Google
Märchen-Suche
Google

Archive for the ‘Tschechien’ Category

Der weise Prinz – ein tschechisches Volksmärchen

Dienstag, August 4th, 2009

 

Es war einmal ein König, der hatte einen Sohn, einen jungen, stattlichen Prinzen. Dieser wollte in die Welt hinausziehen, um irgendeinen Dienst zu suchen und Erfahrungen zu sammeln. Der König erlaubte es ihm, und der Prinz zog von Land zu Land, überall fragte er nach einem Dienst, doch nirgends war eine Stelle frei.

Lange wanderte er so weiter, bis er schließlich in ein Königreich gelangte. Er ging schnurstracks in das Schloss des Königs. Dort sagte man ihm, dass alle Posten vergeben seien, nur zum Schweinehüten sei niemand da. So wurde der Prinz Schweinehirt, er versorgte das Vieh, mistete den Stall aus und versah alle Arbeiten, die es bei den Schweinen zu verrichten gab.

pixelio.de - Der weise Prinz

Der Prinz war ein schmucker Jüngling, und so warf jedermann gern einen Blick auf ihn. Eines Sonntags bekam ihn die Prinzessin zu Gesicht, und sie fand Gefallen an ihm. Seit dieser Zeit kam sie immer häufiger auf den Schlosshof, um nachzusehen, was der Schweinehirt trieb, und manchmal folgte sie ihm auf die Weide.

Er tat ihr leid, weil er so eine Arbeit zu verrichten hatte, und sie bat ihren Vater, den Jüngling zu seinem Diener zu erheben. Der König hatte die Prinzessin gern, auch er hatte an dem Jüngling Gefallen gefunden, also nahm er ihn als Diener ins königliche Schloss.

Nach einiger Zeit kam die Prinzessin zum Vater, und abermals bat sie, den jungen Diener zu befördern. Der König willfuhr ihrem Wunsche. Er ernannte den Prinzen zum Beamten, und bald stellte sich heraus, dass der Prinz wirklich etwas von seiner Arbeit verstand und sie tadellos verrichtete.

pixelio.de - Der weise PrinzAls wieder einige Zeit verstrichen war, bat die Prinzessin den Vater, den Beamten in seinen Kronrat zu berufen, und der König vermochte seinem Liebling einfach nichts abzuschlagen. Der Prinz versah sein Amt im Kronrat klug, und bald darauf kam die Prinzessin zum König und bat ihn, ihr den Jüngling zum Gemahl zu geben, denn er gefiele ihr. Diesmal dachte der König lange nach, doch als er die Prinzessin immer und immer wieder weinen sah, war er auch damit einverstanden, und es wurde Hochzeit gefeiert.

Der Prinz hatte niemandem gesagt, wer er sei, er lebte glücklich mit der Prinzessin, doch wenn er in dem oder jenem nicht auf sie hören wollte oder sie ermahnte, hielt ihm die Prinzessin immer vor, dass er Schweinehüter gewesen war. Das ärgerte den Prinzen natürlich, und er nahm sich vor, seiner Frau einen Denkzettel zu geben.

An der Grenze des Königreiches seines Vaters gab es tiefe Wälder, und an der Wegkreuzung stand ein Wirtshaus. Diesem Gastwirt ließ der Prinz einen Brief zukommen, dass er mit seiner Frau zum Vater fahren werde, er möge dreißig Tagelöhner dingen, sie gut entlohnen und ihnen auftragen, den Prinzen und die Prinzessin zum Schein zu überfallen, zu berauben und ihnen sogar die Kleider wegzunehmen.

pixelio.de - Der weise PrinzDer Wirt ließ ihn wissen, dass er alles in die Wege leiten wolle, und eines Tages sagte der Prinz seiner Frau, sie solle ihre besten Kleider anziehen, sie würden auf Reise gehen, damit sie die Welt kennenlerne. Beide zogen ihre schönsten Gewänder an, die Prinzessin nahm ihre kostbarsten Juwelen, sie bestiegen die Kutsche und fuhren los. Als sie jenen Wald erreichten, stürzten plötzlich von rechts und links dreißig Kerle aus dem Dickicht, umzingelten die Kutsche und nahmen der Prinzessin und dem Prinzen alles bis auf den letzten Knopf weg.

Dem Prinzen zogen sie sogar das Wams aus, der Prinzessin ließen sie nur das Hemd und den Rock, den Kutscher jagten sie davon, die Kutsche samt Pferden nahmen sie weg. Dann drohten sie ihnen auch noch und sagten, sie sollten froh sein, dass sie ihnen das Leben geschenkt hatten.

Die Prinzessin jammerte, der Prinz aber schwieg. Als sie aus dem Wald traten, überlegten sie, was sie beginnen sollten. Zum Glück sahen sie einen Hirten, der am Waldesrand eine Kuh hütete. Sie gingen zu ihm und erzählten ihm, was ihnen zugestoßen war. Der Prinz bat den Hirten, er möge seine Frau als Hirtin zu sich nehmen, er selbst wolle weiterziehen, um irgendwo einen Dienst zu suchen.

Der Hirt nahm die Prinzessin als Hirtin auf, weil er gerade jemanden brauchte. Oft schalt er die Prinzessin, weil sie sich so ungeschickt anstellte, auch schien sie ihm bei der Arbeit recht langsam zu sein, und deshalb war er streng zu ihr. Sie war von früh bis spät auf den Beinen. Das Vieh machte ihr schwer zu schaffen, dabei bekam sie das allerschlechteste Essen, nur ein paar Tropfen saure Milch und Fladen aus gröbstem Hafermehl, das sie selbst mit einer Handmühle mahlen musste. Sie war schon drei Monate bei dem Hirten, und während dieser Zeit weilte der Prinz daheim bei seinem Vater im Königsschloss.

Der Vater hatte an seinem Sohn seine Freude, und unverzüglich übergab er ihm das Königreich. Der junge König beriet sich mit seinem Vater, und sie beschlossen, noch einmal Hochzeit mit der Prinzessin zu feiern. Als sie alles vorbereitet hatten, schickte der König einen Boten zu seiner Frau und ließ ihr sagen, dass er im Schloss des Königs Stallbursche sei und dass er seinen besten Freund, den Kutscher, zu ihr schicke, damit er sie hole, er habe für sie einen Dienst erbitten können. Der junge König trug seiner gesamten Dienerschaft streng auf, ihn nicht zu verraten, wenn die Prinzessin einträfe, und alles zu tun, was er befehlen würde.

pixelio.de - Der weise Prinz

Als die Prinzessin mit dem Boten ins Schloss kam, führte sie der junge König als Stallbursche durch die Pferdeställe, und dann sagte er ihr, im Schloss würde man eine große Hochzeit feiern, er habe durchsetzen können, dass sie in der Küche das Geschirr abwaschen dürfe. "Viele hohe Herren werden sich versammeln", sprach der König zu seiner Frau, "es wird ein großes Festmahl geben, Essen und Trinken wird nach Herzenslust gereicht werden. Denk also an dich und an mich; du weißt doch, auf den Tellern werden viele Speisereste in die Küche zurückkommen, heb alles auf, damit auch wir etwas von der Hochzeit haben. Am besten wäre, wenn du dir ein Töpfchen an den Gürtel bändest, in das kannst du dann schnell hineintun, was du auf den Tellern findest."

Es geschah alles, wie der König befohlen und gewünscht hatte. Im Schloss wurde ein großes Fest gefeiert, die Musikanten spielten, die Gäste vergnügten sich, aßen und tranken, und die Frau des Königs hatte in der Küche mit dem Geschirrwaschen alle Hände voll zu tun. Während sie die Teller abwusch, strich sie alle Reste in das Töpfchen, um auch für sich und für ihren Mann einen guten Bissen zu haben.

Nach dem Essen begannen die Gäste zu tanzen, alles drehte sich im Kreise, niemand durfte stillstehen. Nach einer Weile befahl der König, dass die gesamte Dienerschaft in den großen Festsaal zum Tanzen komme. Das ließen sie sich nicht zweimal sagen, vergnügt tanzten sie den Reigen, doch wer da fehlte, das war die Frau des Königs. Der König ließ sie holen, doch sie war so mit dem Geschirrabwaschen beschäftigt, dass sie nicht kommen wollte. Da befahl der König sie vorzuführen, ob sie nun wolle oder nicht. Man holte sie mitsamt dem Töpfchen am Gürtel, man tanzte mit ihr und drehte sie so im Kreis herum, dass das Töpfchen herunterfiel und die Speisen über den Boden rollten. Die Frau des Königs schämte sich, sie weinte, sie hatte Angst, man würde sie davonjagen, doch da waren auch schon Diener bei ihr, sie säuberten den Boden und führten die Frau des Königs in ein Nebengemach.

