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Archive for the ‘Russland’ Category

Der Spatz, das Mäuslein und der Pfannkuchen – ein russisches Volksmärchen

Sonntag, April 5th, 2009

pixelio.de Der Spatz, das Mäuslein und der PfannkuchenAm Waldrand lebten einmal drei Gesellen in einem warmen Häuschen. Der gefiederte Spatz, das samtene Mäuslein und der fette Pfannkuchen. Der Spatz war vom Felde hierher geflogen, das Mäuslein war vor der Katze ausgerissen, und der Pfannkuchen war aus der Pfanne gehopst. Jeder machte seine Arbeit und war den anderen behilflich. Der Spatz brachte das Essen: Körner vom Feld, Pilze aus dem Wald und Bohnen aus dem Garten. Das Mäuslein machte Holz klein, und der Pfannkuchen kochte Kohlsuppe und Grütze.

So lebten sie gut miteinander. Wenn der Spatz von der Jagd zurückkam, wusch er sich im Quellwasser und setzte sich auf die Bank, um auszuruhen. Das Mäuslein schleppte Holz herbei, deckte den Tisch und zählte die bunten Löffel. Der Pfannkuchen am Herd, schön gebräunt und prächtig dick, kochte Kohlsuppe, salzte sie kräftig und probierte die Grütze. Dann setzten sich die drei an den Tisch und konnten alles nicht genug loben.

Der Spatz sagte: "Ach, Kohlsuppe bleibt Kohlsuppe, wie gut und fett sie wieder ist!" Und der Pfannkuchen sagte zu ihm: "Ich habe mich in den Topf getaucht und bin wieder herausgekrochen – deshalb ist die Kohlsuppe so schön fett." Und der Spatz aß den Grützebrei und lobte ihn.

Darauf sagte das Mäuslein: "Ich habe auch Holz in Mengen herangeschafft, ich hab’s auch ordentlich kleingenagt, hab viel in den Ofen gesteckt, und mit dem Schwänzchen hab ich das Feuer angefacht." "Ja", sagte der Spatz, "ich bin auch kein Versager, ich habe Pilze gesammelt und Bohnen zusammengeschleppt – damit ihr auch satt werdet!" So lebten sie, lobten einer den anderen und kränkten sich nicht.

Doch einmal wurde der Spatz nachdenklich. Ich – so dachte er – fliege den ganzen Tag im Wald umher, und sie? was tun denn die anderen? Vom Morgen bis zum Abend liegt der Pfannkuchen auf dem Ofen, erst gegen Abend kümmert er sich ums Essen. Und die Maus holt morgens Holz, zernagt es und kriecht dann auch auf den Ofen, dreht sich auf die Seite und schläft bis zur Mahlzeit. Aber ich bin vom Morgen bis in die Nacht hinein auf der Jagd, bei schwerer Arbeit. Nein, so kann das nicht bleiben!

pixelio.de Der Spatz, das Mäuslein und der Pfannkuchen

Ganz böse wurde der Spatz. Er trampelte mit den Füßchen, schlug mit den Flügeln und schrie:

"Von Morgen ab tauschen wir mit der Arbeit!" "Schon gut, schon gut!" Der Pfannkuchen und das Mäuslein sahen, dass dagegen nichts zu machen war, und stimmten zu. Am nächsten Tag ging der Pfannkuchen früh auf die Jagd, der Spatz ging Holz zerkleinern, und das Mäuslein wollte Essen kochen. Nun wälzte sich der Pfannkuchen in den Wald. Er rollte den Weg entlang und sang:

"Hopp, hopp, ein Sprung!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Meine Seite ist fett und rund,
Bin gut in saurer Sahne geraten,
Bin gut in brauner Butter gebraten!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Meine Seite ist fett und rund!"

