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Archive for the ‘Störtebeker’ Category

Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer – eine Sage aus Mecklenburg-Vorpommern

Montag, Januar 31st, 2011

pixelio.de - Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer 

Dicht bei Stubbenkammer auf Rügen erhebt sich am Strande des Meeres der Waschstein. In einer Höhle unter demselben hat vor Zeiten der berüchtigte Seeräuber Störtebeck seine Niederlage gehabt; dorthin zog er, um von seinen Räubereien auszuruhen, mit seiner Bande, welche im Lande den Namen Vitalienbrüder hatte; dort verbarg er seine großen geraubten Schätze. Dieser Zufluchtsort war allen seinen Verfolgern unbekannt, und er war deshalb in demselben sicher vor Verfolgung.

In dieser Höhle ist es noch jetzt nicht geheuer, und man trifft allnächtlich um Mitternacht einen seltsamen Spuk darin. Insbesondere sieht man oft eine trauernde Jungfrau daraus hervorkommen, mit einem blutigen Tuche in der Hand. Mit demselben begibt sie sich an das Wasser, um die Blutflecken herauszuwaschen. Aber dies will ihr nicht gelingen, und sie geht dann seufzend in die dunkle Höhle zurück.

Von dieser Jungfrau erzählt man, dass sie ein vornehmes Fräulein aus Riga gewesen sei. Die hat Störtebeck einmal auf einem Raubzuge nach Livland gefangen und mit sich weggeführt, gerade als sie ihrem Bräutigam sollte angetraut werden. Der deutsche Ordensmeister hat ihn zwar mit vielen Schiffen verfolgt, ihn aber nicht einholen können. Darauf hat Störtebeck sie in die Höhle am Waschstein gebracht, und wie er wieder zu einem neuen Zuge in See gegangen, hat er sie darin samt allen seinen geraubten Schätzen eingeschlossen.

Die Jungfrau am Waschstein bei Stubbenkammer

Von diesem Zuge ist er aber nicht wieder heimgekehrt; denn es war im Jahre 1402, und in diesem selbigen Jahre wurde er mit 711 seiner Spießgesellen von den Hamburgern nach einem blutigen Treffen eingefangen und nach Hamburg gebracht, wo sie sämtlich hingerichtet wurden. Die Jungfrau musste darauf, weil niemand sie befreien konnte, in der Höhle am Waschstein einen schrecklichen Tod sterben, und sie hat noch immer bei den Schätzen, die sie bewacht, keine Ruhe finden können.

Vor vielen Jahren sah sie einmal ein Fischer, wie sie unten am Waschstein stand und das blutige Tuch vergebens in das Meer eintauchte und vergebens die Blutflecken herauszuwringen suchte. Er fasste sich ein Herz und ruderte näher zu ihr hin, und redete sie an mit den Worten: "Gott helf, schöne Jungfrau! Was machst du so spät hier noch allein?" Die Jungfrau verschwand darauf; aber der Fischer war wie von einer Zauberei befangen, so dass er nicht von der Stelle konnte.

Und wie nun Mitternacht kam, da sah er die Jungfrau wieder; sie trat zwischen den Kreidefelsen hervor auf ihn zu und sprach zu ihm: "Weil du ‘Gott helf’ zu mir gesprochen, so ist dein Glück gemacht; folge mir nach!" Damit kehrte sie zwischen die Felsen zurück, und er folgte ihr in eine große weite Höhle, die er vorher noch nie gesehen. Darin lagen unermessliche Haufen von Silber, Gold, Edelsteinen und Kostbarkeiten aller Art.

pixelio.de - Die Jungfrau am Waschstein

Wie der Fischer die noch überschaute, so hörte er auf einmal auf der See Ruderschlag, und als er sich danach umblickte, da sah er ein großes schwarzes Schiff nahen; aus demselben stiegen an die tausend Männer, alle in dunkler, alter Tracht und alle das Haupt unter dem Arme tragend. Die schritten still und ohne ein Wort zu sprechen in die Höhle hinein und fingen an, in den geraubten Schätzen zu wühlen und sie zu zählen.

Das waren die Geister des geköpften Störtebeck und seiner Genossen; sie kommen jede Nacht so dahin und zählen ihren Raub, ob er noch vorhanden ist. Nachdem sie lange in dem Golde herumgewühlt hatten, verschwanden sie alle wieder; und nun füllte die Jungfrau dem Fischer einen Krug mit Gold und Edelsteinen, dass er zeitlebens der Reichtümer genug hatte. Darauf geleitete sie ihn zu seinem Schiffe zurück, und als er sich wieder nach ihr umsah, war sie zusamt der Höhle verschwunden.

Oben auf dem Waschstein kann man auch alle sieben Jahre ein Meerweibchen sehen, die dann aus der See steigt, um sich oben auf dem Steine in der Sonne zu waschen.