Hier warteten schon die Kammerfrauen, sie wuschen und kämmten sie und kleideten sie in jenes herrliche Gewand, das man ihr damals im Wald fortgenommen hatte, als sie mit dem Prinzen auf Reisen gegangen war. Sie wusste nicht, was mit ihr geschah, sie fragte die Kammerfrauen, doch die sagten ihr nur, sie würde bald alles erfahren. Dann hängten sie ihr einen Brautschleier um und führten sie in den Festsaal, geradewegs vor den Thron des jungen Königs.

pixelio.de - Der weise PrinzDie Prinzessin war so verwirrt, dass sie für keinen der Anwesenden Augen hatte, doch plötzlich hob sie den Blick zum Thron und erkannte ihren Gemahl. Da fing sie zu weinen an, doch nun stand der König schon neben ihr, umarmte sie, ließ sie an seiner Seite Platz nehmen und sagte: "Ich bin in die Welt hinausgezogen, ich habe Gutes wie Böses erlebt, und es war mein Wunsch, dass auch du erfährst, was es heißt, in Armut und bei harter Arbeit zu leben. Du hast geglaubt, ich sei ein Schweinehirt, nun siehst du, dass wir einander von Geburt ebenbürtig sind, und deshalb können wir beide zufrieden in unserem Königreich herrschen!"

Dann ordnete der junge König an, dass man einen ganzen Monat lang seine Hochzeit feiere, und er gab ein großes Fest für das Volk, damit sich alle mit ihm und mit der Königin freuten.

Verwendete Bilder sind von:
© Robert Babiak/PIXELIO (Bild 1)
© Rainer Sturm/PIXELIO (Bild 2)
© Rike/PIXELIO (Bild 3)
© Evelyn Köhler/PIXELIO (Bild 4)
© HaukMedienArchiv / Alexander Hauk / www.bayern-nachrichten.de /PIXELIO (Bild 5)
www.pixelio.de

 

 

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der dumme Teufel – ein tschechisches Volksmärchen

Samstag, August 1st, 2009

 

pixelio.de - Der dumme TeufelEs war einmal ein Schuster, der litt so bittere Not, dass er nicht mehr wusste, was er tun sollte. Er hatte eine Menge Kinder, niemand wollte ihm helfen, aber er schämte sich, den Bettelstab zu ergreifen. Er war verzweifelt, und so holte er einmal den Strang und ging in den Wald, um sich dort zu erhängen.

Er suchte sich einen Baum aus und wollte den Strang an einem Ast befestigen, da klopfte ihm jemand auf die Schulter. Der Schuster fuhr herum, da stand ein Herr vor ihm, der trug ein Jägergewand. "Was treibst du hier?" fragte der Herr. Der Schuster war nicht auf den Kopf gefallen, er schaute sich die Füße des Jägers an, sah, dass er Hufe hatte, und gleich wusste er, dass es der Teufel war. Wart nur, dachte er sich, mit dir werde ich schon fertig. Unerschrocken sagte er: "Ich gehe durch den Wald und schneide Bast für Fallen, in die die Teufel fallen!"

Der Herr stutzte und sagte: "Ich sehe, dass du mich erkannt hast, lass uns in Frieden, und ich will dir dafür geben, was du verlangst!" Da bedingte sich der Schuster aus, dass er so viele Dukaten bekomme, wie der Teufel auf einmal tragen konnte. Der Teufel verschwand, und nach einer Weile fiel dem Schuster ein schwerer Sack vor die Füße. Der Schuster überzeugte sich, dass ihn der Teufel nicht betrogen hatte und verbarg das Geld vorläufig im dichten Gestrüpp. Er sagte sich, er wolle in aller Stille seine Frau holen, um das Geld auf einem Schubkarren nach Hause zu schaffen.

Der Teufel kehrte in die Hölle zurück und erzählte, wie es ihm mit dem Schuster ergangen war.

Der älteste Teufel, Luzifer, wurde zornig und maulte: "Es war nicht nötig, dass du diesem Schuster so viel Geld gabst. Auf der Stelle kehrst du zurück und sagst ihm, dass er mit dir ringen muss; wer gewinnt, der bekommt das Geld. Und wenn der Sack nicht bald wieder hier ist, werfe ich dich in den Feuersee!"

Der zurechtgewiesene Teufel flog wie aus der Kanone geschossen aus der Hölle, er fand den Schuster noch im Wald und sprach zu ihm: "Höre mich an, ich habe dir zu viel Geld gegeben, wir wollen ringen, und wer gewinnt, der kriegt den Sack." Der Schuster überlegte, was er tun solle, und zum Glück fiel ihm ein, dass ganz in der Nähe ein großer Bär seine Höhle hatte. Er führte den Teufel hin und sagte: "Hier haust mein Großvater, er ist neunzig Jahre alt, ringe mit ihm, und wenn du siegst, wirst du auch mit mir fertig!"

pixelio.de - Der dumme Teufel

Der Teufel kroch in die Höhle, der Bär stürzte brüllend heraus, packte den Teufel und schleuderte ihn auf den Boden, dass ihm nur so der Schädel brummte. Der Teufel sprang auf, heulte wie ein Wolf auf und bauz, schon war er wieder in der Hölle. Er ging schnurstracks zum Altteufel Luzifer und sagte: "Das ist ein Teufelskerl von einem Menschen, ich hatte Glück, dass er nicht selbst mit mir gerungen hat. Er hat einen Großvater, neunzig Jahre alt, und der hat mich zu Boden geschleudert, dass alle meine Knochen nur so krachten!"

Luzifer schrie: "Du Dummkopf, du hast dich übertölpeln lassen, dafür sollst du im Feuersee schwitzen!" Er suchte einen anderen Teufel aus und befahl ihm, mit dem Schuster um die Wette zu laufen, und wer gewinnt, der sollte den Sack bekommen. Der Schuster hatte sich noch nicht weit von der Bärenhöhle entfernt, da war auch schon der zweite Teufel zur Stelle.

"Die Dukaten sind noch nicht dein", schrie er, "wir werden um die Wette laufen, und wer als erster am Ziel ist, der nimmt sich den Sack!" "Mir soll’s recht sein", sagte der Schuster, "komm, lass uns gehen, aber zuerst wollen wir sehen, was du kannst, damit ich mich nicht ganz umsonst mit dir abgebe."

pixelio.de - Der dumme Teufel

Der Schuster wilderte gern, und so wusste er auch, wo ein alter Hase sein Nest hatte. Er sah ihn schon von weitem in seiner Ackerfurche liegen, und er sprach zum Teufel: "Schau, dort liegt mein Sohn, er heißt Hänschen, er wurde vor einer Woche geboren, doch laufen kann er schon gut. Wenn du schneller bist als er, dürftest du auch gegen mich gewinnen!"

Sie kamen aufs Feld, und der Teufel rief: "Hänschen, steh auf, wir wollen um die Wette laufen!" Der Hase sprang aus seinem Nest, er wartete gar nicht, bis der Teufel neben ihm stand, sondern rannte schnurstracks los, durch die Ackerfurche, dann hinauf in die Dornenhecke. Er rannte den Hang hinunter auf eine sumpfige Wiese, übersprang einen Bach und verschwand im Wald. Der Teufel setzte hinter ihm her, die Dornen zerkratzten ihn tüchtig, er versank im Sumpf, und als er über den Bach springen wollte, plumps, saß er im Wasser.

Atemlos, zerkratzt und durchnässt flog er in die Hölle zurück, geradewegs zum Altteufel Luzifer, und sprach: "Mit diesem Satansbraten von einem Menschen will ich nichts mehr zu schaffen haben! Er hat einen Sohn, eine Woche alt ist er, und ich konnte ihn nicht einholen, wie wäre das erst gewesen, wenn er selbst mit mir um die Wette gelaufen wäre!"