Er lief und lief, und da begegnete ihm Reineke Fuchs. "Wohin willst du denn, Pfannkuchen?" "Auf die Jagd", sagte der Fette. "Und was singst du für ein schönes Lied, kleiner Pfannkuchen?" Der Pfannkuchen hüpfte hoch und sang:

"Hopp, hopp, ein Sprung!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Meine Seite ist fett und rund!
Bin gut in saurer Sahne geraten,
Bin gut in brauner Butter gebraten!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Hopp, hopp, ein Sprung!
Meine Seite ist fett und rund!"
 

pixelio.de Der Spatz, das Mäuslein und der Pfannkuchen"Schön singst du", sagte Meister Reineke und kam näher an ihn heran. "So, du bist also in saurer Sahne angerührt?" "Ja", sagte der Pfannkuchen, "in saurer Sahne und mit Zucker." Darauf fragte der Fuchs: "Hopp, hopp, ein Sprung, sagst du?" Ach, wie der Fuchs springt und wie er faucht und – den Pfannkuchen an der fetten Seite packt! Schnapp!

Und der Pfannkuchen schrie: "Fuchs, lass mich los, ich muss im Wald Pilze suchen!" Der Fuchs aber entgegnete: "Nein, jetzt fress ich dich! Ich verschling dich mit deiner sauren Sahne, deiner Butter und deinem Zucker!" Der Pfannkuchen wehrte und sträubte sich und entkam ihm nur mit Mühe. Ein Stückchen von seiner fetten Seite aber hatte Reineke Fuchs gefressen. Und zu Hause, ach, was war da inzwischen geschehen!

pixelio.de Der Spatz, das Mäuslein und der PfannkuchenDie Maus hatte Kohlsuppe kochen wollen. Sie konnte hineintun, was sie wollte, die Suppe schmeckte nicht. Wie kocht wohl der Pfannkuchen die Suppe? Ach ja, er taucht den Kopf in den Topf, da wird die Kohlsuppe fett. Die Maus nahm allen Mut zusammen und stürzte sich in den Topf. Sie verbrühte sich und konnte nur mit Mühe wieder herausspringen. Jetzt saß sie auf der Bank und vergoss Tränen. Und der Spatz hatte Holz geholt, um es schnell zu zerpicken und in kleine Stücke zu brechen. Er pickte und pickte, bis er sich den Schnabel verbog.

Da setzte er sich auf einen Hügel und weinte. Als der Pfannkuchen nach Hause kam, sah er, dass der Spatz mit verbogenem Schnabel auf dem Erdhügel saß und in Tränen zerfloss. Und als der Pfannkuchen in die Hütte kam, da saß die Maus auf der Bank, mit kahlem Fell und mit zitterndem Schwänzchen.

Als sie nun sahen, dass von dem Pfannkuchen die halbe Seite abgebissen war, weinten sie alle noch mehr. Und der Pfannkuchen sagte: "So geht’s immer, wenn einer seine Arbeit nicht machen will und die anderen Leute schlechtmacht."

Da schämte sich der Spatz und kroch unter die Bank. Sie weinten und krämten sich. Aber dann lebten sie wieder still und friedlich miteinander wie früher. Der Spatz brachte Nahrung, die Maus besorgte das Holz, und der Pfannkuchen kochte Kohlsuppe und Grütze.

Verwendete Bilder sind von:
© Thomas Max Müller/PIXELIO (Bild 1)
© Kurt Bouda/PIXELIO (Bild 2)
© Klicker/PIXELIO (Bild 3)
© Siegfried Bellach/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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Die drei Jäger – ein russisches Volksmärchen

Sonntag, Oktober 19th, 2008

Es waren einmal drei Jäger – zwei hatten einen Bart, der dritte war bartlos. Einmal gingen sie gemeinsam auf Jagd. Sie konnten den ganzen Tag nichts erlegen, und erst am Abend schossen sie ein Rebhuhn. Sie machten ein Feuer, brühten und rupften das Rebhuhn, und dann kochten sie es. Nun kam aber die Schwierigkeit, wie sie es teilen sollten. Sie hatten ja nur ein Rebhuhn für alle drei.

pixelio.de Die drei Jäger

Die Bärtigen schlugen vor: "Wir wollen das Rebhuhn demjenigen geben, der am längsten schweigen kann." "Gut!" sagte der Bartlose. Sie setzten sich ans Feuer und schwiegen. Es verging eine Stunde, es vergingen zwei, drei Stunden – keiner sagte ein Wort. Sie sahen sich nur in die Augen. Da nahm der Bartlose das Rebhuhn aus dem Topf, salzte es, zerlegte es und begann zu essen. Er aß, und die beiden anderen sahen zu.

