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Archive for the ‘Sachsen’ Category

Der Dresdner Mönch – eine Sage aus Sachsen

Montag, August 23rd, 2010

pixelio.de - Der Dresdner Mönch

Wie die weiße Frau im Schlosse zu Berlin stets durch ihr Erscheinen den Tod eines Fürsten aus dem Hause Hohenzollern verkünden soll, so sollen sich nach der Volkssage auch ähnliche Vorbedeutungen bei einem dem sächsischen Fürstenhaus drohenden Todesfall zeigen. In Dresden soll früher, so oft ein grauer Barfüßermönch, sein abgehauenes Haupt unter dem Arm und eine brennende Laterne in der Hand tragend, auf dem Wall der Dresdner Bastei und an derjenigen nach der Elbe gelegenen Stelle der früheren Festungswerke, welche die Jungfer oder das grüne Haus genannt ward, sich sehen ließ, dies den Tod eines Gliedes der kurfürstlich sächsischen Linie angezeigt habe.

Dieser Mönch war angeblich früher zweimal an dem oberen Sims des Hauptturms der alten Kreuzkirche an den zwei Ecken der nach dem Wall zugehenden Seite in Stein gehauen. Weil aber auf der nach der Seite der Stadt zugewandten Ecke das Bildnis Christi angebracht war, so dachte man sich unter diesen beiden Mönchsgestalten auch den Teufel und seine Großmutter.

pixelio.de - Der Dresdner Mönch

Gewöhnlich kam er aus dem sogenannten Mönchsbrunnen auf dem Wilsdruffer Wall heraus, der bis 1726 gestanden hat. Den 22. April 1694 hat er sich auch im königlichen Schloss als Anzeichen eines hohen Todesfalles sehen lassen (Johann Georg IV.). Aber auch am 3. Oktober 1698 hat er die Wachen an den Toren von Altdresden geplagt und erschreckt, so dass sie sich von allen Posten einander zu Hilfe riefen und ein Soldat sich nur dadurch mit Mühe vor dem Herabgeworfenwerden in den Graben schützen konnte, dass er sich am Schilderhaus festhielt.

Den Leutnant, der die Runde getan, hat er ebenfalls attackiert, dieser hat aber die Pike gefällt, worauf das Gespenst unsichtbar ward. Darauf ist ein solcher Lärm entstanden, dass man die Trommel rühren und niemand mehr die Wache verrichten wollte, wie aus den im Regimentshaus an diesem Tag getanen Aussagen hervorgeht.

Das Volk erzählte sich damals, jener Mönch habe einst die beiden Brüder Kurfürst Moritz und August an der Stelle, wo jetzt das Moritzmonument steht (und die davon früher die Horche hieß), behorcht und sei zur Strafe dafür geköpft worden; erscheine aber seitdem als ein der kurfürstlichen Familie Unglück verkündender Spukgeist.

Ja, man dachte sich sogar unter dem Bilde des Gottvater unter dem Architraph dieses 1553 von Kurfürst August auf dem sogenannten Hasenberge errichteten allegorischen Monumentes jenen spukhaften Mönch.

Nach einer anderen Sage wäre aber dieser (graue oder braune) Mönch, der klein von Gestalt und sehr friedsam gewesen, übrigens nur die, so ihn geneckt, bestraft hätte, auch zu andern Gelegenheiten häufig im königlichen Schloss sichtbar gewesen. So habe einst ein Kurfürst einen Diener in ein bestimmtes Zimmer geschickt, um etwas zu holen, da habe dieser den grauen Mönch an einem Tische sitzen und schreiben sehen, erschrocken sei er zurückgeeilt und habe seinem Herrn, was er gesehen, gemeldet.