Luzifer war wütend, weil sich der Teufel hatte übertölpeln lassen, und er befahl, ihn zur Strafe in den Feuersee zu werfen.

Er schickte einen dritten Teufel auf die Erde und befahl ihm, den Sack mit den Dukaten zu holen. Der Schuster wollte sich gerade vom Feld ins Gebüsch begeben, wo er das Geld versteckt hatte, da stand auch schon der dritte Teufel vor ihm. "Du hast mehr Geld bekommen, als dir zukam", sagte der Teufel, "lass uns sehen, wer der Stärkere ist: wir nehmen ein Pferd auf unseren Buckel, und wer mit dem Pferd dreimal um diesen Wald dort laufen kann, der hat gewonnen."

pixelio.de - Der dumme Teufel

Der Schuster blickte sich um und sah, dass auf der Wiese beim Wald Pferde weideten. "Hier haben wir Pferde", sagte er zum Teufel, "aber versuch’ du es als erster, damit du mich nicht anschwindelst."

Der Teufel lud sich das Pferd auf den Rücken, ging zweimal um den Wald herum, aber beim dritten Male versagten seine Kräfte, und er musste rasten. Der Schuster ging hinter ihm her und sagte: "Siehst du, du musst verschnaufen, und dabei hast du das Pferd nur auf deinem Buckel getragen. Ich will es aber wie mit einer Zange zwischen meine Beine nehmen, und du wirst sehen, wie leicht ich das schaffe!"

Er sprang auf das Pferd, trieb es mit der Gerte an, und im Nu hatte er den Wald dreimal umritten. Der Teufel lief hinter ihm her, aber bei der dritten Runde hing ihm die Zunge heraus, er schnaufte, er konnte kaum mehr an die Stelle zurückkehren, von der es losgegangen war. So wartete er gar nicht ab, was der Schuster sagen würde, er verschwand lieber gleich in die Hölle.

Er flog zum Altteufel Luzifer und meldete: "Mit diesem Unhold von einem Schuster will ich nichts zu schaffen haben! Ich trug das Pferd auf meinem Buckel und musste verschnaufen, er aber hat das Pferd mit den Knien gehalten, er trieb es mit der Gerte an und ritt dreimal um den Wald herum, ohne ein einziges Mal zu rasten!" Luzifer brüllte: "Dummkopf, er hat die betrogen, zur Strafe sollst du im Feuersee schmoren!"

pixelio.de - Der dumme Teufel

Er ließ die ältesten Teufel kommen und bestimmte einen, von dem alle glaubten, er sei der schlaueste. Er schickte ihn auf die Erde und befahl ihm, den Sack zu holen.

Der Schuster hatte das Pferd wieder auf die Weide geführt, und als er zurückkehrte, stand der Teufel vor ihm. "Noch einmal wollen wir unsere Kräfte messen! Wer am stärksten pfeift, bekommt das Geld", sprach er zum Schuster. "Ich kann nicht pfeifen, aber ich will hören, was du vermagst!" lachte der Schuster. "Pfeife!" Der Teufel pfiff einmal, und das Laub fiel von den Bäumen; er pfiff noch einmal, da fielen die Zweige herunter, und als er zum dritten Mal pfiff, knackten die Äste und brachen ab.

"Genug, das hast du brav gemacht", sagte der Schuster, "aber das war viel zu wenig! Wenn ich pfeife, wird der Sturm die Bäume entwurzeln. Du bist doch ein junger Teufel, der Wind könnte dir die Augen aus den Höhlen blasen, ich rate dir, lass sie dir lieber zubinden!" "Da bin ich aber froh, dass du mir das gesagt hast", dankte ihm der Teufel, "ich bitte dich also, binde mir die Augen zu!"

Der Teufel ließ sich die Augen fest zubinden, der Schuster suchte einen kräftigen Ast, holte aus, pfiff und schlug dem Teufel mit dem Ast auf den Schädel, dass der Teufel aufsprang und wie ein Wolf heulte. "Siehst du, siehst du", sagte der Schuster, "ich habe dir ja gesagt, dass es die Bäume entwurzeln wird!"

Der Teufel flehte: "Ich bitte dich, pfeif kein zweites Mal mehr!", doch der Schuster sagte: "Das geht nicht, du hast dreimal gepfiffen, so muss auch ich dreimal pfeifen, sonst wäre es nicht gerecht. Wart’ nur, gleich haben wir es!" Er holte abermals aus und schlug dem Teufel auf den Schädel, dass er sich im Kreis drehte, und gleich darauf versetzte er ihm einen dritten Hieb, der war so stark, dass der Teufel aufschrie, und ohne sich zu überzeugen, ob tatsächlich ein Baum entwurzelt worden war, flog er in die Hölle. Luzifer war zornig, aber kein Teufel wollte mehr mit dem Schuster etwas zu tun haben, und so beließ man ihm das ganze Geld.

Der Schuster wartete im Wald, bis es ganz dunkel wurde, dann lief er in seine Hütte, weckte die Frau, sie holten den Schubkarren und die Trage, und in aller Stille brachten sie das Geld nach Hause. Da hatte die Not ein Ende. Die Schusterfrau kaufte Mehl, Erbsen, Graupen; der Meister ging in die Stadt und kaufte Leder ein, er begann wieder zu arbeiten, und nun lebte er mit seiner Familie glücklich und zufrieden.

pixelio.de - Der dumme Teufel

Verwendete Bilder sind von:
© Ferdinand/PIXELIO (Bild 1)
© locky/PIXELIO (Bild 2)
© Ibefisch/PIXELIO (Bild 3)
© Ronny Senst/PIXELIO (Bild 4)
© Tobias Bräuning/PIXELIO (Bild 5)
© Klaus Rupp/PIXELIO (Bild 6)
www.pixelio.de

 

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der schlaue Heger – ein tschechisches Volksmärchen

Freitag, Juli 31st, 2009

 

Auf einem Herrschaftsgut diente ein Heger. Er war arm, es ging ihm schlecht, doch die Leute sagten von ihm, dass er klug sei und dass er mehr könne als nur essen und trinken. Als ihm ein Söhnchen geboren wurde, bat er den reichen Müller, die Patenschaft zu übernehmen.

pixelio.de - Der schlaue HegerDer Müller hatte Geld wie Heu, doch er war sehr geizig, für einen Groschen hätte er sich schier aufs Rad spannen lassen. Er betrog die Leute, die bei ihm mahlen ließen, doch die kamen immer wieder zu ihm, denn es war weit und breit die einzige Mühle, und die Straße dorthin war recht gut.

Der Müller wusste, dass ihn die Leute brauchten, und deshalb stahl er ihnen das Weiße aus den Augen. Das Gesinde behandelte er schlecht, er zog allen vom Lohn etwas ab, wo er nur konnte, er gab ihnen nicht, was ihnen gebührte, um jede Kleinigkeit stritt er, so dass ihn die Leute verwünschten.

Der Müller war nicht gerade erbaut, als ihn der Heger bat, Pate zu sein, doch er sagte nicht nein, denn er hatte vernommen, dass der Heger allerhand Kunststücke konnte, und er hatte Angst, er könnte ihn irgendwie verhexen. Er übernahm die Patenschaft für den Knaben, er legte ihm einen Taler in die Wiege, doch dann kümmerte er sich um sein Patenkind nicht mehr und wies den Heger barsch ab, als dieser eines Tages beiläufig erwähnte, dass der Junge für den Winter Kleider und Schuhe brauche.

Der Heger sagte nichts, doch er merkte es sich und nahm sich vor, dem Herrn Paten eine Lehre zu erteilen. Einmal im Herbst ging er frühmorgens auf den Anstand, er erlegte einen schönen jungen Hasen und legte ihn auf einer Berglehne ins Gebüsch. Als er zurückkehrte, sah er am Waldrand eine Schar Krähen, er erlegte eine und ließ sie im Gras unter einer alten Eiche liegen. Dann ging er auf die Wiese, wo die Leute des Müllers das Grumet ernteten, trieb sich in der Nähe herum und wartete.

Nach einer Weile kam der Müller auf die Wiese, er wollte nachsehen, wie seine Leute arbeiteten, und schon von weitem schrie er, sie wären alle Müßiggänger.

