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Archive for the ‘Schleswig-Holstein’ Category

Die Gongers – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, November 28th, 2009

In Keitum auf Sylt starb einmal eine Frau vor ihrer Entbindung. Da ist sie mehrere Male dem Knecht des Predigers erschienen und hat nicht eher Ruhe im Grabe gehabt, als bis man ihr Schere, Nadel und Zwirn ins Grab gelegt. So tut man bei Frauen in Nordfriesland gewöhnlich.

pixelio.de - Die Gongers

Es gibt da überhaupt manche Wiedergänger oder Gongers. Denn wer unschuldig ermordet ist oder Grundsteine versetzt und Land abgepflügt hat, findet keine Ruhe im Grabe. Ebenso müssen auch die Gotteslästerer und wer sich selbst verflucht und die Selbstmörder wiedergehen. Einem solchen Gonger darf man nicht die Hand reichen. Sie verbrennt, wird schwarz und fällt ab.

Wenn einer von der Verwandtschaft auf der See ertrunken ist, meldet er es nachher den Anverwandten. Wem ein solcher Gonger begegnet, der erschrickt nicht, sondern wird vielmehr betrübt. Der Gonger meldet sich aber nicht in der nächsten Blutverwandtschaft, sondern im dritten oder vierten Gliede.

In der Abenddämmerung oder bei Nacht lässt er sich sehen in eben der Kleidung, worin er ertrunken ist. Er sieht dann zur Haustür herein und lehnt sich mit den Armen darauf, geht auch sonst im Hause herum, verschwindet aber bald und kommt am folgenden Abend um dieselbe Zeit wieder. Nachts öffnet er gewöhnlich, in schweren aufgezogenen Stiefeln, die voll Wasser sind, die Stubentür, löscht mit der Hand das Licht aus und legt sich dem Schlafenden auf die Decke. Am Morgen findet man einen kleinen Strom salzigen Wassers, das dem Ertrunkenen von seiner Kleidung abgetröpfelt ist, in der Stube. Lassen die Verwandten durch dieses Zeichen sich noch nicht überreden, so erscheint der Gonger so lange wieder, bis sie es glauben. Der Gonger gibt auch andere Zeichen.

pixelio.de - Die GongersMan erzählt: Ein Schiffer mit zwei Söhnen segelte von Amrum aus mit Saat nach Helgoland. Der jüngste Sohn hatte gar keine Lust zu der Reise. Er flehte seine Mutter an: "O Mutter, lass mich doch zu Hause bleiben, ich mag nicht mit!" "Ich kann ja nichts dazu tun", sprach die Mutter, "dein Vater will es." Der Sohn musste also mit. Als sie auf dem Weg zum Hafen in Bosk über den Steindamm gingen, sagte er zu seiner Mutter und den andern, die ihn begleiteten: "Denket an mich, wenn ihr über diese Steine geht."

Noch in derselben Nacht verunglückten sie. Des Schiffers Schwester wohnte bei ihm im Hause. Nachts hatte sie ihr weißes Brusttuch vor dem Bette liegen. Am Morgen fand sie drei Tropfen Bluts darauf. Da fühlte sie, dass die Ihrigen umgekommen und sie in der Nacht bei ihr gewesen seien.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818 – 1884)

Verwendete Bilder sind von:
© BirgitH/PIXELIO (Bild 1)
© Irene Lehmann/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Uklei – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Freitag, November 6th, 2009

pixelio.de - Der Uklei 

Nicht weit von Eutin mitten in einem Buchengehölz liegt ein kleiner See, der Uklei. Sein dunkles Wasser ist immer still und unbewegt, und es sieht alles um ihn her so recht traurig und schwermütig aus. Der See ist nicht immer dagewesen; doch es ist schon lange her, dass er entstanden ist.

Oben auf dem Hügel, wo jetzt das Sommerhaus steht, stand früher eine Burg, in der ein junger, schöner, aber wilder Ritter hauste. Er liebte nichts mehr als die Jagd, und jeden Morgen früh begab er sich in den Wald. Da begegnete ihm oft eines armen Bauern Tochter. Sie musste jeden Morgen ihres Vaters Pferde in den Wald und auf die Weide treiben.