Der Kurfürst sei schnell ohne Begleitung an denselben Ort gegangen, habe auch den Mönch noch schreibend gefunden und ihn gefragt: "Was machst du hier?" Der aber erwiderte: "Ich schreibe deine Sünden auf." Da antwortete der mutige Fürst: "Hat dir Gott die Macht dazu gegeben, so tue es immerhin", und begab sich, ohne andere Fragen zu stellen, aus dem Zimmer.

pixelio.de - Der Dresdner Mönch

Mit diesem Gespenst darf jedoch das sogenannte weiße Gespenst nicht verwechselt werden. Dies war eine lange Frau in weißen Gewändern, welche nach der Volkssage sich früher ebenfalls sehen ließ, wenn ein Todesfall in der kurfürstlichen Familie in der Nähe war. Es zeigte sich besonders auf der Treppe der ersten zur zweiten Etage des ersten Turmes rechts im großen Schlosshof, da wo früher ein geheimes Kabinett und die kurfürstliche Handbibliothek waren. Und so soll dasselbe z.B. den Tod der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georgs II., Magdalena Sybilla, im Jahre 1687 angezeigt haben, wie erzählt wird.

Endlich soll es sonst auch noch auf dem vom Schloss aus in die frühere, jetzt weggerissene, am Bärengarten befindliche Hofapotheke führenden Gange umgegangen sein, doch hat man eigentlich nie wirklich etwas gesehen, sondern furchtsame Personen erzählten nur, dass, wenn sie abends diesen Gang betreten, es gerade so sei, als wenn ein großer weißer Ballen hinter ihnen her gewälzt werde. Über das im Winter 1865-66 in den Zimmern über dem Großen Gewölbe gehörte Geräusch und Poltern ist keine Aufklärung erlangt worden.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Wolfgang Colditz/PIXELIO (Bild 1 – Dresdner Zwinger)
© Marco Barnebeck(Telemarco)/PIXELIO (Bild 2 – Dresdner Kreuzkirche + Bild 3 – Dresden)
www.pixelio de

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Ladung vor Gottes Gericht – eine Sage aus Sachsen

Freitag, Januar 29th, 2010

pixelio.de - Ladung vor Gottes GerichtDen 3. Januar 1636 wurde zu Mittweida Johann Heiydemann, der Rechte Doktor und Praktikus in Neusorge bei Mittweida, und den 31. Mai 1637 Aegidius Hanickel, Wildmeister und Oberförster, Bürger in der Stadt begraben.

Beide hatten sich in der Neusorgischen Kapelle beim Gottesdienste darüber um den Vorrang gestritten, wer obenan stehen solle. Nun hat der Oberförster dem Doktor, als er nach dem Gottesdienst durch das Webertor wieder nach Hause gehen wollen, durch einen dazu bestellten Mann eine tüchtige Ohrfeige geben lassen.

Der hat nun den Oberförster verklagt, aber nichts gegen ihn ausrichten können, ist aber nachmals erkrankt und hat jenen zur Versöhnung ans Krankenbett rufen lassen. Da dieser jedoch nicht gekommen ist, so hat ihn der Doktor mit furchtbaren und schrecklichen Worten vor das Gericht Gottes geladen, worauf er gestorben ist.

Von Stund an aber ist der Oberförster krank geworden und geblieben und endlich am Pfingstmontag, den 29. Mai 1637, gestorben.

(A. C.  Kretschmar)

Verwendetes Bild ist von:
© Michael Lorenzet/www.pixelio.de

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Zu Bautzen hängt man die Diebe zweimal – eine Sage aus Sachsen

Donnerstag, November 5th, 2009

pixelio.de - Zu Bautzen hängt man Diebe zweimal 

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts hat sich ein Student aus Polen nach Budissin gewendet und daselbst eine Weile aufgehalten. Weil er nun ganz schön melancholisch war und mitunter mancherlei wahnwitzige Dinge vornahm, so nannte man ihn gewöhnlich den tollen Bartholomäus. Wie es nun zu geschehen pflegt, dass dergleichen tiefsinnige Personen von gewöhnlichen Leuten häufig verspottet werden, so ging es auch mit diesem polnischen Studenten.

Als ihn nun einmal ein Schuster namens Hienke, wohnhaft an der Seydauer Brücke, nicht wenig verspottet und für ein Paar ihm gefertigte Schuhe die Bezahlung mit großem Ungestüm verlangt hatte, so fragte er den erwähnten Schuster im Eifer, ob er nicht zu seiner Bezahlung dürres Leder annehmen wolle? Der Schuster geht darauf ein.

pixelio.de - Zu Bautzen hängt man Diebe zweimalWas tut nun der tolle Barthel? Er ersteigt an einem Sonnabend (den 17. September 1558) um Mitternacht den vor dem Lauentor befindlichen Galgen, nimmt zwei daran befindliche justifizierte Körper, so fast drei Jahre gehangen hatten, davon ab, trägt solche als ein großer und starker Mensch auf seiner Achsel und unter dem einen Arme im Dunkeln über die Viehweide, den heiligen Geistberg und die Seydauer Brücke an die Drahtmühle und lehnt sodann den einen Körper an die Haustüre des obengenannten Schusters, den anderen aber schiebt er dem dasigen Drahtzieher, dessen Tochter ihn auch verspottet haben sollte, zum Fenster hinein.