Er blickte sich um und sah am anderen Ende der Wiese den Heger, der ins Gestrüpp oben am Hang zielte. Er schoss, und der Müller ging zu ihm und lachte giftig: "Das ist aber fein, hier herumzuknallen, da ja die Obrigkeit Pulver und Schrot bezahlt! Nun ja, mit fremdem Gut prasst sich’s gut. Aber was fällt Euch denn ein, auf eine solche Entfernung zu schießen, Eure ausgediente Flinte da trägt doch gar nicht so weit!"

"Und ob, Pate", versicherte ihm der Heger, "ich weiß doch, dass ich nicht danebengeschossen habe!" Er eilte den Hang hinauf, und nach einer Weile kehrte er mit dem Hasen zurück, den er dort vorher hingelegt hatte. "Ein schönes Stück, nun, der ist gerade richtig für die Kirchweih", lachte er, "ich muss ihn dem Herrn Verwalter bringen!"

Der Müller sah sich heimlich den Hasen an, und plötzlich fragte er den Heger: "Ich bitte Euch, was ist das denn für eine Büchse?" "Lieber Pate", sagte der Heger, "das ist ein kostbares Stück, ich habe sie vom Großvater geerbt, er hat sie von einem Jäger bekommen, der war in Not und verkaufte sie. Er sagte, Hauptsache sie kommt in die Hände eines richtigen Waidmannes."

pixelio.de - Der schlaue Heger

"So ein Jäger redet auch wirklich lauter Unsinn zusammen", lachte der Müller, "es ist doch purer Zufall, dass Ihr den Hasen getroffen habt!" "Es ist kein Zufall", sagte der Heger. Er lud die Büchse, zielte auf die Eiche, die am Ende der Wiese am Waldrand stand, feuerte und ging dem Schuss nach. Dem Müller ließ es keine Ruhe, er folgte ihm und fand unter der Eiche eine Krähe. Der Heger hob sie prüfend auf und sagte: "Schwer wie Blei, aber alt, das wird ein gutes Süppchen geben!"

Der Müller bat den Heger, ihm seine Büchse zu borgen, er sah sich sie von allen Seiten und schüttelte den Kopf. "Was hat Euer Großvater für sie bezahlt?" fragte er den Heger. "Das weiß ich nicht mehr, lieber Pate, doch ich würde sie selbst für hundert Dukaten nicht hergeben, denn ich treffe mit ihr alles, worauf ich ziele, und wenn es auch noch so weit ist!"

Der Müller rief: "Ihr seid wohl von Sinnen! Hundert Dukaten für so ein altes Schießeisen?" Doch im Geiste sagte er sich, dass diese Büchse mehr wert sei und dass man mit ihr ein paar Dukaten verdienen könne. Er begann zu feilschen, doch der Heger stellte sich taub. Der Müller ging mit ihm in seine Mühle und zahlte ihm die hundert Dukaten aus.

Am Nachmittag kam der Förster in das Hegerhaus gelaufen und erzählte, der Herr Müller sei verrückt geworden, er ginge in der Allee hinter der Mühle herum und versuche auf zweihundert Schritt Krähen zu schießen. Als er fort war, nahm der Heger einen Hammer und sprach zu seiner Frau: "Steck dir vier Gulden ins Maul, und wenn ich dir mit diesem Hammer hier auf die Schläfe klopfe, lässt du einen Gulden auf den Tisch fallen!"

Kaum hatte die Frau das getan, war auch schon der Müller da, er stürzte in die Stube und schrie gleich auf der Schwelle: "Her mit dem Geld, die Flinte ist keinen roten Heller wert!" Er schmiss sie auf die Bank, er schimpfte und sagte, das sei Betrug.

pixelio.de - Der schlaue HegerDer Heger tat, als hätte er den Paten nicht gesehen, er nahm den Hammer, klopfte seiner Frau auf die Schläfe und sagte: "Gib Dukaten her!" Die Frau ließ einen Dukaten auf den Tisch fallen, und der Heger legte ihn vor sich hin. Der Pate schaute wie von Sinnen zu und schrie: "Menschenskind, was tut Ihr da?" "Habt Ihr es nicht selbst gesehen, Herr Pate?" lachte der Heger. "Dieser kleine Hammer hier kann Wunder vollbringen, jede Frau lässt einen Gulden aus dem Maul fallen, wenn man ihr mit ihm auf die Schläfe klopft!"

"Das ist doch sicher wieder ein Schwindel", meinte der Müller. Der Heger schwieg, klopfte der Frau mit dem Hammer auf die Schläfe, und ein zweiter Gulden rollte auf den Tisch. Der Müller saß wie auf glühenden Kohlen da, er starrte das Geld an, und plötzlich stieß er hervor: "Verkauf mir den Hammer!" Doch der Heger sagte: "Ich denke nicht daran", klopfte zum dritten Male und hatte den dritten Gulden auf dem Tisch liegen.

"Ich geben Euch hundert Gulden", rief der Müller, doch der Heger lachte nur, klopfte ein viertes Mal und hatte nun vier Gulden vor sich. "Ich gebe Euch zweihundert Gulden, kommt mit mir in die Mühle, ich zahle sie Euch bar auf die Hand", rief der Müller. Der Heger tat, als dächte er nach, und dann sagte er: "Ungern geb’ ich diesen Hammer her, aber für Euch, Pate, für Euch will ich’s tun!"

Sie gingen zusammen in die Mühle, über die hundert Gulden aber für die Büchse wurde kein Wort mehr gesprochen. Der Heger bekam die zweihundert Gulden für den Hammer und kehrte nach Hause zurück. Der Müller rief seine Frau in die Stube, sie setzten sich zum Tisch, er nahm den Hammer, klopfte der Frau Müllerin auf die Schläfe und befahl: "Gib Dukaten her!"

"Bist du verrückt?" fuhr die Frau Müllerin ihren Mann an, doch der Müller klopfte ein zweites und ein drittes Mal. Die Müllerin war eine energische Frau, die Leute behaupteten von ihr, dass sie im kleinen Finger mehr Verstand habe als ihr Gemahl im ganzen Kopf, und man lobte sie, weil sie nicht geizig war. Sie stellte sich vor den Müller hin und gab ihm ein paar Ohrfeigen, dass er ganz verdattert dreinschaute. Er war auf den Heger wütend und drohte, er wolle ins Schloss gehen und alles anzeigen, damit man diese Natter von einem Gevatter ins Kittchen sperre.

"Nirgends gehst du hin", entschied die Müllerin, "und du wirst niemandem auch nur ein Sterbenswörtchen von der Sache erzählen! Du weißt, dass dich die Herren nicht leiden können, sie würden es weitererzählen, es würde im ganzen Land bekannt werden, die Leute würden uns auslachen, und außer dem Schaden hättest du auch noch den Spott! Ein andermal pass lieber auf und sei nicht so habgierig, wir haben doch alles, was wir brauchen!"

Der Müller schwieg, doch dem Heger ging er von da ab aus dem Weg und machte lieber einen weiten Bogen, um nicht mit ihm zusammenzutreffen.

Verwendete Bilder sind von:
© suedberliner/PIXELIO (Bild 1)
© Bernd Boscolo/PIXELIO (Bild 2)
© Siegfried Fries/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der Zauberhut – ein tschechisches Volksmärchen

Donnerstag, Oktober 23rd, 2008

pixelio.de Der ZauberhutEin junger Kaufmann reiste sehr oft durchs Land, um seinen Geschäften nachzugehen, und immer, wenn er mit der Post in die Nachbarstadt fuhr, bezahlte er auch gleich die Rückreise. Er ließ sich in seinen Hut sein Bildnis malen und seinen Namen sticken; auf der Rückreise wies er dann nur seinen Hut vor und zahlte nichts.

Einmal begegnete er in der Postkutsche einem reichen Bauern, der sehr geizig war und erbarmungslos mit den Armen verfuhr. Der Kaufmann hatte nicht vergessen, dass ihn dieser alte Leuteschinder im Vorjahr betrogen hatte, und er wartete auf eine Gelegenheit, ihn zu bestrafen. Als die übrigen Reisenden zahlten, lüftete der junge Kaufmann lediglich den Hut und zahlte nicht. So geschah das in allen Stationen. Der Geizige starrte neiderfüllt den Hut an, und schließlich wurde er von Neugier und Habgier überwältigt. "Sagt mir", fragte er den Kaufmann, "wieso kommt es, dass Ihr überall durchschlüpft, ohne zu zahlen, und dass Ihr umsonst reisen könnt?"