Als er das ganze Rebhuhn aufgegessen hatte, sprangen die Bärtigen auf und schrien: "Was hast du getan?" "Ihr habt die Wette verloren, Freunde. Ihr habt zuerst gesprochen. Ihr braucht nicht böse zu sein, denn das Rebhuhn gehörte mir, so wie wir es vereinbart hatten." Die Bärtigen senkten betreten die Köpfe.

pixelio.de Die drei JägerAm nächsten Tag gingen sie wieder auf die Jagd. In einem Tal schossen sie zwei Tauben. Sie brühten, rupften und kochten sie und wollten sie nun teilen. Aber wie? Sie hatten nur zwei Tauben und waren ihrer drei. Schließlich sagte nach langem Hin und Her einer der Bärtigen: "Wir wollen die Tauben diese Nacht im Topf lassen und uns schlafen legen. Wer von uns dreien den schönsten Traum hat, soll beide Tauben bekommen. Ist es euch recht?"

Die beiden anderen waren einverstanden, und sie legten sich am Feuer zum Schlaf nieder. Es wurde Nacht. Das Feuer verglomm allmählich. Der Bartlose schnarchte laut, aber die Bärtigen wagten nicht einzuschlafen; sie zerbrachen sich die Köpfe, um einen schönen Traum auszudenken. Erst gegen Morgen schliefen sie erschöpft ein.

Am nächsten Tag sagte der Bartlose: "So, nun erzählt, was ihr geträumt habt!" Der erste, der einen längeren Bart hatte, sprach: "Ich hatte eine wunderschönen Traum. Mir träumte, ich bin ein geflügeltes Pferd. An den Schultern waren mir Flügel gewachsen, ich hatte silberne Hufe und eine goldene Mähne. Ich schüttelte die Mähne, stampfte mit den Hufen und flog hoch hinauf in den Himmel – im Nu hatte ich das ganze Tal überflogen. Am nächsten Tag kam ein herrlicher Recke. Er schwang sich auf meinen Rücken, und ich flog wieder hoch in den Himmel, so hoch, dass mir schwindlig wurde und ich aufwachte."

Der zweite Bärtige sprach: "Dein Traum war schön, aber meiner ist noch schöner. Ich träumte, dass ich selbst dieser herrliche Recke war. Als ich dich kommen sah, sprang ich auf deinen Rücken, und hinauf ging’s zum Himmel! Von dort flogen wir zum Mond. Da sah ich, dass die beiden Tauben zum Mond flogen. Ich jagte ihnen nach von Stern zu Stern, die ganze Nacht, aber ich konnte sie nicht fangen. Schließlich geriet ich in Zorn und wachte auf."

pixelio.de Die drei Jäger

Da begann der Bartlose zu sprechen: "Ach, Brüder, was für schöne Träume habt ihr geträumt! Wie könnte ich mich mit euch messen! Mir träumte, dass wir alle drei am Feuer sitzen. Da verwandelte sich der eine von euch in ein geflügeltes Pferd und begann mit dem Fuß zu stampfen. Der andere verwandelte sich in einen herrlichen Recken und schwang sich auf das geflügelte Pferd. Ihr hobt euch hoch in den Himmel. Ich sah euch nach, bis ihr meinen Blicken entschwunden wart. Da wurde mir ganz bang nach euch, und ich begann bitterlich zu weinen. Und ich sagte mir: ‘Sie werden nie wieder zurückkommen!’ und aß die Tauben auf. Ich aß sie im Traum auf. Ehrenwort!"

Die Bärtigen sprangen auf. "Das kann doch nicht sein! Was sagst du da?" Aber als sie im Topf nachsahen, da lagen nur noch die Knochen darin.

pixelio.de Die drei Jäger

Verwendete Bilder sind von:
© GerdaB./PIXELIO (Bild 1)
© Tina/PIXELIO (Bild 2)
© Gerd Altmann (geralt)/PIXELIO (Bild 3)
© Cornerstone/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

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Ein Krug Goldstücke – ein russisches Volksmärchen

Samstag, September 27th, 2008

Es war einmal ein alter Mann, der arbeitete als Knecht bei einem reichen Herrn. Seine Frau aber war eine große Klatschbase; jede Neuigkeit, die ihr zu Ohren kam, verbreitete sie im ganzen Dorf.

pixelio.de Ein Krug Goldstücke

Einmal ging der Alte für seinen Herrn in den Wald nach Holz. Und wie er so ging, verfing sich sein Fuß in einem Loch unter einem alten Baum. ‘Nanu!’ sagte er zu sich, ‘hier muss doch etwas verborgen sein!’ Er bückte sich, schaute nach und erblickte in dem Loch einen Krug, derr bis obenhin voller Goldstücke war.