Da nun der Schuster am anderen Morgen früh seine Haustür aufmacht, wird er seine dürre Bezahlung sowie der Drahtzieher seine Beschimpfung mit Schrecken gewahr. Beide zeigen diese verwegene und boshafte Tat gerichtlich an. Bartholomäus ward arretiert, vernommen und sodann bei Nacht durch Gerichtsdiener samt seiner großen Bürde Bücher, die er beständig bei sich trug, aus der Stadt weg und über die Grenze geführt.

Der Scharfrichter aber musste auf Befehl die beiden Körper wiederum an Ort und Stelle schaffen und aufs neue aufhängen lassen, wofür er auch den sonst gebräuchlichen Lohn noch einmal bekommen hat. Seit der Zeit sagt man:

"Zu Bautzen hängt man die Diebe zweimal."

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814-1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Verena N./PIXELIO (Bild 1 – Bautzen)
© Peter Bohot/PIXELIO (Bild 2 – Bautzen)
www.pixelio.de

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Das Schneiderminel – ein Märchen aus dem Erzgebirge

Mittwoch, Juli 29th, 2009

 

Das SchneiderminelIn den Zeiten der Armut lebte in dem Dorfe Schlettau ein Schneider mit seiner Frau und dem gemeinsamen Töchterchen Minel.

Nun geschah es, dass eine tückische Krankheit Leid und Kummer in die Häuser brachte und der liebe Gott die Ärmsten der Armen zu sich nahm. Auch Minels Mutter erlag der Schwindsucht und wurde zu Grabe getragen. So musste der Vater allein für sich und sein Kind sorgen. Dennoch waren die beiden zufrieden, hatten einander lieb und gedachten oft der toten Mutter.

Wann immer es ging, lief die Kleine an ihr Grab, legte eine Handvoll Wiesenblumen nieder und weinte ohne ein Wort der Klage. Minel half dem Vater, wo sie nur konnte: machte sich am Herd zu schaffen, fegte die Stube aus, fütterte das Vieh und hielt das Wenige, das sie besaßen, zusammen.

Am Abend hockte sie auf der Ofenbank und sah dem Vater beim Schneidern zu. Nach einiger Zeit nahm sie selbst Nadel und Garn zur Hand und siehe da, auch sie zeigte sich geschickt. Nun fertigte sie für einen geringen Lohn so manch edles Gewand für die ansässigen Herrschaften an. In ihrem Glauben, mehr stehe ihr nicht zu, gab sie sich bescheiden und freute sich über die wenige Habseligkeit, die sie zum Lohne bekam.

An einem Winterabend saß das Mädchen wie so oft über einer Näharbeit. In seinen Händen hielt es ein edles, mit Bändern und Perlen besticktes Gewand. Betrübt sprach es zum Vater: „Was muss es für eine Freude sein, solch ein hübsches Kleid zu tragen. Wie gern würde ich mich darin im Kreise drehen; mich nur ein einziges Mal darin im Spiegel anschauen.“ Dabei blickte es traurig auf seine geflickte, ausgeblichene Schürze, die das unansehnliche Röckchen verbarg.

„Ach Minchen, wenn wir etwas Garn und Linnen übrig haben, bekommst du, was du dir wünschst“, versprach der Vater. Doch die Zeit ging dahin, und nicht ein einziges Stück Faden oder Stoff wollte zurückbleiben.

