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Archive for the ‘Thüringen’ Category

Der Säuferkönig – eine Sage aus Thüringen

Montag, August 23rd, 2010

Graf Ernst von Klettenberg ritt einst an einem Sonntagmorgen zu einem großen Gelage nach Ellrich. Viel waren der geladenen Ritter, die hier um den Ehrenpreis tranken. Der ausgesetzte Dank war eine goldene Kette.

pixelio.de - Der Säuferkönig

Viele Stunden tranken die Ritter, bis sich der Sieg mehr entschied, und hier einer, dort einer erlag unter der Last der ungeheuren Humpen, und unter der lauten Hohnlache der Zecher als Schwächling niedergeleget wurde auf den Boden des Saales. Endlich blieben noch vier von all diesen Edlen auf dem Kampfplatze.

Doch drei von ihnen lehneten an der Wand und triumphierten mit lallender Zunge, dass die Willkommen den zitternden Händen nicht entsanken. Nur Ernst von Klettenberg stand noch auf freien Füßen und ergriff siegprangend die goldene Kette, die auf dem Tische lag, und hängete sie sich um den Hals.

Um sich dem Volke als Sieger zu zeigen, wankete er aus dem Gemache und befahl sein Ross vorzuführen. Vier Knappen hoben ihn herauf, und so ritt er unter dem Gekreische der hinzuströmenden Menge durch das Städtlein, um nach  Klettenberg heimzukehren. Als er durch die Vorstadt ritt, hörete er in der Kirche des heiligen Nikolaus die Vesper singen. Graf Ernst, in seinem Taumel, ritt durch das offenstehende Kirchtor ein, mitten durch die versammelte Gemeinde hindurch, bis vor den Altar. Der Gesang der Andacht ging in starres Anstaunen und bald in wildes Geschrei über.

Aber nicht lange freute Graf Ernst sich seines Frevels. Denn, als das gespornte Ross jetzt die Stufen des Altars betrat, siehe, da fielen plötzlich alle vier Hufeisen ihm ab, und es sank nieder mit seinem Reiter.

Zum ewigen Andenken wurden diese vier Hufeisen an die Kirchtüre angenagelt, wo sie Jahrhunderte lang angestaunet wurden wegen ihrer Größe und der schauerlichen Sage. Bei einem Kirchenbrande kamen sie aufs Rathaus oder auf das Inspektoramt zu Ellrich.

Noch jetzt spricht man in Ellrich viel von einem Gerippe, welches sich alle siebenzig Jahre auf dem Buntel, einem Teiche, sehen lässet. Einige sagen, das sei das Gerippe des Klettenberges, des Säuferkönigs; andere, es sei das Gerippe eines Mönchs von Walkenried. Alle aber sagen, wer das Gerippe erlöse, bekomme viel Geld dafür.

pixelio.de - Der Säuferkönig

Einstmals waren auch die siebenzig Jahre gerade wieder um, da kam eine Frau daher, sah das Gerippe auf dem Wasser schwimmen und hörete wie es schrie: »Erlöset mich! erlöset mich!« Allein die Frau lief so schnell als möglich davon, verzählete auch alles daheim ihrem Manne. Der lief sogleich hin, den Säuferkönig, oder wer das Gerippe nun sonst war, zu erlösen, und das viele Geld zu gewinnen; doch das war schon wieder im Wasser niedergesunken. Die Frau hat von der Zeit weder Ruhe noch Glück mehr gehabt.

(Heinrich Pröhle, 1822-1895)

Verwendete Bilder sind von:
© gd/Kurt Michel/PIXELIO (Bild 1)
© Jurec/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Zauberkräuter kochen – eine Sage aus Thüringen

Freitag, Januar 29th, 2010

pixelio.de - Zauberkräuter kochenIm Jahre 1672 hat sich zu Erfurt begeben, daß die Magd eines Schreiners und ein Färbersgesell, die in einem Hause gedient, einen Liebeshandel miteinander angefangen, welcher in Leichtfertigkeit einige Zeit gedauert. Hernach ward der Gesell dessen überdrüssig, wanderte weiter und ging in Langensalza bei einem Meister in Arbeit.

