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Archive for the ‘Zigeunermärchen’ Category

Das Zaubergewehr – ein Zigeunermärchen

Sonntag, Oktober 25th, 2009

 

pixelio.de - Das ZaubergewehrEin kleiner Zigeunerstamm schlug an einem Fluss sein Lager auf. Die Männer spannten die Pferde aus, errichteten Zelte, zündeten Lagerfeuer an, und die Frauen gingen zum Fluss Wäsche waschen. Der Häuptling dieses Stammes war ein alter Mann namens Kortscha. Er hatte einen grauen Bart bis zum Gürtel, zottige Brauen, struppige Haare – ein richtiger Zauberer, und sein Blick war scharf und durchdringend. Er trug ein Seidenhemd, das ein bestickter roter Gürtel zusammenhielt.

Kortschas Frau war an den Fluss gegangen, wusch seine Kleider und hängte sie zum Trocknen über einen Strauch. Dann begaben sich die Zigeunerinnen ins Dorf, die Männer aber gingen ihren Beschäftigungen nach. Alles war wie immer. Gegen Abend waren sie alle wieder beisammen. Die Frauen holten die Wäsche von den Sträuchern. Auch Kortschas Frau ging und nahm die gewaschenen Kleider ab, doch siehe – der Gürtel war weg. Sie stürzte los, ihn zu suchen, und versetzte das ganze Lager in Aufruhr.

Bauern waren tagsüber nicht beim Lager gesehen worden. Manchmal kamen die Dorfkinder herbeigelaufen, um sich die Zigeuner anzugucken, die hätten den Gürtel stibitzen können, aber auch die Dorfkinder hatten sich nicht blicken lassen. Da befragte Kortscha die Seinen: "Wo ist mein Gürtel? Na los, Leute, gebt ihn im Guten zurück!" "Wir haben ihn nicht genommen, bei Gott, wir haben ihn nicht!" riefen die Kinder.

Die Frauen schworen ebenfalls Stein und Bein, dass sie den Gürtel nicht genommen hatten. Auch die Männer beteuerten ihre Unschuld. "Hört zu, Leute", sprach Kortscha noch einmal und maß alle mit durchdringendem Blick, "ihr könntet später bereuen, dass ihr es nicht gleich eingestanden habt. Der Dieb irrt, wenn er glaubt,  er könnte mir entgehen. Wie auch immer, ich finde meinen Gürtel. Aber den Dieb kostet es das Leben."

"Wie willst du ihn denn finden?" "Ich habe ein Zaubergewehr. Das tut keinem etwas, den Dieb aber schießt es tot. Also gebt den Gürtel lieber im Guten zurück." Die Zigeuner zuckten verdutzt die Achseln: "Tu, was du willst, Kortscha, wir haben damit nichts zu tun."

Kortscha ging ins Zelt und brachte ein altertümliches Steinschlossgewehr angeschleppt, schwer und riesengroß, der Lauf so lang wie ein Kanonenrohr, baute aus zwei zusammengebundenen Stangen einen kleinen Bock, legte das Gewehr darauf, lud es, schüttete Pulver auf die Zündpfanne und spannte den Hahn.

"Geht alle an dem Gewehr vorbei", befahl Kortscha. "Wer den Gürtel nicht genommen hat, kann ganz ruhig sein, das Gewehr wird schweigen, aber sowie der Dieb vorübergeht, schießt es ihn auf der Stelle nieder. Ihr braucht nicht auf mich zu blicken, ich rühre das Gewehr nicht an."

pixelio.de - Das Zaubergewehr

Da lachten die Zigeuner, denn wie kann ein Gewehr von selbst schießen? Aber zugleich ward ihnen auch bang: Wer weiß, womöglich feuerte das Gewehr doch los, bei dem Zauberer Kortscha musste man auf alles gefasst sein. Er sagte immer wieder: "Wer den Gürtel nicht genommen hat, kann getrost vorbeigehen, er braucht keine Angst zu haben."

Die Neugier siegte. Man weiß ja: Zigeuner fürchten weder Gott noch den Teufel. Und wenn es mich erwischt, dachte jeder, ich geh an dem Gewehr vorbei, ich möchte doch zu gern sehen, wie es von selbst schießt. Der ganze Stamm, jung und alt, alle gingen an dem geheimnisvollen Gewehr vorbei. Doch das Gewehr gab keinen Schuss ab, tötete niemand.

Da wurden die Zigeuner ganz mutig. Waren sie vorher noch im Zweifel gewesen, ob das Gewehr schießen könne oder nicht, so hatten sie nun die Gewissheit, dass alles nur leeres Geschwätz war. Kortscha hatte erproben wollen, ob der Dieb zu feige war, vor das Gewehr zu treten. Die Zigeuner lachten.