‘Welch ein Glück! Aber wie soll ich ihn nach Hause bringen? Meine Frau, dieses Plappermaul, wird überall ausschwatzen, dass ich Gold gefunden habe. Wenn es der Herr erfährt, dann wird mir’s schlecht ergehen.’ Und der Alte vergrub den Krug wieder in demselben Loch und ging nach Hause.

Am anderen Morgen ging er in die nahe Stadt und kaufte eine Tüte Zuckerkringel, einen Hecht und einen Hasen. Er ging in den Wald zurück und hängte die Kringel an die Baumzweige. Den Hecht hängte er an die alte Eiche und den Hasen wickelte er in sein Fischnetz und versteckte es im Ufergebüsch.

Dann ging er zu seiner Frau nach Hause und sagte: "Frau, ich habe etwas ganz Wunderbares entdeckt. Ich wage es nicht, dir davon zu erzählen, denn ich befürchte, du wirst es im ganzen Dorf austratschen." "Wie kannst du nur so etwas denken! Ich verspreche dir, niemandem auch nur ein Wörtchen davon zu sagen."

"Gut, dann will ich es dir verraten. Ich habe im Wald einen Krug voller Goldstücke gefunden." "Ach, mein Lieber, dann wollen wir schnell in den Wald, den Krug holen." "Aber hüte dich, jemand etwas zu sagen, sonst wird es uns übel ergehen!" "Hab keine Angst, von nun an wird mein Mund fest verschlossen sein!"

Die beiden Alten gingen in den Wald. Zuerst entdeckte die Frau die Kringel an den Bäumen und sagte erstaunt: "Schau mal, da hängen ja Kringel an den Bäumen!" "Das ist gar nicht verwunderlich, gestern Nacht sind eine Million Zuckerkringel vom Himmel gefallen!"

pixelio.de Ein Krug Goldstücke

09/08 Ein Krug GoldstückeDie Alte verstummte. Sie gingen weiter und gelangten zu der alten Eiche. Als die Alte den Hecht an dem Baum hängen sah, fiel sie vor Staunen fast in Ohnmacht. "Vater, Vater, schau nur hinauf, an dem Baum hängt ein Hecht!" "So?" sagte der Alte. "Dann will ich ihn pflücken, und wir werden ihn uns am Abend braten!" Sie nahmen den Hecht mit und setzten ihren Weg fort. Die Alte ging hinter ihrem Mann her.

Sie kamen an den Fluss. Da sagte der Alte: "Ich will doch mal nachsehen, ob sich etwas in meinem Netz gefangen hat!" Er zwängte sich in das Gebüsch und holte den Hasen hervor. "Schau, was für einen schönen Hasen ich im Fluss gefangen habe!" "Das höre ich zum erstenmal, dass ein Hase im Fluss schwimmt!" rief die Alte. "Ein fetter Hase!" der Alte hob ihn hoch. "Den werden wir uns braten!"

Dann gingen die Alten zu dem Loch unterm Baum, holten den Krug mit den Goldstücken hervor und machten sich auf den Heimweg. Es dunkelte schon, und die Herden kamen von den Weiden. Die Kühe muhten. "Hörst du, Vater, wie die Kühe brüllen?" "Kühe? Das sind Teufel!" "Wohin gehen sie denn?" "Sie gehen, um unserem Herrn das Fell zu gerben."

Die Alten gingen nach Hause und ließen es sich gutgehen. Die Frau warf das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Jeden Tag lud sie Gäste ein und kaufte sich lauter unnützen Tand. Der Alte duldete das lange Zeit, schließlich sagte er ihr sanftmütig, sie solle doch nicht das Geld für unnützes Zeug vergeuden. Da brauste die Alte auf: "Du willst nur all die Goldstücke für dich behalten! Das schlag dir aus dem Sinn! Ich gehe zum Herrn, um mich zu beklagen!"