Die Magd aber konnte die Liebesgedanken nicht loswerden und wollte ihren Buhlen durchaus wiederhaben. Am heiligen Pfingsttage, da alle Hausgenossen, der Lehrjunge ausgenommen, in der Kirche waren, tat sie gewisse Kräuter in einen Topf, setzte ihn zum Feuer, und sobald solche zu sieden kamen, hat auch ihr Buhle zugegen sein müssen. Nun trug sich zu, dass, als der Topf beim Feuer stand und brodelte, der Lehrjunge, unwissend, was darin ist, ihn näher zur Glut rückt und seine Pfanne mit Leim an dessen Stelle setzt.

pixelio.de - Zauberkräuter kochen

Sobald jener Topf mit den Kräutern näher zu der Feuerhitze gekommen, hat sich etlichemal darin eine Stimme vernehmen lassen und gesprochen: "Komm, komm, Hansel, komm! Komm, komm, Hansel, komm!" Indem aber der Bube seinen Leim umrührt, fällt es hinter ihm nieder wie ein Sack, und als er sich umschaut, sieht er einen jungen Kerl da liegen, der nichts als ein Hemd am Leibe hat, worüber er ein jämmerlich Geschrei anhebt.

Die Magd kam gelaufen, auch andere im Haus wohnende Leute, zu sehen, warum der Bube so heftig geschrien, und fanden den guten Gesellen als einen aus tiefem Schlaf erwachten Menschen also im Hemde liegen. Indessen ermunterte er sich etwas und erzählte auf Befragen, es wäre ein großes schwarzes Tier, ganz zottigt, wie ein Bock gestaltet, zu ihm vor sein Bett gekommen und habe ihn also geängstigt, daß es ihn alsbald auf seine Hörner gefaßt und zum großen Fenster mit ihm hinausgefahren.

Wie ihm weiter geschehen, wisse er nicht, auch habe er nichts Sonderliches empfunden, nun aber befinde er sich so weit weg, denn gegen acht Uhr habe er noch zu Langensalza im Bett gelegen, und jetzt wäre er zu Erfurt kaum halber neun. Er könne nicht anders glauben, als dass die Katharine, seine  vorige Liebste, dieses zuwege gebracht, indem sie bei seiner Abreise zu ihm gesprochen, wenn er nicht bald wieder zu ihr käme, wollte sie ihn auf dem Bock holen lassen.

Die Magd hat, nachdem man ihr gedroht, sie als eine Hexe der Obrigkeit zu überantworten, anfangen herzlich zu weinen und gestanden, dass ein altes Weib, dessen Namen sie auch nannte, sie dazu überredet und ihr Kräuter gegeben, mit der Unterweisung: wenn sie die sachte würde kochen lassen, müsse ihr Buhle erscheinen, er sei auch, so weit er immer wolle.

 

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendete Bilder sind von:
© Karl-Heinz Laube/PIXELIO (Bild 1 – Erfurt/Krämerbrücke)
© Paul-Georg Meister/PIXELIO (Bild 2)

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Doktor Luther zu Wartburg – eine Sage aus Thüringen

Samstag, Oktober 31st, 2009

 

pixelio.de - Doktor Luther zu WartburgDoktor Luther saß auf der Wartburg und übersetzte die Bibel.

Dem Teufel war das unlieb und hätte gern das heilige Werk gestört; aber als er ihn versuchen wollte, griff Luther das Tintenfass, aus dem er schrieb, und warf’s dem Bösen an den Kopf.

Noch zeigt man heutigestages die Stube und den Stuhl, worauf Luther gesessen, auch den Flecken an der Wand, wohin die Tinte geflogen ist. 

(Jacob Grimm, 1785-1863 & Wilhelm Grimm, 1786-1859)

Verwendetes Bild ist von:
© HAUK MEDIEN ARCHIV / Alexander Hauk / www.bayernnachrichten.de (Wartburg/Lutherzimmer)
www.pixelio.de

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Elisabeths Rosen – eine Sage aus Thüringen

Samstag, Oktober 3rd, 2009

Elisabeths Rosen 

 

Elisabeths RosenEinst war der Landgraf in der Stadt Eisenach gewesen und ging wieder zurück nach der Wartburg. Unterwegs sah er die heilige Elisabeth mit einer ihrer liebsten Jungfrauen stehen; beide kamen von der Burg herab mit allerlei Speisen und Nahrungsmitteln fast sehr beladen, die sie in Krügen und Körben unter ihren Mänteln mit sich trugen und den Armen bringen wollten, die ihrer unten im Tale harrten.

Der Landgraf hatte das alles wohl bemerkt und sprach, indem er ihnen die Mäntel zugleich zurückschlug: "Lasset sehen, was ihr da traget!" Dabei wurden aber die Speisen alsbald zu Rosen. Die heilige Elisabeth war darüber so heftig erschrocken, dass sie ihrem Gemahl auf seine Frage und Rede nichts zu sagen vermochte.

