und wo, um verräteri­sches Kindergeschrei zu verhüten, unschuldiges Blut geflossen sei, so scheint entweder die Tat nicht zu Pansfelde geschehen zu sein, oder aber es müssen zwei verschiedene Untaten verübt worden sein. Jedenfalls aber kann nicht durch die Ferne jenes grausige Urteil vollstreckt worden sein, denn zu der Zeit, wo es (protestan­tische verheiratete) Pfarrer zu Pansfelde gab, war die Feme längst aufgehoben.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Albrecht E. Arnold/PIXELIO (Bild 1)
© Jörg-W. Biester/PIXELIO (Bild 2 – Burg Falkenstein)
© Mandy Bremse/PIXELIO (Bild 3 – Burg Falkenstein)
www.pixelio.de

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Der Ziegenbocksgrund bei Bösenburg – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Samstag, September 25th, 2010

pixelio.de - Der Ziegenbocksgrund bei Bösenburg 

Wer bei Nacht den Ziegenbocksgrund bei Bösenburg durchwandert, dem begegnet nicht selten ein schwarzer Ziegenbock, der dem Ahnungslosen auf den Rücken springt und sich eine Strecke weit von ihm tragen lässt.

Einmal ging ein Bauer, welcher sich auf dem Heimwege befand, bei Nacht durch den unheimlichen Grund. Beim Überspringen eines Grabens fühlte er sich plötzlich von hinten gepackt und festgehalten, und nur mit Mühe gelang es ihm, sich loszureißen. Schweißtriefend und vor Angst halb tot kam er zu Hause an, in der Meinung, der Bock habe ihm aufgehuckt.

Jedoch als er am andern Morgen seinen nach der Tracht jener Zeit sehr langen Rock wieder vor Augen bekam, da sah er, dass er bei dem nächtlichen Sprunge einen seiner langen Rockschöße mit seinem Gehstock in dem weichen Boden gleichsam festgenagelt hatte. Nur seine Zaghaftigkeit also hatte ihm den üblen Streich gespielt.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© Günter Havlena/www.pixelio.de

 

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Die Kröte am Brachborn bei Unterrißdorf – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Samstag, September 25th, 2010

pixelio.de - Die Kröte am Brachborn

Am Brachborn, auf dem Wege von Unterrißdorf nach Wormsleben zu, saß einmal ein Schäfer auf dem Raine und spielte seine Klarinette. Schlag zwölf Uhr mittags war es, da kam ein hübsches Fräulein und forderte ihn auf mitzukommen. Er ging auch mit, und nun führte sie ihn bis an das Kesselholz.

Dort blieb sie vor einer Eiche stehen und schlug daran. Da tat sich die Erde auseinander, und in ihrem Schoße flimmerte und flammerte es von Gold, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten. "Morgen mittag um zwölf", sagte das Fräulein, "komme ich wieder zu dir, aber in einer andern Gestalt. Wenn du mir dann einen Kuss gibst, so bin ich erlöst, und all dieser Reichtum ist dein."

Anderntags saß der Schäfer wieder am Brachborn und spielte seine Klarinette, und wie es zwölf Uhr schlug, da kam eine große Kröte und bot ihm das Maul zum Kusse dar. – Der Schäfer aber schrak zurück und sagte: "Nei, su ä Bieste jäbe ich dach keinen!" -

Da tat es einen furchtbaren Quieck, und alsbald war die Kröte verschwunden. Der Schäfer aber hatte Gehör und Sprache verloren.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© jutta rotter/www.pixelio.de

 

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Der Riese Eitel – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Samstag, September 25th, 2010

 

pixelio.de - Der Riese EitelIn einer Höhle bei Walbeck unweit Arnstein hauste der Riese Eitel, welcher der Schrecken der ganzen Umgegend war, weil ihm alle Jahre zwölf goldhaarige Jungfrauen geliefert werden mussten.