Eines Tages, es war mitten im kalten Winter, schlang Minel sich ein wollenes Tuch um die Schultern, nahm einen Weidenkorb und ging in den Wald, um Reisig zu sammeln. Der Schnee fiel dicht und reichte der kleinen Maid bis an die Knie. Der eisige Wind trieb ihr die Röte ins Gesicht und ließ ihre steifen Finger rissig werden. Doch das Mädchen stapfte tapfer durch die hohen Schneewehen davon. Unentwegt hauchte es seinen warmen Atem in die klammen Finger, damit sie nicht erfroren. Am Fuße des Scheibenberges kroch es ins Dickicht. Hier fiel der Schnee nur spärlich durch die dichten Baumwipfel, sodass es mühelos Reisig fand. Flink sammelte es die dürren Zweiglein ein und legte sie in den Korb.

Gerade hatte Minel mit ihrer Arbeit begonnen, da erblickte sie ein altes Männchen. Kaum zwei Schuh groß, mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, saß es auf einem derben Ast und winkte herab. „Sei gegrüßt, kleine Maid!“, rief das Männlein mit zarter Stimme. Minel, die freilich nicht wusste, wen sie vor sich hatte, schaute verwundert auf und gab gehorsam Antwort: „Gott zum Gruß, Väterchen! Was seid Ihr für ein seltsamer Winzling?“

„Du kennst mich nicht? Ich bin der Zwergenkönig und man nennt mich Oronomassan.“, erwiderte das Männlein und schlug die gekreuzten Arme gegeneinander, weil es so entsetzlich fror. „Oh, verzeiht mir, Eure Majestät, entschuldigte sich Minel und knickste höflich, „hätt’ ich gewusst, wer Ihr seid, ich hätte Euch gewiss nicht einen Winzling genannt. Aber was tut Ihr hier so allein im Wald? Noch nie ist mir ein Zwerg begegnet.“

„Ich bin auf der Suche nach einer Bleibe. Ich bitte dich, liebes Kind, nimm mich mit in deinem Tragekorb! Hier draußen im Walde ist es fürchterlich kalt, ich bin müde und sehr hungrig.“ Minel nahm das kleine Wesen behutsam auf die Hand. Erst jetzt sah sie, welch zerlumptes Hemdchen und Höschen das Männlein trug. Recht mager, hohlwangig und blass blickte es drein. Wie sehr mochte es wohl hier draußen im Schnee frieren, ohne ein wärmendes Jäckchen und ohne Schuh’. Da tat es ihr leid. Sie griff in ihre Schürzentasche und holte eine Brotrinde hervor.

„Hier, nehmt dies! Das ist alles, was ich bei mir habe. Daheim will ich Euch ein Süppchen kochen, und ein warmes Bett zum Schlafen wird sich auch finden. Ihr sollt es gut bei mir haben!“ „Hab’ Dank, liebes Kind“, sagte der kleine Mann und ließ sich in den Korb setzen. Minel bedeckte ihn mit dem wollenen Tuch, nahm die Trage auf und machte sich auf den Heimweg.

Wie sie so ging, wurde die Kiepe mit jedem Schritt schwerer. Minel konnte sich dies nicht erklären, hatte sie doch während des Weges kein einziges Zweiglein hinzugetan. Dennoch schritt sie mit zunehmender Last durch den verschneiten Wald. Der Weg war plötzlich so weit und wollte nicht enden. Die Kleine verzagte aber nicht, sondern lief entschlossen dem Dorfe entgegen. Als sie keuchend die Gartenpforte erreichte, nahm sie den schweren Korb von den schmerzenden Schultern und trat in die Stube. Sogleich wollte sie nach dem Männlein sehen, hob das Tuch empor und erstarrte. Der Zwergenkönig war verschwunden und an dessen Stelle fand sie einen großen Klumpen gediegenes Silber.

„Vater, sieh nur, Vater!“, rief Minel aus, „ich weiß nicht, wie es kommt, aber das ist das Seltsamste, was mir widerfahren ist.“ Der Schneider lief herbei und sah in die Kiepe. „Welch ein Segen!“, rief er aus und hielt den Schatz in seinen Händen. „Woher hast du diese Kostbarkeit, Tochter?“ Da erzählte Minel, was sich im Walde zugetragen hatte.