Dem Landgrafen tat der Schrecken, den er seiner lieben Elisabeth verursacht hatte, gar leid, und schon wollte er freundlich und mit guten Worten ihr zusprechen, als ihm auf ihrem Haupte ein Bild des gekreuzigten Heilands als ein Kopfschmuck erschien, den er vorher nie gesehen hatte. Da wollte er die heilige Elisabeth nicht länger aufhalten; er ließ sie ihren Weg gehen und den Armen und Kranken nach ihrem Gefallen Gutes tun und ging weiter nach der Wartburg.

Am Wege, nahe unter dem Kniebrechen, wie die Leute sagen, stand ein Baum, in den ein Kreuz gehauen war. Dieser wurde später umgehauen und zum Zeichen und ewigen Gedächtnis an jenes hohe Wunder an diese Stelle, wo es geschehen, ein steinernes Bild gesetzt.

Als Elisabeth starb, wurde sie zu Marburg begraben und ihr zu Ehren die Elisabethkirche daselbst erbaut.

pixelio.de - Elisabeths Rosen

Verwendete Bilder sind von:
© Klaus Dieter Hotzenplotz / Schmenner Digital Stock Marburg (Bild 3, Elisabethkirche Marburg)/www.pixelio.de

© Dana (Bild 1, Weg zur Wartburg + Bild 2, Tafel vor der Wartburg)

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Elisabeth speist die Armen – eine Sage aus Thüringen

Samstag, Oktober 3rd, 2009

pixelio.de - Elisabeth speist die Armen

In vielen deutschen Ländern und auch in Thüringen war eine allgemeine Hungersnot und währte schon bis in das dritte Jahr. Auch strafte Gott die Menschen um ihrer Sünden willen mit Krankheit und bösen Seuchen, und großes Wasser ergoss sich, wie es seit vielen Jahren nicht gesehen worden war.

In dieser Zeit der Trübsal und Angst war der Landgraf Ludwig von Thüringen und Hessen fern von seinem Lande; er weilte an des Kaisers Hof in Italien. Aber seine Gemahlin, die heilige Elisabeth, war daheim in aller Weise bedacht, die Not und das Unglück der armen und kranken Leute zu lindern.

pixelio.de - Elisabeth speist die ArmenSie erbaute unter der Wartburg ein Spital und nahm achtundzwanzig arme und hilfsbedürftige Menschen darin auf, und wenn einer derselben starb, trat sogleich ein anderer an seine Stelle. Auch ließ sie unter ihrer Aufsicht an 400 Arme täglich Almosen und milde Gaben durch ihre Dienerschaft verteilen.

Als nun der Landgraf von seiner Reise wieder heimgekehrt war, so suchten einige von seinen Amtleuten und der Dienerschaft, welche die Milde und Barmherzigkeit der edlen Fürstin ungern gesehen und mit scheelen Augen betrachtet hatten, dieselbe bei ihrem Herrn und Gemahl übel zu bereden und klagten über ihre Unwirtschaftlichkeit und große Freigebigkeit.

Aber der tugendsame Fürst antwortete ihnen: "Lasset sie um Gottes willen nur geben und armen Leuten nach ihrem Gefallen Gutes tun, wenn uns nur die Wartburg und die Neuenburg verbleiben. Ich weiß wohl aus der Heiligen Schrift, dass Gott dem Herrn drei Dinge besonders wohlgefällig und auch bei den Menschen gut bestehen: Einträchtigkeit unter Brüdern, Liebe und Treue unter den Nebenmenschen und Mann und Frau, die beide einträchtig sind."

Verwendete Bilder sind von:
© Karl-Heinz Laube/PIXELIO (Bild 1)
© Henning Hraban Ramm/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der kleine Mann und der Maurer – eine Sage aus Thüringen

Dienstag, Juli 21st, 2009

 

Ein Maurer, der in Berka an einem Bau gearbeitet hatte, ging einst in stürmischer Herbstnacht das Ilmtal abwärts seinem Heimatdorfe zu. Als er in die Nähe von Buchfart gekommen war und die dortige Turmuhr Mitternacht schlug, schritt – als ob es plötzlich aus der Erde gewachsen sei – langsam und schweigend ein altes Männchen neben ihm her.