Sie ging zum Herrn und erzählte ihm von dem Krug, den sie gefunden hatten, und bat  ihn, die Goldstücke gerecht zwischen ihnen zu teilen. Der Herr sprang auf und ging zu dem Alten. "Du Räuber, du!" schrie er. "Du hast Geld in meinem Wald gefunden und mir nichts davon gesagt! Gib mir auf der Stelle das Gold!"

"Ich bitte Euch, Herr, ich weiß von nichts. Ich habe keinen Krug gefunden." "Er lügt!" rief die Alte dazwischen. "Gib das Geld her, oder dir wird es übel ergehen!" schrie der Herr. "Woher soll ich es nehmen? Ich bitte Euch, Herr, fragt meine Frau, wann und wo ich das Geld gefunden haben soll, von dem sie Euch erzählt hat."

"Erzähl, Alte, wo und zu welcher Zeit habt ihr den Krug gefunden?" forderte der Herr die Frau auf. "Das will ich Euch erzählen!" begann sie. "Wir gingen durch den Wald, damals, als eine Million Zuckerkringel vom Himmel gefallen waren." "Alte, komm zu dir, du sprichst dummes Zeug", unterbrach sie der Herr.

"Nein, Herr! Zuerst kamen wir zu dem Baum, an dem ein Hecht hing, wie eine Frucht." "Hört Ihr, Herr! Diese Frau hat ihren Verstand völlig verloren!" "Ja, so siehst du aus!" rief die Alte ärgerlich. "Dann gingen wir, Herr, an den Fluss und fischten mit dem Netz einen Hasen aus dem Wasser." "Halt, Alte! Hat man denn je so etwas gehört!"

"Ich sagte Euch doch, Herr, meine Frau ist nicht ganz richtig im Kopf." "Du halt den Mund!" schrie die Alte. "Dann gingen wir dorthin, wo der Schatz lag, holten den Krug hervor und gingen nach Hause." "Wann hat sich das alles zugetragen?" fragte der Herr. "Das war gerade damals, als Euch die Teufel das Fell gerbten!"

pixelio.de Ein Krug Goldstücke

"Was?" brüllte der Herr. "Diese Frau gehört ins Narrenhaus", und ging fort.

Der schlaue Alte aber versteckte die Goldstücke an einem heimlichen Platz und lebte glücklich und zufrieden.

09/08 Ein Krug Goldstücke

Verwendete Bilder sind von:
© qay/PIXELIO (Bild 1)
© Stephanie Hofschlaeger/PIXELIO (Bild 2)
© Bernd Sterzl/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

 

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Der schlaue Bursche – ein russisches Volksmärchen

Montag, September 15th, 2008

Es war einmal ein altes Mütterchen. Es war geizig und dazu dumm wie ein Schaf.

Der schlaue Bursche

Dieses Mütterchen hatte zwei Söhne, aber der eine war gestorben. Der andere lebte bei ihr und bestellte den Acker. Einmal, als der Sohn nicht zu Hause war, klopfte ein Soldat an die Tür. Er war weit gewandert, war zum Umfallen müde  vom langen Weg und hungrig wie ein Wolf. Die Alte machte ihm auf.

"Was willst du?" fragte sie ihn. "Mütterchen, lasst mich bei euch übernachten!" bat der Soldat. "Ach, Söhnchen, wir haben keinen Platz für dich." "Mütterchen, dann gebt mir wenigstens etwas zu essen!" "Ach, Söhnchen, was soll ich dir geben, wo ich doch selbst nichts habe!" Der Soldat ließ den Kopf hängen, wandte sich um und wollte gehen. Da fragte ihn die Alte: "He, Soldat, wo kommst du her?" "Aus dem Jenseits", antwortete der Soldat. "Aus dem Jenseits? Ich hatte einen Sohn, der ist mit voriges Jahr gestorben. Bist du ihm vielleicht im Jenseits begegnet?" "Wie könnte ich ihn nicht getroffen haben! Er ist mein bester Freund. Wir schlafen in einem Bett." "Was macht mein lieber Junge?" "Er hütet die Kraniche, Mütterchen."