„Ja“, sprach der Vater, „schon seit Urzeiten befindet sich auf der Morgenseite des Scheibenberges das ‚Zwergenloch’. Darin hausen neckische kleine Wesen, die ihren Schabernack mit frommen Leuten treiben. Doch manchmal tun sie Gutes wie du nun selbst siehst. Für das Silber werden wir reichlich Stoff und Garn bekommen. Somit soll es uns an nichts mehr fehlen.“

Wenig später machte sich der Schneider auf den Weg zum Krämerladen, besorgte Allerlei, was er für eine gute Arbeit brauchte. Zufrieden kehrte er heim, setzte sich nieder und begann mit Freuden, ein Lodenwams zuzuschneiden. Minel tat es ihm nach. Doch dann hielt sie inne und sah hinaus in die hereinbrechende kalte Winternacht, die nun zarte Eisblumen an die Fensterscheiben malte. Da fiel ihr der Zwergenkönig wieder ein, der gewiss jämmerlich in seinem dünnen Hemdchen fror. Weil sie ein mitleidiges Herz hatte, machte sie sich flugs daran, ein Kleiderbündel für ihn zu nähen. Selbst ein paar wärmende Pantinen aus Ziegenleder legte sie bei.

Tags darauf, als die Glocke zur Kirche rief, machte sich die Maid mit ihrem Bündel auf den Weg. Doch würde sie das Männlein finden? Der Wald war dicht und groß und das Zwergenloch bestimmt so winzig wie dessen Bewohner. Doch kaum stand das Mädchen vor dem Tafelberg, da hörte es schon ein leises Wispern. Vor seinen Augen erschienen so viele Zwerge, dass Minel sie nicht an einer Hand zählen konnte. Zierlich und gewandt scharten sie sich um das Mädchen.

Oronomassan trat hervor und sprach: „Ich habe auf dich gewartet, denn ich war sicher, dass du kommen würdest.“ „Grüß Gott, Eure Majestät!“, knickste Minel, wie es sich vor einem König geziemte. „Ich habe Euch warmes Winterzeug mitgebracht; auch etwas Grütze, ein Fladenbrot und Speck sollt Ihr haben. Da nehmt nur und habt Dank für das gute Silber!“ Der kleine König nahm das Bündel und reichte es an die umstehenden Zwerge weiter. „Du hast wahrlich ein goldenes Herz. Scheust nicht die Mühen und Plagen – dafür möchte ich dich belohnen.“ Kaum hatte er zu Ende gesprochen, da sprangen aus dem Felsen lauter Silbermünzen hervor.

„Nimm, soviel du tragen kannst, sie sollen dein sein, aber wisse sie gut zu gebrauchen!“ Das Mädchen fing ein paar mit den Händen auf und ließ sie in die Schürzentasche gleiten. Die übrigen ließ es achtlos am Boden liegen. Oronomassan hielt der Maid eine Garnrolle entgegen und sprach: „Wickle soviel ab, wie du willst, aber schau nie nach dem Ende!“

Minel versprach’s und bedankte sich artig. Noch ehe sie sich versah, waren die Zwerge verschwunden. Mit den Taschen voller Münzen und dem Knäuel kehrte sie heim.

Fortan lebte der Schneider mit seiner Tochter glücklich und zufrieden. Noch oft wanderte Minel mit einem genähten Kleiderbündel für das winzige Volk hinaus zum Zwergenloch.

Das Garnknäuel, das sollte nie ein Ende finden und wenn es jemand aufbewahrt hat, dann kann man noch heute reichlich Zwirn abspulen.

© Kathrin Dietze (Text und Bild)
http://kathrin-dietze.maerchenbasar.de/

Herzlichen Dank an Kathrin!

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Das Zwergloch im Scheibenberg – eine Sage aus Sachsen (Erzgebirge)

Dienstag, Juni 23rd, 2009

 

An der Morgenseite des Scheibenbergs befindet sich eine unbedeutende Höhle, das Zwergloch genannt. Darin sollen sonst viele Zwerge gewohnt haben, deren König Oronomossan hieß. Sie waren nicht über zwei Schuh lang und trugen recht bunte Röckchen und Höschen. Es schien ihr größtes Vergnügen zu sein, die Menschen zu necken. Sie taten aber auch manchem viel Gutes und halfen vor allem armen Leuten.