Der Kaufmann lachte und sagte: "Seht Ihr denn nicht, dass ich jeweils meinen Zauberhut ziehe und mich die Post daher reisen lässt, ohne dass ich etwas bezahle?" Der Geizhals sagte: "Ich bitte Euch, bald werden wir in der nächsten Station sein, leiht mir Euren Hut, damit ich mich überzeugen kann, ob er wirklich solche Wunder wirken kann!" "Gern", sagte der Kaufmann, "doch wenn Ihr meinen Hut habt, reist Ihr umsonst, und so müsst Ihr für mich bezahlen!"

Als sie in der Station eintrafen, zog der Geizhals den Hut, fuhr umsonst weiter und zahlte für den Kaufmann. Er glühte vor Habgier und versuchte den Kaufmann zu überreden, ihm den Hut zu verkaufen. Der Kaufmann forderte zweihundert Dukaten, doch der Geizhals feilschte, drückte den Preis auf hundert Dukaten herunter und zahlte das Geld auf der Stelle aus. Der Kaufmann gab ihm den Hut, und an der nächsten Station stieg er aus.

pixelio.de Der Zauberhut

Der Geizhals fuhr weiter, doch in der folgenden Station forderte man von ihm, dass er zahle. Er wies den Hut vor, aber der Postmeister lachte und sagte: "Der Hut gehört doch dem Kaufmann! Und da er nur bis zu der letzten Station seine Rechnung beglichen hat, müsst Ihr bar bezahlen!" Der Geizhals schrie: "Aber der Hut gehört jetzt mir!" "Ob er Euch nun gehört oder nicht, zahlen müsst Ihr", sagte der Postmeister.

Der Bauer sah, dass er auf den Leim gegangen war. Er bezahlte, doch gleich am nächsten Tag ging er zu dem Amtmann und klagte den Kaufmann an. Der Amtmann hörte ihn an und sagte: "Vor einer Weile war Euer Kaufmann bei mir, er hat mir hundert Dukaten für die Armen übergeben und mir alles erzählt. Er hat hier vor Zeugen erklärt, falls Ihr einen Prozess gegen ihn in die Wege leitet, wird er darauf bestehen, dass Ihr vor Gericht erklärt, wie das mit dem Getreideverkauf im Vorjahr gewesen ist. Ich weiß nicht, was da geschehen ist, doch ich rate Euch, von einem Prozess wegen dieses Hutes Abstand zu nehmen, denn die Leute würden Euch doch nur auslachen!"

Kaum hatte der Geizhals etwas vom Getreide vernommen, änderte er seinen Sinn und erklärte, er wolle keinen Prozess führen. So hatte ihn der junge Kaufmann für seinen Geiz und seine Habgier bestraft.

pixelio.de Der Zauberhut

Verwendete Bilder sind von:
© Bettina Stolze/PIXELIO (Bild 1)
© Roland Samson/PIXELIO (Bild 2)
© Karin Schmidt/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Die Zaubergaben – ein tschechisches Volksmärchen

Mittwoch, Oktober 22nd, 2008

pixelio.de Die ZaubergabenEin ausgedienter Soldat ging in die Stadt. Es dämmerte bereits, ein weiter Weg lag noch vor ihm, und deshalb schritt er aus, so schnell er nur konnte. Da begegnete er einem gebeugten Greis und fragte ihn, wohin er denn so spät unterwegs sei. Der Alte klagte: "Lieber Soldat, ich habe nicht einmal einen Bissen Brot zu Hause, ich muss noch heute in die Stadt gelangen, und ich habe Angst, irgendwo unterwegs vor Hunger umzufallen."

Der Soldat wunderte sich: "Was fällt Euch denn ein, Alter, Ihr wollt noch heute vor Einbruch der Nacht in der Stadt sein? Auch ich will hin, doch seht nur, wie schnell ich gehe, und ich muss meine Beine tüchtig strecken, damit ich ankomme, ehe es dunkel wird." Der Alte jammerte: "Ich weiß, dass ich mehr humple als gehe, aber was soll ich denn tun? Meine Hütte steht am Waldesrand, dort lebe ich allein, um in das Dorf zu gelangen, müsste ich den Wald durchqueren, und so gehe ich lieber in die Stadt, vielleicht bekomme ich dort etwas!"

"Väterchen", sagte der Soldat, "mein Gewissen ließe mir keine Ruhe mehr, wenn ich Euch nur wegen eines Stückchen Brotes so einen weiten Weg gehen ließe. Wisst Ihr was? Hier, nehmt meinen Brotlaib, kehrt nach Hause zurück und esst Euch satt, ich kann in der Stadt Brot kaufen, ich habe ein paar Groschen, und mir wird schon kein Unheil widerfahren!" Der Alte sträubte sich, er sagte, er habe nichts, um das Brot zu bezahlen, und vergelten könne er es ihm ebenfalls nicht. Doch der Soldat wollte um keinen Preis etwas von ihm annehmen.

Plötzlich blieb der Alte stehen und richtete sich auf, und der Soldat war ganz verblüfft, als er einen hochgewachsenen Mann vor sich stehen sah. "Ich sehe, dass du ein gutes Herz hast", sagte der Mann, "und so will ich es dir auch ohne Geld lohnen! Nach einer Weile wirst du an eine Kreuzung gelangen, dort steht eine hohe Linde. Unter ihr wirst du eine Fiedel, einen Sack und ein Kartenspiel finden, das alles gehört dir! Die Fiedel besitzt die Macht, dass jeder, der sie vernimmt, zu tanzen beginnt und so lange tanzen muss, bis du zu spielen aufhörst. Wenn du den Sack öffnest und sagst: ‘Spring in den Sack’, muss jeder hinein, dem du es befiehlst, und die Karten werden dir Glück bringen, du gewinnst immer mit ihnen! Bleib so brav, wie du bisher gewesen bist!"

pixelio.de Die Zaubergaben

Kaum hatte der Alte zu Ende gesprochen, da war er auch schon verschwunden, so dass ihm der Soldat nicht einmal danken konnte. Im stillen wunderte er sich, was für ein sonderbarer Greis das gewesen war, und er fragte sich, ob er auch wirklich alles unter der Linde finden würde. Als er zu dem Baum gelangte, ging er einmal um ihn herum. Da sah er, dass die Linde auf der einen Seite hohl war, und dort lagen Fiedel, Sack und Karten. Der Soldat nahm alles an sich und schritt rasch aus, um in die Stadt zu gelangen, denn er hatte sich mit dem Alten recht lange aufgehalten.

pixelio.de Die ZaubergabenIn der Stadt kehrte er im erstbesten Gasthof ein, in dem noch Licht brannte, und bat den Wirt um ein Nachtlager. Der Wirt war ein freundlicher Mann, er entschuldigte sich: "Lieber Herr Soldat, gern würde ich Euch über Nacht dabehalten, aber bei mir ist heute Hochzeit, mein Haus ist voll; selbst im Stall liegt einer neben dem anderen, bei mir könnt Ihr nicht nächtigen." Der Soldat sagte: "Ich danke Euch für Euren guten Willen, Gevatter, ich will ein paar Schritte weitergehen, vielleicht finde ich doch noch etwas!" Der Wirt erwiderte: "Freundchen, Ihr würdet Euch vergeblich abmühen, wenn bei mir kein Platz ist, findet Ihr in der ganzen Stadt kein Nachtlager, das sage ich Euch."

Es ärgerte den Soldaten, als er daran dachte, wie sehr er sich gesputet hatte, und nun würde er doch die Nacht auf der Straße oder irgendwo hinter der Stadt unter einem Baum verbringen müssen; er murrte ärgerlich und ersuchte den Wirt, ihm ein Abendbrot vorzusetzen. Der Wirt setzte sich für ein Weilchen zu ihm und flüsterte ihm zu: "Gleich hinter der Stadt ist ein wunderschönes Schloss, es steht ganz leer, da könntet Ihr nächtigen; aber jeder geht diesem Gemäuer aus dem Weg, denn es spukt dort."