Der Ritter ward bald durch ihre Schönheit von heftiger Liebe entzündet, aber das Mädchen wies seine Bitten und seine Geschenke zurück, und auf alle seine Bewerbungen gab sie zur Antwort, dass sie doch nimmer seine Frau werden könnte, da sie nur eines armen Mannes Tochter sei. Und doch hatte das Mädchen den schönen Ritter längst liebgewonnen.

pixelio.de - Der UkleiEines Morgens, da er sie wieder mit seinen Bitten und Versprechungen verfolgte, waren sie zu einer Senkung im Walde gekommen, wo eine kleine Kapelle stand. Da führte der Ritter das Mädchen hinein, und vor den Altar tretend sprach er: "Hier vor Gottes Angesicht nehme ich dich zu meinem Ehegemahl, und der Himmel soll mich an dieser Stätte vernichten, wenn ich dir nicht treu bleibe und mein Wort halte."

Das Mädchen glaubte seinem Schwure, und an jenem Morgen trafen sie sich nun im Walde. Als das Mädchen aber den Ritter an sein Versprechen erinnerte, vertröstete er sie anfangs, bald blieb er ganz aus und kam nicht wieder. Als sie sich nun verlassen sah, da legte sie ein schwarzes Kleid an, grämte sich, ward krank und starb in kurzer Zeit.

Der Ritter hatte sich unterdes mit einer reichen Gräfin verlobt, und der Hochzeitstag ward bestimmt. Sie sollten in der kleinen Kapelle im Walde getraut werden. Als der Prediger aber seine Rede gehalten hatte und das Brautpaar eben zusammengeben wollte, da ist der Geist des unglücklichen Mädchens erschienen, hat drohend gegen den Bräutigam den Finger erhoben, und als dieser vor Schrecken umsank, brach augenblicklich ein solches Unwetter mit Donner und Regen los, als wenn der Himmel einstürzen wollte.

Da ist die Kapelle mit allen, die darin waren, versunken, und der See steht seit der Zeit an dem Orte. Nur der Prediger, die Braut und ein kleines unschuldiges Mädchen, die auf die hölzernen Stufen des Altars getreten waren, wurden gerettet. Zuweilen aber bei stillem Wetter gegen Abend klingt noch der Ton des Glöckleins der Kapelle aus dem Wasser herauf.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818 – 1884)

Verwendete Bilder sind von:
© knipseline/PIXELIO (Bild 1)
© Martin Ostheimer/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der Priwall bei Travemünde – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Freitag, November 6th, 2009

 

pixelio.de - Der Priwall bei TravemündeDer Priwall bei Travemünde ist jedem bekannt, der einmal den Leuchtturm bestiegen. Der Priwall bildet gleichsam eine Scheidewand, welche die Mündung der Trave deckt und beschützt, und die Sage will ihn durch das Geschlecht der Riesen, welches sich hier ehemals niedergelassen, entstanden wissen, freilich nicht in wohlberechneter Weise und zu gutem Zwecke.

Sie ließen nämlich, um sich die Langeweile zu vertreiben, Steine über die Oberfläche des Wassers schießen, wie es die Knaben mit flachen Kieselsteinen zu tun pflegen. Zuletzt, als sie so viele Steine zusammengeworfen hatten, dass die Trave abgedämmt wurde, stellten sie den freien Abfluss des Wassers wieder her, indem sie die Steine auftürmten und ihr Werk "Priwall" nannten.

Die Hanse hat sich dessen in ihren Kriegen mit gutem Erfolg bedient.

(L. Frahm)

Verwendetes Bild ist von:
© memephoto (Leuchtturm Travemünde)/www.pixelio.de

 

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Das alte Plön – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Sonntag, November 1st, 2009

Das alte Plön

Der Berg, auf dem das Plöner Schloss steht, ist mit Schiebkarren zusammengefahren, und jeder Arbeiter erhielt damals täglich einen Schilling. von dem Berge aber steht nun nur noch ein kleiner Teil. Denn bei einem Erdbeben versank die eine Hälfte nebst dem alten Schlosse und einem Teil der Stadt in den See.

Anfangs hörte man noch die Glocken des Turmes läuten, der mit versunken war, und Fischer sollen ihn noch bei klarem Wetter erblicken. Ein alter Mann erzählte, er habe einmal am großen See einen Haufen Stecknadeln gefunden, so groß wie ein Maulwurfshügel. Die rührten noch von der alten Stadt her.

Bei diesem Erdbeben gewann der See überhaupt sehr an Umfang. Alte Leute wissen zu erzählen, dass zwischen Godau und Bosau, wo jetzt eine große Bucht ist, früher gar kein Wasser war, sondern nur eine kleine Au in den See floss, die so seicht war, dass man über einem hingelegten Pferdekopf hinüberging. Von dieser bösen Au hat Bosau später seinen Namen erhalten.

