In der Kehrberger Forst, im Kreis Greifenhagen, liegen die Münzberge. Dort trieben einst die berüchtigten Räuber Münz und Schwarz mit ihren Spießgesellen ihr Wesen. Jeden Wanderer, den sein Weg durch den Wald führte, plünderten sie aus, erschlugen ihn und warfen seinen Leichnam in einen kleinen Pfuhl, der noch bis auf den heutigen Tag der Räuberpfuhl heißt. Die geraubten Kostbarkeiten aber bargen sie in ihrer Höhle im Innern des Berges.
Eines Tages hatten die Räuber einem reichen Bauern aus der Umgegend so mitgespielt; doch weil er ein schwerer Mann und der Teich weit entfernt war, so ließen sie seinen nackten Leichnam im Buschwerk liegen. Der Bauer war aber nicht tot, sondern nur betäubt; und als er sich wieder erholt hatte, machte er sich auf den Weg zum Fürsten und zeigte ihm die Untaten der Bande an. Der Fürst ließ sogleich Soldaten rufen, stellte sich selbst an ihre Spitze und zog mit ihnen unter Führung des Bauern in die Kehrberger Forst hinein.

In der Nähe der Münzenberge machten sie halt und entwarfen den Schlachtplan. Der Bauer riet, der Fürst solle mit der Mehrzahl der Soldaten am Eingang der Höhle Wache halten, unterdes wolle er mit drei entschlossenen Männern auf der andern Seite des Berges einen Schacht in den Hügel graben und den Räubern in den Rücken fallen. Der Rat gefiel, der Bauer wählte sich drei starke, mutige Leute aus, machte sich mit ihnen auf den Weg und begann den Gang in den Berg zu führen. Als sie eine kurze Zeit gearbeitet hatten, gab das Erdreich nach, und sie stießen auf einen finstern Raum. Plötzlich aber ward es hell um sie her, und ein kleiner Zwerg, mit einem Licht in der Hand, stand vor ihnen und fragte nach ihrem Begehr.
"Wir wollen den Räubern in den Rücken fallen", sagte der Bauer unerschrocken, "aber wer bist du, und wie kommst du hierher?" - "Ich heiße Mans", erwiderte der Unterirdische, "und bin der Schatzhüter der Räuber. Das sind alles gewaltige, starke Gesellen, darum kehrt nur wieder um und seid froh, dass ihr euch nichts mit ihnen zu schaffen machen braucht." Als Mans jedoch sah, dass die Leute sich durch seine Reden nicht einschüchtern ließen, sprach er: "Nun gut, so lauft denn dem Unglück in die Arme; den Weg in die Höhle kann ich euch gerne weisen."
Nachdem er dies gesagt hatte, schritt er mit seiner Leuchte voran, und die andern folgten ihm. Es dauerte nicht lange, so standen sie vor einer schweren Tür. "Öffnet diese Pforte, und ihr seid, wo ihr wollt", rief der Zwerg, und damit verschwand er.

Richtig, als der Bauer die Türe aufgeklinkt hatte, schaute er in einen weiten, hell erleuchteten Saal, in welchem Münz und Schwarz mit zwanzig Spießgesellen vor einem langen Tisch saßen und Geld abzählten. In demselben Augenblick stürzte aber auch der Fürst mit seinen Soldaten durch den Haupteingang hinein und fiel über die Räuber her.
Die überraschten Männer wehrten sich heldenmütig; doch ihre Tapferkeit half ihnen zu nichts, denn um sich ihrer Feinde von vorn und im Rücken erwehren zu können, dazu war ihre Zahl zu gering. Sie alle wurden niedergemetzelt, und der Geldhaufen auf dem Tische fiel in die Hände der Sieger. Die unermesslichen Schätze, welche Zwerg Mans zur Bewahrung hatte, erhielten sie aber nicht, denn nirgends war eine Spur von ihrem Lagerort und dem Schatzhüter zu finden. Noch bis auf den heutigen Tag liegen diese Kostbarkeiten in den Münzbergen, und noch immer werden sie von dem Zwerg Mans in sicherer Hut gehalten.
(Dr. Ulrich Jahn/1886, 1861-1900)
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