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Archive for the ‘Mongolei’ Category

Der Lama-Kater – ein mongolisches Volksmärchen

Samstag, August 22nd, 2009

 pixelio.de - Der Lama-Kater

Ein Kater hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, einen Lama-Mönch zu bestehlen. Eines Tages trug er ihm sogar seinen Rosenkranz fort. Der Lama rannte dem Kater hinterher, bekam ihn am Schwanz zu packen und zerrte so heftig daran, dass er den Schwanz abriss.

Der Kater fühlte sich ohne seinen Schwanz ganz krank. Er hängte sich den Rosenkranz um den Hals und blieb ein paar Tage regungslos sitzen, als ob er allem Irdischen entsage. Eine Maus, die ihn erblickte, erschrak und wollte schon die Flucht ergreifen.

"Fürchte dich nicht vor mir!" rief da der Kater mit süßer Stimme und wies auf seinen Rosenkranz. "Sieh doch, ich habe ein Gelübde abgelegt. Von nun an werde ich niemandem mehr etwas Böses zufügen. Und ihr Mäuse solltet auch nicht mehr an irdische Dinge denken! Betet lieber, wie ich es tue!"

Die Mäuse glaubten dem Kater und sprachen ein Gebet. Danach sagte der Kater zu ihnen: "Lauft nun hintereinander im Kreis um mich herum und geht dann auseinander, eine jede in ihr Loch!"

Als die letzte Maus an dem Kater vorbeikam, packte er sie und fraß sie auf. So trieb er es nun jeden Tag.

Die Mäuse rätselten, warum ihre Zahl immer geringer wurde, und Gemurre wurde laut. Da versammelte eine alte Maus, die Verdacht geschöpft hatte, ihre Brüder und Schwestern und sprach: "Lasst uns dem Kater ein Glöckchen um den Hals hängen! Wenn ihr es nach unserer Andacht läuten hört, so dreht euch schnell um und seht, was der Fromme macht!"

Alsbald schleppten die Mäuse ein Glöckchen herbei und brachten es dem Kater feierlich als Geschenk dar. "Das ist für Euch, verehrter Lehrer!" sagten sie und hängten ihm das Glöckchen um den Hals.

Nach dem Gebet liefen sie wie gewohnt zu ihren Löchern, als plötzlich das Glöckchen ertönte. Da kehrten sie um und sahen, wie der Kater eine der Ihren fraß, die nicht aufgepasst hatte.

"Verehrter Lehrer", sagte die alte Maus, "Ihr seid in letzter Zeit so dick geworden. Von Gras allein nimmt man doch nicht so zu!"

Und die Mäuse zogen in eine andere Gegend – weit fort von dem Kater.

pixelio.de - Der Lama-Kater

Verwendete Bilder sind von:
© Norbert H./PIXELIO (Bild 1)
© by-sassi/PIXELIO (Bild 2)
www.pixelio.de

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Der alte Mann und der Tiger – ein mongolisches Volksmärchen

Mittwoch, November 5th, 2008

In einer längst vergangenen Zeit lebten ein alter Mann und eine alte Frau, die ein paar Schafe und Rinder ihr eigen nannten. Jeden Tag aber kam ein Wolf und fraß eins von den Tieren.

pixelio.de Der alte Mann und der TigerEines Tages, als der Alte Holz aus dem Wald holte, begegnete er einem Tiger. Der Tiger sprach: "Komm, lass uns unsere Kräfte messen!" Erschrocken dachte der Mann: Jetzt frisst er mich auf! In seiner Angst aber antwortete er: "Gut, tun wir das!" "Wo wollen wir uns treffen?" fragte der Tiger, und der Alte antwortete: "Morgen hier im Wald."

Als der Mann am Abend nach Hause zurückkehrte, erzählte er alles seiner Frau. "Was soll ich nun machen?" fragte er. Die Alte erwiderte: "Geh gleich noch einmal hin und schlage Kerben in einige Bäume. Das wird die nützen." So geschah es. Am folgenden Tag beschlossen der Alte und der Tiger, sich im Bäumefällen zu messen. Während die Bäume, an die der Mann schlug, schnell umfielen, gelang es dem Tiger nicht, auch nur einen einzigen zu fällen. Der Alte musste sehr stark sein!

Doch der Tiger sagte: "Morgen wollen wir aus Steinen den Saft herauspressen!" Der alte Mann ging nach Hause und erzählte wieder alles seiner Frau. Da gab sie ihm ein Schafsnierchen und sprach: "Verstecke das zwischen den Steinen und mach dir ein Zeichen. Morgen wird es dir nützen." Am nächsten Tage presste der Alte den vermeintlichen Stein, dass der Saft nur so floss. Der Tiger drückte und drückte, aber aus seinen Steinen kam nichts heraus.