Den Wirkungen des unterirdischen Feuers verdankt auch Ascheberg seinen Namen.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818 – 1884)

Verwendetes Bild ist von:
© Dana (Schlossberg in Plön)

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Hexen als Katzen – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, Oktober 31st, 2009

pixelio.de - Hexen als Katzen 

Als mein Vater noch ein Knabe war, passierte hier folgende Geschichte, erzählte eine alte Frau in Kiel. In einem Hause auf dem Walkerdamm, das einem Manne namens Arp gehörte, war mehrere Tage schon ein gewaltiger Lärm von Katzen auf dem Boden gewesen.

Eines Abends will das Dienstmädchen Heu vom Boden für die Kühe herabholen. Da das Geheul der Katzen fortdauerte, sagte sie: "Du verdammte Katt, wat jaulst du so?" und wirft dann mit dem Tückhaken nach der Katze. Wie das eben geschehen ist, fahren alle Katzen auf das Mädchen los, zerreißen und beißen sie, und machen sie ganz zuschanden.

Das Mädchen schrie und jammerte, aber es dauerte noch etwas, ehe die Herrschaft es hörte und hinaufkam. Da konnten sie kaum die Katzen von dem Mädchen loskriegen. Das Mädchen war davon sterbenskrank geworden. Es hielt zehn bis elf Wochen an; die Doktoren konnten ihr nicht helfen und im Hause war jede Nacht ein schrecklicher Lärm, die Katzen schrien und miauten, auch die Kühe brüllten beständig, keiner wagte sich auf den Boden.

Da hörten die Leute endlich, daß ein Mann auf Dorfgaarden wohne, Namens Thöming, der so was verstehe. Sie ließen ihn holen, und als er die Kranke sah, so sagte er, er wolle bald helfen. Er setzte sich darauf vor das Bett, drückte aus einer Wunde des Mädchens etwas Blut, und fing dann an zu lesen aus einem Buche. Da kamen alle Katzen in die Stube über die Schwelle gepurzelt nacheinander bis vor das Bett, gewiß zehn Stück; dann hat er wieder gelesen und sie eben so wieder hinausgelesen.

Am andern Morgen war die nächste Nachbarin ebenso zerrissen, wie das Mädchen; denn sie war eine Hexe gewesen und nun hatte der Mann die Katzen durch das Lesen gezwungen, sie auch so zu zerreißen. Von dieser Zeit an war alles ruhig im Hause, das Mädchen ward wieder gesund, aber hinkte davon.

Als ich ein kleines Kind war, habe ich sie noch gekannt, sagte die alte Frau.

Durch Herrn Student Volbehr.
(Karl Viktor Müllenhoff, 1818-1884)

 

Verwendetes Bild ist von:
© Petra Morales/www.pixelio.de

 

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Die keusche Sylterin – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, Oktober 31st, 2009

pixelio.de - Die keusche Sylterin 

Auf der südlichen Halbinsel Sylts, die Hörnum heißt, erhebt sich eine gewaltige Düne von mehr als hundert Fuß Höhe und einer halben Stunde im Umfang. Sie heißt der Bruder, weil ehemals da in einer Meeresbucht Fischerbuden standen, die die Fischer von Sylt im Frühjahr und Herbst benutzten, welche aber auch wohl Seeräubern zum Schlupfwinkel dienten.

Hier in dem versteckten Ankerplatz landeten einst schwedische Seeräuber. Zwei Jungfrauen waren eben in jenen Hütten mit dem Reinigen und Einsalzen gefangener Fische beschäftigt. Die Männer waren alle draußen auf der See und fischten. Sobald sie darum die Ankunft der Schweden bemerkten, flohen sie, nichts Gutes ahnend, nordwärts längs dem Ufer dem nächsten Dorfe zu.

Glücklich erreichte die eine das Dorf Nieblum, das weiland südwestlich von dem jetzigen Ratum lag. Die andre aber, nicht so schnellfüßig, ermüdete bald auf dem anderthalb Meilen langen Wege und sah die lüsternen Räuber ihr immer näher kommen. Am Ende musste sie erkennen, dass ihr nichts mehr übrigblieb, als entweder sich ins Meer zu stürzen oder ihre jungfräuliche Ehre hinzugeben.

Eben glaubten die Räuber ihre Beute sicher in Händen zu haben, als das Mädchen der See zueilte und vor ihren Augen in der Tiefe verschwand.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818-1884)

Verwendetes Bild ist von:
© Maren Brettmeier/www.pixelio.de

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Der ruchlose Edelmann – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Mittwoch, Juli 22nd, 2009

pixelio.de - Der ruchlose Edelmann

Zwei Meilen von Eutin entfernt wohnte ein Edelmann. Er hatte schon mit eigener Hand elf Menschen getötet und war so ruchlos, dass er einmal schwur, er wollte des Teufels sein, wenn er nicht das Dutzend vollmachen würde.