Als der Maurer es fragte: "Wohin des Wegs?" zeigte der Kleine nach dem Felsenschloss und sagte: "Da oben ist meine Behausung. Willst du mit mir kommen, so kannst du dir noch einen guten Nachttrunk verdienen."

pixelio.de - Der kleine Mann und der MaurerDer Mann folgte den Bergpfad hinauf und erhielt dort beim Schein einer Leuchte, die der Kleine entzündete, Anweisung, eine Vertiefung im Berg zu erweitern. Es war der Eingang zu einem unterirdischen Gemach. Während der Kleine Mörtel und Steine herbeischleppte, arbeitete der Maurer tüchtig an der Wölbung.

Nach einigen Stunden brachte ihm das Männchen einen silbernen Pokal und reichte ihm daraus zur Stärkung köstlichen Wein. Dann hieß es ihn heimgehen, forderte ihn aber auf, am nächsten Abend wiederzukommen und sein Werk zu beenden. Er versprach hohen Lohn, wenn der Maurer Verschwiegenheit bewahre. Gleichzeitig reichte ihm der Kleine eine Handvoll gelber Blätter und sagte: "Die nimm deiner Frau mit!"

Dann ertönte der erste Hahnenschrei. Die Leuchte erlosch, und das Männchen war verschwunden. Verdrießlich betrachtete der Maurer die wertlosen Blätter und warf sie weg. Nur eins blieb unbemerkt an seinem Wams hängen. Als er nach Hause kam, fragte ihn seine Frau eindringlich, warum er so spät heimkehre. Er aber dachte an die Worte des Alten und schwieg.

Am andern Morgen entdeckte die Frau in den Fäden seines Wamses eine glänzende Goldmünze, und sie bestürmte ihn aufs neue mit Fragen. Weil er selbst so überrascht war, erzählte er ihr sein Erlebnis.

Freilich fiel es ihm alsbald schwer aufs Herz, dass er geplaudert hatte. Doch beruhigte er sich wieder und ging nach Sonnenuntergang mit seinem Werkzeug eilig dem Berg zu. Aber dort schien ihm alles verändert. Er fand seine Arbeitsstätte am Eingang des unterirdischen Gemachs nicht mehr, und der kleine Mann stellte sich auch nicht ein. Ebensowenig war von den weggeworfenen Blättern etwas zu entdecken.

Auch in der Folgezeit machte sich der Maurer noch öfters ans Suchen. Doch fand er die Stelle niemals wieder. Die Goldmünze soll sich lange Zeit im Besitz seiner Nachkommen befunden haben.

pixelio.de - Der kleine Mann und der Maurer

(Paul Mitzschke, 1853-1920)

Verwendete Bilder sind von:
© Paul-Georg Meister/PIXELIO (Bild 1)
© Dieter Schütz/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

 

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Der “Lange Stein” – eine Sage aus Thüringen

Mittwoch, Juli 8th, 2009

 

Einige Hundert Meter nördlich von Buttelstedt steht an der Straße ein hoher verwitterter Stein, von dem die folgende Sage erzählt wird:

Es lebten vorzeiten zwei gewaltige Riesen, von denen der eine auf dem Ettersberg, der andere an der Finne wohnte. Einst mähten beide gleichzeitig Gras auf ihrem Gebiet. Da rief der Riese von der Finne dem auf dem Ettersberg zu: "Meine Sense ist stumpf geworden. Wirf mir doch einmal deinen Wetzstein herüber!"

pixelio.de - Der lange Stein

Der Angerufene erfüllte sogleich diesen Wunsch und warf den Stein seinem Nachbarn zu. Da er aber von der Arbeit schon sehr angestrengt war, vermochte er das Ziel nicht zu erreichen, und der Wetzstein fiel bereits hinter Buttelstedt zur Erde.

Dort steht er als der "Lange Stein" noch heute.

(Paul Mitzschke, 1853-1920)

Verwendetes Bild ist von:
© Verena N./PIXELIO
www.pixelio.de

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Die Kröte auf dem Brotlaib – eine Sage aus Thüringen

Freitag, Juli 3rd, 2009

 

An der Abendseite des Rathauses zu Neustadt hängt an einer eisernen Kette ein steinernes Brot, worauf eine Kröte sitzt. Damit hat es folgende Bewandtnis:

Ein wohlhabender Neustädter Bürger hatte noch bei rüstigen Jahren seinen Kindern Haus und Hof übergeben; ihn selbst aber sollten die Kinder bis an seinen Tod ernähren und pflegen. Eine Weile ging das auch recht gut. Der alte Vater lebte jedoch den bösen Kindern zu lange. Sie hielten ihn später immer schlechter und verschlossen endlich gar das Brot vor ihm.

pixelio.de - Die Kröte auf dem Brotlaib 

Als nun der alte Mann zuletzt dem Hunger und Kummer erlegen und gestorben war, fanden seine Kinder im Brotschrank auf dem Brotlaib eine große, giftige Kröte sitzen. Und sooft sie Brot buken und in den Schrank taten, war auch die Kröte da.