Nun wagte der Tiger nicht mehr, den Mann zu fressen, weil er ihn für ungewöhnlich stark hielt. Er sprach zu ihm: "Komm und sei mein Gast!" Der Alte fürchtete sich, aber es blieb ihm nichts übrig, als hinzugehen. Der Tiger hieß ihn willkommen und bewirtete ihn mit Tee und Speisen. Als die Schlafenszeit kam, begab sich der Mann voller Angst zur Ruhe, der Tiger aber ging hinaus und schärfte sein Schwert.

pixelio.de Der alte Mann und der TigerIn der Zwischenzeit nahm der Alte einen Mörser, der in der Jurte lag, stülpte ihn sich über den Kopf und legte sich wieder hin. Der Tiger kam heran und ließ das Schwert niedersausen, wo er den Kopf des Alten vermutete. Er schlug einmal zu, noch einmal, doch da zersprang das Schwert. Zu Tode erschrocken schlich der Tiger zu seinem Bett. Nachdem er eingeschlafen war, erhob sich der Alte leise und stellte den Mörser wieder an seinen Platz.

Als der Mann am Morgen aufstand, sagte er: "Irgend etwas hat mich gekratzt – was kann das nur gewesen sein?" und rieb sich den Kopf dabei. "Ich wollte dich gestern fressen", gestand der Tiger, "aber es ist mir nicht gelungen. Du bist wirklich sehr stark!" Nun schickte der Tiger den Alten nach Wasser für den Tee. Der konnte den Eimer, der draußen vor der Jurte stand, nur mit Mühe und Not bis zum Brunnen schleppen.

Hab ich ihn leer schon kaum fortgebracht, so bin ich erst recht nicht imstande, ihn mit Wasser gefüllt auch nur anzuheben, dachte der Alte. Was tun? Da fiel ihm etwas ein, und er begann, rings um den Brunnen die Erde auszuheben. "Was machst du denn da?" schrie der Tiger, der das sah. Der Alte erwiderte: "Was soll ich schon tun? Ich grabe gleich den ganzen Brunnen aus und bringe ihn dir!"

Da bekam es der Tiger mit der Angst zu tun. "Soll ich danach vor Durst sterben?" rief er, nahm den Eimer voll Wasser und rannte zur Jurte. Nun wollte er dem Mann ein Geschenk machen. Er brachte ein großes Stück Gold herbei und legte es vor ihm nieder. Der Alte sah gleich, dass er diesen Goldklumpen nicht einmal hochheben konnte. Deshalb sagte er: "Begleite doch deinen Gast nach Hause!" Und der Tiger ging mit und trug ihm das Gold zu seiner Jurte.

pixelio.de Der alte Mann und der Tiger

Nach einigen Tagen kam der Tiger zu dem Alten zu Besuch. Da war es nun an der Alten, Tee zu kochen und ein Mahl zu bereiten. Sie fragte ihren Mann: "Was soll ich für unseren Gast kochen?" "Nimm den Kehlkopf des Tigers von neulich und den Mastdarm des Tigers, der nach diesem kam!" Der Tiger, vor Schreck fast von Sinnen, stürzte hinaus und rannte davon. Die werden mich töten und essen! Er konnte nichts anderes mehr denken und lief noch schneller. Ein Wolf kam ihm entgegen, der fragte: "Tiger, warum rennst du so?"

Darauf der Tiger: "Ach, hier gibt es einen furchtbaren Alten mit seiner Frau. Sie wollen mich umbringen und aufessen!" Der Wolf entgegnete: "Vor denen brauchst du dich nicht zu fürchten! Ich fresse jeden Tag ein Stück Vieh aus ihrer Herde. Lass uns zusammen hingehen!" "Noch einmal kriegst du mich nicht dorthin. Ich habe Angst", sagte der Tiger, aber der Wolf beruhigte ihn: "Wenn du dich fürchtest, dann binde dich an mir fest; so kann ich dir nicht davonlaufen."

Damit war der Tiger einverstanden. Als der alte Mann die beiden kommen sah, rief er: "He, Wolf, bringst du endlich den Tiger, den du mir schuldest?" Bei diesen Worten ergriff der Tiger die Flucht. Den Wolf schleppte er hinter sich her. Als er sich noch einmal umdrehte, sah er, wie der Wolf die Zähne fletschte, weil das Seil, mit dem er an dem Tiger hing, ihm die Kehle zuschnürte.

pixelio.de Der alte Mann und der Tiger

"Du lachst, und mir geht die Luft aus!" Und der Tiger rannte noch schneller. Ein zweites Mal wandte er sich um. Da hing dem Wolf das Fell in Fetzen. "Was bindest du dich an mir fest, wenn du nicht laufen kannst!" schrie der Tiger, rannte weiter und schleifte den Wolf zu Tode.

So waren die beiden Alten ihre Feinde los. Sie brauchten sich nicht mehr zu fürchten und lebten fortan in Glück und Frieden.

Verwendete Bilder sind von:
© Schemmi/PIXELIO (Bild 1)
© wrw/PIXELIO (Bild 2)
© Anderl Reigber/PIXELIO (Bild 3)
© Alexander Bartl/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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