Der Prinz mit den Eselsohren – ein spanisches Volksmärchen
Freitag, Oktober 16th, 2009
Es war einmal ein König, dessen größter Kummer war, dass er keine Kinder hatte. Als er sich schon vor lauter Trübsal nicht mehr zu helfen wusste, ging er zu drei guten Feen, die im tiefen Wald lebten, und bat sie um Rat. Den Feen tat der arme König leid, und so versprachen sie ihm, dass er übers Jahr einen Nachfolger bekommen würde.
Und was sie versprachen, das hielten sie auch. Übers Jahr wurde der Königin ein Söhnchen geboren. In der Nacht aber erschienen die drei guten Feen aus dem Wald an der Wiege und brachten dem kleinen Prinzen ihre Patengeschenke.
Die erste Fee sprach: "Ich lege dir Schönheit in die Wiege. Du wirst der schönste Prinz auf der Welt sein."
Und die zweite Fee sagte: "Mein Patengeschenk sind Verstand und Aufrichtigkeit. Du wirst klug und ehrlich sein."
Als die dritte Fee hörte, mit welchen Gaben die beiden den kleinen Prinzen bedacht hatten, überlegte sie ein Weilchen und sprach dann: "Von mir bekommst du Eselsohren, damit du nicht stolz und übermütig wirst!"
Und leise, wie sie gekommen, verschwanden die Feen wieder.
Die Wünsche der Feen gingen in Erfüllung. Der kleine Prinz wuchs heran und wurde immer hübscher und verständiger. Aber je hübscher und verständiger er wurde, umso längere Ohren wuchsen ihm. Es waren wirklich schon bald die reinsten Eselsohren.
Der König und die Königin waren darüber ganz verzweifelt. Wer hatte das je gesehen – ein Prinz mit Eselsohren! Wie sollte er einmal König werden, wie sollten seine Untertanen Ehrfurcht vor ihm empfinden, wenn sie das erfuhren? Und so musste der kleine Prinz ständig eine Mütze tragen, damit niemand seine Ohren zu sehen bekam. So konnte das Gebrechen vor dem ganzen Hof geheimgehalten werden, und niemand ahnte auch nur das geringste. Alle waren sich darüber einig, dass ihr Prinz der schönste und klügste König auf der Welt sein würde und keiner ihm je gleichkäme.