pixelio.de Der schlaue Bursche

"Ach, der Arme!" seufzte die Alte. "Ja, er hat’s schlecht getroffen, dein Junge, denn die Kraniche laufen immer ins Dornengebüsch, und dann muss er ihnen nachlaufen und zerreißt sich dabei die Kleider." "Ach, der Ärmste!" "Ja, er läuft schon wie ein Bettler herum!" "Höre, Söhnchen, ich habe einen Ballen Wollstoff. Tu mir einen Gefallen: Nimm diesen Stoff mit ins Jenseits und gib ihn meinem Sohn, damit er sich neue Sachen daraus machen lässt!" "Gern, Mütterchen!" sagte der Soldat, nahm den Stoff und machte sich aus dem Staube. 

pixelio.de Der schlaue Bursche

Am Abend kam der zweite Sohn der Alten vom Feld nach Hause. "Ach, Kind", fing sie gleich an, "eben hat mich ein junger Bursche besucht, der aus der anderen Welt kam. Ich habe ihm einen Ballen Stoff für deinen verstorbenen Bruder mitgegeben." "Mütterchen, was hast du da getan?! Ich sage dir, hier bleibe ich nicht länger! Ich werde in die weite Welt ziehen, um zu sehen, ob ich eine Frau finde, die noch dümmer ist als du! Gibt es eine, so will ich zurückkommen und dich bis an dein Lebensende hegen und pflegen. Gibt es aber keine, dann brauchst du nicht auf mich zu warten, denn dann komme ich nicht wieder."

Damit kehrte er ihr den Rücken, nahm den Weg unter die Beine und war bald ihren Blicken entschwunden. Er wanderte seines Weges und kam zu einem Herrenhaus. Er schaute über den Zaun. Auf dem Hof führte eine Sau ihre zwölf Ferkel spazieren.

pixelio.de Der schlaue Bursche

Der Bursche trat ein und verneigte sich vor der Sau. Die Herrin des Hauses stand auf der Vortreppe. Als sie sah, was der Bursche tat, fing sie an zu lachen und sagte zu ihrer Magd: "Lauf, Marika, und frag, warum sich dieser Tölpel vor der Sau verneigt!" Marika lief auf den Hof und fragte den Burschen: "He, du Dummkopf, warum verneigst du dich vor der Sau?"

"Ich bitte dich", sagte der Bursche, "sag deiner Herrin, dass ich gekommen bin,die Sau zur Hochzeit einzuladen. Sie ist die pixelio.de Der schlaue BurscheSchwester der unseren, und die will heiraten. Das ist’s! Darum lasse ich deine Herrin bitten, dass sie eurer Sau erlaubt, zur Hochzeit zu kommen. Sie kann auch ihre Ferkel mitbringen!" Als die Hausfrau hörte, weshalb der Bursche gekommen war, wollte sie sich totlachen. "Einen solchen Dummkopf hab ich mein Lebtag noch nicht gesehen", sagte sie und wischte sich die Tränen aus den Augen.

"Da hilft nichts, ich muss sie gehen lassen, damit die Leute ihn auslachen. Hör, Marika, putz die Sau schnell heraus: Setze ihr meinen Hut auf, hänge ihr meine Halskette um und sage dem Knecht, er soll den Wagen anspannen! Die Nachbarn sollen sehen, dass meine Sau nicht zu Fuß zur Hochzeit zu gehen braucht!"

Marika putzte die Sau, und als der Knecht sie mit ihren zwölf Ferkeln in den Wagen geladen hatte, fasste der Bursche die Zügel, knallte mit der Peitsche und ließ die Pferde traben.

pixelio.de Der schlaue Bursche

Der Herr des Hauses war indessen auf der Jagd gewesen. Gegen Abend kam er zurück. Seine Frau ging ihm entgegen und schüttelte sich wieder vor Lachen: "Ach Mann, wenn du nur zu Hause gewesen wärest und gesehen hättest, was sich hier zugetragen hat! Da ist ein Dummkopf gekommen und hat sich immer vor dem Schwein verneigt. ‘Eure Sau’, sagte er, ‘ist die Schwester von unseren. Erlaubt, dass ich sie zur Hochzeit führe, denn die unsere will heiraten.’"