Als er nun bald darauf halb trunken zu Eutin hinausgeritten kam, begegnete ihm von ungefähr ein Bauer, dem er gram war. Sogleich spornte er sein Pferd an und rief: "Du kommst mir zur rechten Zeit und sollst der zwölfte sein!"

Der Bauer schrie in seiner Not um Hilfe und warf sich hinter einem nahen Stein nieder, um dem Hieb des Edelmanns auszuweichen. Der Edelmann sprengte in voller Wut auf ihn ein, stürzte und brach sich den Hals. Die beiden Vorderhufe des Pferdes mit dem Eisen sind bis auf den heutigen Tag auf dem Stein zu sehen.

Verwendetes Bild ist von:
© Uschi Dreiucker/PIXELIO
www.pixelio.de

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Martje Floris’ Gesundheit – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, Juli 4th, 2009

 

pixelio.de - Martje Floris' GesundheitIn Eiderstedt hat man die Sitte, bei jedem frohen Mahle "Martje Floris’ Gesundheit" auszubringen und darauf anzustoßen und zu trinken. Das ist wahrlich eine gute Sitte, die sich auch schon über die Grenzen der Landschaft verbreitete und nimmer sollte vergessen werden.

Als nämlich Tönning im Jahre 1700 belagert ward, hatte eine Gesellschaft von feindlichen Offizieren auf einem Hofe in Cathrinenheerd, in der Nähe der Stadt, Quartier genommen und wirtschaftete nun da arg. Sie ließen Wein auftragen, setzten sich an den Tisch und zechten und lärmten, ohne auf die Hausleute viel zu achten, als wären sie selber die Herren.

Martje Floris, die kleine zehnjährige Tochter vom Hause, stand dabei und sah mit Unwillen und Bedauern dem Treiben zu, weil sie der Trübsal ihrer Eltern gedachte, die ein solches Leben in ihrem Hause dulden mussten.

Da forderte endlich einer der übermütigen Gäste das Mädchen auf, heranzukommen und auch einmal eine Gesundheit auszubringen. Was tat nun Martje Floris? Sie nahm das Glas und sprach: "It gah uns wol up unse ole Dage."

Und von dieser Zeit an trennen sich in Eiderstedt selten Gast und Wirt, ohne des Mädchens und seines Trinkspruchs zu gedenken, und jeder versteht’s, wenn es heißt: "Martje Floris’ Gesundheit!"

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818-1884)

Verwendetes Bild ist von:
© R.B./PIXELIO
www.pixelio.de

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Topphalten – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, Juli 4th, 2009

 

König Friedrich III. weilte einst in Rendsburg und machte von da aus kleine Reisen nach den Städten und Rittergütern in Holstein.

Einmal war er nur von einem alten General und einem Bedienten begleitet. Er hatte in Westerrönfeld Vorspannpferde genommen, und ein großer Junge von dort begleitete ihn als Kutscher.

Als sie nun auf den alten Hansberg zwischen Rendsburg und Jevenstedt kamen, gab der Bediente dem Jungen Prügel, weil er zu langsam fuhr. Da sprang der Junge vom Pferd und lief über den Wall in die Koppel. Der König kam dadurch in große Verlegenheit; denn der Bediente konnte nicht fahren, er selber auch nicht und der alte General ebenfalls nicht.

Also mussten sie auf dem Wege halten. Da gaben sie dem Jungen gute Worte und versprachen ihm, dass ihm fernerhin kein Leid geschehen sollte. Der aber lachte und sagte: "Föhrt ji man sülben, ik will mi nich slagen laten!" ("Fahrt ihr nur selber, ich will mich nicht schlagen lassen!")

