Schinderhannes und das Kind – eine Sage aus Nordrhein-Westfalen
Mittwoch, Juli 8th, 2009 
Einst trieb sich in der Gegend von Feuersbach ein Mann umher, der Schinderhannes genannt wurde. Er jagte den Bewohnern Angst und Schrecken ein; denn er raubte und mordete. Vor allem hatte er es auf die Reichen abgesehen. Den Armen dagegen tat er nichts zuleide, sondern gab ihnen von dem, was er den Reichen genommen hatte.
Eines Tages ging ein Mädchen durch den Wald auf Feuersbach zu. In seiner Rechten trug es einen Korb. Es hatte große Angst und weinte; denn es fürchtete sich vor dem Schinderhannes, von dem seine Mutter ihm gerade am Tage zuvor erzählt hatte. Als das Kind ängstlich zwischen den hohen Stämmen einherschritt, stand plötzlich ein wild aussehender Mann vor ihm.
Die Kleine wäre am liebsten in den Boden gesunken. Ihr Herz klopfte vor Furcht zum Zerspringen. Der Langbärtige fragte sie mit freundlicher Stimme, warum sie weine. Da antwortete das Mädchen: "Ich habe solch große Angst vor dem Schinderhannes."
Der Mann versuchte dem Kind seine Furcht auszureden und begleitete es bis an den Rand des Waldes. Dabei trug er ihm den schweren Korb. Nach und nach wurde die Kleine zutraulicher; sie hielt nämlich ihren Begleiter für einen Köhler.
Als die beiden den Waldessaum erreicht hatten, stellte der Mann den Korb auf die Erde und sagte: "So, Kind, nun gehe heim! Grüße deine Mutter von mir und sage ihr, dass dir der Schinderhannes den Korb getragen hat."
Darauf verschwand er so ungesehen, wie er gekommen war. Das Kind lief den Berg hinab, dem Elternhaus zu, so schnell es seine Beine zu tragen vermochten.
(Gerhard Schrey)
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Einst brachten einige Räuber zu Schinderhannes einen Menschen, der in die Bande aufgenommen sein wollte. Um den Beweis zu liefern, dass er als Räuber zu gebrauchen sei, gab er an, er habe schon verschiedene Meuchelmorde auf dem Gewissen, auch habe er einer Witwe mit fünf Kindern durch falschen Eid das Vermögen abgeschworen.
Einen alten Bedienten hörte Schinderhannes über die Misswirtschaft des Barons K. klagen. Der Baron sei der reinste Wüterich; er schlage seine Dienerschaft, verprasse das Geld seiner Frau mit leichtfertigen Frauenzimmern und das arme Weib müsse ihnen bei den wüsten Gelagen auch noch aufwarten; sie sei viel schlimmer daran als eine Dienerin.
Die Räuber, die Schinderhannes begleiteten, lagerten im Kreis und sprachen tapfer der Flasche zu. Plötzlich hörten sie in der Nähe drei Menschen schreien, die von einigen Räubern mit Gewehrkolben vorwärtsgetrieben wurden. Als die drei – ein älterer Mann, ein Bursche und ein Mädchen – vor Schinderhannes erschienen, herrschte er die Leute an: 

Doch Schinderhannes rief: 



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Zur Zeit des Räuberhauptmanns Johannes Bückler - genannt Schinderhannes - wurde an den Grenzstationen viel Unfug getrieben. Die Schmuggelei stand in voller Blüte, und die Zollbeamten, die recht oft wechselten, nahmen an Gebühren, was sie gerade bekommen konnten.