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Wie der Schmied ins Paradies kam – ein kroatisches Volksmärchen

Sonntag, Oktober 5th, 2008

pixelio.de Wie der Schmied ins Paradies kam

 
Ein Dorfschmied hatte einen schönen Weinberg. Alle Jahre füllte der ihm bald mehr, bald weniger, manches mal aber sogar hundert Fässer Wein. Doch in einem Jahr vernichtete ein Hagelschlag gerade vor der Weinlese fast die gesamte Ernte. Der Schmied ging zum Weinberg, um sich den Schaden zu besehen.
 
"Nun ja!" sagte er, "der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen." Er pflückte die wenigen Trauben, die hie und da verschont geblieben waren, und kelterte daraus fünf Liter Most. Den füllte er in ein Fäßchen und beschloss:
‘Nachdem mich nun schon dieses Unglück betroffen hat, will ich den süßen Most nehmen und ihn mit dem ersten, der mir unterwegs begegnet, austrinken.’
 
Er machte sich auf den Weg, und bald kam ihm ein Unbekannter entgegen. Ohne auf einen Gruß zu warten, trat er auf den Schmied zu und sagte: "Schmied! Nach dir habe ich ausgeschaut. Ich war bei dir zu Hause, aber man sagte mir, du seist im Weinberg, so bin ich dich suchen gegangen."
 
pixelio.de Wie der Schmied ins Paradies kam"Wer bist du, und was willst du von mir?" fragte der Schmied. "Ich bin der Tod und will dich holen." Der Schmied erschrak, fasste sich aber wieder und sprach: "Ach lieber Tod! Dieses Jahr ist mir die Weinernte verhagelt. Manchmal habe ich hundert Fässer mit Wein gefüllt, aber sieh, dieses Jahr ist es nur ein einziges. So habe ich mir vorgenommen, den Most mit dem ersten besten, der mir auf dem Heimweg begegnet, auf sein und mein Wohl zu trinken. Deshalb bitte ich dich, schlag’s mir nicht ab. Komm, setz dich, wir wollen das Fässchen austrinken. Danach mach mit mir, was du willst!"
 
Der Tod war’s zufrieden. Beide setzten sich an den Wegrand. Der Schmied hob das Fässchen und trank auf das Wohl des Todes, dann reichte er es ihm. So tranken sie abwechselnd und erzählten sich allerlei Geschichten. Der Schmied aber überlegte immerzu, wie er sich aus der Schlinge ziehen könnte. Schließlich fragte er den Tod:
 
"Ist es wahr, was die Leute sagen, dass es für dich keine Hindernisse gibt, dass du dich sogar durch das winzigste Loch zwängen kannst? Du siehst mir ziemlich groß aus, so dass ich es nicht glauben kann." "Doch , das ist wahr!" antwortete der Tod. "Ich komme überall hindurch. Solltest du dich auch hinter neun verschlossenen Türen verstecken, so gelange ich doch zu dir." "Dieses Wunder möchte ich sehen, ehe ich sterbe. Kannst du zum Beispiel in dieses Fässchen hineinkriechen?"
 
"Das werde ich dir gleich zeigen!" Kaum hatte der Tod das gesagt, so wurde er immer dünner und verschwand schließlich durch das Spundloch im Fass. Darauf hatte der Schmied nur gewartet. Rasch verstopfte er das Loch und machte sich auf den Heimweg. Im Fass drinnen begann der Tod zu jammern und zu flehen, er solle ihn herauslassen. Er versprach dem Schmied, er werde ihm nicht das Leben nehmen, doch dieser glaubte ihm nicht. Zu Hause hängte er das Fässchen an einen Nagel an die Wand, so hoch, dass es niemand erreichen konnte.
 
Und es starben keine Menschen mehr, denn der Tod saß ja im Fässchen. Der Herrgott sah, dass es auf Erden nur so von Menschen wimmelte. Da schickte er den Teufel zum Schmied, der solle kommen und sagen, wie er es wagen könne, den Tod einzusperren. Der Teufel ging zum Schmied und sprach: "He, Schmied! Der Herrgott schickt mich zu dir. Du sollst zu ihm kommen und ihm sagen, warum du den Tod eingesperrt hast, so dass er seine Arbeit nicht mehr tun kann. Kommst du nicht im Guten, so schleppe ich dich mit Gewalt dorthin!"
 
Der Schmied antwortete: "Ich will mich Gottes Willen fügen, aber ich bitte dich, lass mich zuerst die Hacke, die ich in Arbeit habe, fertighämmern. Danach will ich mit dir kommen, um mich vor dem barmherzigen Gott zu verantworten. Ich bitte dich noch um etwas: Hilf mir das Feuer anfachen, damit die Arbeit schneller fertig wird." Dem Teufel war’s recht, aber er bat den Schmied, er möge ihm zeigen, was er tun solle. Sie gingen in die Schmiede und der Schmied sagte zum Teufel: "Kriech in den Blasebalg und blase, während ich hämmere!"
 