"Was nun, Kortscha? Dein Gürtel hat sich wohl in Luft aufgelöst. Wir sind alle an dem Gewehr vorbeigegangen, weiter ist keiner da. Vielleicht ist das Gewehr beim Herumziehen verrostet? Oder das Pulver ist feucht?" Von dem Tag an wurde im Lager nur noch von dem verschwundenen Gürtel und dem "Zaubergewehr" gesprochen. Kortscha achtete nicht darauf, er ging und rauchte seine Pfeife. Doch warnte er die Zigeuner: "Trotzdem, rührt das Gewehr nicht an. Es wird unweigerlich den töten, der den Gürtel genommen hat."

Das war ein Spaß für die Zigeunerkinder. Als sie das erstemal an dem Gewehr vorbeigingen, war ihnen das Herz in die Hosen gerutscht, aber dann machten sie daraus ein neues Spiel. Sie liefen an dem Gewehr vorbei und riefen unter hellem Gelächter: "Kortscha, das Gewehr schießt nicht! Und dein Gürtel ist futsch!"

Wie auch immer, eines Nachts waren die Zigeuner spät schlafen gegangen. Bis drei Uhr hatten sie am Feuer gesungen und getanzt, dann kamen sie endlich zur Ruhe und gingen in ihre Zelte. Und wie sie gerade im Einschlafen waren, hörten sie – peng! – einen Schuss. Das Zaubergewehr hatte geschossen. Im Nu waren alle aus den Zelten.

pixelio.de - Das Zaubergewehr

"Wen hat es erwischt?" schrien sie einander zu. "Lebst du noch?" "Ja. Und du?" "Ich auch. Aber wen hat es getroffen?" Die Zigeuner zählten. Alle schienen am Leben zu sein. "Aber einer muss doch getroffen sein! Auf wen hat das Gewehr geschossen?" Sie machten sich auf die Suche. Sie suchten und suchten, und im Morgengrauen fanden sie in den Büschen eine tote Kuh. Da wollten sich die Zigeuner schier krumm lachen.

pixelio.de - Das Zaubergewehr"Hahaha! Die Kuh hat den Gürtel gestohlen!" "Sie trägt den Gürtel um den Hals!" "Nein, schau nur, der Gürtel ist um den Schwanz gebunden!" "Guckt bloß, Leute, die Beine sind mit dem Gürtel gefesselt!" Kurzum, einer übertrumpfte den andern, nur Kortscha verfinsterte sich, als er die tote Kuh sah, seine Augen sprühten Funken, und er gebot: "Dass keiner an die Kuh herangeht, dass keiner sie anfasst!"

Dann sattelte er seinen Schimmel und ritt ins Feld, wo der Hirte die Kühe hütete. Er führte den Hirten zu der toten Kuh. "Weißt du, wem das Tier gehört?" "Freilich weiß ich das", antwortete der Hirt bekümmert. "Das ist doch die Kuh von unserm Iwan. Der ist bei uns im Dorf der Allerärmste, arm wie eine Kirchenmaus. Und hat das Haus voller Kinder. Seine einzige Freude war die Kuh. Sie hat ihnen über die größte Not geholfen. Nun ist es ganz aus. Die Kinder werden Hungers sterben."

Der Hirt eilte ins Dorf und berichtete den Bauern, ein Zigeuner habe Iwans Kuh erschossen. Da ergrimmten die Bauern. Iwans Frau brach in Tränen aus, Iwan aber packte die Axt. Die Bauern stürmten ins Zigeunerlager. Kortscha kam ihnen entgegen und sprach: "Männer, ihr beschuldigt mich zu Unrecht. Ich habe Iwans Kuh nicht getötet. Das Gewehr hat von selbst geschossen."

"Was schwätzt du da, Alter, wie kann ein Gewehr von selbst schießen?" Da erklärte Kortscha, was geschehen war, erzählte von dem verschwundenen Gürtel und dem Zaubergewehr, an dem alle Zigeuner vorbeigehen mussten. "Jeder wusste, dass den Dieb den Tod erwartete. Doch das Gewehr hat nicht geschossen. Und nun krachte heute morgen ein Schuss, wie liefen hinaus und sahen die tote Kuh."

"Was redest du für Unsinn? Willst du dich herauswinden?" "Ihr tut mir unrecht, ich will mich nicht herauswinden. Und dich, Iwan, werde ich für die Kuh entschädigen, so, dass du mich zeitlebens in guter Erinnerung behalten wirst. Aber jetzt wollen wir sehen, was es mit der Kuh auf sich hat."

Kortscha zog ein Zigeunermesser aus dem Stiefelschaft und schnitt den Kuhleib auf. Als er den Magen öffnete, sahen sie Kortschas Gürtel, mit Gold bestickt, heil und unversehrt. Kortscha entschädigte Iwan großzügig für die getötete Kuh, sodann befahl er, das Tier zu vergraben und das Fleisch nicht anzurühren, denn es sei unrein.

Fortan glaubten die Zigeuner an die Kraft des Zaubergewehrs.