Einst ging im Winter ein armes Mädchen aus Schlettau in den am Fuße des Scheibenbergs gelegenen Wald, um Holz zu holen. Da begegnete ihm ein Männchen mit einer goldenen Krone auf dem Haupt. Das war Oronomossan.

pixelio.de - Das Zwergloch im ScheibenbergEr grüßte das Mädchen und rief gar kläglich: "Ach du liebe Maid, lass mich in deinen Tragkorb! Ich bin so müde, es schneit und ist sehr kalt, und ich weiß keine Herberge. Drum nimm mich mit in dein Haus!"

Das Mädchen kannte den Zwergkönig zwar nicht, aber da er gar zu flehentlich bat, setzte es ihn in den Tragkorb und deckte die Schürze über ihn, damit es ihm nicht auf den Kopf schneien sollte. Darauf nahm es den Korb auf den Rücken und trat den Heimweg an. Doch das Männchen im Korb war zentnerschwer, und das Mädchen musste alle Kraft anstrengen, damit die Last es nicht niederdrückte.

Als es zu Hause ankam, setzte es den Tragkorb keuchend ab und wollte nach dem Männchen darin sehen. Aber wer schildert das Erstaunen des Mädchens, als es die Schürze wegzog! Das Männchen war fort, und statt seiner lag in dem Tragkorb ein großer Klumpen gediegenen Silbers!

(Johann August Ernst Köhler, 1829-1903)

Verwendetes Bild ist von:
© erwinfurger/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Teufelsgraben bei Großenhain – eine Sage aus Sachsen

Dienstag, April 14th, 2009

Der sogenannte Teufelsgraben - wahrscheinlich ein uralter Grenzwall, schwerlich aber eine Wasserleitung, wie man auch gemeint hat – ist ein 5 bis 8 Meter breiter und 2 bis 3 Meter tiefer, ungefähr 2 Stunden langer Graben, der, von Westen nach Osten gehend, eine Viertelstunde von den sogenannten Katschhäusern bei Fichtenberg beginnt, nach dem Vorwerke Gohrisch und dann nach Tiefenau zu läuft und endlich in der Nähe des Dorfes Koselitz bei Großenhain aufzuhören scheint.

Die Volkssage schreibt ihm folgenden Ursprung zu:

pixelio.de Der Teufelsgraben bei GroßenhainEs soll nämlich der in dem Dorfe Koselitz befindlichen Mühle sehr oft an Wasser gefehlt haben, so dass der Müller schließlich nur wenig oder gar nichts mehr mahlen konnte. Da geschah es, dass ein fremder Mühlknappe vorsprach und Arbeit verlangte. Allein der Müller, der für den seinigen nichts zu tun und kaum Brot hatte, gab ihm seinen Groschen und wies ihn ab.

Er ging jedoch nicht, sondern erklärte dem Müller, dass er ein Geheimnis wisse, dem Wassermangel abzuhelfen; er werde es ihm sagen, wenn er ihm als Lohn seine Tochter zur Frau gebe. Der Müller schwankte wohl eine Weile und wusste nicht, ob er dem Fremden Glauben schenken sollte.

Dann aber sagte er ihm die Hand des Mädchens zu, wenn er sich verpflichtete, noch im Laufe der Nacht einen Graben herzustellen, der die Mühle für alle Zeiten mit Wasser versehen würde. Der Vertrag wurde ungesäumt geschlossen, und nun entfernte sich der fremde Knappe, um sein Wort zu halten.

Die Müllerstochter aber und ihr heimlich Verlobter, der mit ihr zusammen aufgezogene Müllerknecht ihres Vaters, waren schon recht froh, dass der unheimliche Fremde seines Weges ging, weil sie nicht wussten, was dieser mit ihrem Vater abgemacht hatte. Als die Nacht hereinbrach, vernahm man aus der Ferne ein sonderbares Getöse, das, je später es wurde, sich immer deutlicher vernehmen ließ.

Dem alten Müller begann es gar ängstlich ums Herz zu werden; denn er merkte, mit wem er sich eingelassen hatte. Es dauerte ihn, seine einzige Tochter dem Teufel verlobt zu haben. Als nun von der Seite des Dorfes Tiefenau her das furchtbare Lärmen des Teufels, der mit seinen Gesellen einen Graben von der Elbe her führte, immer näher kam, konnte er es nicht mehr bei sich behalten.