Mit der Zeit wuchs der Prinz zu einem stattlichen Jüngling heran, und nun begannen die Schwierigkeiten. Solange er klein war, konnte er das Haar lang tragen wie ein Mädchen und brauchte keinen Barbier. Doch nun, da er erwachsen war und sich zudem der erste Bartwuchs zeigte, da war schon ein Barbier vonnöten. Auch der König musste das einsehen und schlief nächtelang nicht vor Sorgen. Er überlegte, wie er es anstellen sollte, dass dem Prinzen das Haar geschnitten und der Bart geschoren wurde, ohne dass das schreckliche Geheimnis an den Tag kam.
Eines Morgens ließ er den Ältesten der Barbierzunft rufen und sprach: "Meister Barbier, es wird dir große Ehre zuteil. Ich habe beschlossen, dich zum Hofbarbier meines königlichen Sohnes und Nachfolgers zu machen. Deine einzige Pflicht ist, jede Woche einmal den Prinzen zu rasieren und ihm das Haar zu schneiden. Du siehst, es ist ein leichter Dienst, der dich, wenn du ihn treu erfüllst, zu einem reichen Mann macht. Doch merke dir gut, was ich dir jetzt sage: Wenn du auch nur mit einem Wort verrätst, was du bei deiner Arbeit gesehen hast, lasse ich dir ohne Erbarmen den Kopf abschlagen!"
Der ehrwürdige Barbier wusste nicht, ob er wachte oder träumte. Mit Freuden gelobte er, zu schweigen wie das tiefste Grab. Und wo wurde er noch am gleichen Tag zum Hofbarbier des jungen Prinzen ernannt. Er wohnte im Königsschloss, aß von der königlichen Tafel, besuchte den königlichen Rat und hatte alles, was er sich nur wünschen konnte, kurz und gut, glücklicher und zufriedener konnte gar niemand sein.
Doch das währte nicht lange. nach einem Monat war unser lieber Barbier bleich und blass, nach weiteren zwei Monaten wurde er immer magerer, und bald sah er aus, als wolle er jeden Augenblick dem Tod über die Klinge springen. So quälte ihn, was er wusste, so peinigte ihn, dass er das, was er gesehen, niemandem weitererzählen durfte.
Als der arme Barbier vor lauter Schwäche kaum noch den Kamm und die Schere halten konnte, suchte er einen alten Einsiedler im tiefen Wald auf und klagte ihm sein Leid. "Was soll ich tun, weiser Mann?" fragte er den Einsiedler. "Mich drückt ein Geheimnis, das ich nicht verraten darf, das mir schier das Herz abdrückt. Wenn ich es für mich behalte, so sterbe ich an der Last, die ich tragen muss, und wenn ich es jemandem sage, so kostet es mich den Kopf."
Der Einsiedler dachte eine Weile nach und sagte dann: "Wenn das Geheimnis dermaßen auf deiner Seele lastet, so sage es jemandem, der es nicht weitersagen kann. Suche eine einsame Stelle in den Feldern auf, grabe dort eine Grube, und in die sprich das Geheimnis hinein. So wirst du deine Sorgen los, und die Erde, die sagt es niemandem weiter."
"Du sprichst wahr, weiser Mann", freute sich der Barbier. "Habe Dank für deinen Rat, ich werde ihn bestimmt befolgen." Und er eilte hinaus aus dem Wald und in die weiten Felder. Dort fand er ein einsames, verlassenes Tal, grub eine Grube, und in die Grub flüsterte er, was er wusste. Kaum hatte er das getan, da war all die Schwere und all die Last von ihm gewichen. Es war ihm wieder leicht ums Herz, und er war fröhlich wie schon lange nicht mehr. Mit einem Lied auf den Lippen schaufelte er die Grube wieder zu, mit einem Lied auf den Lippen lief er nach Hause, mit einem Lied auf den Lippen setzte er sich an den gedeckten Tisch. Schon lange hatte es ihm nicht mehr so geschmeckt wie diesmal.
Doch nicht einmal in der Erde ist ein Geheimnis gut aufgehoben. An der Stelle, wo der Barbier die Grube gegraben hatte, wuchs nach kurzem hohes Rohr. Und gerade zu jener Zeit kamen Hirten mit ihren Herden vorbei. Als sie das herrliche Rohr sahen, eilten sie hin, um sich daraus Rohrpfeifen zu schneiden. Doch kaum legten sie die Pfeifen an die Lippen, kaum bliesen sie hinein, da ertönte aus den Rohrpfeifen ein gar seltsames Lied:
"Unser Prinz hat Eselsohren,
Eselsohren hat unser Prinz."