Da stieg der König aus dem Wagen, ging ihm entgegen und wiederholte seine Bitte. "Wenn du mi verspreken wullt", sagte der Junge, "dat de Kerl dar, den du bi di hest, mi nich wedder slagen schall, denn will ik wedderkamen, un dat ik seker bün, schast du mi toppholen!" ("Wenn du mir versprechen willst, dass der Kerl da, den du bei dir hast, mich nicht wieder schlagen soll, dann will ich wiederkommen, und damit ich sicher bin, sollst du mir topphalten!")

pixelio.de - Topphalten

Nun musste der König da auf dem alten Hansberge den Daumen in die Höhe halten; denn das heißt "topphalten" und ist soviel wie ein Eidschwur. Darauf erst ging der Junge wieder zu den Pferden, und sie fuhren weiter.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818-1884)

Verwendetes Bild ist von:
© Rike/PIXELIO
www.pixelio.de

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Der Mantel in der Bülderuper Kirche – eine Sage aus Schleswig-Holstein

Samstag, Juli 4th, 2009

 pixelio.de - Der Mantel in der Bülderuper Kirche

Westlich von Apenrade zwischen Tolstedt und Bollersleben erstreckt sich von Hadersleben nach Flensburg ein Landrücken, der von alters her Wornhöi oder Urnehöved heißt. Hier wurden einst die alten schleswigschen Landtage unter freiem Himmel gehalten, wie die holsteinschen zu Bornhöved. Die Herzöge wurden hier von Adel und Bauern gewählt.

Nun war einmal dort im Land ein alter König, der zwei Söhne hatte. Der älteste kümmerte sich um die Regierungsgeschäfte wenig, zog außer Landes und kehrte erst nach Hause zurück, als der Vater gestorben war. Als er diesem als König folgen wollte, machte ihm der jüngere Bruder, der zu Hause geblieben war, dieses Recht streitig.

Endlich kamen beide überein, die Entscheidung dem ältesten Hardesvogt (Verwalter einer Harde; Harde: Bezeichnung für einen mehrere Dörfer umfassenden Verwaltungsbezirk) im Lande zu übertragen. Dies war Nis Hansen auf Heistruphof. Er erhielt den Auftrag, an einem bestimmten Tag das Urteil zu sprechen. Der kluge Mann sah wohl ein, dass – wie auch sein Spruch ausfallen möge – er sich immer einen der beiden Brüder zum Feinde machen werde. Er sann daher darauf, wie er den schlimmen Folgen für sich entgehen und sich mit einer List vor Gefahr sichern könnte.

pixelio.de - Der Mantel in der Bülderuper KircheDer Hardesvogt hatte ein schönes milchweißes Pferd. Das fütterte er ein ganzes Jahr lang alle Tage mit Semmeln und Milch und führte es oft heraus. Er übte es so im Springen und Rennen, dass keines ihm an Kraft und Schnelligkeit gleichkam. Er selber aber kaufte sich einen großen, dicken, rotwollenen Mantel, und als der Tag des Things (Volksversammlung, Gerichtstagung) kam, hüllte er sich darein, setzte sich auf sein Pferd und ritt hinauf an den bestimmten Ort, der eigens dazu mit Steinen gebrückt worden war.

Die beiden Prinzen, begleitet von ihren Anhängern, die alle bewaffnet waren, hielten dort schon. Nun kam der Hardesvogt auf sie zu und rief mit lauter Stimme: "Des Landes Leute halten es mit dem Landeskinde!" Damit wollte er sagen, dass der jüngere der beiden Brüder, der im Lande geblieben war, des alten Königs Nachfolger sein sollte.

Nach diesen Worten warf der Hardesvogt rasch sein Pferd herum und eilte auf Bollersleben zu. Die Reiter des älteren Prinzen aber stürzten ihm nach und überschütteten ihn mit einem Hagel von Pfeilen. Doch des Hardesvogts roter Mantel blähte sich auf und schützte ihn. So kam er dem Dorfe nahe, wo mehrere Wagen im Wege standen und die Straße sperrten.

Als die Bauern den Vogt mit seinem Pferd herankommen sahen, wollten sie ihm Platz machen. Allein er litt es nicht, rief ihnen zu, sie sollten alles stehen lassen, und setzte mit seinem Pferd darüber hinweg. So kam er seinen Verfolgern weit voraus und erreichte einen dichten Wald. Dort hielt er sich so lange verborgen, bis er sich hervorwagen und ungefährdet nach Hause zurückkehren konnte.

Aus Dankbarkeit schenkte der junge König dem Hardesvogt für seinen Hof die Freiheiten, die Heistruphof noch lange Zeit hindurch genoss. Der große Mantel, der ganz schwer von den Pfeilen und wie gespickt damit war, wurde zum Andenken an die glückliche Rettung in der Bülderuper Kirche aufgehängt. Dort hing er bis zum Jahre 1786, fiel dann schließlich ganz vermodert in Fetzen herunter und wurde mit dem Schutt hinausgefegt.

(Karl Viktor Müllenhoff, 1818-1884)

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© Jürgen Weingarten/PIXELIO (Bild 1)
© Christoph Aron (Pixelmaster-X,deep-pixel)/PIXELIO (Bild 2)
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