Zur Warnung für alle bösen Kinder ließ deshalb der Magistrat zu Neustadt ein Brot, auf dem eine Kröte sitzt, in Stein aushauen und am Rathaus öffentlich anbringen.

Später wurde dieser Stein den am Pranger ausgestellten Feld- und Gartendieben angehängt. Das bedeutete eine Verschärfung ihrer Strafe.

(Dr. August Witzschel, 1813-1876)

Verwendetes Bild ist von:
© Michael Bührke/PIXELIO
www.pixelio.de

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Das Kyffhäuser-Schloss – eine Sage aus Sachsen-Anhalt & Thüringen

Mittwoch, Juli 1st, 2009

pixelio.de - Das Kyffhäuser-Schloss

In einem Dörfchen in der Nähe des Kyffhäusers erzählte man sich folgende Geschichte:

Eines Sonnabends fuhr der lange Töffel eine Ladung Getreide in die Stadt Kelbra. Allein entweder hatte er damit zu hoch hinausgewollt, oder es war zuviel Getreide auf dem Markt. Genug, Töffel verkaufte kein Korn, geschweige denn die ganze Ladung, und musste seine Frucht wieder aufladen und mitnehmen.

Das ärgerte ihn gewaltig. Er dachte hin und her, wie er die Sache recht gescheit angreifen sollte, und verfiel endlich auf den Gedanken, nach Nordhausen zu fahren und zu sehen, ob er sein Getreide nicht etwa einem Branntweinbrenner aufschwatzen könne. Er wäre es dort auch losgeworden; aber was nicht sein soll, soll eben nicht sein.

pixelio.de - Das Kyffhäuser-SchlossTöffel war noch keine halbe Stunde von Kelbra weg, da erhob sich auf einmal ein so gewaltiger Sturm, dass es nicht anders war, als wenn er alle Bäume aus der Erde reißen wollte. Dabei fing’s auch an so zu regnen, zu blitzen und zu donnern, dass Töffel nicht anders glaubte, als der Jüngste Tag breche herein.

Er musste also wohl oder übel seinen Vorsatz, nach Nordhausen zu fahren, aufgeben und im ersten besten Dorf einkehren, um dort das Wetter abzuwarten.

Das Gewitter ging auch sehr bald vorüber, und Töffel hätte wieder aufbrechen können. Aber wie’s nun so zu gehen pflegt, wenn man einmal einkehrt: Da nötigt einen der, noch ein Viertelstündchen zu bleiben und jener noch ein Viertelstündchen, und darüber bleibt man kleben.

Ebenso ging’s Töffel. Er hatte in der Schenke gute Gesellschaft gefunden und ließ sich daher aufhalten bis zum Abend. Da er einmal so lange geblieben war, hätte er auch die folgende Nacht bleiben können. Aber dazu war er nicht zu bereden. Er bezahlte seine Zeche, schirrte flugs an und fuhr auf Nordhausen zu. Allein der Regen hatte den Weg so aufgeweicht, dass die Wagenräder ein Mal über das andere bis an die Achsen einsanken und die Pferde sich aufs äußerste anstrengen mussten, den Wagen wieder herauszuziehen.

Jeder andere an seiner Stelle wäre augenblicks wieder umgekehrt und hätte sich bis zum andern Morgen in die Schenke gesetzt, währenddessen es gewiss ein wenig trockner geworden wäre. Allein Töffel, der vielleicht ein bisschen Hafer im Kopfe hatte und von den Leuten in der Schenke, die ihm das im voraus prophezeit hatten, nicht gern ausgelacht werden wollte, ließ sich durch die grundlosen Straßen und die immer mehr hereinbrechende Nacht nicht abhalten, seinen Weg fortzusetzen. Er vertraute seinen Pferden, die ihre Ladung noch nie hatten steckenlassen, und glaubte noch zur rechten Zeit in Nordhausen anzukommen. Aber er fand sich in seiner Rechnung mächtig betrogen.

pixelio.de - Das Kyffhäuser-Schloss

Der Weg wurde immer schlimmer und am Ende so grundlos, dass der Wagen samt den Pferden steckenblieb.