Sobald der Teufel im Blasebalg war, verstopfte der Schmied das Luftloch und begann auf den Blasebalg einzuhämmern. Er gerbte dem Teufel so das Fell, dass er sich kaum in die Hölle zurückschleppen konnte. Es währte nicht lange, da schickte Gott drei Teufel zum Schmied, dieser Wahnwitzige solle sich verantworten, weil er es gewagt habe, den Tod im Fässchen einzusperren und den Teufel zu verprügeln. Die drei Teufel gingen zum Schmied und fanden ihn beim Holzhacken im Hof.
 
"He, Schmied!" riefen sie. "Der Herrgott hat uns geschickt, damit wir dich zu ihm bringen, und kommst du nicht im Guten, so schleppen wir dich mit Gewalt fort!" Der Schmied antwortete: "Ich will mich dem Willen Gottes gern fügen. Ich bitte euch nur, helft mir das Holz spalten, damit meine Kinder im Winter nicht frieren müssen!" "Schon recht!" sagten die Teufel. "Aber zeig uns, was wir tun sollen, denn wir haben noch nie Holz gehackt." 

pixelio.de Wie der Schmied ins Paradies kam

 
"Einer von euch muss seine Hände wie einen Keil hier in den Spalt des Baumstammes stecken." Der erste Teufel tat, wie ihn der Schmied geheißen. Da zog der Schmied das Beil heraus, und die Hände des Teufels waren wie in einer Zange festgeklemmt. "Bleib nur so stehen, bis ich die andere Seite gespalten habe", sagte der Schmied. Er spaltete den Stamm am anderen Ende, ließ den zweiten Teufel die Hände hineinstecken und klemmte sie auch ihm ein. Schließlich machte der Schmied noch einen Spalt in der Mitte, und der dritte Teufel war auf die gleiche Weise gefangen. Dann rief er seine Kinder, gab jedem ein Scheit und hieß sie, die Teufel zu verprügeln, dass denen Hören und Sehen verging! Da jammerten die Teufel und versprachen, den Schmied in Ruhe zu lassen, wenn er ihnen die Freiheit wiedergäbe. Der Schmied hatte Erbarmen mit ihnen und ließ sie frei. Auf allen vieren schleppten sie sich mühsam zu Hölle zurück.
 
So wurde der Schmied seine ungebetenen Gäste los. Er lebte froh und zufrieden und wurde sehr alt. Als er des Lebens überdrüssig war, machte er sich in die Hölle auf. Der Torhüter öffnete ein Fensterchen in der Tür und fragte: "Wer bist du?" "Ich bin der Dorfschmied, den ihr holen solltet, damit er sich vor Gott verantworte, weil er den Tod in ein Fässchen eingesperrt hatte." Als die Teufel das hörten, erschraken sie sehr. Sie stemmten sich gegen das Tor, damit der Schmied nicht etwa zu ihnen hineinkäme und die ganze Hölle auf den Kopf stellte. "Scher dich fort! Für dich ist hier kein Platz!" schrie der Torhüter, schlug das Fenster zu und verriegelte die Tür von innen. 

pixelio.de Wie der Schmied ins Paradies kam
 
Nun machte sich der Schmied auf den Weg ins Paradies. Er klopfte an die Pforte des Paradieses, und von drinnen fragte der heilige Petrus: "Wer bist du?" "Ich bin der Dorfschmied, der den Tod in ein Fässchen gesperrt hat. Ich will mich jetzt vor Gott verantworten." "Geh fort! Geh fort! Hier haben wir keinen Platz für dich!" antwortete derr heilige Petrus. "Ich bitte dich", sagte der Schmied, "erlaube mir, nur einen Blick ins Paradies zu werfen, ich möchte sehen, wie es den Leuten da geht."
 
pixelio.de Wie der Schmied ins Paradies kamDer heilige Petrus machte die Pforte nur einen Spalt weiter auf, und – schwupp! – schlüpfte der Schmied unter seinem Arm hindurch und war im Paradies! In der Nähe sah er einen Haufen alter Kleider liegen. Darunter erkannte er seine alten Hosen, die er vor Jahren einem Bettler geschenkt hatte. Er setzte sich darauf. Aber der heilige Petrus wollte ihn hinauswerfen: "Pack dich fort von hier!" "Ich will nicht! Ich bleibe hier auf meinen Hosen sitzen!" antwortete der Schmied. Da wusste der himmlische Pförtner nicht, was er tun sollte, und ging zum Herrgott, um ihm zu melden, dass der Schmied, der den Tod in ein Fässchen gesperrt hatte, sich ins Paradies eingeschlichen hatte und dort bleiben wollte.
 
"Er hat seine alten Hosen hier gefunden, die er einmal einem Bettler geschenkt hat. Jetzt sitzt er drauf und rührt sich nicht vom Fleck", berichtete Petrus. "Dann lass ihn in Ruhe", sagte Gott, "er ist so hitzig, dass er hier etwas Schreckliches anstellen wird, wenn er in Zorn gerät. Er darf hierbleiben."
 
Und so kam der schlaue Schmied ins Paradies.
 

Verwendete Bilder sind von:
© Christoph Aron (Pixelmaster-X, deep-pixel)/PIXELIO (Bild 1)
© Bredehorn Jens/PIXELIO (Bild 2)
© Michael Dorant/PIXELIO (Bild 3)
© Huber/PIXELIO (Bild 4)
© N. Vollmert/PIXELIO (Bild 5)
www.pixelio.de

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