"Und du hast’s ihm erlaubt?" fragte der Mann. "Gewiss! Ich habe ihm die Sau und die Ferkel gegeben und sogar befohlen, dass sie sie auf den Wagen luden. Zum Totlachen war’s!" "Und woher kam der Bursche?" "Das weiß ich nicht." "Ach Frau, dieser Dummkopf kann sich an Dummheit mit dir nicht messen. Wie soll ich ihn nun finden?"

Darauf schwang sich der erzürnte Herr aufs Pferd und ritt den Spuren des Wagens nach. Nach drei Stunden hatte er ihn fast eingeholt. Der Bursche, der ahnte, was geschehen würde, sprang vom Wagen und führte die Pferde abseits ins Gebüsch. Dann setzte er sich an den Wegrand, nahm seine Fellmütze ab und deckte sie über ein verdorrtes Zweiglein. Der Reiter kam näher und hielt an.

"He, Bursche, ist hier nicht ein Schlauberger mit einem Wagen, beladen mit Schweinen, vorbeigekommen?" "Ja, ja, der ist vorbeigekommen, aber er muss schon weit fort sein, denn es ist schon drei Stunden her." "Wohin hat er sich gewandt? Kann ich ihn einholen?" "Das glaube ich nicht, denn es gibt hier viele Kreuzwege, und du kennst die Gegend nicht."

Der Herr überlegte, was er tun sollte. "Hör zu, Bursche", sagte er, "willst du an meiner Stelle den Dieb fangen? Wenn du ihn mir mitsamt dem Wagen zurückbringst, so will ich es dir reich lohnen." "Das kann ich nicht, Bruder, ich muss hierbleiben und den Falken meines Herrn bewachen." "Wo ist der Falke?" "Unter meiner Mütze." "Gut, dann werde ich statt deiner auf den Falken aufpassen!"

pixelio.de Der schlaue Bursche"Nein, Bruder, du wirst ihn fortfliegen lassen, und es ist ein sehr kostbarer Vogel. Mein Herr ist ein aufbrausender Mensch und wird mir das Fell gerben." "Wieviel kostet der Vogel?" "Tausend Rubel." "Das heißt, wenn ich ihn fortfliegen lasse, so muss ich dir tausend Rubel bezahlen?" "Das sagst du jetzt, aber nachher muss ich den Kopf herhalten." "Was bist du für ein ungläubiger Thomas! Da hast du tausend Rubel, nimm mein Pferd und reite hinter dem Dieb her, ich werde indessen den Falken bewachen, denn ich bin müde."

Der schlaue Bursche nahm das Geld, stieg aufs Pferd und verschwand bald darauf im Wald. Der Herr setzte sich auf einen Baumstamm und passte auf die Mütze auf. Die Sonne ging unter, es dunkelte schon, und der Bursche war noch immer nicht zurückgekommen. Der Herr dachte: ‘Ich will doch mal sehen, was das für ein teurer Falke ist!’ Als er die Mütze aufhob, sah er das verdorrte Zweiglein. ‘So ein Räuber! Das war sicher derselbe, der die Sau, die Ferkel und meinen Wagen ergaunert hat.’

Spät in der Nacht kam der betrogene Herr nach Hause und sagte lächelnd zu seiner Frau: "Höre, deine Sau ist auch meine Sau. Sie soll sich’s auf der Hochzeit gut sein lassen. Wir wollen deswegen nicht streiten."

Der Bursche aber holte die Pferde und Schweine, brachte sie seiner Mutter nach Hause und sprach: "Mutter, noch hundert Jahre will ich dich hegen und pflegen, denn ich habe Leute gefunden, die sind noch dümmer als du. Sie wohnen in einem Herrenhaus. Aber gute Leute waren sie. Sie haben mir drei Pferde, einen Wagen, tausend Rubel, eine Sau und zwölf Ferkel geschenkt!"

Verwendete Bilder sind von:
© Bernd Sterzl/PIXELIO (Bild 2)
© Günther Dotzler/PIXELIO (Bild 3)
© Susanne Beeck/PIXELIO (Bild 4)
© HHS/PIXELIO (Bild 5)
© Rike/PIXELIO (Bild 6)
© Karin Jähne/PIXELIO (Bild 7)
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