Und war das Lied erst einmal auf der Welt, da ließ es sich nicht mehr aufhalten. Es flog durch das ganze Land, und am dritten Tag hatte es auch der Hof gehört.
Der König und die Königin waren entsetzt. Der König ließ die Hirten kommen und befahl ihnen, etwas auf ihren Rohrpfeifen zu spielen. Die armen Hirten taten ihr bestes, doch sie mochten sich noch so sehr mühen, ein lustiges Liedchen zu blasen, die Pfeifen gaben nichts anderes von sich als:
"Unser Prinz hat Eselsohren,
Eselsohren hat unser Prinz."
Auch dem König erging es nicht besser. Kaum legte er eine der Rohrpfeifen an die Lippen, da erklang auch schon das Spottliedchen:
"Unser Prinz hat Eselsohren,
Eselsohren hat unser Prinz."
Der Zorn des Königs war schrecklich. Wer anders konnte das Geheimnis ausgeplaudert haben als der Barbier des Prinzen? "Her mit ihm! Und lasst auch den Henker rufen, der soll ihm den Kopf abschlagen!" befahl der König. Schon schleppten durch die eine Tür die Wachen den armen Barbier herein, und durch die andere trat der Henker mit seinem Schwert.
Aber noch ehe der Henker sein grausames Werk beginnen konnte, erhob sich der Prinz von seinem Platz, riss sich die Mütze vom Kopf und sagte mit klarer Stimme: "Halte ein, Henker! Warum willst du dem Barbier den Kopf abschlagen, hat er doch nichts anderes gesagt als die reine Wahrheit. Ich will nicht länger das Geheimnis verbergen, mögen es ruhig alle wissen. Ich werde auch mit Eselsohren ein guter König!"
Der Barbier war gerettet. Im gleichen Augenblick aber waren auch die Eselsohren verschwunden. Die dritte Fee hatte sich überzeugt, dass des Prinzen Herz nicht stolz und hochmütig geworden war, und so nahm sie ihr Geschenk wieder zurück.
Ihr könnt euch ja vorstellen, wie sich jedermann freute, dass alles so gut ausgegangen war. Das Volk freute sich, der König und die Königin freuten sich, der Prinz freute sich, am meisten aber freute sich der Barbier. Hätte es ihm doch beinahe den Kopf gekostet!
Und die Hirten und ihre Rohrpfeifen? Nun, die Hirten zogen wieder weiter mit ihren Herden, und die Rohrpfeifen, die sangen nie mehr von den Eselsohren des Königs. Auch nicht, wenn es die Kinder hin und wieder heimlich versuchten.
Verwendete Bilder sind von:
© Barbara Frolik/PIXELIO (Bild 1)
© Thomas Fromm/PIXELIO (Bild 2)
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Kaum hatte er das Heimatdorf hinter sich gelassen, da begegnete er der Sonne.
Und so wurde der Sohn der armen Witwe Arzt. Gerade zu jener Zeit erkrankte die Tochter des Königs so schwer, dass niemand ihr helfen konnte. Der Tod schickte den jungen Arzt zu ihr. Der Arzt trat in das Zimmer der Prinzessin und sah den Tod zu Füßen der Kranken stehen.
Also zogen die Prinzen aus, das wertvollste Ding unter der Sonne zu suchen. Am ersten Kreuzweg trennten sie sich, und jeder wanderte allein weiter.
Dann traten die drei Brüder vor den Vater und zeigten ihm, was sie Wertvolles mitgebracht hatten.

Frau Glück war weniger lustig. Sie war eine schöne Frau, aber unbeständig und launenhaft wie der Frühjahrswind; nirgends hielt sie es länger aus, überall wollte sie das Wort führen, und wehe dem, der ihr nicht gleich gehorchte oder sie gar beleidigte, dem zeigte sie den Rücken, und dem Armen erging’s schlecht.

Und dann hob sie die Hand und blies stark. Im selben Augenblick glitzerte etwas zu Füßen des armen Häuslers, und als er sich bückte, da war es das Goldstück, das er verloren hatte. Freudig hob er es auf und lief zum Bäcker, Brot und Mehl zu kaufen. Sein Weg führte ihn beim Goldschmied vorbei. Als der den Häusler erblickte, kam er aus seinem Laden gelaufen und rief laut: 
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Der Älteste trat mutig ein, und die anderen folgten ihm. Sie kamen in einen großen Saal, und obwohl das Haus seit Jahren verlassen war, sah es dennoch aus, als würden sie erwartet. Mitten im Saal stand ein großer Tisch mit acht Stühlen, acht Tellern und acht Gläsern. Auf dem Wandbrett lag ein Laib Brot und daneben stand eine Flasche Wein, und vor dem Kamin in der Ecke lag schon Holz aufgestapelt.

Der Herold verneigte sich vor dem Kammerdiener und antwortete: 
Es war einmal ein Soldat, der hieß Juan, aber alle, die ihn kannten, riefen ihn nie anders als Juan Schafftfürzwei - das deshalb, weil er wirklich für zwei schaffte. Er arbeitete für zwei, er war stark und mutig für zwei, und er aß auch für zwei. Aber glaubt nur nicht, dass ihm das viel half, auch wenn er von allem die doppelte Portion vertrug, so war er doch ständig hungrig, und das schien sogar seinen Grund zu haben, denn als ihn sein Korporal einmal fragte:
Juan salutierte und antwortete: 

Da kamen alle Tauben zu ihm geflogen, setzten sich ihm auf die Arme und Schultern, umschwirrten ihn wie ein Bienenschwarm und folgten ihm ins Schloss. Dort trat Juan Schafftfürzwei mit den Tauben vor den König und die Prinzessin.
Und unten am Wasser stand ein großer Kerl, schwarz wie ein Mohr. Aber es war kein Mohr, sondern eine Puppe aus Schusterpech, die die Prinzessin hatte über Nacht anfertigen lassen.