Verwendete Bilder sind von:
© S. Hofschlaeger/PIXELIO (Bild 1)
© Arkadius Neumann/PIXELIO (Bild 2)
© Tobias Bräuning/PIXELIO (Bild 3)
© Maren Beßler/PIXELIO (Bild 4)
www.pixelio.de

 

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Wie ein Zigeuner Not und Leid suchte – ein Zigeunermärchen

Sonntag, Oktober 4th, 2009

 

Es lebte einmal ein Zigeuner mit seiner Frau. Sie hatten einen einzigen Sohn, waren reich, es mangelte ihnen an nichts.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Nod und Leid suchteDer Sohn wuchs heran und machte sich Gedanken über das Leben. "Vater, Mutter", fragte er seine Eltern, "wir sind reich, wir kennen nicht Not noch Leid. Sagt mir, was ist das: Not und Leid?"

"Das brauchst du nicht zu wissen, mein Junge", sagte der Vater und ging in seinen Geschäften fort. Der Sohn sah, dass er aus seinen Eltern nichts herausbekam und fragte die Großmutter: "Sag mir, Großmutter, was ist Not und Leid? Ich lebe nun schon so viele Jahre auf der Welt und weiß nicht, was das ist."

"Not und Leid", antwortete ihm die Großmutter, "das kennen die Zigeuner zur Genüge. Wenn du zum Beispiel stehlen gehst und wirst erwischt, oder du erkrankst während der Wanderung, oder du hast nichts zu essen … Das ist Not und Leid."

Der Bursche hörte es und sprach: "Nun denn, solange Vater und Mutter fort sind, will ich über die Erde wandern und an mir selbst Not und Leid erfahren, sonst lebe ich nur nach Vaters Kopf und weiß rein gar nichts. Ich versuche mich im Stehlen." Sprach’s und machte sich auf den Weg.

Ein Kaufmann besaß ein schönes Pferd. Der Bursche beschloss, dieses Pferd zu stehlen. Wie er so ging, dachte er: ‘Wenn ich das Pferd an mich bringe, habe ich eine glückliche Hand, und wenn es misslingt, erfahre ich, was Leid ist.’  Als er die Schlösser am Pferdestall des Kaufmanns aufbrechen wollte, erschien der Hausherr mit einem Gewehr und erschoss den Zigeuner. Dann trug er den Toten in den Wald und band ihn mit Ketten fest, dass er wie ein Gekreuzigter aussah.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Nod und Leid suchteEines Tages fuhr ein armer Zigeuner durch diesen Wald. Er machte unweit der Stelle halt, wo der gekreuzigte Zigeuner hing, schlug ein Zelt auf, fachte ein Feuer an und setzte sich. Es wurde Mitternacht. Da sah der Zigeuner einen Mann durch den Wald gehen, der sah einem Zigeuner ähnlich und sang ein Lied:

"Als ich aß Vaters Brot,
kannte ich nicht Leid noch Not,
doch seit’s mich hierher verschlug,
hab ich Not und Leid genug."

Der arme Zigeuner sah sich den Burschen genauer an, lauschte seiner Stimme und erkannte in ihm des reichen Zigeuners Sohn. Er rief ihn an, aber der Bursche kam nicht ans Feuer. Es ist ja bekannt, dass Tote das Feuer meiden, doch konnte der arme Zigeuner  nicht wissen, dass der Bursche tot war. ‘Vielleicht habe ich mich getäuscht’, dachte er.

Am Morgen zog er weiter. Er fuhr zu den Eltern des Burschen und fragte: "Wo ist Euer Sohn?" "Das wissen wir nicht", antworteten sie, "ein Monat ist schon vergangen, seit er weg ist. Wir waren auf Reisen, da ist er davongegangen, Not und Leid zu suchen, und seitdem ist er verschollen."

"Ich habe im Wald einen Zigeuner gesehen, der war Euerm Sohn sehr ähnlich. Aber wie ich ihn auch rief, er gab keine Antwort." "Wo hast du ihn gesehen?" fragten die Eltern. "Im Wald, dort und dort …" Die Eltern glaubten dem armen Zigeuner nicht, er aber sprach: "Ihr glaubt mir nicht, fahren wir doch zusammen hin, dann werdet Ihr sehen!"

Die Eltern willigten ein. Sie fuhren zu dritt: Vater, Onkel und der arme Zigeuner. Sie fuhren bis zu der Stelle, wo der arme Zigeuner in der vergangenen Nacht den Burschen gesehen hatte, zündeten ein Feuer an und setzten sich nieder. Um Mitternacht klang das Lied durch den Wald:

"Als ich aß Vaters Brot,
kannte ich nicht Leid noch Not,
doch seit’s mich hierher verschlug,
hab ich Not und Leid genug."

Der Vater erkannte sofort die Stimme seines Sohnes, aber wie er auch rief und nach ihm suchte, er fand ihn nicht. Da begriff der Vater, dass sein Sohn tot war und dass er als Geist umging, weil ihm keine Totenmesse gelesen ward.