Nun fing Töffel an zu bereuen, dass er den Rat des Wirts und seiner Freunde nicht befolgt hatte. Doch nun war’s zu spät. Der dumme Streich war einmal begangen und musste so viel wie möglich wiedergutgemacht werden. Das wusste Töffel auch. Darum stellte er sein vergebliches Fluchen ein und legte dafür lieber Hand ans Werk. Aber alle Mühe war umsonst; der Wagen saß fest wie angenagelt. Töffel gab daher alle Hoffnung auf und holte schon sein Messer aus der Tasche, um die Stränge loszuschneiden und dann wenigstens die Pferde zu retten.

Da erblickte er in der Ferne eine Laterne, die sich ihm zu nähern schien.

Gottlob, hier kommt jemand, der dir in deiner Not beistehen kann, dachte er und steckte geschwind das Messer wieder in die Tasche. Als aber die Laterne immer näher kam, sah Töffel, dass ein ganz kleiner Mann sie trug. Er war ungefähr zwei Fuß hoch und hinten und vorn ausgewachsen. Da fiel dem Töffel auf einmal wieder der Mut.

Der wird dir wenig helfen können, dachte er bei sich und war anfangs gar nicht willens, den kleinen buckligen Laternenträger um seinen Beistand zu bitten. Allein da einem in der Not jede Hilfe willkommen sein muss, entschloss er sich endlich, den Kleinen anzusprechen. "Heda, guter Freund!" rief er, als der kleine Purzel, der seinen Weg seithalb nahm, ihm so nahe war, dass er ihn hören konnte. "Will Er denn nicht so gut sein und mir ein wenig mit Seiner Laterne leuchten, damit ich sehen kann, ob es nicht noch möglich ist, den Wagen da aus dem Sumpf herauszubringen?"

pixelio.de - Das Kyffhäuser-Schloss "Recht gern", erwiderte der Zwerg, indem er auf Töffel zugezappelt kam. "Ich versage keinem Menschen meinen Beistand und will Euch gern mit Rat und Tat helfen, soviel ich vermag."

"Nun, so geb Er mir einen guten Rat, wie ich hier mit meinem Wagen und den Pferden wieder aus dem Sumpf herauskommen kann." "Hilfe ist hier besser als guter Rat", versetzte das Männchen, gab Töffel die Laterne zu halten, setzte sich quer über das Sattelpferd, hieb mit der Peitsche auf die Vorderpferde und fuhr glücklich aus dem Morast heraus.

Wer war froher als Töffel! Er dankte dem kleinen Mann tausendmal und wollte ihm einen bayrischen halben Gulden Trinkgeld geben. Doch der Kleine nahm durchaus nichts.

"Behaltet Ihr nur Euer Geld, Schwager", sagte er. "Ich habe selbst, soviel ich brauche, und mache mir ein Vergnügen daraus, meinem Nächsten zu dienen in allen Nöten. Aber wenn Ihr mir einen Gefallen tun wollt, so lasst mir Euer Getreide für Geld und gute Worte zukommen; ich will Euch gern geben, was Ihr dafür verlangt."

"Ist das Sein Ernst?" fragte Töffel, dem dieser Antrag gar sehr willkommen war. "Mein völliger Ernst", erwiderte der Zwerg. "Wenn Ihr also gesonnen seid, meinen Vorschlag anzunehmen, so fahrt mit."

Töffel ließ sich das nicht zweimal sagen. Er schwang sich, ohne lange zu fragen, wer sein Käufer sei, aufs Pferd und gelangte unter der Geleitschaft des Kleinen, der immer drei Schritte vor den Pferden mit seiner Laterne hertrippelte, endlich an den Fuß eines hohen, steilen Berges. Dort befahl ihm das Männchen zu halten und abzuladen.

pixelio.de - Das Kyffhäuser-SchlossTöffel hatte sich bis jetzt keine Gedanken über den Kleinen gemacht und geglaubt, er hätte es mit einem wirklichen Menschen zu tun. Daher fühlte er nicht die geringste Anwandlung von Furcht. Allein als ihn der Zwerg, nachdem er seine Ladung hinauf aufs Schloss geschafft hatte, in ein großes Gewölbe führte, worin nichts als eiserne, bis obenan mit Gold und Silber angefüllte Kästen standen, da gingen ihm endlich die Augen auf. Er merkte nun deutlich, dass er es mit Kaiser Friedrichs Kellermeister zu tun hatte.