"Sagt mir getrost, Gevatter, wo das ist, damit ich nicht lange suchen muss, ich will hingehen, ich habe vor Gespenstern keine Angst", lachte der Soldat. Er aß und trank mit Lust, und nach dem Abendessen trug der Wirt seinem Knecht auf, den Soldaten zum Schloss zu führen. Der Knecht, zwar ein großer, vierschrötiger Bursche, aber ein richtiger Angsthase, blickte sich fortwährend nach dem Soldaten um; und kaum hatten sie die Stadt verlassen, zeigte er ihm das Schloss, das neben der Straße stand, machte kehrt und rannte in die Stadt zurück.

Der Soldat gelangte zum Schloss, und da das Tor sperrangelweit offenstand, trat er ein und gelangte über die Treppe in einen großen Saal. Hier brannte Licht. Der Tisch bog sich unter Speisen und Getränken. Der Soldat nahm Platz, aß nach Herzenslust, trank und wartete, was nun geschehen würde, doch er war von der Wanderung sehr müde, er wollte schlafen. Als es elf schlug und im ganzen Schloss Ruhe herrschte, ging er zu Bett und schlief ein.

Genau um Mitternacht wachte er auf. Tisch und Speisen waren verschwunden. Plötzlich öffnete sich die Tür, zwei Diener traten ein, trugen einen großen runden Tisch herein, stellten ihn in die Mitte des Saales und verschwanden. Nach einer Weile erschienen zwölf Herren, sie setzten sich an den Tisch und begannen Karten zu spielen. Der Soldat lag im Bett und sah ihnen aufmerksam zu. Alle trugen schwarze Gewänder; sie hatten schwarze Gesichter, ihre Augen waren wie glühende Kohlen, an den Händen hatten sie schreckliche Krallen und an den Füßen schauerliche Pferdehufe.

pixelio.de Die Zaubergaben

Der Soldat erkannte, dass es Teufel waren, er stand auf, zog seine Spielkarten heraus und ging unbekümmert zum Tisch. "Ihr Herren, gestattet, dass auch ich mich zu euch geselle", bat er die Teufel und setzte sich auf einen der freien Sessel. "Aber ich bitte euch, was habt ihr denn für Spielkarten?" rief der Soldat verwundert. "Werft diese Fetzen fort, ich hab etwas besseres, gleich werden wir ein ganz anderes Spielchen machen!" Und schon mischte er und gab die Karten, und das Spiel begann. Die Teufel sahen einander lachend und grinsend an, denn sie dachten, es würde ihnen gelingen, den Soldaten beim Spiel zu betrügen; doch sie gewannen kein einziges Mal.

Als sie nicht einmal einen Hosenknopf mehr hatten, sprang der älteste Teufel auf, ließ den runden Tisch hinaustragen, wandte sich an den Soldaten und sagte lachend: "Wer mit uns spielt, der muss auch mit uns tanzen!" Der Soldat versuchte sich herauszureden, er sagte, er könne nicht mehr auf den Beinen stehen, doch er verstünde vortrefflich die Fiedel zu spielen und wolle gern für sie musizieren. Er zog die Fiedel aus dem Sack und stimmte ein lustiges Liedchen an.

pixelio.de Die Zaubergaben

Die Teufel begannen zu tanzen und trampelten wie die Rösser. Sie starrten einander an, als wären sie von Sinnen, sie kreischten, lachten und hüpften weiter, der eine auf den Händen, der andere stellte sich auf den Kopf, einer stieß gegen den anderen, sie begannen zu streiten, und dann fielen sie übereinander her, es war, als wenn eine richtige Kirchweihrauferei losbräche. So ging das eine gute Weile weiter. Die Teufel konnten sich kaum mehr rühren, sie drohten dem Soldaten, sie schimpften, sie wetterten, doch sie konnten nicht an ihn heran, sie mussten sich im Reigen drehen.

pixelio.de Die ZaubergabenEndlich hatte der Soldat genug davon, er hörte zu spielen auf und rief: "Spring in den Sack!" Die Teufel sprangen in den Sack, der Soldat bekreuzigte sich, band den Sack fest zu, packte den mächtigen Schürhaken, der auf dem Ofen lag, und begann die Teufel zu verprügeln, dass es eine Art hatte. Nach einer Weile ließ sich der älteste Teufel vernehmen und bat den Soldaten, er möge sie freilassen. "Ich lasse euch laufen, wenn ihr mir versprecht, dass ihr nicht zurückkehrt und nie wieder spuken werdet."

Die Teufel schwiegen, da begann sie der Soldat abermals zu prügeln, bis er ganz in Schweiß gebadet war. Der alte Teufel ließ sich nach einer Weile wieder vernehmen, er konnte kaum mehr sprechen, und er gelobte im Namen aller, sie wollten davonfliegen und nie mehr ins Schloss zurückkehren. Der Soldat trat ans Fenster, öffnete es, band den Sack auf, und die Teufel stoben wie eine Schar Fledermäuse davon.

pixelio.de Die Zaubergaben

Der Soldat ging zu Bett und schlief friedlich bis zum Morgen. Der Wirt hatte noch in der Nacht den Fürsten wissen lassen, dass ein Soldat ins Schloss gegangen sei, um dort zu nächtigen. Am Morgen stellte sich der Kämmerer mit der Wache im Schloss ein, sie betraten den Saal und wunderten sich, dass der Soldat heil und gesund war. Der Fürst ließ ihn zu sich rufen, er dankte ihm, und als sich auch in den folgenden Tagen kein Spuk blicken ließ, ernannte er den Soldaten zum Verwalter des Schlosses und seines ganzen Fürstentums.

Verwendete Bilder sind von:
© Nobbie47/PIXELIO (Bild 1)
© Ernst Rose/PIXELIO (Bild 2)
© Mariocopa/PIXELIO (Bild 3)
© pan/PIXELIO (Bild 4)
© Gerd Altmann (geralt)/PIXELIO (Bild 5)
© Bärbel Jobst/PIXELIO (Bild 6)
© hajo steinsträßer/PIXELIO (Bild 7)
www.pixelio.de

 

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der Bauer und die Krämer – ein tschechisches Volksmärchen

Samstag, Oktober 18th, 2008

Es lebten einmal in einer Stadt drei Brüder, die waren Krämer. Sie arbeiteten zusammen und teilten auch ihren Gewinn zu gleichen Teilen. Man erzählt jedoch von ihnen, dass sie unredlich und betrügerisch wären und bei jedem Handel versuchten, mehr herauszuschlagen, als recht war.

Eines Tages beschlossen die Krämer in die weite Welt hinauszuziehen, und sie überlegten hin und her, wo sie derweil ihr Geld lassen sollten, damit es ihnen nicht gestohlen würde. Da sagte der jüngste Bruder: "Ich kenne einen Bauern, der ist arm, aber ehrlich, und er wohnt nicht weit von der Stadt. Wir wollen zu ihm gehen und ihm sagen, dass wir auf eine weite Reise gehen und deshalb beschlossen haben, ihm unser Geld anzuvertrauen."

Gesagt, getan. Sie gingen zu dem Bauern und vereinbarten mit ihm, dass er ihnen das Geld aufheben und gut verwahren würde, bis sie von ihrer Reise zurückkehrten. Er sollte es ihnen jedoch nur dann zurückgeben, wenn alle drei Brüder zusammen bei ihm erschienen und ihr Geld verlangten. Die Krämer zogen durch die Welt und verdienten viel Geld.

pixelio.de Der Bauer und die Krämer

Als sie in ihre Heimatstadt zurückgekommen waren, wollten sie sogleich zu dem Bauern gehen, der ihr Geld aufbewahrte. Der älteste Bruder sagte: "Dieser Mann hat uns einen großen Dienst erwiesen. Wie können wir ihm zeigen, dass wir ihn achten und ihm dankbar sind?" "Ich weiß, wie wir das tun können", sprach der jüngste. "Morgen ist Sonntag, und an Feiertagen ist er immer zu Hause und schaut zum Fenster hinaus. Wir werden an seinem Fenster vorübergehen und alle drei die Hüte ziehen und uns tief vor ihm verneigen. Danach wollen wir unser Geld holen."