"Wir müssen bis zum Morgen warten", sagte der Vater zu den andern, "bis zum Morgen werden wir seiner doch nicht habhaft, und beim dritten Hahnenschrei verschwindet er. Dann wollen wir nach seinem Körper suchen."

Der Morgen brach an. Die Zigeuner machten sich auf die Suche. Lange streiften sie durch den Wald, bis sie den angeketteten Burschen fanden. Sie legten ihn auf den Leiterwagen und brachten ihn nach Hause. Vater und Mutter weinten bittere Tränen um ihren toten Sohn und beschlossen, ihm wenigstens ein Denkmal zu setzen. Sie errichteten ihm eine Kapelle aus reinem Gold, darin hängten sie den Sarg mit dem Körper des Sohnes an goldenen Ketten auf.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Not und Leid suchte

Vater und Mutter brachten es nicht übers Herz, sich vom Sohn zu trennen, darum ließen sie nicht die Totenmesse für seine Seele lesen. Sowie die Nacht anbrach, kam der Sohn nach Hause und plauderte mit den Eltern, beim dritten Hahnenschrei aber kehrte er in die Kapelle zurück.

Der Vater hörte nach einer Zeit von einem wunderschönen Zigeunermädchen, und er wollte seinen Sohn mit ihr vermählen. Aber wie sollte er einen Toten vermählen? Der lag tagsüber im Sarg, und nachts schlafen die Zigeuner. Die Eltern überlegten hin und her und kamen auf die Idee, nachts um das Mädchen zu freien.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Not und Leid suchteSie putzten sich heraus, wie es sich für Brautwerber ziemt, flochten Bänder in die Pferdemähnen, behängten ein Bäumchen mit Geldscheinen und goldenen Halsketten, so wie es der Brauch war. Dann fuhren sie los.

Die Eltern der Braut mussten geweckt werden. Sie wunderten sich über die Maßen, dass die Brautwerber in der Nacht kamen. "Was hat es mit Eurem Bräutigam auf sich, dass er nicht am Tage kommen kann?" fragten sie. "Unser Sohn ist ein großer Herr, er besitzt Hunderte von Pferden, da muss er sich regen und rühren: auf die Pferde achtgeben, auf den Markt fahren und Pferde tauschen. Kurz und gut, er hat alle Hände voll zu tun. Wenn Euch also der Bräutigam willkommen ist, müssen wir wohl oder übel des Nachts Hochzeit halten."

Dem Mädchen gefiel der Bursche, und sie willigte ein, seine Frau zu werden. Was half’s, da schickten sich auch die Eltern drein, dass die Hochzeit in der Nacht sein solle. Die Hochzeit ward gefeiert, und die jungen Leute begannen ihr gemeinsames Leben. Aber es war ein wunderliches Leben: Am Tage bekam die Frau ihren Mann nicht zu Gesicht, noch vor dem Hellwerden verabschiedete er sich von ihr und sagte, er müsse seinen Geschäften nachgehen, um Mitternacht aber kam er zurück.

So verging ein Jahr. Eines Tages wollten die Eltern des jungen Mannes in Geschäften verreisen. Sie baten die junge Frau zu sich, und die Mutter sprach zu ihr: "Hier hast du die Schlüssel zu allen Zimmern, zu allen Speichern, allen Vorratskammern und allen Truhen. Es kann ja sein, du brauchst etwas. Nimm dir, was du willst, öffne jede Tür und jedes Schloss. Aber sieh diesen kleinen Schlüssel hier. Mit ihm darfst du nichts öffnen. Sonst geschieht ein Unglück!"

Dann fuhren die Eltern davon.

Da ward das Mädchen von Neugier geplagt. ‘Wie kann das sein?’ dachte sie. ‘Warum darf ich alle Schlösser öffnen, nur nichts mit diesem Schlüssel?’ Und sie begann die Tür zu suchen, die sich mit dem kleinen Schlüssel öffnen ließ. Alle Speicher ging sie ab, probierte alle Schlösser, aber zu keinem passte der kleine Schlüssel. Da streifte sie durch die Umgebung und kam in den Wald. Auf einmal stand sie vor einer goldenen Kapelle, und an der Tür hing ein kleines Schloss. Die junge Frau führte den Schlüssel ins Schloss, und die Tür tat sich auf.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Nod und Leid suchte

Da ging die Zigeunerin hinein und sah unter der Decke einen Sarg an goldenen Ketten hängen, zu ihm hinauf führte eine Leiter. Die Zigeunerin stieg hinauf, blickte in den Sarg und erstarrte: Im Sarg lag ihr Mann und war tot. Da begriff sie, warum die Brautwerber nachts gekommen waren, warum sie nachts Hochzeit gehalten hatten, warum ihr Mann nur nachts zu ihr kam und sich bei Tage nicht sehen ließ.