Schon lange hatte man mit Ingrimm und unter Tränen diesen verhassten Tribut gegeben, da traf es sich einmal, dass die zwölf Jungfrauen, welche dem Riesen geopfert werden sollten, mit zwölf sächsischen Rittern verlobt waren. Diese wollten ihre Bräute dem Ungetüm nicht überlassen, zogen vor seine Höhle, umschanzten sie mit Reisig, steckten es an und schmauchten den Riesen so lange, bis er erstickte.

Da war man die Landplage los.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
© W. Broemme/www.pixelio.de

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Der Hüttenmeister Böse auf der Saigerhütte bei Hettstedt – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Sonntag, September 19th, 2010

 Der Hüttenmeister Böse auf der Saigerhütte bei Hettstedt

Unterhalb Hettstedt, zwischen dieser Stadt und dem Dorfe Wiederstedt, liegt an der Wipper die Saigerhütte. Ehemals eine Schmelzhütte, ist dieselbe 1688 in eine Saigerhütte zum Schneiden des Silbers vom Kupfer umgewandelt worden und dient gegenwärtig als Maschinenwerkstätte.

In dieser Saigerhütte schaltete und waltete vor vielen Jahren ein Hüttenmeister, von dem alle Welt sagte, er heiße mit Recht Böse, denn er sei auch böse. Am besten wussten das die Hüttenleute, die täglich erfahren mussten, was für ein harter und habgieriger Mann er war. Nicht nur trieb er sie fortwährend mit rauhen Worten zur Arbeit an, sondern kürzte ihnen auch, wo es nur anging, den Schichtlohn und zwang sie außerdem, in seinem Sandsteinbruche am Roten Berge umsonst oder doch für sehr geringen Lohn zu  arbeiten. Weigerte sich des jemand, so war er gewiss die längste Zeit auf der Saigerhütte in Arbeit gewesen.

Mancher heimliche Fluch traf darum den habgierigen Mann. Dieser mochte wohl darum wissen, doch kümmerte ihn das wenig. Vielmehr trieb er nur um so rücksichtsloser die Leute zur Arbeit an, weil kein Segen auf dem von ihm erworbenen Gut ruhte.

pixelio.de - Der Hüttenmeister Böse auf der Saigerhütte bei HettstedtNun war wieder einmal der Lohntag herangekommen, und wieder wollte der Hüttenmeister diesem und jenem den verdienten Lohn kürzen. Da sagte ein alter, braver Mann: "Schwere Arbeit gibt’s genug, dafür aber kaum soviel, dass man sich satt essen kann!"Ob solcher Rede wurde Hüttenmeister fuchswild und schrie: "Ihr faules Volk wollt wohl jeden Sonntag Hirsebrei fressen?" Da sah ihn der alte Hüttenmann fest und entschlossen an und sagte: "Herr Hüttenmeister, sollen wir den auch nicht einmal am lieben Sonntag haben?" "Fresst was anderes!" schrie der Hüttenmeister. Da sagte der alte Mann: "Nun, so wünsche ich, dass Sie einmal in diesem Steinbruch hier, wie wir jetzt, rast- und ruhelos arbeiten müssen, aber zum Wochenlohn nur ein Hirsekorn bekommen; so lange, bis ein Scheffel voll Hirse leer ist!"

So ist’s geschehen. Kaum kam der Hüttenmeister heim, so musste er sich ins Bett legen und schrie in seiner Kammer immer nach dem Hirsekorn, das er als Wochenlohn zu fordern habe. Am dritten Tage ist er gestorben. Seitdem arbeitet er rast- und ruhelos in seinem Steinbruche am Roten Berge um ein Hirsekorn als Wochenlohn. Da der Scheffel bis jetzt kaum zur Hälfte leer ist, wird er sich wohl noch lange plagen müssen.