Als ein verwegener Kerl aber war er mehr erfreut als betrübt darüber. Er glaubt nämlich nichts gewisser, als dass der Zwerg ihm wenigstens eine solche Truhe voll Goldstücke als Kaufschilling für sein Getreide geben würde. Hierin irrte er sich sehr.

Der bucklige Bewahrer dieses Schatzes zeigte sich nicht so großmütig. Er führte ihn zwar zu einer Kiste, in der sich eitel Goldstücke eines Schlags befanden, verbot ihm aber aufs strengste, mehr davon zu nehmen, als seine Ladung wert war.

Dieses Verbot kam dem geizigen Töffel sehr ungelegen. Er hatte zum wenigsten auf eine Tonne Goldes gerechnet und ließ sich’s daher ziemlich deutlich merken, dass er sich von der Freigebigkeit des Zwerges mehr versprochen hatte. Doch was half’s? Der Zwerg gestand ihm nicht einen Kreuzer mehr zu und drohte sogar, ihn das Getreide wieder aufladen zu lassen, wenn er mit dem wahren Wert des Korns nicht vorliebnehmen wollte.

Da diese Drohung gar nicht nach Töffels Sinn war, so glaubte er, sich mit einem mäßigen Profit zufriedengeben zu müssen. Er zählte sich daher so viel ab, wie er für seine Frucht gefordert hatte, konnte aber nicht umhin, ehe er die Kiste verließ, noch einen dichten Griff hineinzutun. Er freute sich dabei herzlich, dass er den geizigen Zwerg doch noch um ein paar hundert Tälerchen - denn so viel mochten es wohl gewesen sein – geprellt hatte. Schon war er im Begriff, das Schloss zu verlassen, als der Zwerg ihn zurückrief. Er fragte Töffel, ob er nicht Kaiser Friedrich sehen wolle.

Töffel wusste anfangs nicht, ob er ja oder nein sagen sollte. Endlich entschloss er sich aus angeborenem Vorwitz und sagte: "Je nun, wenn Er ihn mir zeigen will und mir verspricht, dass mir nichts Unheimliches begegnen soll, so möchte ich den alten Herrn wohl kennenlernen. Ich habe viel Schnurriges von ihm erzählen hören und mir daher oft gewünscht zu erfahren, ob auch was an der Sache wäre. Aber wie gesagt, Gefahr muss ich nicht zu befürchten haben, sonst gehe ich lieber meiner Wege."

Der Zwerg versicherte ihm, dass er nichts zu besorgen habe, und führte ihn darauf durch einen langen unterirdischen Gang. Dorthinein schien weder Sonne noch Mond, und jeder Fußtritt hallte laute wider. Sie kamen zu einer eisernen Tür, die mit zehn mächtigen Riegeln verwahrt war. Daran hingen ebensoviel ungeheure Schlösser.

pixelio.de - Das Kyffhäuser-Schloss

Der Zwerg öffnete sie mit Hilfe eines Bundes Schlüssel, das er bei sich führte, und schob die Riegel nach und nach alle zurück. Endlich dröhnte die Tür mit so fürchterlichem Geräusch auf, dass Töffel, dem doch gewiss das Herz auf dem rechten Fleck saß, darob ein Grausen ankam. Allein die Neugierde siegte über die Furcht.

Er bot also seine ganze Herzhaftigkeit auf und trat in ein Gewölbe, das so groß war, dass ein Wagen mit vier Pferden darin hätte wenden können. Es wurde von einer einzigen Lampe erleuchtet, die gerade in der Mitte des Gewölbes über einem runden steinernen Tisch hing. Um ihn herum saß Kaiser Friedrich mit seiner ganzen Familie. Alle waren niedergeschlagen, als ob ihnen die Hühner das Brot genommen hätten, und sahen, die Köpfe auf die Arme gestützt, stier vor sich hin. Am traurigsten aber schien der Kaiser zu sein, der in der Mitte seiner Familie saß. Sein roter Bart war durch den Tisch gewachsen.

Töffel betrachtete ihn lange mit Verwunderung und wollte eben wieder gehen, als der Kaiser ihn gewahr wurde. Er schien aus einem tiefen Schlafe zu erwachen und fragte Töffel mit hohler Stimme, ob die Raben noch um das Schloss herumflögen.

pixelio.de - Das Kyffhäuser-Schloss"Ja, Ihro Majestät", versetzte Töffel mit einem tiefen Bückling, und das zwar nicht aus Überzeugung, denn er hatte darauf gar nicht geachtet. Gesagt hatte er es bloß, weil er einmal von seinem Schulmeister gehört hatte, dass man großen Herren nie widersprechen, sondern allemal recht geben müsse. Damit hatte er jedoch mächtig gefehlt, denn kaum war das fatale "Ja" seinen Lippen entwischt, so verfinsterte sich des Kaisers Stirn.