Sie stieg die Leiter hinab, verschloss die Kapelle und ging nach Hause. Die Schwiegereltern kamen zurück. Aber die junge Frau sagte ihnen kein Wort.

Es wurde Nacht, und wieder kam ihr Mann. "Warum warst du am Tage in der Kapelle? Ich weiß alles. Ich wollte nicht, dass du die Wahrheit erfährst. Nun wirst du mich verlassen, weil du Angst hast, mit einem Toten zu leben."

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"Ich verlasse dich nicht, ich liebe dich und werde immer mit dir leben, doch sollst du mir eine Bedingung erfüllen. Ich habe einen Taufpaten, der kann dich wieder zum Leben erwecken. Widersetz dich dem nicht!"

Aber er wollte nichts davon hören. "Man darf einen Toten nicht zum Leben erwecken. Wenn du zu deinem Paten gehst, dann nimm dich vor mir in acht, ich erwürge dich!" Als die Zigeunerin sah, dass sie ihren Mann nicht überreden konnte, beschloss sie, ihm mit einer List beizukommen.

"Also gut, sei es, wie du willst, ich gehe nicht zu meinem Paten, soll alles beim alten bleiben." Am Morgen jedoch, als ihr Mann beim dritten Hahnenschrei verschwunden war, lief die Zigeunerin zu ihrem Paten und erzählte ihm die ganze Geschichte. "Hilf mir, Pate, ich liebe ihn, und ich will mit ihm leben." "Ich lehre dich, was du tun musst", antwortete der Pate. "Wenn er in der Nacht kommt, musst du ihn packen, solange er lebendig ist, musst ihn binden und in die Kirche bringen, und dort musst du vierzig Tage und vierzig Nächte bei ihm Gebete sprechen. Erst dann erwacht er zum Leben."

Bald bot sich eine günstige Gelegenheit: Die Schwiegereltern fuhren wieder fort, zu entfernten Verwandten. Die Zigeunerin überredete Vater und Mutter, rief ihre Brüder zu Hilfe und führte sie ins Haus ihres Mannes, wo sie ihm einen Hinterhalt legten.

Sowie der tote Zigeuner um Mitternacht erschien, stürzten sich alle auf ihn, banden ihn, warfen ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Leiterwagen und fuhren ihn zur Kirche, wie es der Pate gesagt hatte. Als sie bei der Kirche ankamen, empfing sie schon der Pope.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Not und Leid suchte"Du willst, dass er ins Leben zurückkehre", sagte er zu der Zigeunerin, "also musst du auch selbst die Gebete sprechen." Die junge Frau begann Gebete zu sprechen. Am Tage war alles still und friedlich, aber um Mitternacht erhob sich in der Kirche ein unsägliches Getöse, denn da kamen die Höllengeister hereingeflogen und piesackten die Zigeunerin: grapschten nach ihrem Haar, ihren Händen und Beinen, spuckten ihr ins Gesicht und bewarfen sie mit allem möglichen Unrat. Sie hielt es kaum aus bis zum Morgen, aber als der Hahn zum drittenmal krähte, waren die Höllengeister wie weggeblasen.

"Das ertrage ich nicht!" sagte die Zigeunerin am Morgen unter Tränen zum Popen. "Das war nur der erste Tag, aber wie wird es weitergehen?" Und sie erzählte ihm, was ihr in der Nacht widerfahren war.

"Gräme dich nicht, mein Kind, ich lehre dich, was du tun musst", antwortete der Pope. "Zieh einen Kreis um dich, wo du stehst, und schlage darüber ein Kreuz, damit der Teufel keinen Zugang findet." Das tat sie dann auch. In der folgenden Nacht wurde es leichter. Die Höllengeister kamen nicht an die Zigeunerin heran, wie sehr sie sich auch mühten, der Kreis hielt sie ab.

So sprach sie Gebete, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Aber ihre Kräfte ließen immer mehr nach. Endlich brach die letzte Nacht an. Der jungen Frau fielen die Augen zu. Da hielt sich ihre Hand in die Flamme der Kerze. Unerträglicher Schmerz durchfuhr sie, dafür aber war der Schlaf wie weggeblasen. Sie sprach die Gebete ein letztes Mal, und am Morgen erwachte ihr Mann zum Leben.

pixelio.de - Wie ein Zigeuner Not und Leid suchte

Sie lebten noch lange in Liebe und Eintracht.

Verwendete Bilder sind von:
© Maren Beßler/PIXELIO (Bild 1)
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Wie der Teufel den Zigeuner auf seinen Platz stellen wollte – ein Zigeunermärchen

Samstag, Oktober 3rd, 2009

 

Es lebte einmal ein Zigeuner. Der war viel in der Welt herumgekommen und hatte gar manches gesehen, so dass er sich vor nichts mehr fürchtete. Und er hatte Reckenkräfte. Ganz allein ging er auf den Bären los und stach ihm das Messer bis ans Heft in die Kehle. Aber auch die Bären hatten mit Krallen Spuren auf dem Zigeuner hinterlassen: ganz zerfurcht von Narben war sein Körper.