Die Brüder waren’s zufrieden. Sie waren froh, dass diese Sache nichts kostete. Der jüngste Bruder aber ging heimlich zu dem Bauern und sagte: "Wie du siehst, sind wir heimgekommen. Wir wollen ein schönes Stück Land hier in der Nähe kaufen. Wir müssen es jedoch morgen schon bezahlen. Meine älteren Brüder haben mich deshalb geschickt, damit du mir das Geld gibst, das wir bei dir gelassen haben. Und zum Beweis, dass ich die Wahrheit spreche, werden wir morgen alle drei an deinem Haus vorbeikommen, die Hüte ziehen und uns tief vor dir verneigen. Dann werde ich zu dir kommen und mir das Geld holen."

pixelio.de Der Bauer und die KrämerAm anderen Morgen saß der Bauer schon in aller Frühe am Fenster. Da kamen die drei Krämer vorbei, verneigten sich tief und zogen die Hüte vor ihm. Dann gingen sie alle drei ihres Weges. Sie hatten aber zuvor verabredet, sich zum Mittagessen in einer Schenke zu treffen. Der Jüngste ging zum Bauern zurück, der wirklich glaubte, die beiden anderen hätten ihn geschickt, und er zählte ihm das Geld auf. Der jüngste Bruder nahm das Geld, das allen dreien gehörte, und machte sich heimlich aus dem Staube.

Die beiden älteren Brüder warteten in der Schenke auf ihn, doch er kam und kam nicht. Zuerst dachten sie, dass er irgendwo aufgehalten worden sei, aber dann bekamen sie es mit der Angst zu tun. "Ob er nicht unser Geld genommen und sich damit aus dem Staub gemacht hat?" fragte der älteste. Sie gingen zu dem Bauer und fragten ihn, ob er nicht ihren jüngsten Bruder gesehen hätte.

"Ihr habt ihn doch bereits gestern zu mir geschickt, um mir sagen zu lassen, dass ich ihm euer Geld geben solle! Und zum Beweis dafür, dass er die Wahrheit gesprochen hat, seid ihr heute früh alle drei an meinem Haus vorbeigegangen und habt euch tief vor mir verneigt. Da habe ich ihm das Geld auch gegeben."

Da wurden die Krämer böse, beschimpften ihn und brachten ihn vor Gericht. Der Richter verlangte von dem Bauern, er solle das Geld zurückgeben, sonst müsse er Haus und Hof verkaufen, um seine Schuld zu begleichen. Der Bauer wusste nicht ein noch aus. Seine Kinder weinten, und seine Frau schalt ihn aus, weil er fremdes Geld aufbewahrt hatte. Der Bauer konnte weder ein Auge zutun noch einen Bissen essen, seine Füße trugen ihn kaum, und er konnte an nichts anderes denken, als dass er nun mit seiner Familie in die Welt hinausziehen und betteln gehen müsse.

pixelio.de Der Bauer und die Krämer

Da kam sein Nachbar zu ihm und fragte ihn, was ihn so sehr bedrücke. "Ich spreche nicht gern davon", sagte er, "aber bald werden es sowieso alle erfahren, welch Unglück mich getroffen hat." Und er erzählte dem Nachbarn, wie ihn die Krämer betrogen hatten. Da sprach der Nachbar: "Ich kenne sie seit langem. Alle wissen, dass sie große Schwindler sind. Aber du fürchte nichts. Ich werde mit dir zum Gericht kommen und dich verteidigen."

Die Brüder hatten sich inzwischen einen gelehrten Verteidiger genommen. Er sprach als erster. Sein Mundwerk ging wie eine alte Klappermühle. Er klagte den Bauern an, und die Krämer freuten sich: ‘Was haben wir für einen guten Verteidiger gefunden! Wir werden unser Geld sicher bekommen!’

Während der Verteidiger sprach, zitterte der Bauer wie Espenlaub. Da bat sein Nachbar den Richter, er möge ihm erlauben, auch etwas dazu zu sagen. "Herr Richter", begann er, "alles, was dieser Verteidiger sagt, taugt nichts! Er bemüht sich vergebens. Der Angeklagte hat das Geld der Krämer in seiner Tasche, und er wird es ihnen sogleich zurückgeben. Er hat aber mit ihnen vereinbart, dass er es ihnen nur dann zurückgibt, wenn alle drei Brüder bei ihm erscheinen."

Da sandte der Richter die beiden Krämer aus, sie sollten den dritten Bruder holen. Doch der war geflohen, und nun kam der ganze Betrug an den Tag, und die Krämer schlichen sich beschämt davon.

Der arme Bauer atmete auf. Ein großer Stein war ihm vom Herzen gefallen. Die Krämer aber machten sich auf, ihren jüngsten Bruder zu suchen. Und sie suchen ihn noch heute.pixelio.de Der Bauer und die Krämer

Verwendete Bilder sind von:
© Stephanie Hofschlaeger/PIXELIO (Bild 1)
© Franz Haindl/PIXELIO (Bild 2)
© Klaus-Uwe Gerhardt/PIXELIO (Bild 3)
© Angela Parszyk/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Die gekochten Eier – ein tschechisches Volksmärchen

Sonntag, Oktober 12th, 2008

Ein armer Handwerksbursche zog in die weite Welt. Er wanderte lange umher, aber er konnte keine Arbeit finden.

Eines Tages trat er in ein Wirtshaus und bestellte sich für sein letztes Geld ein Glas Bier, Brot, Käse und acht gekochte Eier. Der Handwerksbursche ließ es sich schmecken, doch als es ans Zahlen ging, da fand er keinen einzigen Groschen mehr in der Tasche, denn er hatte das Geld unterwegs verloren. Als der Wirt gerade in den Keller Bier holen ging, sprang der Handwerksbursche durch das Fenster und lief davon. Da ärgerte sich der Wirt sehr, dass ihn ein Landstreicher übertölpelt hatte, aber er konnte nichts machen.

Es vergingen zwanzig Jahre, und der Handwerksbursche war zu Reichtum gekommen. Eines Tages beschloss er, alle die Stätten aufzusuchen, die er in jungen Jahren auf seiner Wanderschaft kennengelernt hatte. Er kam auch zu dem Wirtshaus am Wege, trat ein, bestellte sich Bier, Brot, Käse und acht gekochte Eier. Als er gegessen und getrunken hatte, fragte er den Wirt, was er ihm schulde. "Drei Kronen, Herr", antwortete der Wirt.

pixelio.de Die gekochten Eier

Der Gast lächelte und zählte ihm dreißig Kronen auf. "Ihr irrt Euch", sagte der Wirt. "Ihr schuldet mit nur drei Kronen." "Nehmt nur das Geld! Ich zahle für mich und für den Handwerksburschen, der vor zwanzig Jahren das gleiche gegessen und getrunken hat, was Ihr mir jetzt vorgesetzt habt, aber nichts bezahlt hat." "Woher wisst Ihr das?" fragte der Wirt verwundert. "Dieser Handwerksbursche war ich selber!"

pixelio.de Die gekochten EierDer Wirt schwieg eine geraume Zeit und sagte dann: "Nein, Herr, das müsst Ihr anders berechnen. Bedenkt nur, was mir jene acht Eier eingebracht hätten, hätte sie ein Huhn ausgebrütet. Aus den Eiern wären Küken gekrochen. Diese Küken wären Hühner geworden und hätten neue Küken ausgebrütet. Rechnet Euch aus, wieviel Hühner ich gehabt hätte! Ihr müsst mir alle bezahlen, die ich bis jetzt eingebüßt habe. Entweder Ihr zahlt Eure Rechnung, oder ich bringe Euch vor Gericht."

Der ehemalige Handwerksbursche lachte, denn er dachte, der Wirt scherze. Doch diesem war es Ernst. Er wurde böse und forderte den Gast auf, mit ihm zum Gericht zu gehen.

Im Wirtshaus saß auch ein Bauer, der alles mitangehört hatte. Er näherte sich dem ehemaligen Handwerksburschen und flüsterte ihm ins Ohr: "Geht ruhig zum Gericht, ich werde Euch helfen. Bittet nur den Richter, er möge warten, bis Euer Verteidiger kommt." Der reiche Mann tat, wie der Bauer ihm geraten hatte.