"So muss ich denn noch hundert Jahre hier nach Erlösung schmachten", sprach er seufzend und ließ wieder den Kopf sinken. Jetzt merkte Töffel erst, dass er gepudelt hatte. Er hätte daher gern sein "Ja, Ihro Majestät" zurückgenommen, wenn es nur möglich gewesen wäre. Doch war es einmal heraus, und so musste er wieder seinen Abmarsch nehmen, ohne dem armen Kaiser den geringsten Dienst erwiesen und ohne die geringste Anwartschaft auf seine Dankbarkeit bekommen zu haben.

Als er wieder nach Hause kam, erzählte er seiner Frau haarklein, wie’s ihm über Nacht ergangen war, und zeigte ihr zum Beweis auch die Goldstücke, die er von dem Zwerg für sein Korn erhalten hatte. Auf der einen Seite befand sich das Bildnis des Kaisers Tiberius, auf der anderen aber waren die Worte zu sehen: Halber Sekel. Auch machte er gar keinen Hehl daraus, dass er wider das ausdrückliche Verbot des Zwergs mehr genommen hatte, als seine Früchte wert gewesen waren und ihm zugestanden worden war.

Er wusste sich vielmehr recht viel darauf zugute zu tun, dass er den Schatzmeister des Kaisers Friedrich hintergangen hatte. Dabei dachte er an nichts weniger, als dass die Strafe für diese Betrügerei noch nachkommen könnte.

Töffel hatte von der Stunde an, da er zu tief in Kaiser Friedrichs Geldkasten gegriffen, weder Glück noch Segen. Das Wetter verhagelt seine Felder, die Raupen fraßen ihm das Gemüse, und eine pestartige Seuche raffte in einer Zeit von vierzehn Tagen all sein Vieh dahin. Das war aber noch nicht genug. Nun kamen auch Spitzbuben und mausten ihm, was Viehseuche, Wetterschlag und Ungeziefer noch übriggelassen hatten.

Auf diese Art war Töffel auf einmal aus einem wohlhabenden Mann ein Bettler geworden. Er packte den Rest seiner Siebensachen und verließ mit seiner Frau das heimatliche Dorf. Keiner seiner Freunde hat ihn je wieder gesehen.

(August Krumbhaar)

Verwendete Bilder sind von:
© paulepei/PIXELIO (Bild 1 – Kyffhäuser)
© Frank Güllmeister/PIXELIO (Bild 2)
© Dieter/PIXELIO (Bild 3)
© claudilie/PIXELIO (Bild 4)
© Hans Snoek/PIXELIO (Bild 5)
© Andreas Preuß/PIXELIO (Bild 6)
© Campomalo/PIXELIO (Bild 7)
www.pixelio.de

 

 

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Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser – eine Sage aus Thüringen

Mittwoch, Juli 1st, 2009

pixelio.de - Kaiser Barbarossa im Kyffhäuser

Kaiser Friedrich Barbarossa unternahm einst einen Kreuzzug nach Palästina, um es den Sarazenen zu entreißen, fand dabei aber im Flusse Saleph den Tod. Als er nach Deutschland nicht zurückkehrte, entstand im Volke die Sage, dass er noch lebe und dereinst wiederkommen werde, inzwischen aber in einem Berg sitze.

Nach der einen Sage soll es der Untersberg bei Salzburg sein, nach einer anderen ein Felsen bei Kaiserlautern. Am meisten verbreitet aber ist, dass er sich im Kyffhäuser aufhalte.

Eine güldene Krone auf dem Haupte tragend, schläft der Verzauberte nicht, sondern stützt den Kopf nur auf die Hand und zwinkert mit den Augen wie im Halbschlummer. Alle hundert Jahre sendet er einen Zwerg auf den Berg, um zu schauen, ob die Raben noch die alte Burgwarte umkreisen.

Solange das der Fall ist, muss der Kaiser in seiner Bergeshalle verharren. Das berichtet die alte Sage.

(Julius Reuper)

Verwendetes Bild ist von:
© H.La./PIXELIO (Barbarossa-Denkmal)
www.pixelio.de

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