Der Zigeuner sah schwarz und furchteinflößend aus wie ein Teufel. Nur dass er keine Hörner hatte. Im Alter gab er sein Nomadenleben auf und siedelte sich am Rande eines Dorfes an. Die Bauern hatten Angst vor ihm und mieden sein Haus. Nur selten besuchten ihn einmal Verwandte.

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollte

Eines Tages beschloss der alte Zigeuner, das Badehaus zu heizen. Er schleppte Wasser vom Fluss, machte Feuer, setzte sich auf die Bank und begann zu schwitzen. Es ging aber schon auf Mitternacht. Der Zigeuner schwitzte und schwitzte und schlug sich mit Birkenreisern über Rücken und Seiten. Da hörte er mit einemmal Schritte, und jemand sagte: "Los, rück beiseite!"

Der Zigeuner rückte beiseite, denn er dachte, ein Verwandter sei gekommen. In dem dichten Dampf war ja nichts zu erkennen. "Setz dich", sagte der alte Zigeuner einladend, "ich habe dir Platz gemacht." "Aber nein, rück ans Fenster", sprach die unbekannte Stimme wieder. "Hast du denn nicht genug Platz?" wunderte sich der alte Zigeuner, rückte aber näher ans Fenster.

"So ist es gut. Und nun bearbeite mich mit den Birkenreisern! Ach, ich sitz so gern im Schwitzbad!" "Wo bist du denn?" fragte der alte Zigeuner. "Ich kann dich im Dampf gar nicht sehen." "Hier bin ich, hier, ich sitze auf der Bank." Da griff der Alte zu den Birkenreisern und schlug drauflos, wusste aber nicht, wen er schlug. "Nun ist’s genug, Alter, wirf Kohle nach, mach mehr Dampf!"

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollte

Da wurde der alte Zigeuner böse: "Wenn du das willst, dann steh auf, ich habe keine Kraft mehr. Du bist ja wohl auch jünger als ich." "Hihi!" kicherte die Stimme. "Jünger? Ich bin genauso alt wie du." Der alte Zigeuner fragte aufgebracht: "Wo steckst du eigentlich? Warum sehe ich nicht dein Gesicht?"

"Wozu willst du mein Gesicht sehen? Ich bin dein Doppelgänger." "Was denn für ein Doppelgänger?" rief der Zigeuner verwundert und fluchte. Aber der neben ihm saß, brach in solches Gelächter aus, dass die Wände wackelten. Da begriff der Zigeuner, dass die Sache nicht geheuer war. Als er sich bückte, um die Holzkohle zu schüren, sah er, dass auf dem Wasserkessel jemand saß, und direkt vor seiner Nase baumelten Füße, nein, keine Füße, sondern Hufe!

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollte"Sachte, Alter, sachte, stoß mir nicht die Beine!" Da hob der Zigeuner den Kopf und erblickte den Teufel. Der saß da, ein kleines Kerlchen, hatte den Schwanz über die Schulter geworfen, und auf seinem Kopf spießten Hörner. Er streckte die Zunge heraus und schnitt Grimassen. Wirklich, ein leibhaftiger Teufel! Und sein Gesicht sah haargenau so aus wie das des Zigeuners.

"Ich habe gehört, du bist ein starker Mann." "Willst du vielleicht meine Kraft erproben?" fragte der alte Zigeuner. Der Teufel antwortete ihm: "Erproben oder nicht, ich will dich ordentlich zum Schwitzen bringen. Erst hast du mir eingeheizt, jetzt will ich dir einheizen." "Dein teuflisches Einheizen kenn ich. Na, dann los, der Teufel soll dich holen!"

Da sprang der Teufel dem Zigeuner auf die Schultern und jagte ihn durchs Badehaus. Wo er ihn nicht überall hinscheuchte: in den Schornstein, unter die Bank, und beinah hätte er ihn ins Feuer geschubst. Der alte Zigeuner wollte ihn abwerfen, aber der Teufel hatte sich festgekrallt und ließ sich nicht abschütteln.

Endlich hatte der Teufel genug von der wilden Jagd und sagte: "Los, Alter, wir wollen unsere Kräfte messen! Du bist doch stark. Oder stimmt das vielleicht nicht?" Der Zigeuner knirschte mit den Zähnen. Er wollte dem Teufel gar zu gern einen Denkzettel verpassen. "Na gut, messen wir unsere Kräfte. Aber hier ist es zu eng. Gehen wir hinaus auf die Lichtung."