Bei Gericht wartete man auf den Verteidiger, doch der erschien nicht. Man wollte schon mit der Verhandlung beginnen, als er endlich eintrat. "Verzeiht die Verspätung", sprach er. "Warum habt Ihr Euch so verspätet?" fragte der Richter zornig. "Ich konnte nicht eher kommen", antwortete der Bauer. "Mein Bruder hat einen kleinen Acker. Er wollte heute dort Erbsen säen. Ich brachte ihm einen Sack Erbsen aus meinem Laden. Und ich musste warten, bis die Erbsen gekocht und abgekühlt waren, ehe sie ausgesät werden konnten."

"Was sagt Ihr da?" lachte der Richter. "Die Saat wird nie aufgehen. Wie sollen gekochte Erbsen sprießen?" "Herr Richter", antwortete der Bauer, "wie ist es möglich, dass aus gekochten Eiern Küken ausgebrütet werden, wie uns der Wirt weismachen will?" Da machte sich der Wirt beschämt aus dem Staube, noch ehe das Urteil gesprochen wurde.

pixelio.de Die gekochten Eier

Verwendete Bilder sind von:
© Peter Behrens/PIXELIO (Bild 1)
© Sascha Hübers/PIXELIO (Bild 2)
© sascha hübers/PIXELIO (Bild 3)
www.pixelio.de

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker

Der gelehrte Hund – ein tschechisches Volksmärchen

Sonntag, September 28th, 2008

 

Es war einmal ein reicher Bauer, der konnte weder lesen noch schreiben, aber er war sehr stolz und dünkte sich, der erste im Dorf zu sein. Die anderen Bauern mochten ihn gar nicht, denn er war bösartig und habgierig.

Er hatte einen Hund, Azor, den er sehr liebte. Er sagte oft zu seinem Knecht Martin: "Weißt du, Martin, dieser Hund ist klüger als du – er versteht alles, was ich ihm sage. Nur, dass er nicht sprechen kann. Gäbe es eine Schule für Hunde, in der man sie sprechen lehrte, würde mir’s um das Schulgeld nicht leid tun."

Der Knecht Martin war ein schlauer Bursche. Es kränkte ihn, dass ihn der Herr nur mit beleidigenden Reden abspeiste und ihm nur so viel zu essen gab, dass er nicht verhungerte. Er ließ sich das lange Zeit gefallen, doch schließlich wurden ihm die Spöttereien zu dumm, und er beschloss, es dem Bauern heimzuzahlen.

"Ja, wisst Ihr denn nicht, dass es Hundeschulen gibt?" fragte ihn Martin eines Tages. "Red keinen Unsinn!" antwortete der reiche Bauer. "Das ist kein Unsinn, Herr. Der Waldhüter, ein alter Freund von mir, hat mir erzählt, dass es eine Schule gibt, wo man klugen Hunden das Sprechen beibringt. Sie können dann alles erzählen, was sie gesehen und gehört haben."

pixelio.de

"Wunderbar!" sagte der Bauer erfreut. "Weißt du auch, wo diese Schule ist?" "Der Waldhüter hat es mir gesagt: hinter dem Wald und den Bergen. Aber der Weg ist weit und kostet zwanzig Kronen." "Und wenn er zwanzig kostet! Nimm Azor und bring ihn gleich morgen hin!" "Ja, aber der Unterricht kostet auch hundert Kronen", sagte Martin, der Knecht. "Na und? Hundert Kronen machen mich auch nicht ärmer", sagte der reiche Bauer ungeduldig. ‘Warte nur’, dachte Martin, ‘dir werde ich’s zeigen! Mir bist du schon über ein Jahr den Lohn schuldig, aber für solche Dummheiten bist du bereit, so viel Geld hinauszuwerfen.’

Am nächsten Tag gab der Bauer Martin hundertzwanzig Kronen; als Wegzehrung packte er Salz und Brot ein, für den Hundpixelio.de aber einen Räucherschinken. Martin brachte Azor in den Wald zum Waldhüter und erzählte ihm, worum es sich handelte. Der Waldhüter wollte sich ausschütten vor Lachen, als er das hörte. "Lass den Hund bei mir", sagte er. "Hier kommt keine Menschenseele her, und niemand wird etwas erfahren."

Dann setzten sie sich hin und aßen gemeinsam den Schinken auf, dem Hund aber gaben sie die Knochen. Martin blieb drei Tage bei dem Waldhüter und kehrte am vierten ins Dorf zurück. Sein Herr fragte ihn, wie es Azor in der Schule ergangen sei. "Schade, dass Ihr nicht mitgekommen seid, Herr", antwortete Martin. "Als wir in die Schule kamen, setzte sich Azor sogleich auf eine Bank und spitzte die Ohren. Dem Lehrer hat er sehr gefallen, und er hat gesagt, dass er ihn ein ganzes Jahr behalten will, bis er alles gründlich gelernt hat. Ich habe ihm jetzt hundert Kronen gegeben, und wenn ich Azor wieder abhole, soll ich ihm noch einmal hundert Kronen bringen."

pixelio.de Der gelehrte Hund"Ich würde ihm sogar fünfhundert geben, wenn Azor nur bei ihm sprechen lernt", sagte der Bauer. "Und dann hütet euch, ihr Faulpelze!

Azor wird mir alles melden, was ihr sprecht und tut. Und wenn ich mit ihm spazierengehe, wird das ganze Dorf zusammenlaufen, um dieses Wunder zu bestaunen!"

Kaum war ein halbes Jahr vergangen, da schickte der Bauer Martin aus, damit er nachsehe, ob Azor auch gut lerne. Er gab ihm als Wegzehrung Salz und Brot, und dem Hund schickte er einen Räucherschinken als Geschenk mit.

Martin ging wieder zum Waldhüter. Sie ließen sich den Schinken schmecken, Martin half ihm bei der Heumahd, und am vierten Tag kehrte er wieder ins Dorf zurück. Der Bauer fragte ihn sogleich, wie es Azor ginge und ob er in der Schule gut vorwärtskomme. "Es geht ihm sehr gut, Herr, er kommt gut vorwärts. Er ist ein ausgezeichneter Schüler und kann schon buchstabieren. Der Lehrer hat ihn sehr gelobt und mir gesagt, dass er bald sprechen wird."

Als ein Jahr vergangen war, schickte der Bauer Martin, den Hund abzuholen. Er gab ihm hundert Kronen für den Lehrer und zwanzig für den Weg. Als Wegzehrung gab er dem Knecht wieder Salz und Brot mit und für Azor einen Räucherschinken. Martin ging zum Waldhüter, sie aßen und tranken, dann half er ihm Holz für den Winter aufschichten und kehrte am vierten Tag ins Dorf zurück.

"Und wo ist Azor?" fragte der Bauer. "Ach, den haben die anderen Hunde verdorben, denn früher war er brav und gut. Ihr solltet nur hören, was für Dinge er erzählte. Die Haare würden Euch zu Berge stehen. Er sagte, Ihr wäret ein dummer, hoffärtiger Betrüger, der die Hälfte seiner Äcker durch Wucher an sich gebracht und alle Armen ausgesaugt habe. Er sagte auch, dass Ihr sogar Eure eigene Schwester betrügt und Eure Mutter prügelt. Diese ungehörigen Worte haben mich so geärgert, dass ich ihm einen Stein um den Hals gebunden und ihn in den Fluss geworfen habe."

pixelio.de

Dem reichen Bauer verschlug es die Sprache. Doch dann sagte er: "Zum Teufel, was für ein undankbarer Köter! So viel Geld habe ich für ihn ausgegeben, und so lohnt er’s mir! Du hast ganz recht getan, Martin. Denn wenn er zurückgekommen wäre, hätte er mich im ganzen Dorf zum Gespött gemacht."

Seitdem wollte der reiche Bauer keinen Hund mehr im Haus haben. Der gelehrte Azor aber blieb beim Waldhüter. Dort ging es ihm gut, aber sprechen hat er natürlich nicht gelernt.

Verwendete Bilder sind von:
© knipseline/PIXELIO (Bild 1)
© zora120875/PIXELIO (Bild 2)
© Rainer Sturm/PIXELIO (Bild 3)
© Sybille Daden/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

 

Soziale Netzwerke:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks
  • De.lirio.us
  • E-mail this story to a friend!
  • LinkArena
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Print this article!
  • Technorati
  • Webnews.de
  • YahooMyWeb
  • Book.mark.hu
  • HealthRanker