Er schüttete seiner Tochter und dem von ihm längst als treu erkannten Knappen sein Herz aus. So sannen sie alle drei lange hin und her, wie dem drohenden Unglück zu entgehen sei, als endlich dem Mühlknappen ein Mittel einfiel. Er eilte an die Hoftür, und durch nachgeahmten Hahnruf gelang es ihm, den Haushahn zum Krähen zu bringen.

pixelio.de Der Teufelsgraben bei Großenhain

Durch dieses Zeichen des beginnenden Tages war der Müller von seinem Wort entbunden; denn der Teufel war mit seinem Werke noch nicht fertig geworden. Dieser aber, entrüstet über die ihm widerfahrene Überlistung und das Entschlüpfen der jungen, unschuldigen Seele, zerstörte die Wasserleitung wieder. Doch der dankbare Müller gab dem klugen Knappen als Lohn seine Tochter zur Frau.

Und sonderbar! Von diesem Augenblick an hatte der bisherige Mühlbach immer ausreichend Wasser, und das Geschlecht des Müllers blühte noch lange Jahre und hatte nie Mangel an Mahlgästen, die, weil der Müller ehrlich war und blieb, gern dahin kamen.

Noch heute heißt aber eine in der Nähe von Tiefenau liegende öde, sumpfige Waldstelle das Teufelsnest, weil sich der Teufel aus Ärger dorthin zurückgezogen und da seinen Wohnsitz aufgeschlagen haben soll. Er hat jedoch der Müllerfamilie niemals etwas anhaben können.

(Johann Georg Theodor Grässe, 1814 – 1885)

Verwendete Bilder sind von:
© Susanne Schmich/PIXELIO (Bild 1)
© berwis/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Die Zwerge in Leisnig – eine Sage aus Sachsen

Dienstag, Januar 27th, 2009

In Leisnig an der Mulde lag einmal eine Frau nachts im Bett. Da öffnete sich die Tür, und es kam ein Männlein herein, kaum drei Spannen hoch, und trat geradewegs auf sie zu. Als es am Bett war, fragte es, ob es heute hier ein Fest feiern könnte. Darüber war die Frau so erschrocken, dass sie nur mit dem Kopf nickte.

pixelio.de Die Zwerge in Leisnig

Da ging das Männlein fort, und bald darauf kam es wieder und hinter ihm her eine unendliche Schar von Zwergen, von denen jeder – wie ihr Anführer auch – ein Weiblein im Arm hatte. Einige schleppten darauf mühsam kleine, ganz kleine Tische herbei, andere Stühle und Bänke, und nun wurde ein großes Mahl angerichtet. Nachdem sie sich lange vergnügt hatten, verließen sie das Zimmer in derselben Ordnung, wie sie eingetreten waren.

Nur das Männchen, das zuerst gekommen war, ging jetzt zuletzt, und als die andern fort waren, drehte es sich um und sagte zu der Frau: "Wir lassen dir hier zum Dank all unser Gerät zurück!" Darauf entfernte es sich gleichfalls. Die Frau schlief danach wieder ein. Als sie am andern Morgen erwachte, wollte sie doch sehen, was für Gerät die Zwerge hatten, und als sie herzutrat und es sich ansah, war alles von purem Gold.

(Franz Felix Adalbert Kuhn, 1812 – 1881 & Wilhelm Schwartz, 1821 – 1899)

Verwendetes Bild ist von:
© alipictures/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Beil des Zimmergesellen – eine Sage aus Sachsen/Vogtland

Montag, Dezember 15th, 2008

pixelio.de Das Beil des Zimmergesellen

In Reichenbach im Vogtland wurde einst ein neues Haus errichtet. Die Gesellen arbeiteten wacker. Der Dachstuhl war fast fertig, und der Spruchsprecher stand schon mit dem Bänderstrauß bereit, den er auf den Giebel stecken wollte. Da geschah es, dass ein anderer Geselle, eben als er den letzten Schlag mit dem Axtrücken auf den Pflock tun wollte, der die Giebelbalken verbindet, das Gleichgewicht verlor, schwankte, sich nicht halten konnte und herunterstürzte.