Dem Teufel war es recht. Sie gingen auf die Lichtung und begannen miteinander zu kämpfen. Zuerst sah es ganz harmlos aus, aber dann kamen sie ordentlich in Hitze. Der Teufel zerkratzte und zerschrammte mit seinen Krallen den Rücken des Zigeuners. Gegen Morgen schwanden dem alten Mann die Sinne. Da riss ihm der Teufel einen Zahn aus und sprach: "Na also, nun weißt du, was es heißt, mit mir zu kämpfen. Deinen Zahn nehme ich als Anzahlung. Fortan wirst du mein Knecht sein, solange du lebst."

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollteDer Teufel bohrte mit der Kralle ein Loch in den Zahn, zog ein Pferdehaar hindurch und hängte ihn sich um den Hals. Da krähten zum drittenmal die Hähne. "Na, dann bleib gesund, Alter, wir sehen uns bald wieder", sprach der Teufel und war verschwunden.

Lange lag der alte Zigeuner bewusstlos, so schlimm hatte ihn der Teufel zugerichtet, und als er wieder zu sich kam, kroch er zum Fluss, um sich zu erfrischen und sein Äußeres in Ordnung zu bringen.

Der Zigeuner erzählte niemandem, was ihm in der Nacht widerfahren war, schwor sich jedoch, nie wieder das Badehaus zu betreten. Der Teufel aber ließ ihn nicht in Ruhe. Hatte er Gefallen an dem Zigeuner gefunden? Oder waren sie vielleicht wirklich Doppelgänger? So oder anders, kaum wurde es Nacht, erschien der Teufel im Haus des alten Zigeuners. Sie saßen beisammen, tranken Tee und spielten Karten, und ihre Feindschaft schien begraben.

Einmal schlug der Teufel dem Zigeuner vor: "Wollen wir nicht um etwas spielen? Wenn du gewinnst, erfülle ich dir einen Wunsch, wenn ich gewinne, erfüllst du mir einen Wunsch." Sie spielten und spielten. Zu guter Letzt überlistete der Teufel den Zigeuner und gewann. "Zum Teufel mit dir!" Der alte Zigeuner runzelte die Stirn in Erwartung einer üblen Sache. "Sag deinen Wunsch."

"Ach, du unverständiger Zigeuner, du wirst mir dein Lebtag dankbar sein für meinen Wunsch. Nimm einen Spaten und komm mit in den Wald." "Was wollen wir dort?" fragte der Zigeuner argwöhnisch. "Nimm den Spaten und stell keine Fragen. Du hast gegen mich verloren, also tu, was dir befohlen wird. Und lass das Gerede!"

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Was half’s. Der Zigeuner zog sich an, nahm den Spaten und folgte dem Teufel. Sie gingen durch einen  Wald, überquerten ein Flüsschen, durchschritten eine Schlucht und gelangten wieder in einen Wald. Endlich kamen sie auf eine Lichtung. Mitten auf der Lichtung stand ein Brunnen. Der Teufel blieb stehen und sprach: "Steig in den Brunnen, Alter, und grabe dort. Was du findest, gehört dir."

Da stieg der Zigeuner in den Brunnen und begann zu graben. Kaum hatte er etwas Erde weggekratzt, da sah er Goldmünzen. Der Zigeuner stopfte sich die Taschen voll, der Teufel aber lachte. "Nimm nur, nimm dir noch mehr, ich geb’s dir gern." Von da an schwamm der Zigeuner im Geld. Er baute sich ein neues Haus, kaufte sich ein gutes Pferd, kurzum, er lebte und war guter Dinge. Jede Nacht ging er mit dem Teufel zu dem geheimnisvollen Brunnen und grub nach Geld.

Nachts grub er, und am Tage schlief er. Da hatte er eines Tages einen Traum. Er sah den Teufel und dessen Großmutter. Sie unterhielten sich. "Was ist, wird der Zigeuner bald deinen Platz einnehmen?" fragte des Teufels Großmutter. "Heute nacht wird er die Pfeife ausgraben", antwortete der Teufel.

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollte "Sowie er die Pfeife raucht, ist er bis zum Tode an den Brunnen gefesselt. Hörner werden ihm wachsen und Hufe. Und im Gesicht ist er mir ja so ähnlich, dass niemand uns unterscheiden kann." "Ich verstehe dich, mein Enkel, es hängt dir zum Halse heraus, diesen verfluchten Brunnen zu bewachen."

Der Zigeuner wachte schweißgebadet auf und dachte: Ha, ihr Gehörnten, ihr wollt mich übers Ohr hauen? Na, wartet nur, ich kriege euch! Es wurde Nacht. Wieder holte der Teufel den Zigeuner ab, und sie gingen zu dem Waldbrunnen. Der Zigeuner ließ sich an einem Seil hinab. Es war aber noch keine Minute vergangen, als er wieder herausstieg.

"Was ist passiert?" fragte der Teufel. "Denk mal an, mein Lieber! Da grab ich wohl schon einen Monat, und nun ist das Seil nicht mehr lang genug." Der Teufel wurde nachdenklich. "Was machen wir da?" "Ganz einfach: Nimm das Pferdehaar vom Hals, das knüpfen wir an das Seil, dann reicht es."