(Hermann Größler/1880, 1840-1910)

Verwendete Bilder sind von:

Wikipedia (Bild 1 – Petrographische Karte der Grafschaft Mannsfeld – Schulze 1815 – gemeinfrei)

© M.E. (Bild 2 – Hirse) www.pixelio.de

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Die Mütze des Toten – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Sonntag, September 19th, 2010

Die Mütze des Toten

Eine Gesellschaft junger Burschen aus Sangerhausen kam beim Nachhausegehen eines Abends zwischen elf und zwölf Uhr noch über den Sankt-Ulrichs-Platz und sah im Portal der Sankt-Ulrichs-Kirche einen alten Mann stehen, der eine weiße Zipfelmütze aufhatte. Neugierig traten die Burschen hinzu, und einer von ihnen nahm dem Manne lachend die Mütze ab und mit sich nach Hause.

Nachts darauf erschien der alte Mann dem Burschen in seiner Kammer, und nun erkannte dieser in ihm einen unlängst gestorbenen und in der Kirche beigesetzten Pastor. Drohend hob derselbe jetzt die Hände in die Höhe und sprach: "Morgen bringst du mir die Mütze wieder!"

Da der Bursche diesem Befehle nicht nachkam, erschien der Tote in der darauffolgenden Nacht noch einmal und forderte drohender seine Mütze zurück.

Voll Bangens ging der Bursche am darauffolgenden Abend zur Ulrichskirche und fand hier den Pastor schon vor. Mit Zittern setzte er dem stumm Dastehenden die Mütze wieder auf, erhielt aber sofort von demselben eine so derbe Ohrfeige, dass ihm Hören und Sehen verging.

Am folgenden Morgen sah die Backe, auf welche er die Ohrfeige erhalten hatte, ganz schwarz, wie verbrannt, aus, und drei Tage darauf war er tot.

(Hermann Größler, 1840-1910)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Kupferstich, Sangerhausen um 1650 – gemeinfrei)

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Des Mannes Feld – eine Sage aus Sachsen-Anhalt

Freitag, September 17th, 2010

Des Mannes Feld

Kaiser Heinrich, aus dem Siegeszuge gegen die Ungarn zurückgekehrt, saß froh über den glücklichen Ausgang des Kampfes in dem prächtigen Thronsaale seiner Pfalz Wallhausen, umgeben von seinen Räten und den Fürsten und Würdenträgern seines Reiches, und lohnte die Tapfersten der Krieger mit freundlichem Lob und Geschenken an Land und Gut.

Einer der Ritter trat zu ihm heran; er hatte mutig gekämpft und trug manche Narbe in dem bärtigen Gesicht: "Mein Herr und Kaiser", sprach er, "ich bin grau geworden in Eurem Dienste; die Zeit wird kommen, wo die Kraft meiner Arme mich verlässt. Aber ich habe keinen Fußbreit Land, wo ich der Ruhe pflegen könnte im Alter. Wollt Ihr ein Feld mir geben, das ich mit einem Scheffel Gerste umsäen kann?" "Es sei dir gewährt, mein Treuer!" sprach gütig der Kaiser.

Wieder thronte der Kaiser in der Wallhäuser Pfalz, umgeben von Räten und Fürsten und den Mächtigsten des Landes. Da traten seine Höflinge ihn an und sprachen: "Herr, der Ritter hat Euch betrogen, er hat die Gerste dünn herumgesät um eine weite, weite Strecke des fruchtbarsten Landes, und nennt die ganze Strecke sein eigen. Nehmt zurück das Land von dem Betrüger und straft ihn für sein Vergehen!"

Der Kaiser aber antwortete und sprach: "Er hat mich nie betrogen, er hat es auch jetzt nicht getan. Was er umsät hat mit dem Scheffel Gerste, das ist und bleibt des Mannes Feld."

(Gustav Adolph Leibrock, 1819-1878)

Verwendetes Bild ist von:
Wikipedia (Mansfeld um 1650 – Kupferstich – gemeinfrei)

 

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