(Heinrich Stahl alias Jodocus Donatus Hubertus Temme, 1798-1881)

Verwendete Bilder sind von:
© Didi01/PIXELIO (Bild 1)
© Stefan Kollekowski/PIXELIO (Bild3)
www.pixelio.de

Wikipedia (Bild 2 – Hinrichtung der Vitalienbrüder auf dem Grasbook in Hamburg (1401), Hamburger Staatsarchiv – gemeinfrei)

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Die Sage vom Störtebeker

Samstag, Januar 24th, 2009

pixelio.de Die Sage vom Störtebeker

Als die Dänenkönigin Margarete im Jahr 1389 den Schwedenkönig Albrecht und dessen Sohn Erich bei Falköping besiegt und gefangengenommen hatte und sodann Stockholm belagerte, rüsteten Albrechts Verwandte – die Herzöge von Mecklenburg - in Rostock und Wismar Freibeuter aus. Diese Scharen, unter denen sich ebenso Ritter wie auch Bürger und Bauern befanden, nannte man Vitalienbrüder oder Viktualienbrüder, weil sie das hart bedrängte Stockholm auf dem Seewege mit Lebensmitteln – nach dem Lateinischen als "Viktualien" bezeichnet – versorgten.

pixelio.de Die Sage vom StörtebekerSpäter wandten sich diese Seefahrer ganz der Seeräuberei in der Nord- und Ostsee zu. Da sie ihre Beute gleichmäßig untereinander verteilten, wurden sie auch Likedeeler (Gleichteiler) genannt.

Von ihren beiden Anführern Claus Störtebeker und Gödeke Michael weiß die Sage viel zu berichten. Der erstere soll ein gewaltig großer, riesig starker Mann gewesen sein, der eiserne Ketten sprengen und Hufeisen zerbrechen konnte. Den Namen Störtebeker erhielt er, weil es ihm ein leichtes war, einen ganz großen Becher mit einem Zug zu leeren.

Wie Fischer auf Rügen erzählten, soll Gödeke Michael ein Knecht des Gutes Ruschwitz auf Jasmund gewesen sein und Störtebeker aus der Gegend von Barth in Pommern gestammt haben.

Viel weiß man in Ostfriesland von ihnen zu berichten. Nach ihrer Vertreibung aus der Ostsee fanden sie dort – wie in Oldenburg und im Groninger LandZuflucht und trieben mit den Bewohnern, denen sie ihr Raubgut verkauften, einen lebhaften Handel. Am meisten hielten sie sich zu Marienhafe auf, wo sie an der berühmten Kirche den hohen Turm zu bauen begannen, aber nicht vollendeten. Ein ehemals dorthin führender Kanal heißt noch jetzt das Störtebekerstief. Die Sage erzählt, an großen in der Kirchhofsmauer angebrachten eisernen Ringen habe Störtebeker seine Schiffe befestigt.

Vor allem aber ist sein Andenken in Hamburg noch lebendig. Die Hamburger Schiffergesellschaft besitzt einen mächtigen Becher, der vier Flaschen fasst und den er in einem Zuge geleert haben soll. eines gleichen Bechers rühmen sich übrigens auch Lübeck und Groningen. Eine Stunde von Harburg nach Buxtehude zu liegt bei Neugraben ein Sandhügel, der Falkenberg genannt, wo Störtebeker eine Burg gehabt und von da aus die Elbe mit Ketten gesperrt haben soll.

pixelio.de Die Sage vom Störtebeker

Im Jahre 1402 wurden er, Gödeke Michael und Wichmann Wichelt mit siebzig Gefährten nach tapferer Gegenwehr von der Besatzung eines Seeschiffes, das von Flandern kam und die "Bunte Kuh" genannt wurde, gefangengenommen. Ein schlauer Hamburger hatte nämlich – so lautet die Sage – das Steuerruder an Störtebekers Schiff durch geschmolzenes Blei unbeweglich gemacht.

pixelio.de / Blick von der St.Petrikirche auf Rathaus HH/Die Sage vom StörtebekerDem tapferen Seeräuber wurde hierauf in Hamburg der Prozess gemacht. Als Gefangener zerriss Störtebeker seine Ketten und erbot sich, den Turm von Sankt Petri mit Gold zu decken, wenn ihm die Freiheit geschenkt würde. Aber umsonst! Mit allen seinen Gefährten wurde er auf dem Grasbrook enthauptet.

Zur Richtstätte sollen Störtebeker und seine Gesellen, wie sie es sich erbeten hatten, in ihren besten Gewändern geführt worden sein; ihnen voran zogen Trommler und Pfeifer.

Aus Liebe zu seinen Gesellen war seine letzte Bitte, man solle alle, bei denen er nach seiner Enthauptung vorbeilaufen würde, begnadigen. Als ihm die Erfüllung dieser Bitte zugesagt worden war und seine Gefährten in Reih und Glied standen, lief er enthauptet bis zum fünften Mann.

Da warf ihm der Henker einen Klotz vor die Füße, so dass er hinfiel und nicht wieder aufkommen konnte.

 (Friedrich Köster, 1791 – 1878)

Verwendete Bilder sind von:
© Andreas Hilbeck/PIXELIO (Bild 1)
© Tina Gössl/PIXELIO (Bild 2)
© Jerzy/PIXELIO (Bild 3)
© Christian Eckinger/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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