Der Teufel warf einen Blick auf den Zigeuner, ob er nicht was im Schilde führte, aber der alte Mann stand mit einfältiger Miene da und kaute an einem Grashalm. "Was ist, wollen wir es anknüpfen oder nach Hause gehen?" fragte der Zigeuner. "Sonst stehen wir noch hier, bis zum drittenmal der Hahn kräht."

"Na schön, knüpf es an, der Teufel soll dich holen", sagte der Teufel wütend und nahm das Pferdehaar vom Hals. Der Zigeuner knüpfte das Pferdehaar an das Seil und stieg wieder in den Brunnen. Beim ersten Spatenstich erblickte er eine Pfeife, aber es war keine gewöhnliche Pfeife. Sie hatte die Form eines Teufelkopfes. Als Augen waren Edelsteine eingesetzt, die glühten wie Feuer, und die ganze Teufelsfratze schien schlau zu lächeln. Der Zigeuner nahm die Pfeife und stieg nach oben.

"Schau, was ich gefunden habe." "Ei, wie schön, die kommt uns gerade zupass!" rief der Teufel erfreut. "Du bist doch bestimmt müde. Legen wir erst einmal eine Rauchpause ein." "Nun ja, warum nicht", stimmte der Zigeuner zu. Er zündete ein kleines Feuer an. Sie setzten sich davor und stopften Tabak in die Pfeife.

"Nur zu, Zigeuner, nimm den ersten Zug." Der Zigeuner streute unauffällig Birkenmulm über den Tabak und zündete ihn an. Er brannte und glimmte, aber der Zigeuner tat nur so, als ob er rauchte.

pixelio.de - Wie der Teufel den Zigeuner auf seine Platz stellen wollte

"Oha, ein kräftiger Tabak." Der Zigeuner hustete. "Rauch du weiter, Teufel, ich muss erst mal nach Luft schnappen." Der Teufel nahm die Pfeife und sagte: "Also gut, Zigeuner, jetzt kann auch ich mir den Tabak zu Gemüte führen!" Er lachte und rauchte in tiefen Zügen.

"Du freust dich zu früh!" rief da der alte Zigeuner. "Du wolltest mich übers Ohr hauen, aber du hast dich verrechnet." Er packte den Teufel und band ihn mit dem Seil an den Brunnen. Dann zog er seinen Zahn von dem Pferdehaar und warf ihn ins Feuer. Der Zahn flammte auf, und im selben Moment war der Brunnen mitsamt dem Teufel verschwunden. Der Zigeuner blickte sich um, da war er bei sich zu Hause.

Seitdem bekam er den Teufel nie wieder zu Gesicht.

Verwendete Bilder sind von:
© bretagne_32/PIXELIO (Bild 1)
© Robert Babiak/PIXELIO (Bild 2)
© Martina Kullmann/PIXELIO (Bild 3)
© Klausi/PIXELIO (Bild 4)
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© Ernst Rose/PIXELIO (Bild 6)
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www.pixelio.de
 

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Wie sich die Zigeuner über die Welt verstreuten – ein Zigeunermärchen

Donnerstag, Oktober 1st, 2009

 

pixelio.de - Wie sich die Zigeuner über die Welt verstreutenEs ist nun schon sehr lange her, da war ein Zigeuner mit seiner Familie unterwegs. Sein schwächliches, klapperdürres Pferd musste einen vollbeladenen Leiterwagen ziehen, denn der Zigeuner hatte eine große Familie, eine ganze Schar Kinder. Wie sollte er sie alle satt bekommen? Auch das Pferd wollte fressen, aber nirgends war Heu zu ergattern.

Der Zigeuner musste stehlen, doch das klappte nicht immer. So zog er durch die Welt und litt große Not. Auf dem Wagen durften nur die kleinen Kinder sitzen, sonst hätte sich das Pferd nicht mehr von der Stelle gerührt. Wer älter war, musste hinter der Fuhre hergehen. Der Wagen war so überladen mit Hausrat und Kindern, dass er schwer zu lenken war. Er schwankte mal nach links, mal nach rechts, mal fiel ein Topf herunter, mal ein barfüßiges Kind.

Bei Tage, wenn alles gut zu sehen war, sammelte der Zigeuner Topf und Kind wieder ein, im Dunkeln aber konnte er nicht alles im Auge behalten. Wie sollte er auch bei den vielen Kindern? Er wäre mit dem Zählen gar nicht nachgekommen. Also gab er dem Pferd die Peitsche und ging immer geradeaus.

Und so geschah es denn: Da blieb ein Kind zurück, dort ein zweites. Der Zigeuner durchstreifte die ganze Welt, fuhr kreuz und quer durch alle Länder, und überall hinterließ er Kinder.

Seit damals haben sich die Zigeuner über die ganze Welt verstreut.

Verwendetes Bild ist von:
© Ingrid Ruthe/www.pixelio.de

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