Glücklicherweise verlor er mit dem Gleichgewicht nicht auch die Besinnung. Vielmehr war er beim Fallen auf seine Rettung bedacht. Mit gewaltiger Kraft hieb er sein Beil, das er noch in der Hand behalten hatte, so fest in einen Balken, dass er selbst daran hängenblieb und Zeit gewann, sich mit den Füßen anzuklammern.

Keiner brachte das Beil wieder aus dem Balken, und so blieb es als ein Wahrzeichen darin, als nachher das Haus vollends fertig war. Jedem Fremden wurde es gezeigt, und die Zimmerleute waren stolz auf die Kraft und Geistesgegenwart ihres Kameraden.

Viele Jahre lang war das Beil zu sehen, bis ein Brand Reichenbach heimsuchte und auch jenes Haus samt dem Beil des Zimmergesellen verzehrte.

(Ludwig Bechstein, 1801 – 1860)

Verwendetes Bild ist von:
© RainerSturm/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Trompeter in Crimmitschau – eine Sage aus Sachsen

Freitag, Dezember 5th, 2008

An einem Hause zu Crimmitschau in Sachsen - und zwar an einem Fenster des zweiten Stockwerks - hängt ein schwedisches Hufeisen. Man erzählt davon:

Als nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges die Friedensbotschaft durch Deutschland drang und auch in Crimmitschau die Menschen sich darüber freuten, sprengte ein schwedischer Trompeter in solcher Eile durch die Straßen der Stadt, dass sein Pferd ein Hufeisen verlor.

Das Eisen wurde bis in das zweite Stockwerk eines Hauses geschleudert und blieb dort auf dem Fensterbrett liegen. An dieser Stelle hat man es dann befestigt.

pixelio.de Der Trompeter in Crimmitschau

Verwendetes Bild ist von: © Campomalo/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Bergwerk zu Annaberg – eine Sage aus Sachsen (Erzgebirge)

Dienstag, Dezember 2nd, 2008

Im Erzgebirge lebte ein armer Bergmann namens Daniel Knappe. Dieser hatte Weib und Kind und liebte sie sehr; doch wusste er weder Rat noch Hilfe, sie zu ernähren. Er arbeitete und betete, doch seiner Not war kein Ende, und wie auch sein Unglück immer höher und höher stieg, so wich und wankte sein Glaube doch nicht.

Da erschien ihm einmal nachts im Traume ein Engel, der sprach: "Geh hin und such in der tiefsten Stelle des Waldes den Baum auf, in dessen Gezweig silberne Eier ruhen. Du wirst ihn erkennen an seiner Größe; denn kein Baum im ganzen Walde kann sich ihm vergleichen."

pixelio.de Das Bergwerk zu AnnabergDaniel erwachte, fühlte sich gestärkt; der Morgen graute, und eilig drang der arme Bergmann in den Wald hinein. Schon war er in dem tiefsten Dickicht, das noch kein Mensch betreten hatte; da steht der Baum, und rasch sind alle Äste bis zum Wipfel durchsucht, aber silberne Eier zeigen sich nirgends. – "Wie kann, wie werde ich euch zurückkehren, liebes Weib und Kind? Ihr haltet mich noch, sonst stürzte ich mich von hier hinab."

Als er so trauernd und klagend den Baum verlassen will, da steht der Engel ihm zur Seite und spricht: "Gottt ist wahrhaft und hilfreich, wo du auch keinen Ausweg siehst; der Baum hat auch Zweige in der Erde. Dir sei geholfen um deiner Treue und Liebe willen!" Und der Engel verschwand mit diesen Worten. Da durchströmte Hoffnung und Mut von neuem den Unglücklichen, und er grub an dem Fuße des Baumes.

Von seinen Wurzeln durchflochten, lagen da reiche Silberstufen vor dem Blicke des staunenden Bergmanns; es war ihm samt Weib und Kind für immer geholfen.

In dieser wilden, waldigen Gegend erhob sich bald danach Annaberg, die freundliche Stadt, zu der unter der Regierung des Herzogs Georg des Bärtigen im Jahre 1496 den 21. September der Grundstein gelegt wurde.

pixelio.de Das Bergwerk zu Annaberg

(Ferdinand Bäßler)

Verwendete Bilder sind von:
© gpalm/PIXELIO (Bild 1)
© Bodo Jacoby/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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